AKTUELL

Bild: Gerd Altmann, Pixabay

Kann Medizin immer gerecht sein? Wer entscheidet?

von Heiner Wedemeyer

Im Rahmen der aktuellen COVID-19 Krise, die unser Gesundheitssystem in einem bisher nicht bekannten Ausmaß belastet, hat der Deutsche Ethikrat am 27. März 2020 Empfehlungen zur Bewältigung der Pandemie vorgelegt. Neben den Ratschlägen, die Kapazitäten des Gesundheitssystems soweit wie möglich aufzustocken, stellt der Rat aber auch klar, dass es aktuell von großer Bedeutung ist, Politik und Gesellschaft dafür zu sensibilisieren, mögliche Konfliktszenarien auch als normative Probleme zu verstehen. Der Ethikrat fordert, dass Ärzt*innen so weit wie möglich bei kritischen Entscheidungen entlastet werden sollten. Die Verantwortung, in „Situationen katastrophaler Knappheit medizinischer Ressourcen über Leben und Tod zu entscheiden“, sollte nicht allein einzelnen Ärzt*innen aufgebürdet werden. Es stellt sich somit die Frage, nach welchen Kriterien ein Patient auf Intensivstation aufgenommen und künstlich beatmet wird, während andere Patienten abgewiesen werden müssen. Welches Leben ist mehr wert? Gibt es akzeptierte und allgemein angewandte „gerechte“ Algorithmen, an denen sich Krankenhäuser ausrichten können? Dass diese Szenarien nicht nur theoretischer Natur sind, mussten Kolleg*innen in anderen europäischen Ländern im letzten Monat leider erleben, als in einigen Städten Intensivkapazitäten erschöpft waren und viele Patienten ohne ausreichende Behandlung verstarben.

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PRAXIS

Kazuo Ishiguro: „Alles, was wir geben mussten“

bill: Stefan Pütz, Pixabay

Von Ariane Dihle und Frauke Thees

What if? Wie wäre die Welt, wenn viele Krankheiten heilbar wären? Weil Menschen nicht nur ihren eigenen Körper, sondern einen Klon in Reserve hätten? Stammzellforschung und Therapeutisches Klonen lassen beides nicht als eine ferne Zukunftsvision erscheinen. Der Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro bietet mit seinem Roman „Alles, was wir geben mussten“ (Never Let Me Go, 2005) eine alternative Gegenwart an, in der Klone aufgezogen werden, um als Kopien das Leben ihrer „Originale” zu sichern. Viele Schüler*innen in Niedersachsen tauch(t)en in diese Welt ein, so dass eine fächerübergreifende Arbeit mit dem Englisch- und Biologieunterricht in der Oberstufe möglich scheint.  Diese kann exemplarisch Religion als weiteren, differenten „Modus des Weltzugangs“ zeigen, der sowohl die Perspektive der Klone wie der sie (ge)brauchenden Menschen einbringt.

In Never Let Me Go konfrontiert Ishiguro Lesende mit der wohlbehütet anmutenden Gemeinschaft der fiktiven englischen boarding school Hailsham gegen Ende der 1970er-Jahre. Die Ereignisse werden im Rückblick Ende der 90er-Jahre von der Ich-Erzählerin Kathy H., 31, geschildert. Sie berichtet über ihr Leben an der Schule, die als Organreservoir dient, da deren Schüler*innen lebenswichtige Organe spenden werden. Sie werden nach und nach mit den schrecklichen, ihre Leben bestimmenden Wahrheiten konfrontiert, ohne sie wirklich begreifen zu können. Die Figuren rebellieren nicht dagegen; sie verteidigen nach vereinzeltem, nie nachhaltigem Hinterfragen das System und fügen sich in ihre „Bestimmung”. Genau das kann für den Unterricht interessant werden, da der Autor bewusst nicht die Geschichte von Revolutionären erzählt, die gegen das System rebellieren.

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Religionsunterricht im Homeschooling?! – Impulse des Kinderfunkkollegs „Was glaubst du denn?“

Von Lena Sonnenburg

Wie soll ich denn Glaube, Liebe und Hoffnung mit Distanz – womöglich noch im Homeschooling - vermitteln?, fragen sich viele Religionslehrkräfte.

Einen Impuls dazu bietet das Kinderfunkkolleg „Was glaubst du denn?“ des Radiosenders HR2 Kultur. Hier werden in kurzen Podcasts zahlreiche Inhalte des Religionsunterrichts aufgegriffen, kindgerecht präsentiert und mit Zusatzmaterialien vertieft: Was kommt nach dem Tod? Wer war Martin Luther? Wer ist Jesus? – dies sind einige Beispiele für Fragen, denen nachgegangen wird.

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„Ich mache einen Entwurf von ihm und sorge, dass er ihm ähnlich wird.“ – Kosmetische Operationen bei angeborenen Varianten der körperlichen Geschlechtsmerkmale. Unterrichtsbausteine zu einer medizinethischen Anfrage für die Jahrgänge 10-13

Von Kirsten Rabe

Bertolt Brecht wird bei seiner kurzen Anekdote „Wenn Herr K. einen Menschen liebte“  vermutlich nicht an einen Menschen gedacht haben, dessen körperliche Geschlechtsmerkmale nicht in die binäre Einteilung in Männlich und Weiblich passen.  Zwischen 1935 und 1955, als Brechts „Geschichten vom Herrn K.“ entstanden, war der gesellschaftliche, politische und medizinische Umgang mit diesen Menschen vor allem eines: zerstörerisch.

