AKTUELLE THEMEN

Muße – Spielen – Glauben. – Flucht aus dem Bann der Zwecke

Von Fulbert Steffensky

In den „Abenteuern des Tom Sawyer“ von Mark Twain finde ich folgende Geschichte.2) Der Knabe Tom wird von seiner Tante bestraft, weil er mit einem zerrissenen Hemd nach Hause kommt. Er muss an einem herrlichen Frühlingsmorgen einen Zaun anstreichen. Lustlos ist er an seiner Strafarbeit, als sein Altersgenosse Ben Rogers auftaucht und ihn wegen seiner Zwangsarbeit verspottet: „Hallo, alter Junge, musst wohl heute feste ran, was?“ Tom beachtet den Spott nicht und tut listig, als sei das Anstreichen ein höchstes Vergnügen. Ben will Anteil an diesem Vergnügen und bittet darum, ebenfalls pinseln zu dürfen. Scheinbar widerwillig und ungern überlässt Tom seinem Freund den Pinsel und die Arbeit. Vergnügt und befreit von der Pflicht schaut er zu, wie Ben an seiner Stelle den Auftrag der Tante erledigt. Was für Tom lustlose Pflichterfüllung ist, ist für Ben Spiel und Vergnügen. Ben ist ein „Müßiggänger“, obwohl er arbeitet. Er handelt aus freiem Willen, ohne ein Ziel zu verfolgen. Das nennt man Muße.

Was ist der Unterschied zwischen beiden „Arbeitern“? Toms Arbeit ist erzwungen, die Tante hat sie befohlen, sie ist seine Strafe. Ben hat um die Arbeit gebeten und ist damit auf andere Weise Subjekt und Souverän seines Tuns. Toms Tätigkeit erfüllt Zwecke: Die Strafe soll abgebüßt und der Zaun durch den Anstrich gerettet werden. 

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Evangelische Kirche zwischen heute und morgen – Vielfältige Initiative, institutionell grundiert

von Jan Hermelink

Was „evangelische Kirche“ ist, davon hat jede*r immer schon eine Vorstellung – gewonnen aus eigener und familiärer Erfahrung, aus mündlicher wie schriftlicher Tradition und täglicher Mediennutzung. „Kirche“ zum Gegenstand religiöser Bildung zu machen, das heißt dann: diese immer schon vorhandenen, durchaus kontroversen Vorstellungen miteinander ins Gespräch zu bringen, sie zu erweitern und zu vertiefen, sie mit empirischen Daten und mit normativen Texten des Christentums zu konfrontieren – und nicht zuletzt zu fragen, ob und wie man selbst diese Kirche mitgestalten will und kann.

Für diese Bildungsprozesse angesichts und mit der Kirche soll hier ein kirchentheoretischer Rahmen skizziert werden – theoretisch in dem Sinne, dass ein Überblick gegeben wird, der sich auf Grundstrukturen konzentriert, der gegenwärtige Verhältnisse sowie erkennbare Entwicklungen berücksichtigt und zugleich einen Ausblick wagt, um Orientierung für das je eigene Handeln in Sachen „Kirche“ zu geben.

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PRAXIS

Tiergestützte Pädagogik an der Förderschule

Foto: Lulu_Sunset, CC BY 2.0

Von Veronika Kuntz und Gesa Nebe

Die Selma-Lagerlöf-Schule (SLS) ist eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung. Die Namensgeberin unserer Schule, Selma Lagerlöf, war eine bekannte schwedische Schriftstellerin, die bereits 1906 in ihrem Roman „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ eine der ersten tiergestützten Erfolgsgeschichten beschreibt. In diesem wird ein Junge zur Strafe für sein bösartiges Verhalten in einen Däumling verwandelt und reist nun mit den Wildgänsen und einer Hausgans durch Schweden. Er erlebt dort „mancherlei gefährliches Abenteuer, muss sich oft in moralischen Fragen entscheiden und bewährt sich dabei“.  Durch diese Persönlichkeitsentwicklung, die er durch das Leben mit der Natur und den Tieren erlebt, wird er geläutert und schließlich zur Belohnung wieder zurückverwandelt. Diese märchenhafte Erzählung ist reine Fiktion, doch beinhaltet sie nicht auch reale pädagogisch relevante Ansätze?

