Immer mehr Staaten diskutieren oder planen ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Der Landesschülerrat in Niedersachsen kritisiert die Maßnahmen als einseitig und betont, dass junge Menschen zu wenig gehört würden.
Hannover, Lüneburg (epd). Der Vorsitzende des Landeschülerrates Niedersachsen, Otto Ellerbrock, hat sich kritisch zur anhaltenden Debatte um eine Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige geäußert. „Vor allem stört mich, dass Jugendliche kaum in die Debatte einbezogen werden“, sagte der 18-jährige Schülervertreter aus Hohnstorf an der Elbe im Landkreis Lüneburg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zuletzt hatte Großbritannien angekündigt, die Social-Media-Nutzung für unter 16-Jährige im kommenden Jahr verbieten zu wollen.
Gegenwärtig konzentriere sich die Diskussion vor allem auf die jugendgefährdenden Aspekte der sozialen Medien, die Potenziale gerieten hingegen aus dem Blick, sagte Ellerbrock. So entstehe der Eindruck, Social Media bestehe nur aus Gewalt und Pornografie, und Jugendliche würden vorrangig derartige Inhalte konsumieren.
„Ich würde mir mehr Zutrauen in die Resilienz und das Differenzierungsvermögen junger Menschen wünschen“, betonte Ellerbrock, der das Gymnasium in Bleckede besucht. Er hob hervor, dass die sozialen Medien „neben hochproblematischem Content eben auch viele hilfreiche, pädagogisch wertvolle Inhalte bieten“.
„Pauschale Verbote bringen nichts“
Zugleich unterstützte der Schülersprecher Forderungen nach besserem Jugendschutz. Allerdings seien pauschale Social-Media-Verbote nicht der richtige Weg. „Vor allem sind Plattform-Betreiber wie Meta in der Pflicht, Maßnahmen umzusetzen, etwa eine Altersverifikation oder Filter für jugendgefährdende Inhalte.“ Auch Lehrkräftefortbildungen zum Umgang mit den sozialen Medien müssten intensiviert und verpflichtend gemacht werden, forderte Ellerbrock.
Wichtig sei, dass alle Seiten einen Beitrag zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Social Media leisteten, anstatt Jugendliche einseitig zu sanktionieren. „Und dazu gehört eben auch, dass weniger über uns als viel mehr mit uns gesprochen wird“.
Australien als Vorreiter
Seitdem in Australien seit Beginn dieses Jahres ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige gilt, wird in mehreren über eine Altersgrenze diskutiert, oder entsprechende Weichen werden bereits gestellt. Dazu gehören Kanada, Frankreich, Spanien, Griechenland, Norwegen und Österreich.
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