Schüler halten Elbbrücke für sinnvoll

Nachricht 15. August 2026

epd-Gespräch: Karen Miether

Seit Jahrzehnten wird über den Bau einer Elbbrücke im Nordosten Niedersachsens diskutiert. Schülervertreter aus Bleckede halten die bessere Anbindung des Amtes Neuhaus im Osten an den nächstgrößeren Ort für wichtig.

Bleckede (epd). Lange nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung markiert nach Ansicht von Schülern des Gymnasiums im niedersächsischen Bleckede die Elbe noch immer eine Trennung - auch in ihrem eigenen 12. Jahrgang. „Ein generelles Problem des ländlichen Raums mischt sich bei uns mit der Geschichte“, sagte Otto Ellerbrock (18), der auch Sprecher des niedersächsischen Landesschülerrates ist, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Darum glaube ich, dass mit einer Brücke die Gemeinschaft wieder gestärkt würde und auch das Zusammenleben unter jungen Menschen einfach einfacher würde.“

In Ellerbrocks Jahrgang sind nach seinen Angaben rund 50 Schülerinnen und Schüler, darunter zehn aus dem Amt Neuhaus östlich der Elbe. Die Region gehörte zu Zeiten der deutschen Teilung zur DDR und zu Mecklenburg. 1993 wurde sie offiziell in den westdeutschen Landkreis Lüneburg zurück gegliedert. Das nächstgelegene niedersächsische Gymnasium in Bleckede und die Kreisstadt Lüneburg sind von dort nur per Fähre oder mit weitem Umweg zu erreichen.

Trennung wirkt noch in den Alltag

Auf diese Weise wirke die Trennung bis heute auch im Alltag von Jugendlichen nach, sagt der 18-jährige Schüler Johann Arlt, der viele Jahre täglich aus dem Amt Neuhaus nach Bleckede zur Schule fahren musste. „Im Moment trennt die Elbe noch immer Freundesgruppen“, erläuterte er. „Diejenigen, die im Amt Neuhaus leben und keine Familie oder andere Anbindung zur anderen Elbseite haben, bleiben viel noch unter sich.“ Die letzte Fähre fahre um 23 Uhr berichteten die Schüler. Bei Niedrigwasser oder starkem Frost fielen die Fahrten ganz aus.

Wer mit seinen Schul-Freunden oder auch mal im größeren Lüneburg feiern wolle, müsse sich Übernachtungsquartiere suchen, sagte Johann Arlt. Umgekehrt habe er schon erlebt, dass im Amt Neuhaus Geburtstagsfeiern abgesagt wurden, weil Gäste aus dem westlichen Landkreis es weniger gewohnt seien, sich in der strukturschwachen Region dort ein Quartier für eine mögliche Übernachtung zu suchen.

Die Brücke, die es nicht gibt

„Im Matheraum unserer Schule sind die Wände bemalt mit Skizzen von einer Brücke, an der eigentlich Berechnungsformeln erklärt werden“, berichtete Otto Ellerbrock. „Für viele ist es aber die Brücke, von der immer wieder gesprochen wird und die es noch immer nicht gibt.“ Über die Elbquerung zwischen Darchau und Neu Darchau wird seit vielen Jahren politisch gerungen. Arlt plädierte dafür, mehr Begegnungsmöglichkeiten für Menschen beider Seiten der Elbe zu schaffen. „Das schafft Verständnis und das Gefühl, dass alle dazugehören. Eine Brücke wird dann auch von denen, die weiter weg leben, nicht als Steuerverschwendung abgetan.“

epd lnb mir bjs