AKTUELL

Gottes Menschenwort

von Eckart Reinmuth

Im wohl ältesten Text des Neuen Testaments schreibt Paulus seinen Adressaten, dass sie seine mündliche Verkündigung nicht als Wort menschlicher Erfindung empfangen, sondern es als Gotteswort angenommen hätten (1Thess 2,13). Mit dieser Unterscheidung setzt sich der reisende Missionar von der konkurrierenden Praxis öffentlich agierender Philosophen und Lehrer ab. Er versteht seine Predigt nicht als „Menschenwort“ in dem Sinne, dass sie vielleicht aufgrund ihrer ausgefeilten Rhetorik überzeugt hätte. Warum überhaupt diese Unterscheidung? Ihr geht es nicht um eine gleichsam gegenständliche Unterscheidbarkeit von Gottes- oder Menschenwort – dann wäre der Differenzierungsversuch des Paulus überflüssig. Es geht vielmehr darum, angesichts der offenkundigen Möglichkeit, Gottes- und Menschenwort zu verwechseln, die eindeutige Urheberschaft dessen, was Paulus den Adressaten gesagt hatte, hervorzuheben. Das Neue Testament lässt von Beginn an erkennen, dass das Wort Gottes sich in mündlicher Kommunikation ereignet, und es kalkuliert die Möglichkeit ein, dass das Gottes- mit dem Menschenwort verwechselt werden kann.

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Gemeindepädagogik als Profession und Dimension kirchlichen Handelns

von Nicole Piroth

Am ehesten denken viele Menschen bei der Frage nach dem pädagogischen Handeln der Gemeinde an die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Fragt man sie danach, was man in einer Gemeinde lernen kann, dann denken sie meist an den Konfirmandenunterricht – als jene Veranstaltung, die ausdrücklich zum Ziel hat, Jugendlichen Wissen über Glaube und Kirche zu vermitteln. Daneben kommen Gemeinden mit ihren Kindergärten, Kindergruppen oder Jugendtreffs auch als ein sozialer Lernort für Heranwachsende in den Blick. 

Für sich selbst sehen Erwachsene in Gemeinde meist keinen Lernort. Und mit beiden Teilen der Begriffslegierung Gemeinde und Pädagogik kann sich eine Art ‚doppelter Vorbehalt‘ verbinden. Insbesondere kirchendistanzierte Menschen verbinden mit dem Begriff ‚Gemeinde‘ eher Negatives, ein 36-jähriger Konfessionsloser äußert: „Ich hab‘ also immer bei Kirchens so’n bisschen meine Berührungsängste und dann denk ich, na ja, auf Predigten hab ich jetzt nicht unbedingt die Lust“.  Und manche befürchten, in Veranstaltungen zu geraten, „wo man so missioniert wird“. Hier werden mit dem kirchlichen Kontext eine nicht gewollte kirchliche Belehrung und Einflussnahme verbunden.

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PRAXIS

Schulseelsorge in Zeiten sozialer Distanz

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Von Bettina Wittmann-Stasch

Das Coronavirus mit seinen vielfältigen Auswirkungen auf den Schulalltag wie Homeschooling in all seinen Facetten auf der einen und Klassenteilungen, neuen Lerngruppen, „Brennglas-Didaktik“ und Abstandsregeln im analogen Schulbetrieb auf der anderen Seite – stellt uns vor neue Herausforderungen.

Es ist nicht einfach, von zu Hause aus diese Art Unterricht zu denken, erst recht nicht, wenn die eigenen Kinder noch klein sind, unter der Kontaktarmut leiden und/oder selbst Unterstützung bräuchten bei der Bearbeitung von Aufgaben, die sie zugeschickt bekommen.

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Produktive Fremdheit? Zum Potenzial performativer Didaktik in interkultureller und interreligiöser Perspektive

Foto: Anton Gofman, Pixabay

Von Silke Leonhard

Vor kurzem habe ich in einer Seminartagung TRIMUM kennengelernt – ein Projekt zum interreligiösen Musizieren mit Stimmen und Klängen aus verschiedenen Religionen und Kulturen. Interkulturell war in diesem Zusammenhang vor allem die Mixtur unterschiedlich gewachsener religiöser Musikstile: Das Singen und Hören der Mischung fremder und vertrauter Klänge aus den drei Religionen Christentum, Judentum und Islam versetzte uns in eine eigenartig angeregte Stimmung und sorgte bei mir für wachsendes Interesse an einem besonderen Modus der Wahrnehmung von Fremdem.

Der Umgang mit Fremdheit – und ihrer Angst davor – spielt eine große Rolle für die Gestalt(ung) unseres Landes und unserer Gesellschaft und Kirche; Xenophobien senken die Schwelle zu radikalen Einstellungen und Überzeugungen. Performative Religionsdidaktik, die nach wie vor breit rezipiert und kritisch diskutiert wird, hat in sehr unterschiedlichen Facetten Zugänge zu Religion geprägt, die Wahrnehmung, Inszenierung und Gestaltung in den Mittelpunkt stellen. Die Frage, wie weit das Potenzial performativen Lernens und Lehrens auch in Bezug auf interreligiöse Zusammenhänge und eine pädagogische Kultur der Anerkennung in Schule – und letztlich auch in Bezug auf Öffnungen von Gemeinde – reicht, ist eine der gegenwärtigen Herausforderungen.

