AKTUELLE THEMEN

Bild: Gerd Altmann, Pixabay

Entwicklungen und Meilensteine des jüdisch-christlichen Dialogs

Von Jehoschua Ahrens

Der jüdisch-christliche Dialog hat sich in den letzten 20 Jahren intensiviert, insbesondere auch von jüdisch-orthodoxer Seite. Ein Beispiel dafür sind die beiden internationalen jüdisch-orthodoxen Erklärungen „Den Willen unseres Vaters im Himmel tun: Hin zu einer Partnerschaft zwischen Juden und Christen“ (2015) und „Zwischen Jerusalem und Rom: Gedanken zu 50 Jahren Nostra Aetate“ (2017). Auch die EKD hat 2015 und 2016 mit Kundgebungen auf Luther und die sog. Judenmission reagiert. Doch wieso kam es gerade in den letzten Jahren zu dieser Intensivierung im jüdisch-evangelischen Verhältnis? Wie hat es sich entwickelt?

Die Position des Judentums zum Christentum heute – wie sie u.a. in den oben genannten Erklärungen abgebildet ist – ist das Ergebnis einer Entwicklung und Erfahrung von nicht weniger als 200 bis 250 Jahren. Tatsächlich kamen die Dialogbemühungen in den letzten zwei Jahrhunderten zumeist von jüdischer Seite, nicht vom Christentum. In der Zeit der Aufklärung und Emanzipation keimte auf jüdischer Seite die Hoffnung, dass sich Jüd*innen und Christ*innen nicht nur staatsbürgerlich, sondern auch religiös annähern und schließlich gleichgestellte Partner sein könnten.

Lesen Sie hier mehr
Photo by Lindy Baker on Unsplash

„Wenn ich sagen soll, wer ich bin, dann erzähle ich meine Geschichte“ – Vorbilder und Biografien bzw. Lebensgeschichten

von Ingrid Schoberth

„Was tun Sie“, wurde Herr K. gefragt, „wenn Sie einen Menschen lieben?“
„Ich mache einen Entwurf von ihm“, sagte Herr K., „und sorge, dass er ihm ähnlich wird.“
„Wer? Der Entwurf?“ „Nein“, sagte Herr K., „der Mensch.“2

Wenn es um Vorbilder geht, dann geht es notwendigerweise auch um Biografien. Es geht um Lebensgeschichten, die sich gleichsam aus einzelnen Geschichten zusammensetzen, und es geht um das, was die Kohärenz der je eigenen Geschichte ausmacht. Diese Stimmigkeit der vielen Erfahrungen in Geschichten charakterisiert eine Biografie; sie kann freilich sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Dietrich Ritschl hat das in eine eindrückliche Metapher gefasst. Er vergleicht die Wahrnehmung einer je eigenen Lebensgeschichte mit einem Kaleidoskop3: Der Blick durch die Öffnung gibt ein Bild frei, das aus einzelnen Steinchen bunt und bewegt zusammengesetzt ist. Aber jede Biografie zeigt nicht nur ein einziges Bild – die Schwierigkeit und Dialektik ist schon bei Bertolt Brecht in der bekannten Geschichte vom Herrn Keuner prägnant benannt: Kann und darf man sich ein Bild von einem anderen Menschen oder sich selbst machen, um ihn danach zu formen? 

Lesen Sie hier mehr

PRAXIS

Betrachtet: Paul Klee: Angelus Novus (1920)

2-19_rabe
© Foto: The Israel Museum, Jerusalem / Wikimedia

Von Kirsten Rabe

Ein irritierendes Bild. Ein vogelartiges Wesen, dessen überdimensionierter Kopf an den eines Löwen erinnert, sieht mit weit aufgerissenem Mund und großen Augen ganz nah an der Betrachterin vorbei. Dabei hebt es die flügelartigen Arme und Hände wie zum Segen – oder zur Abwehr. Gleichzeitig scheint es, als drehe dieses Wesen demjenigen, der das Bild betrachtet, den Rücken zu. Eine uneindeutige Haltung, in der Paul Klee 1920 seinen „Angelus Novus“ in Ölfarben und Aquarelltechnik geschaffen hat.

