Filmtipps zum Thema „Mensch und Tier“

Marion Wiemann

Das Verhältnis von Mensch und Tier ist Gegenstand des philosophischen Diskurses seit der Antike. Ursprünglich wurde dem Tier dabei durchgängig ein niederer (Stellen-)Wert im Vergleich zum Menschen eingeräumt. Begründet wurde dies u.a. mit dem biblischen Schöpfungsmythos und der daraus resultierenden Sonder- bzw. „Höherstellung“ des Menschen. Da das Tier als minderwertig angesehen wurde, stellte man es in Konsequenz den Dingen gleich (vgl. Aristoteles, Descartes, Kant). Diese Sichtweise auf die Tiere hat sich erst spät geändert. Haltungen, die demgegenüber die Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier betonen, leiten daraus eine Gleichwertigkeit ab, die sich auf die Leidensfähigkeit der Tiere oder ihren Lebenswillen beruft (vgl. Bentham, Schweitzer).

Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier ist sehr widersprüchlich. In westlichen Gesellschaften wird der Hund gerne als „bester Freund“ bezeichnet, mit ähnlich großer Zuneigung widmet man sich Katzen, Ziervögeln oder Schildkröten. In Deutschland lebt in jedem dritten Haushalt ein Tier. „Nutztiere“ wie Kühe, Schweine und Hühner werden dagegen unter Bedingungen gehalten, die Tierschützer grausam nennen.

Dürfen wir Tiere, die uns weniger intelligent oder weniger schön erscheinen, schlechter behandeln als scheinbar intelligentere Tiere, die uns näherstehen? Dürfen wir Tiere essen, sie in Zoos und Zirkussen präsentieren? Diese Fragen sind angesichts von Massentierhaltung, Tierwohllabeln, Gentechnik und Artensterben zentrale Themen in der gesellschaftspolitischen Diskussion.

Im Folgenden werden Filme vorgestellt, die sich unter verschiedenen Aspekten mit der Beziehung zwischen Mensch und Tier beschäftigen.

 

01 Tierethik

Bertram Verhaag, Deutschland 2014

24 Min., Dokumentarfilm

FSK Lehrprogramm gemäß § 14 JuSchG

Geeignet ab 14 Jahren

Der Film reflektiert die moralischen Fragestellungen, die sich aus der Beziehung zwischen Mensch und Tier ergeben. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwieweit Tiere für menschliche Interessen genutzt werden dürfen. Mit dem Theologen Dr. Rainer Hagencord und dem Landwirt Karl Ludwig Schweisfurth werden zwei Kritiker der Massentierhaltung porträtiert, die zu jeweils unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangen. Straßeninterviews ergänzen das breite Spektrum an Meinungen zum Thema Tierethik. Darüber hinaus werden unterschiedliche tierethische Positionen und ihre praktischen Konsequenzen dargestellt.

Die Aussagen von Dr. Rainer Hagencord und Karl Ludwig Schweisfurth sowie die Statements der Passanten sind als Sequenzen verfügbar. Anders als im Film wurden sie hier thematisch gebündelt, um die Arbeit im Unterricht zu erleichtern und eine gezielte Beschäftigung mit den einzelnen Aussagen zu ermöglichen.

Der Film und das Begleitmaterial regen dazu an, eigene Einstellungen und Gewohnheiten zu hinterfragen und eine bewusste Haltung im Umgang mit Tieren einzunehmen.

Der Film eignet sich für den Einsatz an allgemeinbildenden Schulen ab Klasse 8, für die Jugend- und Erwachsenenbildung.

 

02 More Than Honey

Markus Imhoof

Deutschland / Österreich / Schweiz 2012

94 Min., Dokumentarfilm, FSK 6

Geeignet ab 14 Jahren

Eines der wichtigsten Naturwunder unserer Erde schwebt in höchster Gefahr: die Honigbiene. Das fleißigste aller Tiere, das verlässlich von Blüte zu Blüte fliegt, verschwindet langsam. Es ist ein mysteriöses Sterben, das weltweit mit Sorge beobachtet wird. Denn ein Leben ohne die Biene ist undenkbar. Sie ist die große Ernährerin der Menschen. Aber ihr wird heute Großes abverlangt: Der weltweite Bedarf an Naturprodukten ruht auf ihren zierlichen Flügeln. Zwischen Pestiziden, Antibiotika, Monokulturen und dem Transport von Plantage zu Plantage scheinen die Königinnen und ihre Arbeiterinnen ihre Kräfte zu verlieren. Der Film entführt in das faszinierende Universum der Bienen.

