Die Zahl der Menschen mit schweren Behinderungen in Niedersachsen hat innerhalb von zwei Jahren deutlich zugenommen. Zudem sind überwiegend ältere Menschen betroffen. Der SoVD fordert daher sichtbare Inklusion und Teilhabe.
Hannover (epd). In Niedersachen leben mehr Menschen mit einer schweren Behinderung. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 seien insgesamt 779.245 Menschen mit einem festgestellten Grad der Behinderung von mindestens 50 verzeichnet worden, teilte das Landesamt für Statistik Niedersachsen am Dienstag in Hannover mit. Damit stieg die Zahl im Vergleich zum vorigen Stichtag Ende 2023 um 58.350 Personen, was einem Zuwachs von acht Prozent entspricht. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen forderte angesichts der Entwicklung stärkere Bemühungen für eine inklusive Gesellschaft und vor allem keine Kürzungen in der Eingliederungshilfe.
Ende 2025 waren etwas mehr Männer als Frauen betroffen. Rund die Hälfte wiesen mehrere Behinderungen auf. Bei rund einem Drittel der Betroffenen lag der festgestellte Grad der Behinderung bei 50, während bei einem Fünftel ein Grad von 100 festgestellt worden war. Eine angeborene Beeinträchtigung lag lediglich bei 19.710 Personen vor, bei der überwiegenden Mehrheit (94 Prozent / 731.605 Personen) lag der Behinderung eine allgemeine Erkrankung zugrunde.
Hoher Anteil älterer Menschen
Mit 460.950 Personen entfiel der größte Teil auf die Altersgruppe der 65-Jährigen und Älteren. Das entsprach rund 59 Prozent aller Menschen mit Schwerbehinderung. In jüngeren Altersgruppen war die Zahl deutlich geringer: So lebten 14.990 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis unter 15 Jahren sowie 5.580 Personen im Alter von 15 bis unter 18 Jahren mit Schwerbehinderung. Am häufigsten wurden Beeinträchtigungen der Funktion innerer Organe beziehungsweise von Organsystemen als schwerste Form der Behinderung festgestellt (218.115 Fälle). Es folgten Querschnittlähmungen, zerebrale Störungen, geistig-seelische Behinderungen und Suchtkrankheiten (183.290 Fälle).
„Das zeigt sehr deutlich, dass immer mehr Menschen jeden Alters auf eine Gesellschaft angewiesen sind, die alle mitdenkt und vollständige Teilhabe ermöglicht“, sagte der Vorstandsvorsitzender des SoVD in Niedersachsen, Dirk Swinke. Schaue man sich aber derzeit in der Politik um, sei davon wenig zu spüren. „Das beste Beispiel sind die geplanten Kürzungen in der Eingliederungshilfe. Das ist ein völlig falsches Signal“, sagte Swinke. Die niedersächsische Landesregierung müsse sich auf Bundesebene klar gegen die Einschnitte stellen.
Selbstbestimmt leben
Aus Sicht des größten Sozialverbands in Niedersachsen brauche es aber auch vor Ort mehr Anstrengungen, damit Menschen mit Behinderung gleichberechtigt teilhaben können. „Es muss in den Kommunen mehr auf Barrierefreiheit gesetzt werden - sowohl beim Wohnen und in den Schulen als auch im öffentlichen Nahverkehr“, forderte Swinke. Das sei besonders wichtig, damit Betroffene selbstbestimmt leben können. „Da geht es zum Beispiel um die Assistenz in der eigenen Wohnung, den Start einer Ausbildung oder den Kinobesuch.“
Die Erhebung wird alle zwei Jahre durchgeführt. Die Daten werden dem Landesamt für Statistik vom Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie auf Basis des dort geführten Registers übermittelt. Informationen über Todesfälle oder Fortzüge werden über Abgleiche mit dem Melderegister aktualisiert. Personen mit den Geschlechtsangaben „divers“ und „ohne Angabe“ werden aus Gründen der statistischen Geheimhaltung per Zufallsprinzip dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet.
epd lnb bjs