Weil sie für die AfD kandidiert, verlor eine Erzieherin aus Salzgitter ihren Job. Nun wird vorerst nicht über den Streit verhandelt. Ihr Anwalt musste den angesetzten Termin absagen.
Braunschweig, Salzgitter (epd). Der für Freitag vorgesehene Gütetermin zu einer Kündigung einer Erzieherin aus Salzgitter aufgrund ihrer AfD-Kandidatur vor dem Arbeitsgericht Braunschweig findet zunächst nicht statt. Der Termin sei aufgehoben worden, weil der Anwalt der Erzieherin verhindert sei, sagte ein Gerichtssprecher am Mittwoch (Az: 3 Ca 472/26). Ein neuer Termin werde derzeit abgestimmt. Der Caritasverband Salzgitter hatte eigenen Angaben zufolge der Erzieherin gekündigt, weil er die Kandidatur für eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Organisation in einem „schwerwiegenden Spannungsverhältnis“ zu den eigenen Grundwerten sehe.
Der Caritasverband hatte betont, dass neben den grundsätzlichen Überlegungen, einer christlichen Haltung und Werteorientierung auch die Authentizität des Verbandes entscheidend für die Kündigung sei. In den Einrichtungen und Diensten könnten alle Klienten und Mitarbeitende, darauf Vertrauen, dass ihnen mit Achtung und Empathie begegnet werde: unabhängig von Herkunft, Nationalität, Religion, Weltanschauung, sozialem Status oder persönlicher Lebenssituation. „Dieses Vertrauen zu schützen, gehört zu unserem Selbstverständnis.“
Erzieherin mit Weltmeister-Titel
Dem Anwalt der Erzieherin, Dirk Schmitz zufolge, sei seine Mandantin kein Mitglied der AfD und seit mehr als fünf Jahren in dem Kindergarten tätig. In dieser Zeit habe es keinerlei Kritik an der Arbeit von Kerstin Zimmermann ihrer Arbeit gegeben. „Im Gegenteil: Alle waren stolz, eine Weltmeisterin und starke Frau im Kindergarten als positives Vorbild und liebevolle Kindergärtnerin zu haben.“ Zimmermann hatte vor wenigen Wochen den Weltmeister-Titel im Bodybuilding errungen.
In Jever war kürzlich einer Mitarbeiterin eines evangelischen Hospizes nach 15 Jahren durch die diakonische Organisation „Mission: Lebenshaus“ ebenfalls aufgrund einer AfD-Kandidatur gekündigt worden. In der Begründung hieß es auch dort, dass die Kandidatur für eine rechtsextremistische Partei in einem Spannungsverhältnis zu den Grundwerten von Diakonie und Kirche stehe. Ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht in Wilhelmshaven ist am 28. Oktober vorgesehen.
epd lnb cmo ucm