Bei Sport geht es um Spaß an der Bewegung, körperliche Fitness und manchmal auch um Wettkampf. Bei Religionen geht es um (eine) höhere Macht und die Seele des Menschen. Doch bei genauerem Hinsehen gibt es Parallelen: Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe stärkt Menschen in Religionsgemeinschaften und Sportvereinen gleichermaßen. Diese Gemeinschaft lässt sich ausdrücken und festigen durch Rituale, die Struktur geben und damit Bedeutung. Sportliche Fairness und mitmenschliches Handeln vermitteln Werte und Moral.
Die hier vorgestellten Filme erzählen Geschichten über Emotionen, Hoffnung und auch Glauben und eignen sich für den Einsatz im Religions-, Werte und Normen- sowie Ethikunterricht. Sie stehen im Medienportal unter www.medienzentralen.de/hannover zur Verfügung.
Das Nonnenrennen
Laurent Tierard
Frankreich 2022
Spielfilm 88 Min.
empfohlen ab 14 Jahren
Ein kleines Benediktinerkloster in den französischen Alpen ist in akuter Geldnot. Um ein marodes Altenheim sanieren zu können, wollen die Nonnen am jährlichen Fahrradrennen des Dorfes teilnehmen. Mit einiger Überzeugungskraft finden sie sogar einen geeigneten Trainer. Doch das ausgelobte Preisgeld sorgt für Konkurrenz: Ein anderer Nonnenorden quartiert sich unter Verweis auf christliche Schwesternschaft im Kloster ein, um selbst das Radrennen zu gewinnen. Die beiden Äbtissinnen kennen sich bereits aus der Schulzeit und haben noch Rechnungen miteinander offen.
Die französische Komödie kontrastiert Elemente sportlicher Wettbewerbe mit christlicher Glaubenssymbolik. Die überzeichnete und ironische Darstellung bietet Anlass zu der Frage, welche Rolle Humor im Umgang mit Religion, Sport und Gesellschaft spielen kann und wo dieser an Grenzen stößt. Der Film bietet außerdem die Möglichkeit, sich kritisch mit dem Bild von Sport als Leistungszweck und mit sportlicher Fairness auseinanderzusetzen.
Wir sind Champions
Javier Fesser
Spanien 2019
Spielfilm 118 Min.
empfohlen ab 14 Jahren
Seinen eigenen Ambitionen ist Marco immer hinterhergelaufen: Als Co-Trainer einer Basketballmannschaft wird er nach einem Disput entlassen und dann bekommt er auch noch Ärger mit der Polizei. Das Gericht verurteilt ihn zu Sozialstunden bei einer Gruppe von Menschen mit geistiger Einschränkung. Erst langsam versteht Marco, welche Chance sich ihm bietet und wie viel er zu gewinnen hat.
Sport in Schule und Freizeit ist für viele junge Menschen in erster Linie Wettbewerb: es geht um Noten, Platzierungen, Sieg oder Niederlage. Die spanische Komödie visualisiert eindrucksvoll, dass auch Menschenwürde, Solidarität, Nächstenliebe und Demut im Sport ihren Platz haben. Trainer und Teammitglieder müssen im Film immer wieder neu ihre Vorurteile überwinden.
Und vorne hilft der liebe Gott
David Kadel
Deutschland 2016
Dokumentation 26 Min.
empfohlen ab 12 Jahren
Filmemacher David Kadel hat eine Mission: Er will zeigen, dass Religion und Glaube auch im Alltag ihren Platz haben. Gemeinsam mit sechs bekannten Fußballspielern und Trainer Jürgen Klopp spricht er über die Rolle des Glaubens im Profifußball. Seine Gesprächspartner erzählen offen von schwierigen Lebensphasen und davon, welche Rolle Jesus und Gott in ihrem Leben spielen.
Sportprofis, die offen über Ängste und Alltagssorgen und über ihren Glauben sprechen, sind selten im Fernsehen. Der Film zeigt junge Sportidole jenseits von Fitness- und Motivationsansprachen.1
11 Götter sollt ihr sein. Fußball als Religionsersatz
János Kereszti
Deutschland 2016
Dokumentation 29 Min.
