Rezension
Jens Rassmus
Juhu, LetzteR! Die neue Olympiade der Tiere
G&G Verlag Wien 2020
ISBN 978-3-7074-5237-2
64 Seiten, 18,00 €
Ein Bilderbuch, das mit Witz und überraschenden Wendungen Verlierer zu Gewinnern werden lässt
Eine tierisch gute Idee
Wie in jedem Jahr findet die Olympiade der Tiere statt, und wie stets ist es unglaublich langweilig. Wenn sowieso immer die gleichen Tiere gewinnen, kann es schon mal passieren, dass der Elefant auf der Tribüne einschläft und herunterpurzelt. Im entstehenden Chaos wird allen klar: Hier muss sich etwas ändern. Hamster und Zwergmaus haben die geniale Idee: „Ab jetzt gewinnen immer die, die verlieren.“ Alle Tiere sind einverstanden (nur die bisherigen Gewinner sind skeptisch), und so startet eine kuriose und amüsante Olympiade der anderen Art.
Ungewöhnliche Wettkämpfe, die begeistern und überraschen
Die Tiere treten in für sie denkbar ungeeigneten Disziplinen gegeneinander an. Kellerassel, Walross und Maulwurf messen sich im Hochsprung. Über ihre Sprunghöhe von genau 2 Millimetern jubelt die Kellerassel: „Juhu! Das war richtig schlecht!“. Das Walross springt gar nicht erst. Diese Leistung ist eigentlich nicht mehr zu unterbieten, aber was macht da auf einmal der Maulwurf?
In diesen turbulenten Wettkämpfen werden die Tiere überaus erfindungsreich, um als Verlierer zu gewinnen. Es macht riesigen Spaß zu erleben, wie der Einfallsreichtum über körperliche Vorzüge und Stärken siegt, Versagen auf einmal das Ziel ist und Frust und Leistungsdruck fröhlich-kreativem Durcheinander weichen.
Die kuriosen Sportspiele finden ihren Höhepunkt im Boxkampf, bei dem Hamster und Pinguin im Bestreben, schlechtester Boxer der Welt zu werden, sich jeweils selbst k.o. schlagen. Die etwas andere Olympiade wird zum vollen Erfolg, die Tiere jubeln begeistert und die Zwergmaus bringt es in ihrer Ansprache an alle Verlierer*innen auf den Punkt: „Ihr habt alle Erwartungen untertroffen! Ihr wart erstklassig schlecht. Wir sind sehr stolz auf euch!“
Der besondere Reiz der Geschichte
Die Illustrationen sind mal großflächig, farbig und ausdrucksstark, mal kleine schwarz-weiße Skizzen, die einzelne Situationen und Emotionen einfangen. Der fast schon karikaturartige Stil lässt die Lebendigkeit und den Witz dieser Wettkämpfe spürbar werden und setzt gerade das Nicht-perfekt-Sein liebevoll in Szene.
Jens Rassmus ist mit diesem Bilderbuch ein überzeugender Gegenentwurf zur sportlichen Leistungsmaxime gelungen, der den echten olympischen Gedanken verdeutlicht. Dabei eröffnet die Geschichte neue Sichtweisen und lädt zum Nachdenken über Fairness, den Wert unterschiedlicher Talente und echte Gewinner ein.
Kreske van Wezel