Ganz erpicht auf Verzicht: Fragen und Antworten zum Fasten

Nachricht 15. Februar 2026

Gerade in der vorösterlichen Fastenzeit boomt der zeitweise Verzicht auf Nahrung, Alkohol und eingefahrene Angewohnheiten. Fragen und Antworten rund um Methoden, Hintergründe und gesundheitliche Effekte des Fastens.

Nach üppigen Weihnachten, einem rauschenden Jahreswechsel und dunklen Winterwochen erwacht bei vielen Menschen das Bedürfnis, den Reset-Knopf zu drücken,. Sie wollen innehalten, dem Körper etwas Gutes tun und rechtzeitig „frühlingsfrisch“ werden. Fasten verspricht dabei Erfolg - sei es, um religiöse Stärkung zu erfahren, lästige Angewohnheiten über Bord zu werfen oder einfach nur ein paar Pfunde loszuwerden. Fragen und Antworten rund um die Tradition des freiwilligen Verzichts.

Welche Ursprünge hat das Fasten?

Der Verzicht auf Nahrung hat vielfältige religiöse und kulturelle Wurzeln. In der Bibel fasten Menschen etwa zur Buße, zur Neuausrichtung auf Gott oder zur Vorbereitung auf wichtige Entscheidungen. Bevor Jesus sein öffentliches Wirken begann, ging er 40 Tage in die Wüste, um zu fasten und den Versuchungen des Teufels zu widerstehen. Aus dieser biblischen Erzählung entwickelte sich die christliche Tradition der vorösterlichen Fastenzeit.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) greift dies seit 1983 auf und lädt dazu ein, in den sieben Wochen vor Ostern mit einem jährlich wechselnden Schwerpunkt zu fasten. Die EKD-Aktion „7 Wochen ohne“ steht 2026 unter dem Motto „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“. Dabei geht es weniger um Nahrungsverzicht, sondern darum, zu sich zu kommen und innere Freiräume zu entdecken. In diesem Jahr beginnt die christliche Fastenzeit am 18. Februar, dem Aschermittwoch, und geht bis zum Karsamstag am 4. April.

Auch in anderen Religionen ist das Fasten bedeutsam. Muslime verzichten während des Fastenmonats Ramadan zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr, um Selbstbeherrschung zu üben und sich spirituell zu reinigen. Im Judentum gibt es keine längerfristigen Fastenperioden, sondern einzelne Fastentage wie den Versöhnungstag Jom Kippur. Im Buddhismus wiederum kennt das Fasten weder feste Termine noch klare Vorschriften. Vielmehr geht es darum, einen „Weg der Mitte“ zwischen zu viel und zu wenig zu finden.

Welche Anlässe und Vorsätze gibt es für das Fasten?

Neben der EKD-Aktion „7 Wochen ohne“, an der jährlich zwischen zwei und drei Millionen Menschen teilnehmen, hat sich eine individualisierte Praxis des Fastens etabliert. Diese geht oftmals einher mit bestimmten Fastenvorsätzen, die nach jährlichen Umfragen der Krankenkasse DAK vor allem den Verzicht auf Alkohol, Süßigkeiten und Fleisch betreffen. Auch eine zeitlich begrenzte Smartphone-Abstinenz und das Pausieren digitaler Mediennutzung („Digital Detox“) ist verbreitet. Ebenso das sogenannte Klimafasten, bei dem es darum geht, das eigene Konsum- und Mobilitätsverhalten kritisch auf seine Umweltverträglichkeit hin zu überprüfen.

Welche nahrungsbezogenen Fastenformen sind am beliebtesten?

Der Klassiker, das Heilfasten, hat Konkurrenz durch das sogenannte Intervallfasten bekommen. Während beim Heilfasten für eine bestimmte, oft rund einwöchige Zeitspanne vollständig auf feste Nahrung verzichtet wird, sieht das Intervallfasten nur möglichst lange Tagesabschnitte oder einzelne Tage als Fastenzeitraum vor.

Populär ist dabei zum Beispiel die sogenannte 16:8-Methode, bei der täglich 16 Stunden gefastet wird und innerhalb von acht Stunden gegessen werden darf. Üblicherweise wird die Essenspause durch das Auslassen des Abendessens oder des Frühstücks erzielt. Eine alternative Variante - die 5:2-Methode - sieht fünf Tage mit ausgewogener Mischkost sowie zwei Tage mit gedrosselter Nahrungszufuhr vor.

Welche Effekte werden dem Intervallfasten zugeschrieben?

Sofern Intervallfastende sich während der deutlich verkürzten Essenszeiten maßvoll und ausgewogen ernähren, können dabei überschüssige Pfunde purzeln. Das ist kein Spezialeffekt des Intervallfastens, sondern liegt an einer insgesamt reduzierten Kalorienzufuhr, wie sie auch mit anderen Methoden wie einer klassischen kalorienreduzierten Diät erzielt werden kann.

Eine Besonderheit, die dem Intervallfasten mitunter zugeschrieben wird, ist die sogenannte Autophagie, eine Art Reparaturprogramm für die Körperzellen. Dieses setzt allerdings erst dann ein, wenn die kurzfristig verfügbaren Energiedepots ausgeschöpft sind - also etwa nach längeren Fastenpausen.

Hinweise auf einen regenerierenden „Autophagie-Effekt“ geben Experimente mit Mäusen. So stellten US-Forscher fest, dass Tiere, die nur alle 21 Stunden gefüttert wurden, langlebiger waren als Artgenossen, die zwar keine größeren Mengen, aber dafür rund um die Uhr fressen konnten. Wissenschaftler aus München machten jedoch die einschränkende Beobachtung, dass die vorteilhaften Effekte des Intervallfastens nur bei erwachsenen Mäusen bestanden. Bei Jungtieren führten lange Fresspausen hingegen dazu, dass insulinproduzierende Zellen unterentwickelt blieben - ähnlich wie bei Menschen mit einem Typ-1-Diabetes. Ob sich die Erkenntnisse aus den Mäuse-Experimenten auf den menschlichen Organismus übertragen lassen, ist ungeklärt.

Was ist beim Heilfasten zu beachten?

Die in den 1920er-Jahren von dem Arzt Otto Buchinger entwickelte Heilfasten-Methode sieht einen zeitlich begrenzten Verzicht auf feste Nahrung vor, üblich sind dabei zwischen sieben und zehn Fastentage. In dieser Zeit werden ausschließlich Wasser, Gemüsebrühe, Kräutertees sowie Obst- und Gemüsesäfte getrunken. Obwohl dabei mitunter einige Kilogramm Körpergewicht verloren gehen, betont die Krankenkasse DAK, dass der Fokus beim Heilfasten nicht auf dem Abnehmen liegt, sondern auf einer bewussten Pause für den Organismus.

Der beim Fasten veränderte Stoffwechsel soll dem Konzept zufolge zur Entlastung und Regeneration des Körpers dienen, etwa indem entzündliche Prozesse gehemmt werden. Zudem soll das Heilfasten das Empfinden für Hunger und Sättigung schärfen und gesündere Ernährungsweisen befördern.

Um die Fastenzeit motiviert durchzustehen, empfiehlt sich das Fasten in Gruppen, wie sie viele Kirchengemeinden in der vorösterlichen Fastenzeit anbieten. Unerfahrene sowie Menschen mit Vorerkrankungen sollten zudem vor einer Heilfastenkur ärztlichen Rat einholen oder ganz in ärztlicher Begleitung fasten.

epd lnb dab mir