AKTUELL

„Ich bin kein Überzeugter, ich bin ein Wünschender“ – Silke Leonhard im Gespräch mit Heinz Rudolf Kunze

Foto: Cornelia Schneider-Frank, Pixabay

 

Heinz Rudolf Kunze: Da bin ich – Guten Tag!

Silke Leonhard: Guten Tag, Herr Kunze! Klasse, dass Sie sich Zeit nehmen, vielen Dank!

HRK: Kein Problem! Wir haben ja alle viel Zeit im Moment, wir Musikanten. Mehr, als uns lieb ist.

SL: Viel mehr als Ihnen lieb ist, weil vieles nicht geht, richtig?

HRK: So gut wie gar nichts.

SL: Doch! Sie schreiben, Sie komponieren, Sie machen tolle Musik.

HRK: Ja, aber das tue ich ja sonst auch. Es bleibt mir im Moment nichts anderes übrig, als mich hier einzugraben, noch mehr zu schreiben als sonst und mich ein bisschen umschulen zu lassen. Ich mache momentan einen eigenen Podcast – Durch die Brille gefragt –, Interviews mit Promis; und bei Open-Air-Kinovorführungen spreche ich vorher vor der Leinwand mit Gästen, die mit dem Film zu tun haben, als Moderator. Das ist auch ganz nett, aber da sitzen dann eben mit den Abstandsregeln so ganz wenige Leute vor mir auf Open-Air-Bühnen oder Open-Air-Geländen. Wo da normalerweise 10.000 Leute sind, sind dann da vielleicht 300. Also, man merkt es überall, an allen Ecken und Enden, dass was nicht stimmt.

Lesen Sie hier mehr
Die Erschaffung Adams, Decke der Sixtinischen Kapelle, Michelangelo, Rom, Vatikan. Foto: Jörg Bittner Unna - Eigenes Werk, CC BY 3.0

Warum kann man Gott nicht beweisen?

von Mathias Hülsmann

»Sitzen zwei Männer in einer Bar irgendwo in der Wildnis von Alaska. Der eine ist religiös, der andere Atheist, und die beiden diskutieren über die Existenz Gottes mit dieser eigentümlichen Beharrlichkeit, die sich nach dem, sagen wir mal, vierten Bier einstellt.

Sagt der Atheist: „Pass auf, es ist ja nicht so, dass ich noch nie mit Gott oder Gebeten experimentiert hätte. Letzten Monat erst bin ich weit weg vom Camp in so einen fürchterlichen Schneesturm geraten, ich konnte nichts mehr sehen, hab mich total verirrt, vierzig Grad unter null, und da hab ich‘s gemacht, ich hab‘s probiert: Ich bin im Schnee auf die Knie und hab geschrien: ‚Gott, wenn es dich gibt, ich stecke in diesem Schneesturm fest und sterbe, wenn du mir nicht hilfst!‘“

Der religiöse Mann in der Bar schaut den Atheisten ganz verdutzt an: „Na, dann musst du jetzt doch an ihn glauben“, sagt er. „Schließlich sitzt du quicklebendig hier.“

Der Atheist verdreht die Augen, als wäre der religiöse Typ der letzte Depp: „Quatsch, Mann, da sind bloß zufällig ein paar Eskimos vorbeigekommen und haben mir den Weg zurück ins Camp gezeigt.“«

Lesen Sie hier mehr

PRAXIS

„Die einzige Entschuldigung für Gott ist, dass es ihn nicht gibt!“ – Das Thema „Theodizee“ im Religionsunterricht

Foto: Susanne Jutzeler, suju-foto, Pixabay

Von Dirk Bischoff und
Michaela Veit-Engelmann

„Die einzige Entschuldigung für Gott ist, dass es ihn nicht gibt!“ Diese Aussage wird dem französischen Schriftsteller Stendhal (1783–1842) zugeschrieben. Mit diesem knappen Satz scheint Stendhal die offene Frage nach dem Glauben an eine jenseitige Macht und der Existenz von Leid in der Welt endgültig zu beantworten. Die Lösungsversuche, wie sie die Menschen seit der Antike beschäftigt haben – man denke nur an das Buch Hiob im Alten Testament – werden beiseite gewischt. Die Welt ist so, wie sie ist, und Gott gibt es nicht, genauer: Gott kann es nicht geben. Nur das kann ihn entschuldigen.