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Digitale Tools für die Arbeit in der Grundschule

Foto: Tomasz Mikołajczyk, Pixabay

Von Lena Sonnenburg

Das Jahr 2020 hat zu einer intensiveren Beschäftigung mit digitalen Methoden, digitalen Tools und digitalem Unterricht geführt. Und obwohl das digitale Arbeiten an Grundschulen zahlreiche Grenzen (wie z.B. die Ausstattung der Schulen, das Alter der Schüler*innen) kennt, gibt es doch einige Tools, die sich auch für die Arbeit in der Grundschule anbieten.

Anbei finden Sie Beispiele und einfache Einführungen für die Nutzung dieser Tools. Diese Texte sollen vor allen diejenigen ermutigen, die sich selbst noch nicht als Halb- oder Vollprofis im digitalen Unterrichten verstehen. Probieren Sie die Tools doch einmal aus. Sie werden sehen, es lohnt sich!

Aus gegebenem Anlass möchte ich darauf hinweisen, dass viele der hier präsentierten Tools nicht die Anforderungen der DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) erfüllen. Als ein wesentliches Problem ist die Speicherung von "personenbezogenen Daten" auf nicht-europäischen Servern zu identifizieren. Dies ist z.B. allein durch die IP-Adresse, mit Hilfe derer jeder Mensch sich im Internet bewegt, gegeben. Tools wie padlet oder menti.com werden (noch) in den USA gehostet und sind streng genommen nicht verwendbar.

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Die KonApp – digitale Bibel und Gemeinschaft für Jugendliche

Foto: Thomas Ulrich, Pixabay

Von Thomas Ebinger

Schon länger wünschen sich Mitarbeitende in der Konfi- und Jugendarbeit eine App als zeitgemäßes Medium, die die inhaltliche Arbeit genauso wie die Organisation und Kommunikation mit der Konfi-Gruppe und den Teamern unterstützt. Gefördert durch einen finanziellen Zuschuss der EKD, wird gerade eine Testversion entwickelt, die in etwa 60 Gemeinden zum Einsatz kommen soll. Ab dem Konfi-Jahrgang 2019/20 soll die App dann für alle Gemeinden zur Verfügung stehen.

Die App wird sowohl die Bibel mit verschiedenen Zugängen enthalten als auch von Konfis und Jugendlichen selbst produzierte Videos. Darüber hinaus sollen interaktive und unterhaltende Elemente integriert werden. Zusätzlich zur App für Android und iOS ist eine Portallösung zum Austausch mit Gruppenmitgliedern geplant, die die App nicht auf ihrem Handy installieren können oder dürfen. Die Administration („Backend“) erfolgt über eine auch mobil gut nutzbare Internetseite.

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Mein Gott – dein Gott – unser Gott? Wie sollen wir anderen Religionen in der Kita begegnen? – Ideen für eine religionspädagogische Teamsitzung in der Kita

Image by Alexas_Fotos from Pixabay

Von Frauke Lange

Während einer Andacht im Kindergarten soll mit den Kindern gebetet werden. Die Pastorin leitet das Gebet ein und bittet die Kinder, still zu werden. Die Kinder hören nach und nach auf zu sprechen und viele falten die Hände. Ein kleiner muslimischer Junge, der neu im Kindergarten ist, weiß nicht so recht, was er tun soll. Also verschränkt er die Arme unter den Achseln. Die Erzieherin in der Gruppe sieht das und zeigt ihm ganz spontan, was er tun soll: die Hände falten.

