Rezension

 

Hans-Martin Gutmann, Birgit Kuhlmann und Katrin Meuche: Praxisbuch Schulseelsorge, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-525-580424, 239 Seiten, 29,99 Euro

Viele Lehrkräfte sehnen sich nach einer Schule, in der Leib und Seele, Lernen und Leben, Denken und Handeln miteinander verbunden sind und Lebensräume für jeden Einzelnen nicht verloren gehen – gerade im Ganztagsbetrieb. Deshalb sind die Weiterbildungsangebote zur Schulseelsorge in vielen Bundesländern sehr nachgefragt. Literatur dazu gab es bisher jedoch kaum. Mit dem vorliegenden Band von Hans-Martin Gutmann, Birgit Kuhlmann und Katrin Meuche ist ein Buch erschienen, das sich mit der Praxis der Seelsorge in der Breite dessen beschäftigt, was in der Schule gebraucht wird.

Das Praxisbuch bietet eine grundlegende Einordnung von Schulseelsorge ausgehend vom besonderen Ort der Schulseelsorge. Während Seelsorge grundsätzlich den Alltag von Menschen in den Blick nimmt, steht in der Schulseelsorge der Ort im Zentrum, der neben der Familie der wichtigste Lebensraum von Schülerinnen und Schülern ist. Schulseelsorge wird damit im Anschluss an Eduard Thurneysen beschrieben als „Sorge um den Menschen als Seele“ (S.16), denn sie sei zu beziehen auf den Alltag aller, die an einer Schule ein- und ausgehen. Demnach findet Schulseelsorge „dort ihren Ort, wo Routinen der Alltagssorge (oft herausgefordert durch einen Konflikt, eine Krise, ein grundstürzendes Ereignis) nicht mehr greifen und … durch die Fürsorge anderer unterstützt werden müssen“ (S. 15).

Schon in dieser Grundlegung zeigt sich, dass hier Schulseelsorge als eine spezifische Form von Seelsorge nicht allein als Krisenintervention oder Notfallseelsorge definiert wird – so wichtig diese Aufgabenfelder dennoch sind. Schulseelsorge hat zugleich „religionspädagogische und bildungstheoretische Aspekte“ (S. 23). In Extremsituationen können allerdings religiöse Sprache und die Handlungsmöglichkeiten von Ritualen eine Hilfe auch für Menschen sein, die sonst einen größeren Abstand zu spirituellen Zugängen und Religion insgesamt haben. Diesem besonderen Aufgabenfeld ist daher ein eigenes Kapitel gewidmet.

In einem ausführlichen Methodenteil werden sowohl lösungsorientierte Methoden in der individuellen Beratungsarbeit als auch die kollegiale Fallberatung beschrieben und in ihren einzelnen Schritten erklärt. Besonders hilfreich sind die Überlegungen zur Abgrenzung und Kasusbestimmung der Schulseelsorgearbeit im Zusammenspiel mit anderen Beratungsangeboten innerhalb der Schullandschaft. Die einzelnen Themenkapitel widmen sich der Breite des Engagements von Schulseelsorge insgesamt und bieten Handlungsmöglichkeiten im Trauerfall ebenso wie Modelle für die Einübung von Spiritualität und von Vitalität. Dem Umgang mit Heterogenität, besonders auch der kulturellen und religiösen Heterogenität ist ebenso ein eigenes Kapitel gewidmet.

Praxisbeispiele aus der Arbeit von Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorgern runden dieses für die Praxis gemachte und erdachte Buch ab. Eine wichtige Lektüre für alle, die mit der Arbeit der Schulseelsorge befasst sind.

Bettina Wittmann-Stasch

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 4/2014

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