Markus Imhoofs Dokumentarfilm ist weit mehr ist als nur ein „Erklär-Film“ über eine Tierart. Die beeindruckenden Bilder ziehen die Zuschauenden sofort in ihren Bann und erzeugen Nähe und Empathie. Geschickt verbindet der Filmemacher zahlreiche Fakten über das Leben der Bienen mit einer globalen konsum- und kapitalismuskritischen Sichtweise. Bei dem mysteriösen Sterben geht es eben nicht nur um Honig. Es geht um mehr: Es geht um den Menschen, um seine Beziehung zur Umwelt, um die Gier nach stetigem Wachstum – und schließlich auch um die wundersame Kraft der Natur, die diesem vielleicht doch noch etwas entgegenzusetzen weiß. Und sei es nur durch eine neue Bienenart, die mit dramatisierenden Worten wie Killerbienen beschrieben wird.

Dieser Film ist für alle Schularten ab der 8. Klasse geeignet, besonders aber auch für die gemeindliche Bildungsarbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen.

 

03 Yaayboy –  Vom Fischen im Trüben

Peter Heller, Bernhard Rübe, Deutschland 2012

25 Min., Dokumentarfilm

FSK Lehrprogramm gemäß § 14 JuSchuG

Geeignet ab 14 Jahren.

Yaayboy werden im Senegal jene Fische genannt, die nach dem Abfischen der ausländischen Trawler für die lokalen Fischer übrig bleiben. Der Film gibt Einblicke in die komplexen Ursachen der Überfischung afrikanischer Gewässer und zeigt die vielfältigen Auswirkungen auf die Bevölkerung. Der Mangel an Fisch bedingt einen Rückgang an Arbeitsplätzen … die jungen Menschen suchen ihr Heil in Europa. Doch nun beginnen immer mehr Menschen damit, gemeinsam ihre Interessen zu organisieren, sowohl gegen die Regierung als auch durch eigene Initiativen: durch die Regulierung von Ausfahrten der Fangboote oder durch die Einrichtung und Überwachung der küstennahen Schutzzonen für Jungfische. Gemeinsam fordern sie, den illegalen Fischfang zu beenden und die Fangquoten, die an die industriellen Fangflotten verkauft werden, stark einzuschränken.

Yaayboy kann in Oberschulen und Gymnasien eingesetzt werden, vor allem bei älteren Schüler*innen des Sekundarbereichs II und in Berufsschulen. Für die Erwachsenenbildung und die entwicklungsbezogene Bildungsarbeit ist der Film besonders gut geeignet.

 

04 Im letzten Sommer

Gustav Danielsson, Schweden 2012

15 Minuten, Kurzspielfilm

FSK 12

Geeignet ab 14 Jahren

Eine Familie erholt sich mit Freunden in den Sommerferien an einem See in Schweden. Im Mittelpunkt steht der Vater mit Leo, dem zehnjährigen Sohn. In sechs Episoden geht es (unter anderem) um das angemessene Verhalten gegenüber Tieren. In jeder Episode stehen Vater und Sohn in Konflikt miteinander und stellen sich gegenseitig mit ihrem Verhalten und ihren Standpunkten in Frage. Der Vater will Leo einen friedfertigen und behütenden Umgang mit ihnen beibringen, während Leo experimentierfreudig ist und seine Macht über andere Lebewesen austestet.

Durch die unterschiedlichen Verhaltensweisen von Vater und Sohn im Umgang mit Tieren wirft der Film wichtige tierethische Aspekte auf: Tierliebe, Tierquälerei, Tierschutz, Vegetarismus, Verantwortung für unsere Mitgeschöpfe (Schöpfungsordnung). Was dabei jeweils als richtig oder falsch betrachtet werden muss, ist in allen Fällen nicht von vornherein klar und gibt Gelegenheit zu kontroversen Diskussion.

Diesen Film sollte man unbedingt vorher sichten, denn einige Tiertötungsszenen (Episode 4 und 6) wirken sehr realistisch, auch wenn bei der Produktion des Films natürlich keine Tiere zu Schaden gekommen sind.