Lehrprogramm gem. § 14 JuschG
Fußballfans „pilgern“ gemeinsam zu den Spielen ihres Lieblingsvereins, die Spieler*innen betreten „heiligen Rasen“, Fans stimmen ihre „Hymne“ an und viele Spieler*innen und manche Trainer*innen werden verehrt wie sonst christliche Heilige. Werden Liturgien im Gottesdienst und Abläufe beim Bundesliga-Fußball einander immer ähnlicher? Und wird der Volkssport Fußball zu einer Ersatzreligion für Menschen, denen kirchliche Ansprache nicht mehr in ihr Leben zu passen scheint?
In einer säkularisierten Welt scheinen viele althergebrachte Rituale der beiden großen christlichen Kirchen überholt. Die Sehnsucht nach Lebenssinn bleibt davon unberührt. Die kurze Dokumentation bietet die Möglichkeit, über Sinnhaftigkeit von Alltags- und Sportritualen zu sprechen und eigene Vorstellungen auch für Liturgien und kirchliche Rituale zu entwickeln.2
Herbstgold
Jan Tenhaven
Deutschland 2010
Dokumentation 95 Min.
empfohlen ab 14 Jahren
Herbstgold erzählt die Geschichte von fünf Leichtathlet*innen, die sich auf die Senioren-Weltmeisterschaft vorbereiten. Ihre größte Herausforderung ist das Alter: Die Sportler*innen sind zwischen 80 und 100 Jahre alt. Mit Ehrgeiz und Humor trotzen sie der eigenen Vergänglichkeit. Filmemacher Tenhaven begleitet die Hochbetagten über ein Jahr lang bei ihrem Training. In parallel montierten Sequenzen geben die Sportler*innen Einblicke in ihr Leben, ihre sportlichen Ziele und in ihre Lebensperspektiven.
Mit dem Altwerden verbinden viele junge Menschen ein beschauliches Leben. Die Motivation im hohen Alter noch einmal bei Leichtathletik-Wettbewerben anzutreten, mag sie überraschen und bietet sich an, über Ehrgeiz und Lebensentwürfe, Glauben und das Leben im Alter ins Gespräch zu kommen.
Am seidenen Faden
Juan Carlos Romera
Spanien 2005
Kurzfilm 9 Min., OmU
empfohlen ab 9 Jahren
Ein Bergsteiger klettert mitten im Winter allein eine Steilwand hoch. Im Kampf gegen die Elemente wähnt er sich zunächst überlegen. Auch der Einbruch der Dunkelheit hindert ihn nicht, seinen gefährlichen Weg fortzusetzen, bis er abrutscht und in der Dunkelheit an seinem Sicherungsseil hängt. Allein und voller Angst ruft er nach Gott und dieser antwortet, aber anders, als es der verzweifelte Mann es erhofft.
Wann rufen Menschen nach Gott? Wann benötigen wir Gottvertrauen und welche Rolle spielt Glaube in unserem Alltag? Diese und andere Fragen lassen sich gut mit dem Kurzfilmklassiker aus dem Jahr 2005 visualisieren.
Harald
Moritz Schneider
Deutschland 2013
Animationsfilm 7 Min.
empfohlen ab 12 Jahren
Harald ist Profiwrestler und als solcher sehr erfolgreich. Besonders seine Mutter unterstützt ihn in seinen sportlichen Ambitionen und sorgt dafür, dass er nicht abgelenkt wird. Aber Harald hat eine geheime Leidenschaft: Blumen!
Es ist nicht verwerflich, Kinder zu fördern und sie zu Durchhaltevermögen und Disziplin anzuhalten. Wenn allerdings die Erfolge des Nachwuchses Lebensinhalt der Eltern werden, geraten Dinge aus dem Lot. Ähnliches gilt für Glaubensfragen: Informationen und Begleitung sind erforderlich, Heranwachsende müssen jedoch lernen, zu hinterfragen und eigene Wege zu beschreiten.
Anmerkungen
1. Siehe auch oben S. 5 in diesem Heft und https://www.kadelfernsehen.de
2. Siehe auch Loccumer Pelikan 3/2017, https://kurzlinks.de/69aq.