AKTUELL

film

An Biografien lernen – Filmtipps aus der Medienarbeit im Haus kirchlicher Dienste

Von Marion Wiemann

Menschen lernen nicht nur anhand von Verhaltenskonsequenzen, sondern auch durch Beobachtung (Modelllernen, Imitationslernen). Dazu braucht es Vorbilder, sowohl aus dem familiären Umfeld als auch aus gesellschaftlichen und zeitgeschichtlichen Bezügen. Im Nachvollziehen des Lebens anderer können eigene Erfahrungen gemacht werden und sich dabei eventuell neue Werte herausbilden. Die Reflexion des eigenen Lebensstils, eigener Werte und Normen gelingt gerade an Fremdbiografien einfacher, weil diese eine für die Auseinandersetzung notwendige Distanz ermöglichen.

In der heutigen globalen und multikulturellen Gesellschaft gibt es zahlreiche Wahlmöglichkeiten, wenn es um die Entwicklung von Lebenskonzepten geht: Showstars, Fußballhelden, kirchliche Persönlichkeiten wie Papst Franziskus oder die Aktivist*innen der Fridays-for-Future-Bewegung um Greta Thunberg. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

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Photo by Lindy Baker on Unsplash

„Wenn ich sagen soll, wer ich bin, dann erzähle ich meine Geschichte“ – Vorbilder und Biografien bzw. Lebensgeschichten

Von Ingrid Schoberth

Wenn es um Vorbilder geht, dann geht es notwendigerweise auch um Biografien. Es geht um Lebensgeschichten, die sich gleichsam aus einzelnen Geschichten zusammensetzen, und es geht um das, was die Kohärenz der je eigenen Geschichte ausmacht. Diese Stimmigkeit der vielen Erfahrungen in Geschichten charakterisiert eine Biografie; sie kann freilich sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Dietrich Ritschl hat das in eine eindrückliche Metapher gefasst. Er vergleicht die Wahrnehmung einer je eigenen Lebensgeschichte mit einem Kaleidoskop: Der Blick durch die Öffnung gibt ein Bild frei, das aus einzelnen Steinchen bunt und bewegt zusammengesetzt ist. Aber jede Biografie zeigt nicht nur ein einziges Bild – die Schwierigkeit und Dialektik ist schon bei Bertolt Brecht in der bekannten Geschichte vom Herrn Keuner prägnant benannt: Kann und darf man sich ein Bild von einem anderen Menschen oder sich selbst machen, um ihn danach zu formen? Der Vergleich mit dem Kaleidoskop führt vor Augen, dass der Blick immer wieder ein anderer werden kann, um die Lebendigkeit und Dynamik einer Lebensgeschichte zu erfassen. So wird die je einzelne Lebens-Geschichte in vielen Geschichten erkennbar; das Drehen des Kaleidoskops lässt ein neues Bild aus den gleichen Steinchen entstehen, so wie es für jeden, der auf Biografien stößt, wahrnehmbar und vernehmbar wird. Das Drehen steht für die je neue Begegnung mit Geschichten: Biografien erfordern Zuhören, Nachgehen von Geschichten in Gedanken, Einlassen auf sie im Gespräch und vieles andere.

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PRAXIS

Influencer als Vorbilder? - Eine Bestandsaufnahme und Impulse für den Religionsunterricht

Von Manfred L. Pirner und Nastja Häusler

Während wir diesen Essay schreiben, ist das Rezo-Video immer noch in aller Munde. Zur Erinnerung: Eine Woche vor der Europa-Wahl am 26. Mai 2019 veröffentlichte der „YouTuber“ Rezo sein selbstgedrehtes Video mit dem Titel „Die Zerstörung der CDU“, das bis zum Wahlsonntag-Abend zwölfeinhalb Millionenmal angeklickt wurde (bis Ende Juni sind es 15,3 Millionen Klicks geworden). In diesem 55-minütigen Video zeigt er nach eigenen Angaben mit Quellen und Fakten belegt, wie vor allem Politiker der CDU, aber auch solche der anderen Parteien der großen Koalition „lügen, wie ihnen grundsätzliche Kompetenzen für ihren Job fehlen, […] sie sich augenscheinlich an verschiedenen Kriegsverbrechen beteiligen, wie sie Propaganda und Unwahrheiten gegen die junge Generation einsetzen, wie bei ihrer Politik der letzten Jahrzehnte die Reichen immer mehr gewinnen und alle anderen immer mehr ablosen und dass nach der Expertenmeinung von zigtausend deutschen Wissenschaftlern die CDU aktuell unser Leben und unsere Zukunft zerstört“.