Inspiriert von der religionsästhetischen Wirkung der Arbeit mit TRIMUM, will ich auf der Grundlage phänomenologischer Gedanken zu Fremdheit auf die benannte Herausforderung mit einigen Gedanken zum Weiterdenken performativer Religionsdidaktik antworten.

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Digitale Ideen für einen abwechslungsreichen Religionsunterricht in Corona-Zeiten

Foto: Tomasz Mikołajczyk, Pixabay

Von Dirk Bischoff und
Michaela Veit-Engelmann

Nach einer in der Geschichte der BRD einmaligen Zwangspause hat der Schulunterricht wieder begonnen. Doch die Hoffnung, dass es sich dabei um den ersten großen Schritt in Richtung schulischer Normalität handelt, ist schnell verflogen. Noch immer sind viele Schüler*innen im Homeschooling und kehren wenn überhaupt erst kurz vor den Ferien in die Schulen zurück. Und dort findet bis auf Weiteres der Unterricht nur in halbierten Klassen statt, gelten Abstandsregeln und herrscht Maskenpflicht, sobald ein*e Schüler*in den Sitzplatz verlässt. Das Kurssystem soll aus Gründen des Infektionsschutzes möglichst ausgesetzt werden.

Die Lehrkräfte stehen vor der Herausforderung, auch unter diesen Bedingungen abwechslungsreichen, methodisch kreativen und inhaltlich spannenden Unterricht zu gestalten.

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Abschied aus der Schulzeit in Corona-Zeiten – würdig(end)e und ermutigende Formate

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Vom Dozierendenkollegium
des RPI Loccum

Nach und nach füllen sich die Schulen wieder mit Leben, das Schuljahr läuft nicht mehr nur digital, sondern auch präsent weiter – und zugleich geht für viele Kinder und Jugendliche die Schulzeit dem Ende entgegen. Schüler*innen der Abschlussjahrgänge sind in diesem Jahr am Ende der Primarstufe bzw. der gesamten Schulzeit nur in Teilgruppen und auch nur für eine begrenzte Zeit überhaupt leiblich in der Schule. In ihrem Gepäck sind die Erfahrungen des Eingeschlossenseins der letzten Wochen, von Unverfügbarkeit, wie es weitergehen wird, und oft der Wunsch, die Klassen- und Jahrgangskamerad*innen wiederzusehen und die wohlbekannte Nähe der eigenen Schule zu spüren. Die Sehnsucht nach Verbundenheit und Gemeinschaft ist hoch – und doch nur in gewissen „Portionen“ erfahrbar. Am Ende der Schulzeit stellen sich auch Fragen: Was war? Was bleibt? Was wird kommen? Was gibt mir Zuversicht und Vertrauen? 

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Neu: „Ich höre was, was du nicht siehst.“

Der Bilderbuchpodcast mit Lena und Gert

Wir, Lena und Gert, lieben Bilderbücher, wie viele andere auch. In unseren Kursen werden wir immer wieder nach Empfehlungen gefragt. So entstand die Idee für unseren Bilderbuchpodcast „Ich höre was, was du nicht siehst“. In knapp 15-minütigen Gesprächen stellen wir zu einem Thema zwei bis drei Bilderbücher vor, die uns selbst begeistern. 

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Neue Kerncurricula an Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen

Die Neufassung des Kerncurriculums für das Fach Evangelische Religion an Grundschulen tritt voraussichtlich zum 01.08.2020 in Kraft. Die Neufassungen der niedersächsischen Kerncurricula für das Fach Evangelische Religion an Haupt-, Real- und Oberschulen treten zum 01.08.2020 in Kraft.
Die Neuerungen und die daraus resultierenden Aufgaben für die Fachkonferenzen werden in zwei Videopräsentationen erläutert.

Zu den Videopräsentationen

Nachrichten

Mehrere Demonstrationen gegen Rassismus in Niedersachsen geplant

Hannover/Göttingen (epd). In mehreren niedersächsischen Städten sind an diesem Wochenende Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt geplant. Kundgebungen gebe es in Göttingen, Hannover und ...

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Evangelische Gymnasien erhalten 95.000 Euro für digitale Ausstattung

Hildesheim/Dassel (epd). Zwei evangelische Gymnasien in Niedersachsen haben 95.000 Euro aus dem "Digitalpakt Schule" erhalten. Von dem Geld sollten schwerpunktmäßig fehlende Displays zur ...

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Podcast

Herausforderung Digitalisierung

Vortrag von Prof. Dr. Sandra Aßmann (Ruhr Universität Bochum) 

Rezension

Michael Klessmann: Ambivalenz und Glaube, Warum sich in der Gegenwart Glaubensgewissheit zu Glaubensambivalenz wandeln muss, Stuttgart 2018,  289 Seiten, 34,00 EUR

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