Homeschooling und Tools

Von Simone Liedtke

Foto: Annie Spratt. Unsplash

Homeschooling ist kein Selbstläufer. Bevor auf dieser Seite Tools für den Einsatz im Rahmen von Homeschooling vorgestellt werden, werden in gebotener Kürze die Schwierigkeiten des Homeschooling  skizziert (nur bezogen auf den Einsatz von Medien, nicht bezogen auf Inhalte): 

  • Man kann davon ausgehen, dass beinahe alle Kinder und Jugendlichen heutzutage Zugang zu Onlinemedien haben. Das bedeutet dennoch Unterschiedliches: Es kann z.B. heißen, dass in einem Haushalt ein Smartphone vorhanden ist – mehr aber auch nicht. Selbst wenn ein Laptop vorhanden ist: Was tun, wenn dieses Gerät zurzeit von Eltern im Home-Office genutzt werden muss?
  • Viele SuS sind beinahe ganz auf sich allein gestellt: Die Medienkompetenz vieler Eltern ist nicht sehr ausgeprägt; und auch viele Lehrende haben nach wie vor Schwierigkeiten mit Mediennutzung – selbst wenn es um ganz einfache Handlungen geht. Bei vielen Digital Immigrants wird jetzt erst deutlich, dass sie nach wie vor beinahe ausschließlich analog unterwegs sind. 
  • Es haben nicht alle Haushalte einen Drucker.
  • Es sind nicht alle Haushalte an ein schnelles Internet angeschlossen.
  • Uneinheitliche Betriebssysteme in den verschiedenen Haushalten erschweren die Nutzung mancher Apps, Tools, etc. 
  • Der Datenschutz ist wie so oft ein Problem oder zumindest eine große Herausforderung. Es kann z.B. nicht gewährleistet werden, dass die Inhalte, die behandelt werden, oder z.B. Bilder aus dem Online-Unterricht (über Screenshots ö.ä.) etwa in Social media gepostet werden. Die Gefahr von Cyber Mobbing wird eventuell größer.
  • Es kann z.T. nicht festgestellt werden, ob die SuS eine Aufgabe selbständig lösen.
  • Die Unterschiede zwischen SuS aus gut situierten und benachteiligten Umfeldern, aus sozial stabilen Familien und sozial schwachen Familien werden deutlicher und verstärkt zum Thema. Das zeigt sich an der Betreuungssituation, an der (technischen) Ausstattung daheim usw.
  • Schwierig sind mitunter Ablage und Verbleib von Dateien; zumindest müssen diese Punkte geklärt werden. Wo werden Daten, die z.B. dem Lehrenden geschickt werden,  gespeichert? Dies ist eine Frage des Datenschutzes, aber unter Umständen auch der Datenmenge. 
  • Wer verwaltet die gespeicherten Dateien? 
  • Wo erstellte Dateien verbleiben, ist außerdem – bei Lehrenden, bei SuS - mitunter nicht zu kontrollieren; Datenverlust wie Datenmissbrauch könnten zum Problem werden.  
  • Auf dem Weg zur digitalen Schule in Niedersachsen sind noch viele juristische Fragen offen, vor allem wegen fehlender rechtlicher Grundlagen in Bezug auf zu erbringende Prüfungsleistungen. 
  • Private Anschlüsse (Netz, Fernsehen) haben nicht immer – wie etwa eine mit digitalen Medien arbeitende Schule – einen (aktivierten) Filter, der aus Jugendschutzgründen nicht geeignete Inhalte und soziale Netzwerke blockiert.
  • An Tablet-Schulen können SuS das Tablet nicht zum „Daddeln“ benutzen, ohne dass die Lehrperson es bemerkt. Lehrkräfte können in der Regel während des Unterrichts mit einer App jederzeit die Bildschirme der Geräte kontrollieren. Beim Homeschooling geht das nicht. Soll/kann man Eltern als „Aufsicht“ einsetzen?

Es zeigt sich: Arbeit mit Medien heißt beim Homeschooling mehr denn je: Medienkompetenz (nicht nur der SuS) fördern und medienethische Grauzonen im Blick behalten. 
Schon allein bei einer Video-Konferenz, erst recht bei etwaigen kreativen Aufgaben mit Foto und Film werden SuS nun zum Beispiel verstärkt beachten müssen, was sie aus ihrem privaten Umfeld filmen und wie sie selbst Medienpräsenz zeigen: Sind sie etwa (ungewollt und unbemerkt) mit unangemessen privaten Bildern im Netz unterwegs? Was sieht man von ihnen auf dem Bildschirm? Was/wer ist im Hintergrund zu sehen? Was geben die SuS von sich, ihren Mitmenschen und ihrer Umgebung preis? 
Dies sind nur wenige der Fragen, die mir derzeit in den Sinn kommen, wenn es um das Thema Homeschooling geht. In der gebotenen Kürze der Zeit, in der wir nun zu reagieren haben, können nicht alle Anfragen erst geklärt werden, bevor der Unterricht stattfindet – erst einmal werden dafür hoffentlich die meisten Beteiligten Verständnis haben. Längerfristig müsste man Juristen zu Rate ziehen, ebenso Web-Entwickler, um angemessene Formate zu entwickeln. 
Ich denke, es sollten sich Lehrende mit ihren SuS erst recht beim Homeschooling auf Lernverträge einigen. Auch damit sind keine Garantieren für ein Gelingen dieser Unterrichtsform gegeben, aber zumindest wird ein Bewusstsein für die Notwendigkeit angemessener Strukturen und deren ausstehende Optimierung geschaffen:  

  • Man kann vereinbaren, dass die SuS Lerntagebücher führen. Eingetragen werden Unterrichtsinhalte, Fortschritte, etwaige Defizite und anliegende Termine. Dies dient zur Dokumentation und Information für SuS, Lehrende, Eltern. Es können einfache Verhaltensregeln aufgestellt werden, z.B. 
    - "Stelle sicher, dass zu Unterrichtsbeginn das Gerät (Tablet, Smartphone, Laptop), mit dem du arbeitest, aufgeladen ist bzw. Stromzufuhr hat.“ 
    - „Suche dir vor der Videokonferenz einen möglichst ruhigen Platz. Setz dich bitte in angemessener Kleidung vor den Bildschirm, so, wie du auch zum Unterricht im Klassenraum erscheinen würdest.“ [Klingt merkwürdig, ist aber aus Erfahrung wohl bedacht…]
  • Es können mit den Erziehungsberechtigten Mediennutzungszeiten vereinbart werden. 
  • Es sollte, sofern mit Video-Konferenzen oder von SuS produzierten Beiträgen gearbeitet werden soll, geklärt werden, was im Beitrag zu sehen sein darf und was nicht.
    - „Schaffe Dir einen möglichst neutralen Hintergrund."
    - „Filme keine anderen Personen, wenn diese nicht damit einverstanden sind.“ Etc.

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