Berufen. Vernetzt. Gestärkt. Vokationstagung 16.–18. Februar 2026

26. Februar 2026

Raus aus der Bubble – rein in die Vielfalt der Konföderation

Zur Vokationstagung im RPI Loccum vom 16. bis 18. Februar kamen Lehrkräfte aus allen Schulformen und Regionen Niedersachsens und den Kirchen der Konföderation zusammen. Eine Vokation ist die kirchliche Bestätigung der evangelischen Religionslehrkräfte zur Erteilung von Religionsunterricht.

Da tagten junge Religionslehrerinnen aus Grundschulen neben Kolleginnen aus Realschulen und Gymnasien. Da traf ländlicher Raum auf städtische Systeme. Da wurde neu bewusst, dass es kleine Kollegien mit sechs Lehrkräften ebenso gibt wie große Schulen mit über hundert Kolleg*innen. Diese Vielfalt war nicht nur organisatorischer Rahmen, sondern inhaltlicher Gewinn.

Viele beschrieben den Perspektivwechsel als besonders wertvoll. „Es tat gut, die eigenen Themen einmal in einem größeren Zusammenhang zu sehen, andere Sorgen zu hören und zu merken, dass Herausforderungen geteilt werden – wenn auch unter ganz unterschiedlichen Bedingungen“, so Anna Louisa Hundertmark, die an der Theodor-Heuss-Realschule in Hameln unterrichtet.

„Wir kamen endlich mal raus aus der eigenen ‚Bubble‘, hinein in ein Gespräch über Schule, Kirche und Gesellschaft – Themen, die uns alle betreffen“, ergänzt Onno Rüther vom Gymnasium Buxtehude Süd. Gerade diese Weite hat die Tagung geprägt.

Workshops, Methoden, Schulseelsorge – Lernen in die Tiefe
Inhaltlich war die Tagung geprägt von intensiven Workshops, methodischer Vielfalt und Einblicken in zahlreiche Arbeitsbereiche. Besonders die Schulseelsorge wurde von vielen als bereichernd erlebt,. „Hier wird deutlich, wie sehr Religionsunterricht über reine Wissensvermittlung hinausgeht und Räume für persönliche Begegnung eröffnet“, so Joelina Oelrichs, vom Neuen Gymnasium Oldenburg.
Bemerkenswert war die Atmosphäre untereinander. Obwohl sich viele zuvor nur vom Namen kannten oder einander noch nie begegnet waren, entstand schnell ein vertrauensvolles Miteinander. Ohne Vorbehalte kamen die Teilnehmenden einander näher und verstanden sich gut. Dieses stille Einverständnis war fast selbstverständlich. Friederike Muschalla, ebenfalls Religionslehrerin am Gymnasium Buxtehude Süd, sagt: „Alle sind Religionslehrkräfte – niemand muss erklären, was das bedeutet oder wofür man steht. Diese gemeinsame Haltung hat uns durch diese Tage getragen.“

Das neue Unterrichtsfach Christliche Religion – gut vorbereitet auf das, was kommt
Ein zentrales Thema war die Auseinandersetzung mit dem CRU und den damit verbundenen Veränderungen. Die Frage „Was kommt da auf uns zu?“ stand im Raum und wurde offen diskutiert. Die Teilnehmenden erhielten fundierte Einordnungen, Hintergrundinformationen und hilfreiche Einschätzungen, die Orientierung gaben und Sicherheit vermittelten.
Gerade diese Klarheit wurde als stärkend erlebt. Wer Entwicklungen versteht, kann sie einordnen und aktiv mitgestalten. Viele gingen mit dem Gefühl nach Hause, gut vorbereitet zu sein und kommenden Veränderungen nicht nur abzuwarten, sondern ihnen professionell zu begegnen.

Leitung mit Klarheit, Humor und Haltung
Die Leitung durch Dozentin Kerstin Hochartz wurde von vielen ausdrücklich gewürdigt. Mit Klarheit, fachlicher Kompetenz sowie einer wohltuenden Portion Humor und Selbstironie führte sie durch die Tage. Sie stärkte die Gruppe, gab Orientierung und schuf einen Rahmen, in dem sowohl Ernsthaftigkeit als auch Leichtigkeit ihren Platz hatten. konzentriert und zugleich herzlich, verbindlich und offen. Mehrfach war zu hören, dass man sich hier „wie zu Hause“ gefühlt habe – getragen von gegenseitigem Respekt und echtem Interesse füreinander.

Fürchte dich nicht“ – ein Gottesdienst zwischen Zweifel und Zuversicht
Den Abschluss bildete der Gottesdienst zur Verleihung der Vokation, den die Teilnehmenden selbst mitgestalteten. Predigerin war Oberkirchenrätin Dr. Michaela Veit-Engelmann. Zweifel und Zuversicht bildeten das Leitmotiv, das sich durch Texte, Musik und Gebete zog und damit sehr nah an der Lebenswirklichkeit junger Lehrkräfte war. In ihrer Predigt spannte sie einen Bogen vom Propheten Jeremia über Bastian Balthasar Bux aus Michael Endes Roman „Die unendliche Geschichte“ und stellte Bezüge zum schulischen Alltag der Religionslehrkräfte im Jahr 2026 her. Ihre zentrale Botschaft lautete: „Fürchte dich nicht.“ Die gute Nachricht ist kein abgeschlossenes Ergebnis, sondern die Möglichkeit zu wachsen. Gott beruft keine fertigen Menschen, sondern Menschen auf dem Weg. Religionsunterricht und Schulseelsorge sind keine Orte perfekter Antworten, sondern Räume für Beziehung, Präsenz und Mitgehen.

Als Multiplikator*innen unterwegs
Am Ende der Tagung stand für viele der Teilnehmer*innen das Gefühl, mit Rückenstärkung zurück in die Schulen zu gehen. Die neuen Vozierten verstehen sich nun als Multiplikator*innen ihres Faches in einer sich wandelnden Bildungslandschaft. Im Jahr 2026, inmitten gesellschaftlicher Veränderungen und schulischer Transformation, kommt dem Religionsunterricht eine besondere Rolle zu: Er eröffnet Räume für Orientierung, für Zweifel und motiviert durch Begegnung, Austausch und geistliche Vergewisserung. Und so kehren die Teilnehmenden bereichert zu ihren Klassenräumen und Lehrerzimmern zurück. Sie tragen ihre Themen weiter in Kollegien, Kirchenkreise und Netzwerke – im Vertrauen darauf, dass sie nicht allein unterwegs sind.

Bianca Reineke, Öffentlichkeitsarbeit RPI Loccum

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