"Gott ist ..." - Ein Experiment zur Gottesfrage

von Dietmar Peter

 

Die Frage nach Gott hängt eng mit der nach dem Leid auf dieser Welt zusammen. Um die Gottesvorstellungen der Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht zu thematisieren, bieten sich die nachstehend abgedruckten Karten (oder entsprechend der Lernsituation der Klasse veränderte Karten) an. Zur Vorbereitung werden diese vergrößert, kopiert, auf stärkeren Karton geklebt und ausgeschnitten.

Im Unterricht werden die Karten verdeckt in der Mitte eines Stuhlkreises ausgebreitet. Wichtig ist, dass auch einige unbeschriftete Karten ausgelegt werden. Nun fordert die/der Unterrichtende die Schüler zu einem Experiment auf:

 

Auch diejenigen, die an der Existenz Gottes zweifeln oder sie ablehnen, sollen für eine Unterrichtsstunde davon ausgehen, dass es Gott gibt.

Unter dieser Perspektive werden die Karten umgedreht und betrachtet.

Nachdem die Schüler genügend Zeit hatten, die Aussagen der Karten zu bedenken, sollen sie jene These wählen, der sie (unter den Bedingungen des Experiments) am meisten zustimmen und jene, die sie am meisten ablehnen. Sollten die Schüler keine entsprechenden Aussagen finden, können sie eigene Thesen formulieren und diese auf den unbeschrifteten Karten festhalten. Anschließend schreibt jeder Schüler die von ihm gewählten Thesen auf ein rotes (Ablehnung) und ein grünes (Zustimmung) DIN A4 Blatt. Die zu Beginn ausgelegten Karten werden nun eingesammelt, und die Schülerinnen und Schüler legen nacheinander ihre angefertigten Aussagen in die Mitte des Stuhlkreises und lesen sie dabei vor. Die Mitschüler kommentieren das Vorgelesene nicht.

Wenn Mensche leiden,
ist Gott fern.
 
 
Gott lässt Leid durch Gewalt zu,
denn er gibt den Menschen die
Freiheit, sch für Gutes oder
Böses zu entscheiden.
 
 
Gott sollte wegen des Leides
auf der Welt vor Gericht
gestellt werden.
 
 
Wir können zu Gott
sprechen, aber er kann uns nichts sagen.
 
 
Gott ist weit, aber nah.
 
Gott zeigt sich in der Natur.
 
 
Gott ist nicht die Antwort
auf alle Fragen.
 
 
Man weiß nie, was Gott will.
 
 
Im Krieg ist Gott fern.
Gott ist ein leuchtendes
Licht, auch für Mensche,
um die es dunkel ist.
 
 
Gott ist ohnmächtig.
Gott will, dass es den
Menschen gut geht.
 
 
Gott hat sich von dieser
Welt verabschiedet.
 
 
Wenn Menschenleiden,
leidet Gott mit ihnen.
 
 
Gott war auch in Auschwitz.
Ohne Gott gäbe es nichts
Gutes auf der Welt.
 
 

 

Ideen für die mögliche Weiterarbeit:

  • Die Aussagen werden in der Klasse diskutiert. Ähnlichkeiten und Unterschiede werden herausgearbeitet.
  • Die einzelnen Thesen werden verschiedenen (zu entwickelnden) Schwerpunkten zugeordnet und ein Meinungsbild der Klasse erstellt.
  • Die Aussagen werden auf ein großes Blatt (DIN A2) geklebt. Bilder und kurze Artikel aus Zeitschriften und Zeitungen, die zu den aufgeklebten Aussagen passen, werden in Kleingruppen ausgewählt und zu den Thesen geklebt.
  • Innerhalb der Klasse wird diskutiert, inwieweit die Frage nach Gott mit der Frage nach dem Leid auf der Welt zusammenhängt.
  • Die Schülerinnen und Schüler beschreiben, welche Bilder von Gott sie als Kinder hatten. Die Unterschiede zu den ausgelegten Aussagen werden benannt und Gründe für die Veränderungen bedacht.
  • Die Schüler malen Bilder (oder erstellen Collagen) zu einzelnen Aussagen.
  • Es wird der Versuch unternommen, das Gegenteil einzelner Thesen zu formulieren. Die sich ergebenden Konsequenzen werden diskutiert.
     

Abschließend werden der ggf. im Experiment erfolgte Perspektivwechsel und die Veränderungen des Gottesbildes thematisiert.

Text erschienen im Loccumer Pelikan 2/2001

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