Rezension

 

Friedrich Schweitzer, Joachim Ruopp und Georg Wagensommer: Wertebildung im Religionsunterricht. Eine empirische Untersuchung im berufsbildenden Bereich Reihe Glaube – Wertebildung – Interreligiosität. Berufsorientierte Religionspädagogik, Band 2 , Waxmann-Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-8309-2764-8, 223 Seiten, 29,90 Euro

Der zweite Band der oben beschriebenen Reihe „Glaube – Wertebildung – Interreligiosität. Berufsorientierte Religionspädagogik“ widmet sich der Wertebildung im Religionsunterricht der Berufsschule.
Teil 1 beschreibt zunächst die grundlegenden Zugänge: Der Berufsbezug, der dem beruflichen Schulwesen eigen ist, tritt auch bei der Frage der Wertebildung im BRU deutlich hervor. Im beruflichen Schulwesen kommen ja Menschen mit unterschiedlichsten Bildungsbiographien und Bildungsvoraussetzungen zusammen. Von Wirtschaft und Handwerk wird deshalb aus sehr praktisch orientierten Gesichtspunkten ein Beitrag des BRU zur Wertebildung gefordert, weil es Schülerinnen und Schülern an Ausbildung ermöglichenden Voraussetzungen fehle, wie z.B. an Ausbildungsreife. Ein weiterer Punkt ist, dass die multi-religiöse und multikulturelle Zusammensetzung von Arbeitsteams und Belegschaften in Betrieben für eine erfolgreiche Berufstätigkeit heute oft ein Minimum an interkulturellem Wissen erfordert, um mit anderen Wert- und Lebensorientierungen gut umgehen zu können.
Im zweiten Teil wird die Frage der Wertebildung sehr anschaulich und praxisnah behandelt, indem unterschiedliche Unterrichtsreihen wie z.B. „Meine Werte – Deine Werte – Lebensziele“ dargestellt und ausgewertet werden. Von welchen Werten lassen sich die Schülerinnen und Schüler leiten im persönlichen und im beruflichen Bereich? Wie verhalten sie sich in Konfliktsituationen am Beispiel eines ausländischen Kollegen, der beleidigt wird; an dem eines schikanierten Rekruten sowie am Beispiel einer Vater-Sohn-Geschichte? Dabei geschieht die Auswertung unter dem Fokus des Lernertrags bei den Schülerinnen und Schülern. Gewaltlosigkeit oder Gewaltverzicht kann durch Reden nicht als normativ bindendes Ethos verankert werden – sicherlich aber Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken und Reflektieren anhalten. Weitere Besprechungen von Unterrichtseinheiten profilieren die Frage, wie Wertebildung im Religionsunterricht christlich pointiert werden kann. Der dritte Teil versucht die Werteorientierung Jugendlicher durch konkrete didaktische Konzepte und Unterrichtsideen weiter zu bringen. Nach der jeweiligen Einführung ins Thema folgen Lernziele und Ideen zur Durchführung die mit reichen Material- und Medienhinweisen abgerundet werden. Die Hinweise auf Internetquellen erleichtern das eigene Erarbeiten zusätzlich.
Dieser Band ist mehr noch als sein Vorgänger der unterrichtlichen Praxis gewidmet und macht Lust darauf, das eigene Unterrichten genauer auf seinen Lernertrag bei den Schülerinnen und Schülern zu betrachten und daraus auch Konsequenzen zu ziehen.

Bettina Wittmann-Stasch

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 1/2013

PDF