AKTUELL

Foto von Juan Manuel Núñez Méndez on Unsplash

Passion spielen? – Religionspädagogisch-performative Gedanken

Von Silke Leonhard

Religion ist die „Kultur des rationalen Verhaltens zum Unverfügbaren“ (Hermann Lübbe: Religion nach der Aufklärung. Graz 1990), habe ich von Hermann Lübbe gelernt. Spielen gehört zum Menschsein, ist Ausdruck von Freiheit und ist auch eine besondere Form der Kultur des leiblichen Verhaltens zu Erfahrungen des Unverfügbaren. Theologie ist wie die Pädagogik selbst nicht frei von Spielen, die zugleich die Grenzen des Spielbaren in der Wirklichkeit markiert. Dass die biblische Heilsgeschichte nicht der Dimensionen von Ritual und Drama entbehrt, zeigt die Passionsgeschichte. Eine Vorlage für Passionsspiele bietet einerseits die biblische Erzählung als „Text“. Dieser wiederum ist eingebunden in eine theologische Heilsgeschichte vom Anfang bis zum Ende. Wer die biblische Passionsgeschichte kennt, weiß mit diesem „Skript“ um deren Ausgang. 

Das Passionsspiel unterscheidet sich von anderen Spielen: Nicht Lust, sondern Leiden steht im Fokus. Den Spielakten von Verrat, Verurteilung und Verspottung folgt die Kreuzigungsszene und damit der Tod. Das Geschehen kommt handlungsmäßig damit an die dramatische wie dramaturgische Grenze von Leben und Tod. 

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Nach der Auferstehung fragen

von Sönke von Stemm

Lieber Oskar! Wenn du stirbst, dann wirst du Dich selbst sehen. Du wirst sehr hoch über den Wolken fliegen. Deine Familie und Freunde sind bei dir. Das ist die Auferstehung! Gott wird dich nie verlassen! Deine Luisa“ (14 Jahre)

„Lieber Oskar! Wenn du stirbst, kommst du in den Himmel. Im Himmel wird Gott auf dich warten und wenn du viel Gutes im Leben getan hast und willig bist, kannst du wieder auferstehen.“ Malte (13 Jahre)

„Lieber Oskar! Wenn du stirbst, dann wirst du durch einen Tunnel gehen. Aber du brauchst keine Angst zu haben, weil am Ende ganz viel Licht ist. Das haben Menschen gesagt, die schon halb tot waren. Der Sohn von Gott ist aber auferstanden. Also ist das Licht am Ende des Tunnels wohl die Auferstehung? Oder ist der Tunnel das Leben, und am Ende des Lebens erwartet dich das Licht? Auf jeden Fall ist das Licht sehr schön. Das Licht ist bei Gott, vielleicht lernst du ihn dann ja kennen.“ Mirlay (14 Jahre)

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PRAXIS

Hat Gott auch an die Tiere gedacht? – Ein Weg durch die Bibel mit Lieblingstieren. Stationenarbeit für Grundschulkinder

Foto: Lulu_Sunset, CC BY 2.0

Von Martina Steinkühler

Ein Blick auf die Umschläge von Kinderbibeln beantwortet die titelgebende Frage: Natürlich hat Gott an die Tiere gedacht; von jedem ein Paar durfte mit in die Arche. Und doch ist die Frage komplexer. Menschen dürfen sich – nach Aussage der Bibel – mit Gott auf „Du“ und „Du“ fühlen, z.B. wenn sie beten. Die Psalmen machen es deutlich. Und die Tiere? Gott zeigt sich Menschen, spricht mit ihnen, nimmt sie in die Verantwortung und verheißt ihnen Segen. In den Mose- und Erzelterngeschichten ist das zu erleben. Und die Tiere? In Jesus erfahren Menschen Gottes Nähe; sie träumen mit ihm von einem Himmelreich, in dem Gott und Mensch miteinander Schalom haben. Und die Tiere?

Kinder, die Tiere lieben, treibt das um: Sie fragen nach dem Verbleib der Tiere in Krieg und Untergang, fragen nach einer Taufe für Tiere und nach einem Tier-, Haustier-, Kuscheltierhimmel. Ganz elementar: Wer mich liebt, der liebt doch auch, was ich liebe, nicht wahr? Unbedingt einleuchtend, dachte ich, als ich im Kindergottesdienst mit solchen Fragen und Erwartungen konfrontiert war – und machte mich daran, Belege zu suchen.

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Apokalypse im Film

Image by Enrique Meseguer from Pixabay

Von Inge Kirsner

Der Mensch wird durch Maschinen ersetzt; ein großer Planet trifft auf die Erde; eine rätselhafte Krankheit lässt die Sehkraft der Menschen erlöschen:
Filmische Visionen über eine mögliche Zukunft der Erde sind ein Spiegel der Gesellschaft, in dem Tendenzen der Gegenwart aufgenommen und weitergedacht werden. 

Aus der „Lust am Untergang“ ist ein eigenes Filmgenre geworden. Zuletzt ließ Christopher Nolan in „Interstellar“ seine Astronauten nach einem neuen Planeten für die Menschen suchen, da die Erde nicht länger bewohnt werden konnte; 2013 ließ Roland Emmerich immerhin das Weiße Haus einstürzen („White House Down“, USA 2013). Das hat der Sindelfinger Emmerich bereits 1996 getan, und zwar in dem Film „Independence Day“, in dem die Menschen erfolgreich eine Invasion feindlicher Aliens aus dem All besiegen konnten.

