Von A wie Abt bis Z wie Zisterzienser
Kirchenpädagogik meint die Kunst, einen Kirchenraum mit seinen spirituellen und historischen Besonderheiten für interessierte Menschen zu erschließen“, so definiert der Bundesverband für Kirchenpädagogik die noch recht junge Arbeitsform, die inzwischen auch in der Wissenschaft als eigenständige religionspädagogische oder – didaktische Disziplin bekannt ist. Sie beschränkt sich nicht nur auf Kinder und Jugendliche, sondern hat zunehmend auch in der Erwachsenenbildung ihren Platz gefunden.
Im Veranstaltungsangebot des Religionspädagogischen Instituts Loccum (RPI) finden sich eine Reihe von aktuellen und früheren Tagungen zur Kirchenpädagogik, im Materialpool des RPI eine reichhaltige Sammlung von Artikeln und Konzepten für die kirchenpädagogische Arbeit.
Bei kirchenpädagogischen Tagungen des RPI gehen die Teilnehmenden meistens in die Stiftskirche des Klosters Loccum, wo es in der Kirche und den Kapellen des fast 860-jährigen Klosters viel zu erkunden gibt.
Der frühere Dozent des RPI Gerald Kruhöffer hat dazu schon vor vielen Jahren eine Arbeitshilfe verfasst. Für seine Frau, Barbara Kruhöffer, war die Erforschung des Klosters in vier Jahrzehnten, die sie in Loccum verbracht hat, eine Lebensaufgabe. In unzähligen Führungen, vielen Vorträgen und Artikeln hat sie anschaulich und kenntnisreich festgehalten, wie in den verschiedenen Epochen Sakralräume und sakrale Kunst entstanden sind, gestaltet wurden und welche liturgischen Funktionen sakrale Räume und Gegenstände hatten. In den Sakralräumen des Klosters kommt eine weitere Dimension dazu: in den ersten Jahrhunderten waren Kirche, Kapellen und Kreuzgang die Lebensräume eines Zisterzienserordens, nach der Reformation wurde die Kirche auch Gemeindekirche und das Kloster war zuständig für das Schulwesen. An vielen Stellen wird diese Transformation vom Lebensort eines Ordens hin zu einer lokalen Kirchengemeinde sichtbar.
Das Kloster Loccum hat unter dem Titel „Schätze des Klosters Loccum“ die Einsichten und Forschungsergebnisse von Barbara Kruhöffer herausgegeben. Mit insgesamt 107 alphabetisch sortierten Stichworten gibt dieses Buch allgemeinverständlich Auskunft über die Geschichte des Klosters, über die Traditionen der Zisterzienser, das Leben im Kloster von den Mönchen bis hin zum modernen Predigerseminar, die Gebäude und die Räume, die Kunstwerke und die Architektur und vieles mehr. Darin ist viel Material für kirchenpädagogische Arbeit enthalten, natürlich zunächst für die Stiftskirche des Klosters. Manches lässt sich auch auf andere Kirchen übertragen und für kirchenpädagogische Arbeit insgesamt fruchtbar machen.
„Die Zukunft der Kirche in der multikulturellen Gesellschaft hängt nicht unerheblich davon ab, ob den Menschen säkularisierter und anderer kultureller Kontexte christliche Inhalte verständlich und zugänglich gemacht werden können“, heißt es in einem Positionspapier des Bundesverbandes. Das gilt in Zeiten, wo nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch viele Erwachsene kaum noch Bezug haben zu Sakralräumen und der in ihnen praktizierten religiösen Praxis, mehr denn je.
Für Besucherinnen und Besucher des Klosters, auch im Zusammenhang einer RPI-Veranstaltung und für Interessierte an Sakralräumen und an Kirchenpädagogik, bietet diese Veröffentlichung des Klosters Loccum eine reichhaltige Fundgrube.
Das Buch „Schätze des Klosters Loccum“ ist im Kloster und anderswo erhältlich und kann auch über die Homepage des Klosters bestellt werden: https://kurzlinks.de/frx1.