Der Film ist episodenhaft angelegt: Die Ameisen. Die Wespe. Der Flussbarsch. Die Maus. Die Fliege. Die Möwe. Daher ist auch ein selektives Vorgehen denkbar. Grundsatzfragen stellen sich in jeder der Episoden, sodass genügend Diskussionsstoff zu tierethischen Themen vorhanden ist.

Der Film ist einsetzbar im Religions- und Ethikunterricht ab dem 7. Schuljahr, im Konfirmandenunterricht und der Jugendarbeit sowie in der Erwachsenenbildung.

 

05 Nutzloser Hund – Useless Dog

Ken Wardrop, Irland 2004

6 Min., Dokumentarfilm

FSK Lehrprogramm gemäß § 14 JuSchuG

Geeignet ab 10 Jahren

Ein irischer Bauer macht sich Gedanken über seinen nutzlosen Hütehund Guinness. Statt Schafe zu hüten, läuft sie vor ihnen weg und verschläft den Rest des Tages. Der Bauer akzeptiert seine Hündin, so wie sie ist.

Der Film befasst sich mit einer wesentlichen Grundrage des Daseins: Wie kann man den Nutzen eines Lebewesens bewerten bzw. ist ein Lebewesen nur etwas wert, wenn es einen konkreten, messbaren Nutzen hat? Dabei schwingt auch die Frage mit: Müssen Tiere immer einen Zweck haben? Sieht man Guinness als reines Nutztier mit der Aufgabe, Schafe zu bewachen, ist sie tatsächlich nutzlos, da sie den angedachten Zweck offensichtlich nicht erfüllen kann oder will. Trotzdem ist der Bauer ihr nicht böse. Er versucht nicht, ihren Willen mit Gewalt zu brechen und respektiert ihren Wert als Mitgeschöpf. Sie gehört einfach zu seinem Leben dazu und er freut sich an ihr. Fazit: Wer als Nutztier nutzlos ist, muss es nicht auch als Haustier sein.

Dieser vielschichtige Film ist breit einsetzbar im Unterricht ab der Grundschule, in der Gemeinde und in Institutionen der Fort- und Weiterbildung.

 

06 Frankfurter Str. 99A

Evgenia Gostrer, Deutschland 2015

4 Min., Trickfilm

FSK Lehrprogramm gemäß § 14 JuSchuG

Geeignet ab 12 Jahren

Der Arbeitsalltag eines Müllmanns und dessen mittägliche Begegnung mit einer Katze, mit der er gemeinsam seine Pause verbringt.

Die Filmemacherin Evgenia Gostrer erzählt in nur vier Minuten auf bezaubernde und innovative Weise die Geschichte einer ganz großen Freundschaft zwischen Mensch und Tier, die zuweilen auch therapeutische Funktionen hat. So sorgt die tägliche Wiederkehr des Katers zur Mittagspause für Glücksmomente im sonst eintönigen Alltag des Müllmannes. Weiterhin ließe sich mit diesem Film auf die Schöpfungsgeschichte zurückgreifen unter der Fragestellung: Welche Rolle spielen Tiere bei der Bewahrung der Schöpfung?

Der Film ist schulartübergreifend ab dem Sekundarbereich I einsetzbar, aber auch in der außerschulischen Bildungsarbeit.

 

07 Bob, der Streuner

Roger Spottiswoode, Großbritannien 2016

103 Min., Spielfilm, FSK 12

Geeignet ab 14 Jahren

London: James, Straßenmusiker und Ex-Junkie, lebt mehr schlecht als recht von spärlichen finanziellen Mitteln in einer kleinen Sozialwohnung. Als er jedoch eines Abends einen verletzten Kater in seiner Wohnung vorfindet, scheint er sein tierisches Ebenbild zu treffen. James beschließt, den aufgeweckten Kater Bob zu nennen und aufzupäppeln, um ihn dann seiner Wege gehen zu lassen, doch Bob hat seinen eigenen Kopf und denkt gar nicht daran, James zu verlassen. Er folgt ihm auf Schritt und Tritt. Mit der Zeit werden die beiden unzertrennliche Freunde und schaffen es, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. – Nach der Autobiografie von James Bowen.