Doch bevor die Pastorin mit dem Gebet beginnen kann, steht ein älteres muslimisches Mädchen auf und sagt zu dem Jungen: „Du bist Moslem. Du musst die Hände so halten.“ Und dann macht sie ihm die Gebetshaltung vor. Der Junge macht es ihr nach und hält dann seine beiden Hände mit den geöffneten Handflächen nach oben vor seinen Körper. Erst danach wird das Gebet gesprochen.

Im Anschluss der Andacht fragt ein Junge das muslimische Mädchen: „Aylin, hört Gott dich nur, wenn du die Hände so hältst?“ 

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Die Vermessung des Glaubens – Ein Streifzug durch die Wissenschaft des Glaubens als Beitrag zum konstruktiven Umgang mit Kritik an Glaube und Religion. Unterrichtsbausteine für den Sekundarbereich II

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Von Christina Harder

„Die wahre Sprache des 21. Jahrhunderts – in der moderne Menschen denken und sich die Welt erklären – ist die klare Sprache der Logik. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien, heruntergebrochen auf simple Formeln.”

Das behauptet die Redaktion der katholischen Wochenzeitung „Christ in der Gegenwart“ in einem ihrer jüngsten Kommentare. Weiter heißt es dort, die Herausforderung der Moderne bestehe deshalb darin, religiöse Traditionen so in die Denkstrukturen der Naturwissenschaft zu übersetzen, dass sie auch heutigen Menschen eingängig und plausibel werden könnten.

Ganz konkret ist damit gemeint: Wenn religiös gläubige Menschen auf Menschen treffen, die sich selbst als ungläubig oder religiös unmusikalisch bezeichnen, dann besteht die Herausforderung darin, in einen vernünftigen Dialog zu treten. Der kann aber nur dann gelingen, wenn beide Seiten eine gemeinsame Sprache finden. Und diese Sprache ist im 21. Jahrhundert nun einmal die Sprache der Logik und der Naturwissenschaften.

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„Die einzige Entschuldigung für Gott ist, dass es ihn nicht gibt!“ – Das Thema „Theodizee“ im Religionsunterricht

Foto: Markus Christ, Pixabay

Von Dirk Bischoff und
Michaela Veit-Engelmann

„Die einzige Entschuldigung für Gott ist, dass es ihn nicht gibt!“ Diese Aussage wird dem französischen Schriftsteller Stendhal (1783–1842) zugeschrieben. Mit diesem knappen Satz scheint Stendhal die offene Frage nach dem Glauben an eine jenseitige Macht und der Existenz von Leid in der Welt endgültig zu beantworten. Die Lösungsversuche, wie sie die Menschen seit der Antike beschäftigt haben – man denke nur an das Buch Hiob im Alten Testament – werden beiseite gewischt. Die Welt ist so, wie sie ist, und Gott gibt es nicht, genauer: Gott kann es nicht geben. Nur das kann ihn entschuldigen.

Die Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Zustands dieser Welt wird als Theodizeeproblematik bezeichnet. Bei dem Begriff Theodizee handelt es sich um ein griechisches Kunstwort, das auf den Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) zurückgeht und so viel wie „Gerechtigkeit/Rechtfertigung Gottes“ bedeutet.

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Streitfall Religion - Filmtipps aus der Medienarbeit im Haus kirchlicher Dienste

Von Nicole Schwarzer und Anja Klinkott

Eine alte Dame, die mit Hilfe eines zynischen Journalisten, dem der Geldsegen winkt, nach ihrem verlorenen Sohn sucht. Gottes Tochter, die ihrem tyrannischen Vater mit einem neuen Testament die Menschlichkeit wieder nahebringt. Eine Fernbedienung, die nicht Gott ist, eine Schallplatte, die das Leben spielt. Die Suche nach einem amtlichen Wunder, damit ein Papst heiliggesprochen werden kann. Der seltsame Friedrich, der Nietzsches „Gott ist tot“ mit dem Sohn einer Pastorin auseinandernimmt und Gebäudereiniger Schotty, der sich mit professioneller Begleitung auf die Suche nach dem „passenden Glaubensmodel“ macht, am besten mit Uwe Seeler.

