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Reihe "Gott im Spiegel"


Die in diesem Jahr erschienenen Bände „Gott im Spiel” des Autorenkreises um Martin Steinhäuser verstehen sich als eine Weiterentwicklung des amerikanischen Konzepts Godly Play von Jerome Berryman. Dieses geht von einem staunenden und fragenden Menschen aus, der über die Geheimnisse des Lebens nachdenkt und Grenzen sucht. Godly Play will Menschen bei dieser Suche begleiten. Es ist ein Konzept spiritueller Bildung, das junge und älter werdende Menschen dabei unterstützt, ihre Alltagserfahrungen zu deuten und ihrer ganz persönlichen Gottesvorstellung auf die Spur zu kommen. Godly Play liegen dabei zwei Überzeugungen zugrunde: 1. Gott will sich im Leben eines jeden Menschen erfahrbar machen und 2. Das Kind ist der Baumeister seines Lebens und Lernens. Auf der Basis dieser zwei Voraussetzungen ermutigt Godly Play Kinder zum Theologisieren und traut ihnen zu, Gott spielend und hörend, feiernd und gestaltend, staunend und redend zu begegnen. Diesen Zielen dienen eine bestimmte Raum-, Zeit- und Beziehungsstruktur sowie eigens entwickelte Darbietungen und Materialien. Geschichten sowie das freie, kreative Spiel genießen hierbei eine hohe Wertschätzung.1

Der deutsche Titel „Gott im Spiel” soll die konzeptionelle Weiterentwicklung des Ursprungskonzepts deutlich machen, erscheint allerdings aufgrund der intensiven Vorbereitungs- und Erprobungszeit, der didaktischen Grundlagenarbeit und der wissenschaftlichen Begleitprozesse als sehr bescheiden. Gegenüber dem amerikanischen Konzept gelingt es den deutschen Autoren in ihrer Weiterentwicklung, (theologische) Kritikpunkte des Ursprungskonzepts aufzunehmen und auszubessern, das Konzept an das deutsche Bildungssystem anzupassen sowie Lernprozesse fachwissenschaftlich einzuordnen.

Am Beginn der dreiteiligen Reihe steht das „Gott im Spiel – Handbuch für die Praxis”. Dieses ist das Grundlagenbuch des weiterentwickelten Konzepts und will einerseits Praxiswerk sein, in dem „Theorie und Praxis [sich] verschränken”, andererseits wird hier darauf hingewiesen, dass der Leser nach der Lektüre des Bandes nicht die Kompetenz zur Anleitung von „GOTT IM SPIEL”-Einheiten besitzt, sondern diese in einem Seminar erlangen sollte.

Faktisch werden in dem „Handbuch für die Praxis” jedoch nicht nur die grundlegenden Elemente des Konzepts Gott im Spiel theoretisch beschrieben, sondern immer wieder durch farblich markierte Praxisbeispiele, Übungen und Praxistipps ergänzt, was zu einer Erprobung geradezu einlädt. Die ebenfalls gekennzeichneten Exkurse ergänzen das Grundlagenwissen durch Einblicke in die wissenschaftlichen Kontexte des Konzepts. Einzig die Wahl der Fußnotenplatzierung am Ende jedes Kapitels erschwert die Lesbarkeit des Handbuchs. Daneben bleibt offen, warum die wesentlichen, interessanten und fachlich wichtigen Unterschiede bzw. Weiterentwicklungen des deutschen Konzepts nicht – wie zu erwarten gewesen wäre – zu Beginn des Handbuchs erläutert, sondern erst im Anhang unter Punkt fünf dargestellt werden, was sich nur vor dem Hintergrund verstehen lässt, dass das Handbuch eben doch ein Buch für die Praxis sein will.

Abgerundet wird das Grundlagenbuch durch das Kapitel „Mit Gott im Spiel in die Praxis gehen”, das sehr deutlich werden lässt, dass die Autoren die Unterrichtspraxis in Schule und Gemeinde kennen und dem Leser Mut machen wollen, „Gott im Spiel” trotz aller organisatorischer, räumlicher und zeitlicher Schwierigkeiten auszuprobieren, solange „grundlegende Merkmale […] – z.B. die Entschleunigung” 2 berücksichtigt werden. Der Anhang mit vielen Materialien, Literatur- und Liedtipps rundet dieses Bild ab.