Berühmt geworden ist diese kleine Zeichnung durch den Philosophen Walter Benjamin, der sie 1921 von Paul Klee erworben hat. 

Lesen Sie hier mehr

Berufe – Impulse für einen Nachmittag mit Seniorinnen und Senioren

Foto:Christopher Burns, Unsplash

Von Oliver Friedrich

Seniorenkreise, die ich vor Augen habe, sind überwiegend Gruppen von älteren Menschen, die sich meist einmal im Monat im Gemeindehaus versammeln. Größtenteils sind es Damen, die da kommen. Herren habe ich nur vereinzelt angetroffen. Und wenn, dann in Begleitung ihrer Ehefrau. Oft gibt es eine ehrenamtliche Leitung, die die alten Herrschaften schon lange kennt und im Blick hat, wer Geburtstag hatte, wer im Krankenhaus ist, wer abgeholt werden muss, weil der Weg ins Gemeindehaus nicht mehr alleine zu bewältigen ist. Die Ehrenamtlichen sorgen auch für die Vorbereitung des Nachmittags: Sie decken die Tische, kaufen Kuchen, kochen Kaffee und kümmern sich um das Programm. Pastorinnen und Pastoren kommen oft nur zur Andacht vorbei, um dann schnell zum nächsten Termin zu eilen. Das Programm ist vielerorts geprägt von Vorträgen und Präsentationen, Geburtstags- und Volksliedern, Gedichten und kurzen Geschichten, die vorgelesen werden. Die so gestalteten Nachmittage bringen die Seniorinnen und Senioren in eine passive Haltung. Lediglich die Phase des Kaffeetrinkens bietet Raum für Gespräche und Austausch. 

Lesen Sie hier mehr

Nicht Smartphone und Smartphone, sondern Mensch und Mensch! Eine Religionsstunde zum Thema Cyber-Mobbing in der 8. Klasse einer Integrierten Gesamtschule

Bild: un-perfekt, Pixabay

Von Franziska Baden

Eine besondere Schwierigkeit bei der Nutzung sozialer Medien ist die Wahrnehmung des vermeintlich „digitalen Gegenübers“ als Mensch. Wer alleine vor dem Laptop sitzt, das Smartphone in der Hand hat und sich nur über Text verständigt, vergisst oft, dass im Cyberspace Menschen vernetzt sind, die ebenfalls vor ihren Laptops oder Smartphones sitzen. Sich dieser Problematik bewusst zu werden, ist die Grundidee dieser Religionsstunde.


Sie steht im Zusammenhang einer Unterrichtssequenz zur Schöpfung als Auftrag an den Menschen.

Lesen Sie hier mehr

„… geheiligt werde dein Name“ – Ein Unterrichtsbeispiel zur ersten Bitte des Vaterunser für das 3./4. Schuljahr

Von Anna-Maria Klassen

Das Vaterunser – ein Text, mit dem die Botschaft Jesu im Kern ausgesagt ist, der zum Zentrum der christlichen Überlieferung und Glaubenspraxis 1 gehört und der Christenmenschen aller Zeiten, aller Konfessionen und jeden Ortes miteinander verbindet. Wenn sie nicht wissen, was sie beten sollen, so können sie diese Worte gebrauchen. Aber wissen sie, was sie da beten? „Was ist das?“, fragen die Lehrer der Kirche.2 „Was ist das?“, fragt auch die Unterrichtseinheit Mit Gott reden – Das Vaterunser (3./4. Schuljahrgang), in deren Kontext die vorgestellte Stunde steht. In der Einheit wird die Besonderheit der christlichen Rede zu Gott erarbeitet, indem der nicht immer leicht verständliche Text des Vaterunser gedeutet wird. Beginnend mit einer allgemeinen Stunde zu Wesen und Funktion des Gebets schreitet die Einheit die einzelnen Bitten des Vaterunser Stunde für Stunde ab. Eine fortlaufende Ergebnissicherung in Form eines Vaterunserhefts (M 1)3 ist sinnvoll, um den Zusammenhang der einzelnen Stunden für die Schüler und Schülerinnen zu verdeutlichen.