Die Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Zustands dieser Welt wird als Theodizeeproblematik bezeichnet. Bei dem Begriff Theodizee handelt es sich um ein griechisches Kunstwort, das auf den Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) zurückgeht und so viel wie „Gerechtigkeit/Rechtfertigung Gottes“ bedeutet. In der Tat ist die Theodizeefrage eine der „Einbruchstellen“ des Glaubens und nicht erst seit den berühmt gewordenen Worten Georg Büchners ein „Fels des Atheismus“ (so ein Zitat aus Dantons Tod). Wer angesichts der Faktizität von Leid in der Welt immer noch – vielleicht sogar dennoch – am Gottesglauben festhält, sieht sich oft mit dem Verdacht konfrontiert, allzu leichtgläubig einer religiösen Scheinwelt auf den sprichwörtlichen Leim gegangen zu sein, die doch bereits vor 180 Jahren von Karl Marx als „Opium des Volkes“ demaskiert wurde: Der Glaube an Gott und die Ausübung von Religion könnten nämlich keineswegs die bestehenden Probleme lösen, sondern würden sie vielmehr nur überdecken oder auf den Ausgleich in einer jenseitigen Welt verweisen. Aber: „Kein Himmel kann Auschwitz wiedergutmachen.“

Lesen Sie hier mehr
Lieben_Leben_Lachen_Kämpfen
RPI Loccum (CC BY-NC-SA 2.0)

Das Hohelied – Ein Projekt für die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden

von Martin Wenzel

Die Liebeslyrik des Hohelieds regt seit jeher nicht nur die künstlerische Fantasie, sondern auch die theologische Kreativität an. Dies gilt zum einen für das Judentum, in dem das Hohelied auf die Liebe Gottes zu seinem Volk gedeutet und als Festrolle am Pessachfest gelesen wird. Zum anderen entstanden im Christentum insbesondere in der Alten Kirche und im Mittelalter vielfältige Auslegungen dieses Buches, in denen die Seele, Christus, die Kirche oder Maria ins Spiel und in den Text kamen. Von diesen allegorischen Interpretationen versuchte sich Martin Luther bewusst abzugrenzen und verstand das Hohelied als ein politisches Buch, in dem König Salomo ein Loblied auf seine eigene, durch Frieden gesegnete Regierung singt. War Luthers Interpretation nur eine geringe Rezeption beschieden, so fand dann in der Neuzeit eine grundlegende Veränderung des Verständnisses statt, demzufolge im Hohelied nicht von der göttlichen, sondern von der menschlichen Liebe die Rede sei. So betrachtete etwa Johann Gottfried Herder das Hohelied als eine Sammlung von weltlichen Liebesliedern. Diese Sicht hielt sich in der Folgezeit und herrschte auch in der alttestamentlichen Forschung bis vor wenigen Jahrzehnten vor: Allegorische Deutungen galten als Fehlinterpretationen, die nichts zum Verständnis des Buches beigetragen, sondern zu einer „babylonischen Gefangenschaft“ des Hohelieds geführt hätten. Dagegen haben neuere Studien herausgearbeitet, dass die Allegorisierung des Hohelieds bereits vor der endgültigen Fixierung des Textes stattgefunden hat. So wird mit Blick auf die jüngste Forschung sogar eine „gewisse Renaissance“ der allegorischen Auslegung beobachtet.

Lesen Sie hier mehr

Die Entwicklung des kindlichen Sterblichkeitswissens

Bild: Ulrike Mai, Pixabay

Von Elisabeth Schwarz

Um die Entwicklung der kindlichen Todesvorstellungen zu erklären, wurde lange Zeit von einer Korrelation zwischen Stadien der Begriffsbildung und kognitiven Reifungsprozessen ausgegangen. So wie der Erwerb von körperlichen Fähigkeiten oder der Erwerb der Sprache sollten sich auch die Vorstellungen über den Tod nach naturgegebenen und in altersabhängigen Stadien entwickeln. Demnach wären bei verschiedenen Kindern eines Alters in etwa die gleichen Konzepte über Tod und Sterben zu erwarten.

Verschiedene empirische Untersuchungen haben diese Erwartung jedoch relativiert. Sie haben gezeigt, dass sich gerade die Todesvorstellungen von Kindern gleichen Alters abhängig von ihrer Sozialisation im Hinblick auf ihren Realitätsgehalt teilweise sehr stark von einander unterscheiden.

