Zwei Wochen lang bereiten sich die Vikar*innen im Religionspädagogischen Institut Loccum auf ihre Schulphase im Rahmen des Vikariats vor. Sie planen Religionsunterricht, erproben Methoden und beschäftigen sich mit der Frage, wie theologische Themen so zur Sprache kommen können, dass sie Kinder und Jugendliche erreichen. Eine von ihnen ist Hannah Böckmann aus Westerstede. Für sie bedeutet die Schulphase auch eine Rückkehr zu ihren eigenen beruflichen Anfängen.
Erst Lehramt, dann Pfarramt
Hannah Böckmann wollte zunächst Lehrerin werden. In Flensburg studierte sie für das Lehramt an Gemeinschaftsschulen und belegte neben Religion auch Wirtschaft und Politik. Später entschied sie sich für das Pfarramt und wechselte in das Theologiestudium. Sie studierte in Wuppertal, Heidelberg und Leipzig. Ursprünglich kommt sie aus dem Gebiet der Landeskirche Braunschweig, ihr Vikariat absolviert sie gemeinsam mit ihrem Ehemann in der Oldenburgischen Kirche.
Dass sie nun wieder in die Schule zurückkehrt, freut sie besonders. Vieles kennt sie noch aus ihrem ersten Studium. Gleichzeitig blickt sie heute anders auf Unterricht und religiöse Bildung. „Ich freue mich darauf, wieder in der Schule zu sein und Dinge aus meinem Studium aufgreifen zu können“, erzählt sie.
Schule als eigener Lebensraum
Die Schulphase ist ein wichtiger Bestandteil der religionspädagogischen Ausbildung im Vikariat. Im RPI lernen die Vikar*innen, Unterricht fachlich fundiert und zugleich lebensnah zu planen. Anders als in der Gemeindearbeit gelten für den Religionsunterricht verbindliche schulische Vorgaben. Dazu gehören in der Grundschule seit kurzem auch die Kerncurricula für das Fach Christliche Religion. Sie beschreiben u.a., mit welchen Kompetenzbereichen sich die Schüler*innen beschäftigen sollen. Die Vikar*innen lernen, diese Vorgaben bei der Planung einer Unterrichtsstunde zu berücksichtigen und mit den Fragen und Erfahrungen der Kinder zu verbinden.
Dabei geht es nicht nur um die Vorbereitung auf die religionspädagogische Prüfung. Die angehenden Pastor*innen lernen Schule als einen eigenen Lebensraum kennen. Sie erleben Kinder und Jugendliche in ihrem Alltag und begegnen Menschen, die nur selten oder gar keinen Kontakt zu einer Kirchengemeinde haben. Diese Erfahrungen können später auch die Arbeit im Pfarramt prägen.
Hannah Böckmann empfindet gerade die Unterschiede zwischen Schule und Gemeinde als bereichernd. „In der Schule gibt es einen festen Stundenplan, feste Zeiten und klare Strukturen. Das ist anders als die oft sehr flexible Arbeit im Pfarramt.“
Kurze Wege im Dorf
Ihre Schulphase absolviert Hannah Böckmann an der Grundschule Gießelhorst in Westerstede. Die kleine Dorfschule mit etwa 20 bis 25 Kindern pro Klasse kennt sie bereits durch die Zusammenarbeit mit ihrer Kirchengemeinde, denn der Einschulungsgottesdienst wurde gemeinsam gestaltet.
Während ihrer Schulphase wird Hannah Böckmann in allen Klassenstufen hospitieren und selbst unterrichten. Manche Kinder kennt sie bereits aus der Gemeinde, anderen begegnet sie dort zum ersten Mal. „Durch die Schule lerne ich auch Kinder und Familien kennen, denen ich in der Gemeinde bisher nicht begegnet bin“, sagt sie. Zugleich erlebt sie Menschen, die sie bereits kennt, in einem neuen Zusammenhang.
Schule und Gemeinde neu zusammendenken
Im RPI werden die Vikar*innen darauf vorbereitet, religiöse Bildung nicht allein von der Kirche her zu denken. Im Religionsunterricht begegnen ihnen unterschiedliche Überzeugungen und Lebensgeschichten. Die Schüler*innen bringen eigene Fragen mit und sollen Raum erhalten, diese auszusprechen und weiterzuentwickeln.
Für Hannah Böckmann schließt sich damit ein Kreis. Sie bringt Erfahrungen aus ihrem früheren Lehramtsstudium mit, hat sich während ihres Theologiestudiums intensiv mit Glaubensfragen beschäftigt und lernt nun, beides im Religionsunterricht miteinander zu verbinden. Was sie in der Schule erlebt, wird sie auch in ihre spätere Arbeit als Pastorin mitnehmen. Das Unterrichten von jungen Menschen in der Schule macht die Vikar*innen pädagogisch und didaktisch auch fit für die verschiedenen Gemeindegruppen – oder bereitet die jungen Menschen für den Einsatz als Schulpastor*innen in unterschiedlichen Schulformen vor.
Eine junge Begleiterin im Vikarskurs
Gelegentlich begleitet Hannah Böckmanns neun Monate alte Tochter ihre Mutter ins RPI. Während der Kurseinheiten krabbelt sie durch den Raum. „Ein Mitvikar hat eigens für sie ein kleines Bilderbuch gebastelt“, erzählt Böckmann. „Außerdem konnte ich in der Lernwerkstatt des RPI einen Korb mit Spielzeug für sie zusammenstellen.“
In seiner Elternzeit kümmert sich ihr Mann um die gemeinsame Tochter und ermöglicht Hannah Böckmann damit die Teilnahme an den beiden Unterrichtswochen im RPI. Wenn die Kleine ihre Mutter nach Loccum begleitet, gehört sie ganz selbstverständlich zum Kursalltag dazu und bereichert die gemeinsame Zeit auf ihre Weise.
Foto und Text: Bianca Reineke