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Bild: Rainer Sturm  / pixelio.de

Rezension

Rezension

 

 


Stefan Mendling (Text), Gabriele Pohl (Illustration)
Du bist wie ein Baum. 
Yoga-Bildkarten für den Kindergottesdienst.
Mit dem Körper beten und feiern in der Kinderkirche
Don Bosco Verlag
München 2025
EAN 4260694923146
15 Klappkarten DIN A5, 22,00 €

 

Mit dem Körper beten und feiern in der Kinderkirche

Der Untertitel sagt es bereits, die Yoga-Bildkarten sind für den Einsatz im kirchlichen Rahmen von Gemeinde und Gottesdienst gedacht. Ansätze dieser Art können aber auch für den Religionsunterricht in der Grundschule übernommen werden und in angepasster Form den Unterricht bereichern.

Der Ansatz eines christlichen Yoga greift die körperliche Ebene der Spiritualität, die Yoga enthält, auf. Im Bestreben um eine ganzheitliche sowie bewegte Religionspädagogik liegt es nahe, diesen körperlichen Zugang auch für Kinder weiterzuentwickeln. Im Vorwort von „Du bist wie ein Baum“ heißt es dazu: „Yoga verändert etwas auf der Körperebene – und ganzheitlich. Kinder können sich besser fokussieren, zur inneren Ruhe finden und sich in andere hineinversetzen – durch Yoga.“ In diesem Sinne können Yoga-Übungen Perspektivwechsel und ein tieferes Verständnis menschlicher Gefühle in biblischen Geschichten fördern. „Der Körper ist ganz Ohr“, beschreibt S. Mendling es, wenn Yoga-Übungen einen körperlichen Zugang und Resonanzraum zum Wort Gottes herstellen.

 

So läuft es ab: Aufbau

„Du bist wie ein Baum“ besteht aus 15 Klappkarten. Neben der Karte mit dem Vorwort gibt es drei Kategorien: Sechs Yoga-Mitmach-Geschichten, fünf Yoga-Mitmach-Gebete und drei Mal Yoga-Mitmach-Liturgie. Jede Klappkarte ist gleich aufgebaut, egal ob Geschichte, Gebet oder Liturgie. Die Vorderseite informiert über Thema, Bibelstelle und Wirkung, der Innenteil enthält die schrittweise bebilderte Anleitung der Yoga-Übungen samt Text. Auf der Rückseite sind die Wirkung auf Körper und Seele sowie ein Tipp zur Anwendung, Weiterarbeit oder Variation zu finden. Die Aufmachung der Klappkarten ist damit sehr übersichtlich und praxisorientiert gelungen. Mit einer Karte in der Hand sind alle nötigen Informationen zur Ausführung parat und direkt einsatzbereit. Allerdings nicht ohne eigene Vorbereitung. Die Yoga-Haltungen und Abläufe müssen vorab (am besten vor dem Spiegel) geübt werden. Darauf wird im Vorwort deutlich hingewiesen.

 

So sieht es aus: Aufmachung

Die farbliche Gestaltung ist angenehm schlicht und lässt die unterschiedlichen Kategorien von Geschichten, Gebeten und Liturgien deutlich erkennen. 14 Kinder, ganz divers und vielfältig, sind von G. Pohl im Stil von Buntstiftzeichnungen liebevoll dargestellt. Für jede Klappkarte ein Kind, das in allen Yoga-Posen gezeigt wird, ganz reduziert auf das Kind, dessen Farben und die Bewegung. Die Perspektiven der Zeichnungen lassen die jeweiligen Yoga-Haltungen und Bewegungsabläufe gut nachvollziehbar werden. Die zwei Textebenen von Bibel- oder Gebetstext und der Bewegungsanleitung sind dezent, aber gut erkennbar farblich abgesetzt.