Lesen Sie hier mehr

Neuer Gott und neuer Mensch – Mit der religiösen Tradition kritisch auf die Religion schauen

Foto: Newtown grafitti, CC BY 2.0

Von Andreas Behr

Religionskritik im Sinne eines kritischen und ggf. korrigierenden Blickes auf Religion gibt es auch in der Bibel. Dabei stehen weniger die kritischen Aussagen über andere Religionen im Vordergrund, sondern die Religion, die in den biblischen Schriften ihren Ausdruck findet, wird innerbiblisch kritisiert. „Tatsächlich dürften diese innerbiblischen Differenzierungen letztlich dafür verantwortlich sein, dass die Bibel sich lang-fristig und global als normativer Text durchsetzen konnte.“1

Im Folgenden geht es um zwei biblische Texte, die exemplarisch zeigen, wie in der Bibel das Gottesbild und das Menschenbild kritisch betrachtet und neu bestimmt werden. Beide Texte sind ausgewählt, weil sie sowohl im Hinblick auf eine drohende Klimakatastrophe als auch auf die Corona-Krise Aktualität besitzen: Die Noah-Geschichte (Gen 6-9) dreht sich um die Erfahrung einer Katastrophe, die einem extremen Wetterphänomen geschuldet ist. Dabei stellt die Geschichte in Aussicht, dass sich das Klima zukünftig insoweit gesicherten Bahnen bewegen wird, dass Frost und Hitze, Saat und Ernte nicht aufhören, der Mensch mithin keine globale Ausrottung befürchten muss. 

Lesen Sie hier mehr

Medizinische und ethische Fragen im Film

Von Nicole Schwarzer und Anja Klinkott

Am Sterbebett seiner Mutter erkennt ein Arzt seine eigenen Grenzen. Ein junger Mann am Beginn seines Erwachsenseins wird mit seinem Tod zum Lebensretter einer Mutter zweier Söhne. Ein junger Attentäter konfrontiert Lebensretter mit seinen Gedanken. Ein unsympathischer Cowboy übernimmt Verantwortung für seine Gesundheit und stellt sich damit einem mächtigen System entgegen.

In allen Geschichten lernen wir Menschen kennen, die an ihre Grenzen kommen, moralisch und ethisch. Wir erleben Mediziner*innen, Ärzt*innen und medizinisches Personal in den Konflikten zwischen Opfer und Täter*in, zwischen am Leben erhalten und sterben lassen, zwischen den Eltern, die ihre Kinder loslassen müssen, und den Kindern, deren Eltern weiterleben dürfen. Wir erleben sie zwischen politischen Interessen und dem Schicksal der einzelnen Person.

Diese Menschen kümmern sich als erste um die Schwächsten in unserem Leben. Sie stehen direkt neben ihnen, wenn es ihnen schlecht geht, wenn Körper und Geist nicht mehr das tun, was unsere Gesellschaft fordert. Diese Helfenden stehen immer wieder an den Wendepunkten unseres Lebens, am Beginn und am Ende. Das ist ihr Auftrag. In diesem Frühjahr sind sie besonders in unseren Fokus gelangt und wir haben Raum, uns darüber bewusst zu werden und Fragen zu stellen.

Lesen Sie hier mehr

„Je länger man schaut, desto mehr Sterne sind da.“ – Die Bibel entdecken mit Kindern in der Grundschule

5011194456_791de430e4_z
© Vernon Swanepoel (CC BY 2.0)

Von Tina Meyn

Finn blättert in einer Bibelausgabe der Guten Nachricht. Jasmin ruft: „Huch, das sind hier aber ganz andere Buchstaben!“, als sie das NT Graece, das Neue Testament in griechischer Sprache, aufschlägt. „Warum ist denn in diesem Buch so viel unterstrichen?“, will Hilke wissen. „Hier sind Bilder mit drin, das gefällt mir!“, ruft Jonas. „Ich will mir dies Buch anschauen: Das sieht spannend aus“, meint Maxi und greift nach der Biblia Hebraica, dem Alten Testament in hebräischer Sprache. „Hey, das hier ist Italienisch – das sprechen wir zuhause!“, freut sich Tea.

