Obwohl aktuell genügend Plätze vorhanden sind, besucht in Bremen fast jedes achte Kind vor der Einschulung keine Kita. Die bremische Kirche will mit "Kita-Netzwerkern" helfen und um Vertrauen bei den Eltern werben.
Bremen (epd). Mehr als 13 Prozent der Kinder in Bremen besuchen vor der Einschulung keine Kita. Damit ist das Land im bundesweiten Vergleich Schlusslicht, sagte der Leiter des Landesverbandes evangelischer Kindertagesstätten in Bremen, Carsten Schlepper, am Dienstag zum Beginn des neuen Kita-Jahres. Die Entwicklung sei problematisch: Viele dieser Kinder hätten einen hohen Sprachförderbedarf. Zudem fehlten ihnen soziale Kompetenzen, weil sie keine Erfahrungen in einer Gruppe gesammelt hätten.
Zwar plane die Politik ein verpflichtendes Kita-Jahr im letzten Jahr vor der Schule. „Doch das genügt nicht“, betonte der Experte für frühkindliche Bildung. Besser wären zwei bis drei Jahre. Um mehr Eltern für einen frühen Kita-Besuch ihrer Kinder zu gewinnen, setze die bremische Kirche deshalb auf das Konzept der „Kita-Netzwerkerinnen und Netzwerker“. Die sozialpädagogisch ausgebildeten Fachkräfte seien an zwölf Standorten im Einsatz. Sie bauten Netzwerke in den Quartieren auf, machten Angebote bekannt und unterstützten Eltern niedrigschwellig - etwa beim komplizierten digitalen Anmeldeverfahren. Ziel sei eine „Erziehungspartnerschaft“ zwischen Elternhaus und Kita.
Dass nicht alle Familien erreicht werden, liegt Schlepper zufolge auch an der großen sozio-kulturellen Vielfalt in Bremen. Etliche Eltern würden schlicht die kirchlichen Angebote nicht kennen oder seien mit den bürokratischen und digitalen Hindernissen bei der Anmeldung überfordert. Gerade in großen Familien gebe es die Überzeugung, dass die Kinder ebenso gut im Kreise der Verwandten aufwachsen könnten.
Hürden für Familien
Eine weitere Hürde sei die starre Bürokratie der Bremer Behörden. Dabei müssten laut Schlepper die Angebote der Kitas flexibler auf die Bedürfnisse der Familien zugeschnitten werden. Dazu gehörten zum Beispiel Platz-Sharing in Krippen, Startup-Spielkreise für junge Kinder oder Halbtagsgruppen. Die Lebenslagen und -entwürfe der Eltern veränderten sich - auch weil die Anforderungen in der Arbeitswelt sich veränderten.
Um die hohe pädagogische Qualität der Kitas zu sichern, seien intelligente Konzepte erforderlich und die Möglichkeit, Organisationsstrukturen zu öffnen, sagte Schlepper. Die Herausforderung sei eine auskömmliche Finanzierung und ein verlässlicher und planbarer Personaleinsatz. Diese Verhandlungen mit den Behörden gestalteten sich jedoch schwierig.
Weniger Kinder, aber nicht weniger Betreuungsbedarf
Dabei stehe Bremen zugleich vor einer gegenläufigen Entwicklung: Bis 2034 müssen Schlepper zufolge rund 3.200 der insgesamt etwa 29.000 Kita-Plätze abgebaut werden. Seit 2022 verzeichneten die Statistiker einen Geburtenrückgang, der im vergangenen Jahr deutlich spürbarer geworden sei, sagte Schlepper. Etliche junge Paare warteten aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung mit der Familiengründung und brächten dann nur ein Kind auf die Welt.
Die Kitas im Landesverband der bremischen Kirche seien gut aufgestellt. An den 64 Kita-Standorten seien im kommenden Kita-Jahr nahezu alle der knapp 4.400 Kita-, Krippen- und Hortplätze belegt, sagt Schlepper.
epd lnb jön bjs