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Paulus kompakt - Wissen verpackt. Der Pauluskoffer im Religionsunterricht

Koffer
© Martin Fisch (CC BY-SA 2.0)

Von Michaela Veit-Engelmann

Hmm … Aspirin? Und Paulus? Was mir zu Aspirin und Paulus einfällt …“, die Teilnehmerin überlegt kurz, die Aspirinpackung hält sie dabei in der Hand. „Na klar, das passt: Immer, wenn ich Paulustexte lese, kriege ich Kopfschmerzen!“ Die Teilnehmer*innen eines Paulusworkshops am Religionspädagogischen Institut Loccum sitzen im Stuhlkreis. In der Mitte liegt, verborgen unter einer weißen Decke, ein großer alter Koffer, der tatsächlich ein wenig so aussieht, als könnte schon Paulus selbst damit gereist sein. Darin befinden sich 24 Gegenstände, die alle irgendetwas mit dem Leben und Wirken des berühmten Heidenapostels zu tun haben.

Reihum fassen die Besucher*innen des Workshops in den Koffer, greifen blind etwas heraus – und lassen sich selbst davon überraschen, was ihnen oder den hilfsbereiten Menschen um sie herum alles einfällt. „Eine Glühbirne? Ach ja, damals vor Damaskus, da ist Paulus der auferstandene Christus erschienen und ihm ging ein Licht auf.“

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Mitmachen oder Widerstehen – Lernen mit Biografien am ZeitZentrum Zivilcourage

Photo by Oliver Cole on Unsplash

Von Wiebke Hiemesch

Mit dem ZeitZentrum Zivilcourage eröffnet die Landeshauptstadt Hannover im Frühjahr 2020 einen außerschulischen Lernort zur hannoverschen Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus. Unter dem Motto „Mitmachen oder Widerstehen?“ soll eine kritische und gegenwartsorientierte Auseinandersetzung mit Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten im Sinne eines demokratischen und zivilcouragierten Zusammenlebens angeregt werden. Damit führt das ZeitZentrum Zivilcourage die historische Auseinandersetzung mit einer Handlungs- und Zukunftsorientierung zusammen.

Das ZeitZentrum Zivilcourage richtet sich an Einzelbesucher*innen sowie schulische und außerschulische Lerngruppen ab einem Alter von vierzehn Jahren. 

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Vorbilder – wie sie uns prägen – Ein Unterrichtsvorschlag für die Grundschule

Bild von John Hain auf Pixabay

Von Tanja Voss

Vorbilder sind wichtig in unserem Leben. Ihnen können wir nacheifern oder uns vor Augen halten, welches Lebensziel wir verfolgen. Besonders Kinder und Jugendliche begegnen Vorbildern sehr aufmerksam; sie orientieren sich stark an ihnen. In der heutigen Zeit sind dies überwiegend Personen aus dem öffentlichen Leben oder der persönlichen Umgebung. In religiös sozialisierten Regionen prägen daneben auch Personen aus der Gemeinde oder den Vereinen vor Ort das Erwachsenwerden.

Nach Hartmut Rupp ist ein „Vorbild […] das Bild einer realen, aber auch virtuellen Person, aus der Gegenwart oder der Vergangenheit, das von einem Individuum bewundert, verehrt oder geliebt wird“.

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Podcast

Rezension

Sönke Zankel und Niklas Günther: Forschendes Lernen und Projektarbeit im Religionsunterricht.
Beispiele für die schulische Praxis. Göttingen 2019, 93 Seiten, 14,99 €

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