Beginn der Unterrichtseinheit: ‚Die Bibel entdecken‘ in einer dritten Klasse. Als die Kinder nach der Pause in den Klassenraum kommen, liegt auf einem Tuch vor der Tafel ein gutes Dutzend verschiedener Bibelausgaben. Neugierig fangen die Kinder an, in den Bibeln zu blättern. Einige erkennen die fremden Sprachen, weil sie diese selbst zuhause sprechen oder von Urlaubsreisen kennen. Die vielen verschiedenen Arten der Bibeln, ganz große (z.B. Biblia Hebraica), ganz kleine (z.B. Gideon Bibel) oder Bibeln mit bunten Bildern sprechen unterschiedliche Kinder an. Die Schülerinnen und Schüler sind fasziniert von dieser Vielfalt und wollen wissen, was es mit diesen Büchern auf sich hat.

„Die Bibel ähnelt dem nächtlichen Himmel: Je länger man schaut, desto mehr Sterne sind da.“ (Dimitri Mereschkowski, russischer Schriftsteller, 1865-1914). Um diese Sterne in all ihrer Vielfalt zu entdecken, können Grundlagen über die Entstehung der Bibel in exemplarischer Auswahl und Reduktion bereits sehr gut in der Grundschule eingeführt werden. Auf diese Weise kann bei den Kindern die Neugier geweckt werden für das, was alles im ,Buch der Bücher‘ stecken kann.

Lesen Sie hier mehr

Religionen im Gespräch

Achtsamkeit für die ganz Kleinen – die erste buddhistische Kinderkrippe Deutschlands

Religiös geprägte Kindergärten und Krippen wurden in Deutschland bisher in der Regel von den Kirchen betrieben. Seit einiger Zeit beginnt sich das zu ändern. In Hannover ist 2012 eine buddhistische Kinderkrippe entstanden. Was ist das Besondere an ihr?

Nachrichten

Größte Kinderbuchmesse "Kibum" in diesem Jahr überwiegend digital - Autoren lesen im Internet, in Schulen und Kitas aus ihren Werken

Oldenburg (epd). Deutschlands größte nichtkommerzielle Kinder- und Jugendbuchmesse, die Oldenburger "Kibum", steht in diesem vom Coronavirus geprägten Jahr unter dem Motto "Digital und anders!". ...

Lesen Sie mehr …

Evangelische Jugend gewinnt Preis für "Liebesattacken"

Hannover/Neu Wulmstorf (epd). Die Evangelische Jugend Neu Wulmstorf-Elstorf im Landkreis Harburg hat am Samstag den mit 2.500 dotierten Fundraising-Preis der Landeskirche Hannovers in der ...

Lesen Sie mehr …

Aktuelle Ausstellung

Kunstausstellung zur Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identität

Ab dem 17. September 2020 präsentieren das Religionspädagogische Institut und die Evangelische Akademie Loccum 30 Plakate der Wanderausstellung WE ARE PART OF CULTURE in den Räumen der Tagungsstätte Loccum. Zu sehen sind Porträts von kulturprägenden historischen Persönlichkeiten mit vielfältiger sexueller oder geschlechtlicher Identität. 

Lesen Sie mehr

Religionsunterricht stützen – Fortbildung stärken

Herzliche Einladung zur Teilnahme an der Studie "Qualität und Qualitätsentwicklung im evangelischen Religionsunterricht (Quiru)"

Im Rahmen des Projekts QUIRU soll herausgefunden werden, wie sich Fortbildungen für den Religionsunterricht auf Ihre berufliche Praxis auswirken. Verändert sich in Ihren Augen die Qualität Ihres Unterrichts durch das, was Sie in den Fortbildungen erfahren und erlebt haben? Welche Faktoren sind dabei entscheidend? Und was für einen Stellenwert haben Fortbildungen für Sie?

Lesen Sie mehr

EKD–Aktuell

Kinder in die Mitte! Evangelische Kindertageseinrichtungen: Bildung von Anfang an

Neue Handreichung der EKD

Online lesen (PDF)

Ansichten

Religiöse Motive durch Kunst entdecken

ANSICHTEN 2
Erste Schritte an Land (2015).
Künstler: Axel Kawalla, Hannover

Hier erfahren Sie mehr

Podcast

Herausforderung Digitalisierung

Prof. Dr. Sandra Aßmann

Vortrag von Prof. Dr. Sandra Aßmann (Ruhr Universität Bochum, Professorin für soziale Räume und Orte des non-formalen und informellen Lernens)

Rezension