Ostermärsche: Friedensforscher erwartet steigende Teilnehmerzahlen

Nachricht 31. März 2026

Debiel: Mobilisierung durch aktuelle Kriege und Wehrpflicht-Debatte

Die aktuellen Kriege dürften nach Einschätzung des Friedensforschers Tobias Debiel für mehr Zulauf bei den Ostermärschen sorgen. In den Aufrufen würden auch Unterschiede in der Friedensbewegung sichtbar.

Duisburg, Hannover (epd). Der Friedensforscher Tobias Debiel rechnet aufgrund der aktuellen Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten mit mehr Teilnehmern bei den am Karfreitag beginnenden Ostermärschen. Bei der Mobilisierung zu den Friedensdemonstrationen stünden neben der Kritik an Völkerrechtsverletzungen durch Kriegsparteien die Aufrüstung der Bundeswehr und eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht im Mittelpunkt, sagte Debiel in Duisburg dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Ostermärsche sind in Bremen sowie in Niedersachsen in Hannover aber auch an kleineren Orten wie Emden, Goslar und Norderney geplant. In Unterlüß bei Celle wollen sich die Demonstranten am 6. April versammeln und anschließend zum Werkstor des dort ansässigen Rüstungskonzerns Rheinmetall ziehen. Im vergangenen Jahr waren nach Veranstalter-Angaben bundesweit mehr als 40.000 Menschen für Frieden und Abrüstung auf die Straße gegangen.

In regionalen wie zentralen Aufrufen zu den Ostermärschen werde das Völkerrecht nach vorne gestellt, betonte der Wissenschaftler von der Universität Duisburg-Essen. Von der Bundesregierung verlangten die Organisatoren der Demonstrationen, dass sie sich der Kritik an Verletzungen des Völkerrechts nicht nur gegenüber Russland, sondern auch im Blick auf Israel und die USA anschließe.

Ostermarschbewegung ist nicht einheitlich

Der Ukraine-Krieg werde in den Appellen in einen größeren Zusammenhang von Völkerrechtsverletzungen eingebettet, erklärte der stellvertretende Direktor des Instituts für Entwicklung und Frieden. Mitunter werde allerdings nicht klar benannt, dass Russland der Aggressor sei. Es sei dann nur vom „Krieg in der Ukraine“ die Rede. In Bremen und Hamburg richteten sich Aufrufe zudem klar gegen die Nato, die für eine Verlängerung des Krieges verantwortlich gemacht werde. Demgegenüber spreche etwa der Aufruf zum Mainz-Wiesbadener Ostermarsch klar von einem „Überfall Russlands auf die Ukraine“, sagte Debiel.

An solchen Punkten werde deutlich, dass die Ostermarschbewegung nicht einheitlich sei, analysierte Debiel. Das Spektrum reiche von christlichen und gewerkschaftlichen Gruppen bis zu linken und linksradikalen Kräften. „Als möglicher Teilnehmer oder mögliche Teilnehmerin sollte man genau darauf schauen, wie in den Aufrufen formuliert wird“, riet der Experte. Das gelte auch für den Gaza-Krieg. Die Hamas werde sehr selten als Aggressor benannt, Israel hingegen sehr oft. Wenn etwa Gewerkschafter oder christliche Friedensgruppen an den Aktionen beteiligt seien, könne man eher mit ausgewogenen Aufrufen rechnen.

Debatte um Wehrpflicht spielt zentrale Rolle

Eine zentrale Rolle spiele in diesem Jahr auch die Debatte um eine Wiedereinführung der Wehrpflicht, so Debiel weiter. „Die Ostermarschbewegung wird sicher etwas von den Schülerprotesten gegen eine Wehrpflicht profitieren“, sagte der Professor für Internationale Beziehungen und Entwicklungspolitik. Als weiteren Mobilisierungsfaktor nannte Debiel die sozialpolitischen Konsequenzen einer „maßlosen Aufrüstung“, wie das Netzwerk Friedenskooperative formuliere.

epd lnb lwd mir