Loccum im Kameralicht
„Für Gockel Konstantin hat Fliegen keinen Sinn, er muss am Boden bleiben und uns die Zeit vertreiben …“ – Wer singt da nicht gleich mit: „Au weia, au weia, der Hahn legt keine Eier …“?
Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, dass die Kinderserie „Neues aus Uhlenbusch“ im ZDF Premiere feierte. Am 24. Dezember 1977 wurde die erste Folge ausgestrahlt, drei weitere Episoden der ersten Staffel folgten im April 1978 – bemerkenswerterweise im Abendprogramm, um auch Eltern und ganze Familien vor den Bildschirm zu locken.
In 40 Folgen erzählte die Serie Geschichten von Kindern zwischen sechs und zehn Jahren in einem kleinen, fiktiven Dorf. Die Handlung wurde konsequent aus Kinderperspektive geschildert: Alltägliche Abenteuer, Rituale und das Erleben besonderer Ereignisse standen im Mittelpunkt. Selbst ernste und sozialkritische Themen wie Alkohol, Ohrfeigen, Schützenfest oder Hochzeit wurden stets mit den Augen der Kinder betrachtet – oft hielten sie den Erwachsenen den Spiegel vor und halfen, Konflikte aufzulösen.
Ein Publikumsliebling war „Onkel Heini“, Postbote Heinrich Lüders. Verkörpert von Hans-Peter Korff, der inzwischen verstorben ist, war er Freund, Verbündeter und ist innerlich selbst Kind geblieben. Mit kindlicher Begeisterung spielte er den Briefträger – sicherlich unvergesslich für viele Zuschauer*innen.
Loccum als Filmkulisse
Gedreht wurde nicht nur in Wiedensahl, Bornum am Elm, Eversen, Königslutter, Räpke und Schöningen, sondern vor allem in Loccum. Das Dorf war mehr als bloße Kulisse; es wurde selbst zu „Uhlenbusch“. Am 9. September 2020 schrieb die Kreiszeitung:
„Für das Dorf Uhlenbusch, in dem all das spielte, war Loccum Vorbild: Loccum, das sich seit Jahrhunderten in erster Linie durch sein Kloster einen Namen gemacht hatte, war plötzlich wegen ganz anderer Dinge in aller Munde – und zuvor war ein ganzes Dorf an den Dreharbeiten beteiligt.“
Bereits 2011 erinnerte sich Rudi Korte, zuständig für Requisiten, an den aufwändigen Dreh von „Das Schützenfest“: „Schausteller mit ihren Buden rückten an, ein Kinderchor sang, ein Spielmannszug spielte und Schützen mussten dabei sein, die auf den Vogel anlegen sollten.“ 1
Auch Loccumer Kinder standen vor der Kamera – etwa Karin Rode und Stephanie Hanebutt, die nach einem Casting in der Grundschule Hauptrollen erhielten. Weitere Schauspieler*innen waren unter anderem: Trude Breitschopf als Oma Piepenbrink, Hildegard Wensch als Tante Appelboom und Uwe Dallmeier als Bauer Brömmelkamp. Einige Nachwuchsdarsteller*innen wurden später in weiteren Filmproduktionen bekannt, darunter Moritz Bleibtreu, der den Jungen Moritz spielte.
Wiederholungen, Kino und unvergessliche Szenen
Bis 2013 lief die Serie insgesamt neunmal im Fernsehen. Heute sind viele Folgen weiterhin als Stream oder auf DVD erhältlich. 1980 kam sogar ein Kinofilm heraus: „Neues aus Uhlenbusch – Ich hatte einen Traum“, in dem drei Episoden mit einer Rahmenhandlung verknüpft wurden.
Besonders eindrücklich ist die Folge „Hochzeitsküsse“: Während eine junge Frau aus Uhlenbusch heiratet, spielen die Kinder die Trauung in einer umgebauten Scheune nach. Doch der erwartete Hochzeitskuss bleibt aus – das Kinder-Paar weigert sich. Auch Onkel Heini gibt sich standhaft: „Ich küsse nur, wen ich wirklich liebe.“ Erst die Musik eines blinden Klavierspielers, dem die Kinder zuvor geholfen hatten, verwandelt die Feier in ein inniges Fest – ganz ohne Zwang.
Erfolg über Deutschland hinaus
Konrad Droste schrieb in seinem Buch „Loccum – Ein Dorf – Das Kloster – Der Wald“, dass „Neues aus Uhlenbusch“ sogar in Australien und Japan ausgestrahlt wurde. Der 1993 eröffnete Kindergarten in Loccum erhielt den Namen „Uhlenbusch“ – bis heute trägt er ihn. Den Erfolg erklärte Droste so: „Es gelang hier auch ohne den erhobenen Zeigefinger, jene Seiten aufzuzeigen, die für eine Dorfgemeinschaft unersetzbar sind: Verständnis, Fürsorge, Humor und Zuneigung.“
„Neues aus Uhlenbusch“ war weit mehr als eine Kinderserie. Sie zeigte, wie Kinder die Welt sehen, wie viel Kindliches in Erwachsenen steckt und wie Kinder Erwachsene mit Witz und Herz herausfordern können. Die dörfliche Kulisse in Loccum hat ihren Teil zu diesem kleinen Stück Fernsehgeschichte beigetragen.
Anmerkungen
- Vgl. Kreiszeitung 11.02.2011.
Literatur
- Droste, Konrad: Loccum. Ein Dorf – Das Kloster – Der Wald. Beiträge zu einer bemerkenswerten Geschichte, Loccum 1999
- Kreiszeitung, Online-Ausgaben vom 11.02.2011 und 09.09.2020
- Neues aus Uhlenbusch (1977 – 1982). Ein Blick hinter die Kulissen des Serien-Klassikers, www.youtube.com/watch?v=_LhA4OEc-Ws