Der an den Kinokassen unglaublich erfolgreiche „Independence Day“ war der Startschuss für eine Renaissance des Katastrophenfilms im Kino. Bis zur Jahrtausendwende zeugen zahlreiche weitere Hollywood-Produktionen wie „Deep Impact“ (Mimi Leder, USA 1998), „Armageddon“ (Michael Bay, USA 1998) etc. [1] von dem wiedererwachten Interesse v. a. der amerikanischen Populärkultur am Weltuntergang. In diesen amerikanischen Produktionen wird die Vielfalt der Geschichten und Visionen autoritär auf eine Weltanschauung bzw. Großgeschichte fixiert.

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Jesus segnet die Kinder (Mk 10, 13-16) – Eine Bewegungsgeschichte für Krippenkinder

Von Gerta Hoffrichter

Zum Abschluss eines Krippenjahres verlassen häufig Kinder unsere kirchliche Einrichtung, um in einen städtischen Kindergarten zu wechseln. Deshalb legen wir in den Wochen vorher den besonderen Fokus auf den Übergang in die neue Situation und den neuen Lebensabschnitt. Wir nehmen in den Blick, dass sich für alle Beteiligten Veränderungen ergeben, die einschneidend sind und verunsichern können. Deshalb ist in dieser Situation für Kinder, Eltern und auch Fachkräfte hilfreich, eine achtsame Begleitung anzubieten. Dabei sollen auch Angebote gemacht werden, die Kinder stärken und ihnen Mut machen. Biblische Begegnungsgeschichten erzählen davon, dass Jesus Menschen, die abgewiesen oder ausgegrenzt werden, anspricht und zum Leben ermutigt. Die Perspektive der Kinder wird insbesondere in der Geschichte der Kindersegnung aufgegriffen: Die Freunde Jesu versuchen, die Kinder davon abzuhalten, zu Jesus zu gehen. Jesus dagegen weist die Erwachsenen zurecht, wendet sich den Kindern zu und segnet sie. Außerdem stellt er ihren Glauben und ihr Vertrauen auf Gott heraus und macht Kinder in dieser Hinsicht zum Vorbild für Erwachsene.

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Das Hohelied - Ein Projekt für die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden

Lieben_Leben_Lachen_Kämpfen
RPI Loccum (CC BY-NC-SA 2.0)

Von Martin Wenzel

Die Liebeslyrik des Hohelieds regt seit jeher nicht nur die künstlerische Fantasie, sondern auch die theologische Kreativität an. Dies gilt zum einen für das Judentum, in dem das Hohelied auf die Liebe Gottes zu seinem Volk gedeutet und als Festrolle am Pessachfest gelesen wird. Zum anderen entstanden im Christentum insbesondere in der Alten Kirche und im Mittelalter vielfältige Auslegungen dieses Buches, in denen die Seele, Christus, die Kirche oder Maria ins Spiel und in den Text kamen. Von diesen allegorischen Interpretationen versuchte sich Martin Luther bewusst abzugrenzen und verstand das Hohelied als ein politisches Buch, in dem König Salomo ein Loblied auf seine eigene, durch Frieden gesegnete Regierung singt. War Luthers Interpretation nur eine geringe Rezeption beschieden, so fand dann in der Neuzeit eine grundlegende Veränderung des Verständnisses statt, demzufolge im Hohelied nicht von der göttlichen, sondern von der menschlichen Liebe die Rede sei. So betrachtete etwa Johann Gottfried Herder das Hohelied als eine Sammlung von weltlichen Liebesliedern. Diese Sicht hielt sich in der Folgezeit und herrschte auch in der alttestamentlichen Forschung bis vor wenigen Jahrzehnten vor: Allegorische Deutungen galten als Fehlinterpretationen, die nichts zum Verständnis des Buches beigetragen, sondern zu einer „babylonischen Gefangenschaft“ des Hohelieds geführt hätten. Dagegen haben neuere Studien herausgearbeitet, dass die Allegorisierung des Hohelieds bereits vor der endgültigen Fixierung des Textes stattgefunden hat. So wird mit Blick auf die jüngste Forschung sogar eine „gewisse Renaissance“ der allegorischen Auslegung beobachtet.

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Video-Botschaft des Landesbischofs

Aus dem Bischofsgarten meldet sich Landesbischof Ralf Meister zu Wort: "Das Virus, das uns in den vergangenen Tagen aus der Bahn geworfen hat, lässt mich anders hören und schauen. Ich liebe das Morgenlob der Vögel", sagt er.

Nachrichten

Kirchen können zum stillen Gebet an Ostern geöffnet werden

Hannover (epd). Kirchengebäude in Niedersachsen können während der Corona-Krise künftig zur persönlichen Andacht geöffnet werden. Einzelnen Gläubigen könne damit bereits an Karfreitag und Ostern ...

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Bischof Meister: Corona-Krise schärft Blick für Wert der Gemeinschaft - (epd-Gespräch)

Hannover (epd). Die Corona-Krise macht aus Sicht des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister deutlich, wie wichtig Gemeinschaftserfahrungen für die Menschen sind. "Wir halten die Erfahrung des ...

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Musiker des NDR bieten kostenlose Online-Coachings an

Hannover/Hamburg (epd). Mitglieder der NDR Radiophilharmonie in Hannover und des NDR Elbphilharmonie Orchesters in Hamburg bieten in Zeiten der Corona-Krise einmalige Coachings zu fast allen ...

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Podcast

Multiprofessionelle Zusammenarbeit in der inklusiven Schule

Vortrag von PD Dr. Wolfgang Dworschak (Ludwig-Maximilians-Universität München)

Rezension

Ursula Ulrike Kaiser, Ulrike Lenz, Evamaria Simon, Martin Steinhäuser: Gott im Spiel, Handbuch für die Praxis, Leipzig 2018, 250 Seiten, 24,95 €

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