Lesen Sie hier mehr

Spielen im Religionsunterricht

Foto: Shelley Shang, Pixabay

Von Arthur Thömmes

Das Spielen im Religionsunterricht bietet eine aktivierende und handlungsorientierte Möglichkeit, den Schulalltag zu unterbrechen und ganzheitlich und kompetenzorientiert zu lernen.1

Wenn ich meine Enkelkinder beim Spielen beobachte, ist für mich besonders beeindruckend, dass sie noch über die kindliche Fähigkeit der Imagination verfügen. Die Ältere spielt am liebsten Rollenspiele. Dabei versetzt sie sich und die Mitspieler*innen in eine künstliche Situation: „Opa, du bist jetzt das Kind und Oma ist die Lehrerin.“ Anschließend lenkt sie uns wie eine Regisseurin durch die Spielhandlung. Die jüngeren Jungs spielen in einer anderen Welt mit Feuerwehr- und Polizeiautos. Sie bauen und konstruieren oder stehen als Rockstar auf einer imaginären Bühne, wobei alle möglichen Gegenstände zu einer Gitarre gemacht werden. Dabei sind wesentliche Merkmale des Spiels erkennbar: die Freiheit des Spiels, intrinsische Motivation, Selbstzweck, Wechsel der Realitätsebenen, Ritualisierung, Entspannung, Freude usw.

Lesen Sie hier mehr

An Biografien lernen – Filmtipps aus der Medienarbeit im Haus kirchlicher Dienste

Von Marion Wiemann

Menschen lernen nicht nur anhand von Verhaltenskonsequenzen, sondern auch durch Beobachtung (Modelllernen, Imitationslernen). Dazu braucht es Vorbilder, sowohl aus dem familiären Umfeld als auch aus gesellschaftlichen und zeitgeschichtlichen Bezügen. Im Nachvollziehen des Lebens anderer können eigene Erfahrungen gemacht werden und sich dabei eventuell neue Werte herausbilden. Die Reflexion des eigenen Lebensstils, eigener Werte und Normen gelingt gerade an Fremdbiografien einfacher, weil diese eine für die Auseinandersetzung notwendige Distanz ermöglichen.

In der heutigen globalen und multikulturellen Gesellschaft gibt es zahlreiche Wahlmöglichkeiten, wenn es um die Entwicklung von Lebenskonzepten geht: Showstars, Fußballhelden, kirchliche Persönlichkeiten wie Papst Franziskus oder die Aktivist*innen der Fridays-for-Future-Bewegung um Greta Thunberg. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Lesen Sie hier mehr

Orgelentdeckertage 2021

Orgelentdeckertage vom 3. – 16. Oktober 2021 – Programm für Schulen und Kindertagesstätten

Flyer

Nachrichten

Kabinett beschließt neuen Aktionsplan Inklusion

Hannover (epd). Die niedersächsische Landesregierung hat einen weiteren Aktionsplan Inklusion für die Jahre 2021 und 2022 beschlossen. Damit sollen die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention auf ...

Lesen Sie mehr …

Neues aus dem RPI

"Notfälle in der Schule bewältigen“ – Das Schulseelsorgeteam des RPI Loccum veröffentlicht eine neue Arbeitshilfe

„Wer es nicht schafft, sich vorzubereiten, schafft es, nicht vorbereitet zu sein“, so zitiert Bettina Wittmann-Stasch, Schulseelsorge-Dozentin am Religionspädagogischen Institut Loccum, ein ...

Lesen Sie mehr …

Neu: EKD-Denkschrift "Freiheit digital"

Die Zehn Gebote in Zeiten des digitalen Wandels

Wie lässt sich das Potenzial der Digitalisierung in Freiheit und Verantwortung nutzen? Das ist die zentrale Frage, die diese Denkschrift aufwirft und aus evangelischer Perspektive zu beantworten versucht. 

Lesen Sie mehr ...

Podcast

Multiprofessionelle Zusammenarbeit in der inklusiven Schule

Vortrag von DPD Dr. Wolfgang Dworschak (Ludwig-Maximilians-Universität München)

Rezension

Norbert Reck: Der Jude Jesus und die Zukunft des Christentums – Zum Riss zwischen Dogma und Bibel. Ein Lösungsvorschlag; Mainz 3. Auflage 2021, 192 Seiten; 22,00 €
 

Lesen Sie hier mehr ...