Die traditionsreiche Evangelische Akademie Loccum wird in diesem Jahr 80 Jahre alt. Dazu sind ein großes Festwochenende und eine Ausstellung geplant.
Loccum/Kr. Nienburg (epd). Die Evangelische Akademie Loccum, eine renommierte Tagungseinrichtung in Niedersachsen, blickt in diesem Jahr auf ihr 80-jähriges Bestehen zurück. Dazu ist für Anfang Juni ein großes Jubiläumsfest geplant, wie die Akademie am Montag mitteilte. Das Festmotto lautet „Auf Hoffnung gebaut“. Die Predigt im Festgottesdienst am 6. Juni in der Loccumer Stiftskirche hält Landesbischof Ralf Meister, der zugleich Abt des benachbarten Klosters Loccum ist. Mit einer Foto-Ausstellung in ihren Tagungsräumen will die Akademie auf ihre 80-jährige Geschichte zurückblicken.
Die Einrichtung wurde am 25. September 1946 vom damaligen Landesbischof Hanns Lilje (1899-1977) eröffnet, um Menschen aus dem gesellschaftlichen und politischen Leben bei Tagungen miteinander ins Gespräch zu bringen. Darunter waren auch immer wieder hochrangige Politikerinnen und Politiker. Erster Standort der Akademie war Hermannsburg in der Lüneburger Heide. Zum Jahreswechsel 1952/53 zog die Akademie dann ins Klosterdorf Loccum bei Nienburg um.
Bundespräsidenten, Senatoren und ein Hubschrauber
Die bewegte Geschichte der Einrichtung und des eng mit ihr verknüpften Religionspädagogischen Instituts Loccum wird in der Ausstellung durch 35 großformatige Fotografien dokumentiert, die vorwiegend in Schwarzweiß gehalten sind. Sie wurden aus hunderten Fotos der vergangenen Jahrzehnte herausgesucht, wie ein Akademiesprecher erläuterte. Die Ausstellung läuft bis zum 30. September.
„Bundespräsidenten gingen in Loccum ein und aus, Innenminister kamen dramatisch mit dem Hubschrauber eingeflogen und landeten auf der Kuhweide zwischen Kloster und Akademie“, hieß es. „Demonstranten schlugen einen Berliner Senator in die Flucht, und ein General der Bundeswehr nahm einen Anschlag mit Wattebäuschchen auf ihn gelassen hin.“ Zu diesen und weiteren Motiven erzähle die Schau kürzere oder längere Geschichten, die über einen QR-Code zugänglich seien.
Geschichten der Hoffnung
Dabei gehe es getreu dem Festmotto um „Hoffnungsgeschichten“, hieß es weiter: Nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Hoffnung bestimmend gewesen, dass in Deutschland wieder der Aufbau einer friedlichen Gesellschaft möglich sei. In der Zeit des Kalten Krieges habe die Hoffnung dominiert, dass eine ideologisch gespaltene Welt über den gemeinsamen Dialog wieder zueinanderfinden könne. Aktuell sei die Hoffnung leitend, dass das gemeinsame Nachdenken über Gott und sein Wort auch heute noch Lösungen für die Welt aufzeigen könne.
Für die Gründungsväter sei das Projekt einer Akademie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine „Glaubensangelegenheit“ gewesen, schreibt Akademiedirektorin Julia Koll im aktuellen Tagungsprogramm. Das traditionelle Bündnis zwischen Christentum und Konservatismus sei damals zerbrochen. „Aus den steinernen und geistigen Trümmern entstand nun der feste Wunsch, Gesprächsorte quer zu den alten, überkommenen Lagern zu schaffen.“ Bis heute sehe sich Loccum als Ort für gesellschaftspolitische Debatten und als kirchlicher Beitrag zu einem friedlichen, freien und solidarischen Zusammenleben.
Eine der ältesten Akademien in Deutschland
Loccum gehört zu den ältesten unter den 17 evangelischen Akademien in Deutschland. Zu ihren jährlich etwa 60 Veranstaltungen kommen im Schnitt rund 5.000 Besucherinnen und Besucher. Trägerin der Akademie ist die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers.
epd lnb mig bjs