Leer, Nordhausen (epd). Als einer von zwei jüdischen Überlebenden des Konzentrationslagers will der 101-jährige Albrecht Weinberg Mitte April aus dem ostfriesischen Leer zur Gedenkfeier anlässlich der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora in Thüringen anreisen. Altersbedingt werde das nicht einfach werden. „Aber wir haben es uns fest vorgenommen“, sagte Weinbergs Mitbewohnerin und Vertraute Gerda Dänekas am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zuvor hatte die Gedenkstätte bekannt gegeben, dass neben Weinberg auch der Überlebende Jerry Wartski aus den USA zu der Veranstaltung am 13. April erwartet werde.
Vor 81 Jahren, am 11. April 1945, wurde das Konzentrationslager Mittelbau-Dora durch US-amerikanische Truppen befreit. Unter dem Jahresthema „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ werde bei der zentralen Feier in Nordhausen an die 60.000 Häftlinge erinnert, die zwischen 1943 und 1945 in das KZ verschleppt wurden, hieß es. Die Gedenkrede sowie die musikalische Untermalung übernehme der Sänger und Autor Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen).
Von Auschwitz nach Bergen-Belsen
Albrecht Weinberg und Jerry Wartski kamen Anfang 1945 mit einem Räumungstransport aus dem KZ Auschwitz nach Mittelbau-Dora. Albrecht Weinberg wurde später weiter in das niedersächsische KZ Bergen-Belsen verschleppt und dort am 15. April 1945 von britischen Truppen befreit. Beide wanderten später in die USA aus. Weinberg sei in den vergangenen Jahren oft der einzige Überlebende bei der Gedenkfeier gewesen, sagte Dänekas. Dort zu erinnern, sei ihm ein wichtiges Anliegen. „Dieses Mal freut er sich auf ein Wiedersehen mit seinem Freund Jerry Wartski.“
Der im ostfriesischen Rhauderfehn geborene Weinberg kehrte 2012 im Alter in seine ostfriesische Heimat zurück und lebt heute in Leer. Er ist seit Jahren als Zeitzeuge aktiv und wurde für seinen Einsatz mehrfach ausgezeichnet. Das Bundesverdienstkreuz gab er allerdings im vergangenen Jahr zurück - aus Protest dagegen, dass die Unionsparteien im Bundestag mit den Stimmen der AfD einen Antrag zur Verschärfung der Migrationspolitik durchbrachten.
Dokumentarfilm über Weinberg
Weinbergs Leben und sein Kampf gegen das Vergessen sind in einem Buch des Journalisten Nicolas Büchse dokumentiert worden und in einem Film. Erste Einblicke von „Albrecht Weinberg - Es ist immer in meinem Kopf“ sind nach Angaben der Gedenkstätte am 14. April um 19 Uhr in der Stadtbibliothek Nordhausen zu sehen.
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