Die Botschaft des Miteinanders inmitten aller gesellschaftlichen und politischen Spannungen steht an Pfingsten in der Kirche im Mittelpunkt. Auch der evangelische Bischof Thomas Adomeit rief zu Zusammenhalt auf.
Oldenburg (epd). Der oldenburgische evangelische Bischof Thomas Adomeit hat am Pfingstmontag Christinnen und Christen dazu aufgerufen, in der Welt von Gottes Willen zu reden. Dazu gehörten Menschenwürde, Barmherzigkeit, Wahrheit und Frieden, sagte Adomeit, der auch Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen ist, in der Oldenburger St.-Lamberti-Kirche. Zum pfingstlichen Glauben gehöre die Prüfung der Worte, betonte der Theologe. „Wir prüfen Worte an der Heiligen Schrift. Wir fragen: Dienen sie dem Nächsten? Achten sie die Würde jedes Menschen? Stärken sie den Zusammenhalt? Oder säen sie Verachtung, Ausgrenzung und Angst?“
Das Pfingstfest erinnere die Menschen daran, dass eine Gesellschaft nicht von Lautstärke allein lebe. Sie lebe davon, dass Menschen einander noch verstehen wollten. Die Nachrichten aus der Welt ließen die Menschen dabei nicht los, sagte Adomeit. „Kriege dauern an. Der Ton in unserem Land wird härter. Das Vertrauen wird kleiner. Wir erleben eine Zeit, in der manche sehr laut reden. Laut auf allen Kanälen. Laut in schnellen Sätzen. Laut mit einfachen Antworten.“
Bürgerinnen und Bürger haben die Wahl
Lautstärke allein bedeute aber weder Wahrheit noch Mehrheit. Wer Angst verbreite, spreche darum nicht für das ganze Land. Wer andere herabwürdige, spreche nicht im Namen des Volkes, betonte Adomeit. Und wer den Zusammenhalt beschädige, dürfe nicht unwidersprochen behaupten, er allein wisse, was die Menschen wirklich wollten. „Wir haben es noch in der Hand. Wir können prüfen, was gesagt wird. Wir können unterscheiden, ob Worte dem Leben dienen oder es vergiften. Wir können widersprechen, wo Menschen verachtet werden. Wir können selbst anders sprechen: klar, nüchtern, menschenfreundlich.“
Der christliche Glaube sei kein „Vertröstungsglaube“. Er schaue hin auf Wunden, Schuld, Angst und Tod. Aber er bleibe dort nicht stehen, führte Adomeit aus. Pfingsten heiße daher: „Gottes Geist macht Menschen nicht blind für die Welt. Er macht sie fähig, in dieser Welt nicht zu verzweifeln.“ Darum sei Pfingsten so wichtig: „Der Geist Gottes macht aus Erinnerung Auftrag. Aus Trauer Hoffnung. Aus Angst Bewegung. Aus verschlossenen Türen Wege in die Welt.“
Drittes großes Fest im Kirchenjahr
Pfingsten ist nach Ostern und Weihnachten das dritte große Fest im Kirchenjahr. Der Name Pfingsten geht auf das griechische Wort „pentekoste“ (der Fünfzigste) zurück, weil das Fest seit etwa Ende des vierten Jahrhunderts 50 Tage nach Ostern gefeiert wird. In Erinnerung an die in der Bibel geschilderte Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Menschen wird Pfingsten auch als „Geburtstag der Kirche“ verstanden.
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