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Bild: Rainer Sturm  / pixelio.de

Rezension

Rezension

Alexander Dietz/Harald Seubert/Hans Schwarz (Hg.): Digitale Realutopien und christliche Heilserwartung. Spannungsfelder heutigen Glaubens. Festschrift für Werner Thiede, Berlin: LIT 2025 IX+, ISBN 978-3-643-14845-2, 614 Seiten, 49,90 € (E-book: 44,90 €)

 

Wenn ein Professor für Systematische Theologie naturgemäß die Grenzen seines Fachs in verschiedene Richtungen überschreitet, ist es angemessen, ihm als Jubilar eine vielfältige Festschrift zukommen zu lassen. Den Herausgebern ist zum 70. Geburtstag von Werner Thiede eine solche umfassende Jubiläumsgabe gelungen. Ganz auf der Linie des Geehrten umfasst der Inhalt ein weites Spektrum christlicher Theologie. 

Gleich zu Beginn steht mit der Überschrift „Digitale Realutopien” die Erörterung digitaler Themen, wobei der Fokus auf einer angemessenen Problematisierung dieses die Gesamtgesellschaft immer stärker betreffenden Themenbereichs liegt. Der Psychologe Harald Wallach etwa schreibt unter der Überschrift „Erlösungsphantasien in postmoderner Zeit – Digitalisierung, Transhumanismus und die stille Entsorgung klassisch-theologischer Positionen“. Er plädiert dafür, dass angesichts des vorherrschenden szientistischen Narrativs die Diskurshoheit wieder in die Hände der Öffentlichkeit und der kritischen Intelligenz zurückkehrt. 

Im systematischen Teil „Christliche Heilserwartung und Gottesvorstellung“ finden sich Beiträge zu grundlegenden theologischen Fragen, die das Christentum mit der in allen großen Kirchen in Geltung stehenden Trinitätslehre als identitätsstiftend betrachten. Konrad Müller, Ex-Leiter des bayerischen Gottesdienst-Instituts, beschäftigt sich mit „Bewusstsein und ‚Glaube‘“, indem er sich kritisch mit dem Postulat des Bewusstseins als „Epiphänomen“ auseinandersetzt; er sieht den Glauben als bedeutsamkeitserregenden Grund vor der persönlich gemachten Erfahrung liegen. 

„Historische und exegetische Studien“ dürfen selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen. So widmet sich der namhafte Zürcher Neutestamentler Jörg Frey dem spannenden Thema „Apokalyptik als Krisenbewältigung“. Er stellt klar, dass die biblischen Apokalypsen trotz aller Gerichts- und Untergangshorizonte immer auch Hoffnungsbilder bieten. 

Inhaltlich schließt der Band folgerichtig mit Aufsätzen zur „Gemeindepraxis“ ab. Das letzte Wort aber gehört gewissermaßen dem Jubilar selbst: Von seinen über 1000 Publikationen – darunter übrigens auch je ein kleines Gedicht- und ein Liederbuch – sind immerhin rund zwei Drittel aufgeführt.

Den insgesamt 26 Autor*innen aus Theologie, Medizin, Psychologie und Philosophie ist eine reichhaltige, ansprechende Jubiläumsgabe gelungen. Aufgrund der unterschiedlichen und mitunter auch provokanten Zugänge ist dem Band eine breite Leser*innenschaft zu wünschen. Dabei ist dessen Preis sehr attraktiv: Er liegt, gemessen am Umfang, deutlich unter dem bei wissenschaftlichen Verlagen inzwischen Üblichen.

Pfarrer Dr. Michael Lapp