Du stellst meine Füße auf weiten Raum
Psalm 31,9
Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers und das Religionspädagogische Institut Loccum trauern um Christiane Kürschner, die am 9. April 2026 im Alter von 76 Jahren verstorben ist.
1988 hat Christiane Kürschner auf einer neu geschaffenen Projektstelle an der Marktkirche in Hannover als Kirchenpädagogin begonnen. Dieses Arbeitsfeld gab es vorher nicht, nur erste museumspädagogische Ansätze in Nürnberg. Sie hat dieses Arbeitsfeld aufgebaut und über 25 Jahre in unterschiedlichen Stellenkonstellationen, zuletzt als Dozentin am RPI, kontinuierlich weiterentwickelt. Ihre Tätigkeit hat Christiane Kürschner nicht auf die Hannoversche Landeskirche beschränkt, sondern war bundesweit engagiert, bestens auch ökumenisch und schließlich international vernetzt. Der erste Arbeitsbogen für Schüler*innen wurde rund 33.000-mal gedruckt. Kirchenräume waren für Christiane Kürschner nicht nur architektonische Räume und Räume mit Geschichte, sondern sinnlicher und damit ganzheitlicher Ausdruck des Glaubens. Sie hat sie als Orte zum Leben vor Gott und mit Gott verstanden und dies anschaulich insbesondere an junge Menschen vermittelt.
Christiane Kürschners Liebe zu Kirchenräumen, zu Kunst und Musik wurden durch ihr Elternhaus in Dresden und durch die vielen Kirchen und Kunstwerke dieser Stadt geweckt. Studiert hat sie Anglistik und Slawistik und als Lehrerin gearbeitet. Sie war von der These „Kirchenpädagogik als Verkündigung“ überzeugt. Ihr Leben lang wollte sie den Glauben an den dreieinigen Gott weitergeben, unbedingt und mit Leidenschaft. Dabei war sie bleibend geprägt durch ihre Erfahrungen in der DDR, wo Christsein immer die Frage nach dem mutigen Bekenntnis aufgeworfen hat. Dem hat sie sich damals engagiert gestellt und konnte in ihrer Arbeit als Kirchenpädagogin gut mit den Fragen der Säkularisierung und des Laizismus umgehen. Sie hatte in der damaligen DDR das Unrechtsregime am eigenen Leib erfahren, hat sich mit Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Gewalt gerade in ihrer Zeit an der Gethsemanekirche in Berlin auseinandergesetzt – mit allen Konsequenzen für ihr eigenes Leben und das ihrer Familie.
2003 kam Christiane Kürschner ans RPI Loccum, zunächst als Beauftragte der Arbeitsstelle für Kirchenpädagogik, ab 2005 als Dozentin für Kirchenpädagogik. Ein Wechsel, der Steine ins Rollen brachte: Hier bildete sie zahlreiche ehrenamtliche Ansprechpartner*innen für Kirchenpädagogik aus, sorgte für deren Beratung und Begleitung. Sie baute ein landeskirchenweites Netzwerk der Kirchenpädagogik weiter aus. Für die Arbeit als Dozentin am RPI hat Christiane Kürschner wissenschaftlich-theologische Kompetenzen im Fernstudienlehrgang Evangelische Theologie in Hildesheim erfolgreich erworben. Tatkräftig arbeitete sie am RPI nicht nur für Kirchenpädagogik, sondern auch in anderen Bereichen bis zu ihrer Pensionierung 2014 mit.
Christiane Kürschner war eine Pionierin, ohne die es Kirchenpädagogik als Arbeitsfeld vermutlich nicht gegeben hätte. Mit Herzblut, Kreativität und Beharrlichkeit hat sie Kirchentüren für junge und erwachsene Menschen zur Erkundung von Kirchenräumen geöffnet. Mit ihrer regionalen und zentralen pädagogischen Arbeit hat sie dafür gesorgt, dass Kirchenräume als alte, neue Zugänge zu Glauben begangen und Kirchenpädagogik als Schlüssel zur Erschließung von christlicher Religion in Gebrauch genommen werden. Diese praktische Arbeit und ihr hohes Engagement haben Verantwortliche in der Landeskirche davon überzeugt, dass Kirchenpädagogik ein wichtiger Weg dafür ist, Kinder und Jugendliche mit Glauben und Kirche in Kontakt zu bringen. Ihr denkwürdiges Wirken lebt in der religions- und gemeindepädagogischen Entwicklung weiter.
Unsere Anteilnahme gilt den Angehörigen.
Christiane Kürschners unvergessenem kirchenpädagogischem Einsatz gebührt großer Dank und Anerkennung. Wir werden sie in lebendiger Erinnerung behalten.
Dr. Kerstin Gäfgen-Track Prof. Dr. Silke Leonhard
Oberlandeskirchenrätin Rektorin des RPI Loccum