Der zweite und dritte Band der Reihe, die „Gott im Spiel – Vertiefungsgeschichten zum Alten Testament” und die „Gott im Spiel – Jesusgeschichten” bedienen sich jeweils des gleichen Buchaufbaus: Zu Beginn jeden Bandes werden kurz wesentliche Aspekte wie Intention, Raumgestaltung- und Nutzung, das Zeitmanagement, Aufgaben der Leitenden sowie das Curriculum der Geschichten und die Gesten bei den Darbietungen überblicksartig erläutert, wobei darauf hingewiesen wird, dass der Leser mit dem grundgelegtem Konzept Godly Play vertraut sein sollte, um sich auf die Weiterentwicklungen von Gott im Spiel einzulassen.

Es folgt eine kurze Erläuterung der Entstehung der Vertiefungs- und Jesusgeschichten sowie eine Übersicht der benötigten Materialien (wie z.B. den Wüstensack, die Volk Gottes-Figuren, Teller und Krug, farbige Tücher) die für die Praxis als äußerst hilfreich erscheint, woraufhin sich die eigentlichen Darbietungen anschließen. Zu jeder Darbietung gehört neben dem Erzähltext und den Handlungsanweisungen eine theologische Einführung, Überlegungen zum Umgang mit dem Material, pädagogische Überlegungen, sowie die Erläuterung didaktischer Entscheidungen der Darbietung, was vor allem für Menschen ohne pädagogische oder theologische Ausbildung sinnvoll erscheint.

Am Ende des Buches sind Elternbriefe zu jeder Darbietung zu finden, die Eltern über den Inhalt der Stunde, die Materialien und den konzeptionellen Ansatz von Gott im Spiel informieren. Darüber hinaus laden diese Briefe dazu ein, mit den Kindern in ein theologisches Gespräch zu kommen, was ein Wirken des Konzepts über den angeleiteten Rahmen hinaus ermöglicht.

Während der Praxisband „Vertiefungsgeschichten des Alten Testaments”, der 17 „GOTT IM SPIEL”-Darbietungen enthält, tatsächlich als eine Weiterentwicklung der Godly Play Geschichten verstanden werden kann, enthält der Band „Jesusgeschichten” 25 neu entwickelte Darbietungen, die ein viel größeres Spektrum der Person und des Wirkens Jesu darstellen, als es das amerikanische Modell je tat. Jesus wird hier als Person in den Blick genommen und es werden unterschiedliche Glaubensgeschichten, in denen er eine Rolle spielt, unter den Oberbegriffen „Jesus stiftet Gemeinschaft, tut Wunder lehrt, diskutiert, leidet und stirbt und begegnet auf neue Weise” angeboten, was als didaktisch sinnvoll und theologisch nachvollziehbar erscheint.

Doch auch der Band „Vertiefungsgeschichten zum Alten Testament” nimmt Aspekte auf, die Jerome Berryman so nicht bedacht hat: Hier gibt es längere, komplexere Darbietungen, die einen höheren kognitiven Anspruch haben. Die gewählten Texte (z.B. Sara und Hagar) enthalten schwierige, teilweise verstörende Konflikte und regen so (mit Hilfe der neuen Ergründungsfrage: Ich frage mich, was ihr euch noch fragt?) zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit der Bibel an. Zusammenfassend kann also von einer gelungenen Weiterentwicklung des amerikanischen Konzepts gesprochen werden, die mit der „Gott im Spiel”-Reihe entstanden ist.

 

Anmerkungen:

  1. Vgl. https://www.godlyplay.de/index.php/was-ist-godly-play (Zugriff am 23.7.2018).
  2. Ursula Ulrike Kaiser, Ulrike Lenz, Evamaria Simon, Martin Steinhäuser: „Gott im Spiel” – Handbuch für die Praxis, 212.
     

Lena Sonnenburg

Text erschienen im Loccumer Pelikan 4/2018

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Ursula Ulrike Kaiser, Ulrike Lenz, Evamaria Simon, Martin Steinhäuser, Gott im Spiel, Handbuch für die Praxis, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig / Calwer Verlag / Don Bosco Leipzig 2018, ISBN 978-3-374-05470-1, 250 Seiten, 24,95 €
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Martin Steinhäuser (Hg.): Gott im Spiel, Vertiefungsgeschichten zum Alten Testament, ISBN 978-3-374-05468-8, 220 Seiten, 19,95 € 
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 Martin Steinhäuser (Hg.): Gott im Spiel, Jesusgeschichten, ISBN 978-3-374-05469-5, 320 Seiten, 22,95 €