Die hier vorgestellten Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme stellen eine kleine Auswahl Geschichten bereit, die es uns möglich machen, uns diesen Fragen zu widmen. Zu Wort kommen betagte Damen und zynische Reporter, Teenager und Menschen, die Gorillas lieben, Priester, Rabbiner, Physiker, Atheisten und Philosophen, Reinigungskräfte und Verkäuferinnen.

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Neues aus dem RPI

ZUKUNFT ohne Corona – 10. Landeswettbewerb Evangelische Religion in Niedersachsen

Mehr als ein Jahr mussten die Gewinner*innen auf diesen Tag warten. Bereits Anfang 2020 hatten sie ihre Beiträge zum Landeswettbewerb Evangelische Religion eingereicht, seit Herbst 2020 standen ...

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Kinder brauchen guten Kitas – und dafür brauchen sie ein besseres KiTa-Gesetz

Das neue niedersächsische KiTa-Gesetz, das eigentlich zum 1. August 2021 in Kraft treten soll, steht aktuell massiv in der Kritik. Gert Liebenehm-Degenhard, am Religionspädagogischen Institut ...

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„Hier wird nicht nur rumgeschnuddelt!“ – Ein bundesweites Logo für die evangelische Schulseelsorge

Das Motiv besteht aus mehreren offenen Kreisen, blau und violett, dazwischen viel weiß. Daneben steht in den gleichen Farben „Evangelische Schulseelsorge“. So sieht das Logo aus, das zukünftig ...

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Weiterentwicklung des Religionsunterrichts in Niedersachsen

Der konfessionell-kooperative Religionsunterricht blickt auf 20 Jahre Erfolgsgeschichte zurück – auch dank solcher Lehrkräfte wie Ihnen, die Sie theologisch kompetent, pädagogisch klug und mit viel Engagement diesen KoKoRu erteilt haben. 

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Nachrichten

Kirchenjurist: Mehr Druck bei Missbrauchsaufarbeitung durch den Staat

Göttingen, Berlin (epd). Die schleppende Aufarbeitung von Missbrauchstaten in den Kirchen setzt nach Ansicht des Göttinger Kirchenrechtlers Hans Michael Heinig die Kooperationsbeziehung von ...

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Bischof Meister unterstreicht Bedeutung von Stiftungsarbeit

Hannover (epd). Zum Abschluss des Deutschen Stiftungstages am Freitag hat der hannoversche Landesbischof Ralf Meister die Bedeutung der Stiftungsarbeit hervorgehoben. „Stifterinnen und Stifter ...

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Hochschulen für Flüchtlingsintegration mit 30.000 Euro ausgezeichnet

Hannover, Hildesheim (epd). Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Bundesbildungsministerium zeichnen drei Hochschulprojekte für herausragendes Engagement bei der Integration ...

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Regionalbischof: Verständliche Sprache in schwieriger Zeit finden

Emden (epd). Die Corona-Pandemie hat Pastorinnen und Pastoren nach Ansicht des Emder Regionalbischofs Detlef Klahr vor neue Herausforderungen gestellt. „Es geht darum, eine verständliche Sprache ...

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Kirche schafft Lernraum

So schön und blöd ist Home Schooling

Als die Schulen wegen der Corona-Pandemie schlossen, blieben viele Schülerinnen und Schüler mit Bergen von Aufgaben allein vor ihren Computern. Viele Gemeinden öffneten daraufhin ihre Türen, um Raum für Hilfe bei den Aufgaben, aber auch Spiel und Spaß zu bieten: Die Lernräume waren geboren.

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Podcast

Multiprofessionelle Zusammenarbeit in der inklusiven Schule

Vortrag von DPD Dr. Wolfgang Dworschak (Ludwig-Maximilians-Universität München)

Rezension

Reinhold Mokrosch, Elisabeth Naurath, Michèle Wenger (Hg.):  Antisemitismusprävention in der Grundschule – durch religiöse Bildung; Göttingen 2020,  361 S., 37,99 €

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