In dem sozialkritischen Film wird die glaubwürdig vermittelte Mensch-Tier-Beziehung zum Vehikel für die Botschaft: Freunde, ob nun Katze, Hund, Mensch oder ein anderes Lebewesen können das eigene Leben positiv beeinflussen und Kraft geben, wenn man selbst keine Kraft mehr findet. Sie haben sozusagen eine therapeutische Funktion.

Bob wird unter anderem von dem echten Bob dargestellt, dessen entwaffnendem Charme man sich einfach nicht entziehen kann, auch weil der Regisseur immer wieder auf den inszenatorisch spannenden Kniff zurückgreift, die Perspektive Bobs einzunehmen. Das Spiel zwischen Mensch und Katze wirkt dadurch natürlich, liebevoll und ungezwungen und dadurch komplett authentisch. Es ist kein Schmusefilm einer kitschigen Mensch-Tier-Freundschaft oder einer Vermenschlichung der Tiere wie so viele andere Tierfilme. – Bereits 2009 gab es einen ähnlichen Film, „Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“, in dem es ebenfalls um die wahre Beziehung zwischen Mensch und Tier ging.

Da in dem Film auch einige schwer erträgliche Szenen vorkommen (z.B. während des Drogenentzugs), sollt man ihn erst ab 14 Jahren zeigen.

Der Film ist schulartübergreifend geeignet für den Religionsunterricht in den Sekundarbereichen I und II, vor allem aber in der gemeindlichen Jugendarbeit.

 

08 Hördur

Zwischen den Welten

Ekrem Ergün, Deutschland 2015

83 Min., Spielfilm, FSK 6

Geeignet ab 12 Jahren

Nach dem Tod ihrer Mutter ist der Alltag der Deutschtürkin Aylin von Pflichten bestimmt: Sie muss sich um ihren kleinen Bruder kümmern, einkaufen, kochen, waschen und Vater Hassan entlasten, der verzweifelt versucht, als Tagelöhner seine Familie durchzubringen. Niemand nimmt wahr, wie es ihr geht. In der Schule wird das verschlossene Mädchen als „Psycho“ gegängelt und gemobbt. Nach einer Schlägerei auf dem Schulhof wird Aylin zu 50 Sozialstunden auf einem Reiterhof verdonnert. Dort macht sie Bekanntschaft mit dem wilden Islandpferd Hördur. Aylin fühlt sich magisch von Hördur angezogen und entdeckt dabei ihre besondere Gabe und Leidenschaft für das Reiten. Auf dem Rücken des Pferdes gewinnt Aylin wieder Selbstbewusstsein, sowohl ihrem Vater als auch ihren Mitschüler*innen gegenüber.

Hördur ist ein bewegendes Coming-of-Age-Drama, in dem ein junges Mädchen dank der Liebe zu den Pferden und dem neu erworbenen Gefühl der Freiheit auf dem Rücken von Hördur zu sich selbst findet.

Islandpferde sind eine besonders starke, selbstständige und widerstandsfähige Pferderasse. Und der Name Hördur wurde auch bewusst gewählt: Er kommt aus der germanischen Sprache und bedeutet übersetzt „Krieger“. So wird Hördur zum Sinnbild des Kampfes, den Aylin täglich ausficht. Eine Metapher für einen Kampf gegen festgeschriebene Werte und auch gegen Erniedrigung im Umfeld Aylins und ihres Vaters. Das Pferd dient als Spiegel für Aylins innere Welt: die Unruhe, die sie in sich trägt, und die Suche nach eigener Identität und Freiheit. Sie erlebt, wie das Pferd vorurteilsfrei auf sie reagiert und den Kontakt beim Einfangen, Putzen und schließlich Reiten zulässt, erfährt dadurch sowohl Nähe zu einem ganz anderen Lebewesen als auch zu sich selbst und ihrer Lebensrealität. Der Spielfilm ist vor allem in der Jugendarbeit gut einsetzbar.

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Alle hier beschriebenen Filme können in der Medienarbeit im Haus kirchlicher Dienste (Tel: 05 11 / 12 41 - 5 01 / -4 03) entliehen werden. Für einige gibt es auch eine Downloadfunktion. Recherche und Download sind unter www.medienzentralen.de möglich.

 

Marion Wiemann ist Referentin für Bücherei- und Medienarbeit im Haus kirchlicher Dienste, Hannover.