 

So funktioniert es: Die Übungen

Zu jeder Geschichte, jedem Gebet oder jeder Liturgie wird eine Yoga-Einheit von vier bis sechs verschiedenen Haltungen durchgeführt. Die Yoga-Haltungen, die sogenannten Asanas, werden mit ihren ursprünglichen Namen genannt, aber teilweise variiert. Die Asana-Bezeichnungen passen teilweise unmittelbar zum Inhalt, wenn beispielsweise die Haltung „Das Kind“ in der Kindersegnung (Mk 10,13-16) verwandt wird. Andere Übungen werden umgedeutet und „die Heuschrecke“ symbolisiert dann die Arche. Der Sinnzusammenhang von Haltung und Text ist überwiegend selbsterschließend. Bei manchen Übungen ist der Zusammenhang aber nicht erkennbar oder wirkt konstruiert. Andere wiederum bieten neue, wertvolle Gedanken. So auch bei der Yoga-Geschichte zur Kindersegnung, wenn zum Schulterstand, bei dem die Füße in die Luft gestreckt werden und der Kopf am Boden liegt, gesagt wird: „Ja, die Welt der Erwachsenen steht Kopf“, weil Jesus die Kinder zu sich gerufen hat.

 

So schwer ist es: Die Yoga-Haltungen

Sowohl stehende, sitzende als auch liegende Haltungen werden ausgeübt. Der Großteil der Posen bedarf keinerlei Vorübungen und ist auch von Yoga-Neulingen problemlos zu meistern. Jedoch enthält fast jede Einheit mindestens eine herausfordernde oder sogar sehr schwere Übung. Ungeübte Kinder (und die anleitenden Erwachsenen) werden nicht ohne intensives Training einen Schulterstand, die schiefe Ebene oder gar die Brücke oder das Kamel bewältigen können. Als Beispiel: Beim Kamel geht aus dem Fersensitz heraus der gesamte Körper ab den Knien in einer Rückwärtsbeuge nach hinten, die Hände sollen dabei die Füße berühren. Selbst sportaffine Kinder werden diese Übungen nicht ohne weitere Hinweise, evtl. Hilfe oder aber entstehende Unruhe ausüben können. Damit dürften diese Übungen den Ablauf der Geschichte/des Gebets wesentlich unterbrechen und vom Inhalt eher ablenken als ihn zu vertiefen.

 

So klingt es: die Texte

Die Texte der Gebete und Liturgien sind passend auf die Yoga-Übungen abgestimmt. Wenn zum Text „Jesus, der für dich den Himmel auf die Erde holt“ in der Vorbeuge der Oberkörper nach unten fällt und mit den Armen durch die Beine schwingt, gewinnt die Aussage Gestalt. Die Erzählpassagen und die Beschreibung der Yoga-Übungen sind kurz, kindgerecht und verständlich gehalten. Dies gilt auch für die Yoga-Mitmachgeschichten. Allerdings sind diese teilweise stark verkürzt und umformuliert, um zu den Yoga-Übungen zu passen. Während das an einigen Stellen eine angemessene und kindgerechte Ergänzung bedeutet, wirkt es an anderen Stellen doch konstruiert oder verfremdend. Gerade lange biblische Geschichten wie Noah und die Arche oder die Ostergeschichte sind so vereinfacht, dass sie auf diesem Weg nicht ganz in ihrer Bedeutung erfasst werden können. Aber vielleicht sollte dies auch gar nicht der Anspruch sein. Die Yoga-Mitmachgeschichten können Aspekte vertiefen und spürbar machen, die in einer herkömmlichen Erzählung kürzer kommen, diese aber nicht komplett ersetzen.

Das trifft auch auf „Ein Yoga-Krippenspiel“ zu. Es eignet sich nicht, um allein damit Kindern die Weihnachtsgeschichte zu erzählen. Aber es bietet spannende und individuelle Zugänge zu der Geschichte auf körperlicher Ebene. Der Text zu jeder Yoga-Übung startet jeweils mit „Ich bin …“ und greift sechs verschiedene Perspektiven der Weihnachtsgeschichte auf „… Josef/ der Stern/ Maria/ der Esel/…“.

 

So lautet das Fazit:

Die Yoga-Bildkarten stellen ein kompaktes, praxistaugliches Material dar, das eine neue und ganzheitliche Herangehensweise an biblische Texte und Gebete bietet. Mehrere Geschichten und Gebete sind direkt umsetzbar, andere müssten auf durchschnittlich sportliche Zielgruppen hin noch deutlich angepasst werden.

Die Yoga-Mitmachgeschichten können ergänzend zu anderen Erzählformen erfahrbare und verständnisfördernde Tiefe sowie einen bewegten, körperbezogenen Zugang ermöglichen. 

Ein wertvoller, kindgerechter Ansatz, der in Kombination mit anderen Methoden und Herangehensweisen die Religionspädagogik in Gemeinde und Schule bereichern kann.
 

Kreske van Wezel