AfD-Kandidatur: Gericht verhandelt Klage von Erzieherin gegen Caritas

Nachricht 22. September 2026

Von Charlotte Morgenthal (epd)

Erneut hat eine Beschäftigte eines kirchlichen Arbeitgebers aufgrund ihrer AfD-Kandidatur bei den Kommunalwahlen ihren Job verloren. Der Fall der Erzieherin aus Salzgitter wird im Oktober vor dem Braunschweiger Arbeitsgericht verhandelt.

Salzgitter (epd). In Salzgitter ist einer Erzieherin in einem Kindergarten der Caritas aufgrund ihrer AfD-Kandidatur für den Rat der Stadt gekündigt worden. Die aktive Kandidatur für eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Organisation stehe in einem „schwerwiegenden Spannungsverhältnis“ zu den Grundwerten und dem Auftrag von Kirche und Caritas, teilte der Caritasverband Salzgitter in einer Stellungnahme mit. Der Anwalt der Erzieherin, Dirk Schmitz, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) er habe eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht Braunschweig eingereicht. Zuerst hatte die „Bild“ am Wochenende über den Fall berichtet.

Das zuständige Arbeitsgericht in Braunschweig bestätigte den Eingang der Klage (Az: 3 Ca 472/26). Ein Gütetermin sei für den 9. Oktober angesetzt, teilte ein Sprecher auf epd-Anfrage mit.

Vertrauen auf Achtung und Empathie

Anwalt Schmitz sagte, die Erzieherin Kerstin Zimmermann sei kein Mitglied der AfD und seit mehr als fünf Jahren in dem Kindergarten tätig. In dieser Zeit habe es keinerlei Kritik an ihrer Arbeit gegeben. „Im Gegenteil: Alle waren stolz, eine Weltmeisterin und starke Frau im Kindergarten als positives Vorbild und liebevolle Kindergärtnerin zu haben.“ Zimmermann hatte vor wenigen Wochen den Weltmeister-Titel im Bodybuilding errungen.

Der Caritasverband betonte, dass neben den grundsätzlichen Überlegungen, einer christlichen Haltung und Werteorientierung auch die Authentizität des Verbandes entscheidend für die Kündigung sei. In den Einrichtungen und Diensten könnten alle Klienten und Mitarbeitende, darauf Vertrauen, dass ihnen mit Achtung und Empathie begegnet werde: unabhängig von Herkunft, Nationalität, Religion, Weltanschauung, sozialem Status oder persönlicher Lebenssituation. „Dieses Vertrauen zu schützen, gehört zu unserem Selbstverständnis.“

Weiterer Fall in Jever

In Jever war kürzlich einer Mitarbeiterin eines evangelischen Hospizes nach 15 Jahren durch die diakonische Organisation „Mission: Lebenshaus“ ebenfalls aufgrund einer AfD-Kandidatur gekündigt worden. In der Begründung hieß es auch dort, dass die Kandidatur für eine rechtsextremistische Partei in einem Spannungsverhältnis zu den Grundwerten von Diakonie und Kirche stehe. Ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht in Wilhelmshaven ist ebenfalls für den 9. Oktober vorgesehen.

epd lnb cmo bjs