Und doch ist Brechts Beobachtung, dass Menschen im Umgang miteinander Bilder entwerfen, diese Bilder sich selbst und dem Gegenüber als Orientierungspunkt und Maßstab setzen, unweigerlich präsent, wenn man sich mit kosmetischen Operationen bei angeborenen Varianten der körperlichen Geschlechtsmerkmale beschäftigt.

Brechts Geschichte fragt nach dem Umgang mit dem Menschen, den man liebt. Eine Liebe zum Menschen wird bzw. kann bei einem*er Mediziner*in zum Berufsethos gehören, wird für die Entscheidungsfindung kosmetischer Operationen aber eine untergeordnete Rolle spielen. Die Liebe zum Menschen wird vor allem bei Eltern zu dem Argument, wenn sie darüber entscheiden müssen, ob an ihrem Kind entsprechende Operationen vorgenommen werden sollen.

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Filmexerzitien – Meditatives Arbeiten mit einem Film

film

Von Andreas Behr

Tausend Kilometer oberhalb des Polarkreises liegt in der norwegischen Finnmark eine der nördlichsten Städte der Welt: Hammerfest. Im Sommer, während der Weißen Nacht, scheint dort Tag und Nacht die Sonne. Im Winter, vom 22. November bis zum 21. Januar, steigt die Sonne jedoch nie über den Horizont. Die Einwohner leben in dieser Zeit in fast vollständiger Dunkelheit. Seit Jahrhunderten nennen die Menschen diesen Zeitraum von etwa acht Wochen Polarnacht.

Mit dieser Einblendung in weißer Schrift auf schwarzem Grund beginnt der Kinofilm „Gnade“.  Wie viele andere Filme auch, eignet er sich gut, um in der Gemeinde ein besonderes Seminar anzubieten. Anhand dieses Filmes soll eine Form der geistlichen Filmarbeit vorgestellt werden.

Viele Filme, vielleicht sogar die meisten, nehmen religiöse Themen auf. Hinzu kommt, dass Kino und Kirche formale Gemeinsamkeiten haben. Hier wie da versammeln sich Menschen zu einer bestimmten Zeit, um in einem extra für den Anlass geschaffenen Raum in eine besondere Welt einzutauchen. Mitten in der Welt ist man doch auch in einer anderen Welt, die wiederum Bezug hat zur alltäglichen Welt. Gottesdienste und Filme machen Deutungsangebote fürs Leben. Es gibt Liturgien bzw. feste Abläufe. Im Kino beginnt alles mit der Werbung, bevor der Film anläuft. Auch dieser folgt meist festen Abläufen. Filme eignen sich deshalb gut, um mit Menschen über Religion und Glauben ins Gespräch zu kommen. 

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Impulse für Einschulungsaktionen in körperlich-räumlicher Distanz

Foto: annca, Pixabay

Vom Dozierendenkollegium
des RPI Loccum

Juni 2020: Die Sommerferien stehen kurz bevor und die Pressemitteilungen über einen Normalbetrieb der Schulen im Schuljahr 2020/2021 häufen sich. Der Wunsch nach Normalität ist groß und verständlich. Es wäre wirklich schön, auch die kommenden Ersten und Fünften Klassen ritualisiert begrüßen zu können. Sicher ist dies jedoch keinesfalls.

Doch: Ein sanfter Einstieg, eine herzliche Begrüßung, eine freundliche Geste zu Beginn sind Gelingensbedingungen für den Schulstart bzw. den Start an einer neuen Schule. Die Sehnsucht nach Verbundenheit und Gemeinschaft ist gerade jetzt bei den zukünftigen Schüler*innen hoch, denn sie haben die Erfahrungen des Eingeschlossenseins der letzten Wochen, der Unsicherheit, wie es weitergehen wird, und dem Wunsch nach Nähe mit Kamerad*innen im Gepäck.

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oneminutesky

Selbstbehauptung
Spiritueller Impuls von Simone Liedtke

Nachrichten

Weitere 3,5 Millionen Euro für "LernRäume"

Hannover (epd). Das niedersächsische Kultusministerium gibt weitere 3,5 Millionen Euro für das Projekt "LernRäume". Mit neuen Partnern und zusätzlichen Mitteln würden weitere Bildungs- und ...

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Psychosomatik-Expertin: Burnouts werden durch Corona zunehmen

Hannover (epd). Die enorme Belastung der Menschen während der Corona-Pandemie kann nach Einschätzung der Psychosomatik-Expertin Nina Sauer zu einem Anstieg an psychischen Krankheiten und ...

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Synode Schaumburg-Lippe kommt zu Sommer-Tagung zusammen

Bückeburg (epd). Das Parlament der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe kommt am Samstag (4. Juli) in Bückeburg zu seiner nächsten Tagung zusammen. Wegen der Corona-Krise wurde ...

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Neue Kerncurricula an Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen

Die Neuerungen der Kerncurricula für das Fach Evangelische Religion an Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen und die daraus resultierenden Aufgaben für die Fachkonferenzen werden in zwei Videopräsentationen erläutert.

Zu den Videopräsentationen

Podcast

Orientierung und Verständigung in einer multireligiösen Welt

Vortrag von Landesbischof Ralf Meister (Ev.-luth. Landeskirche Hannovers) 

Rezension

Rainer Möller, Clauß Peter Sajak (Hg.): Religionspädagogik für Erzieherinnen. Ein ökumenisches Arbeitsbuch. Stuttgart 2020. 275 Seiten, EUR 27,00 €

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