Rezension

 

Veit-Jakobus Dieterich: Theologisieren mit Jugendlichen. Ein Programm für Schule und Kirche, Calwer Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-7668-4225-1, 211 Seiten, 26,95 Euro

Die Forschungen zum Programm eines Theologisierens mit Jugendlichen sind in vollem Gange. Im Laufe kurzer Zeit ist eine Reihe von Veröffentlichungen erschienen, die das Interesse und die nötige empirische Kleinarbeit auf diesem Feld widerspiegeln. Dazu gehört auch der Sammelband „Theologisieren mit Jugendlichen“, der aus einer Ringvorlesung an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg hervorgegangen ist. Der Sammelband gliedert sich in Aufsätze, die sich dem Thema programmatisch widmen (Veit-Jakobus Dieterich, Gerhard Büttner), solchen, die Untersuchungen ausgehend von theologischen Themen oder Begriffen anstellen (u.a. Hanna Roose: „Sünde ist …, Katrin Bederna: Jugendtheologie der Seele, Carsten Gennerich: Jugendvorstellung zur Vorsehung Gottes) und dabei empirische Untersuchungen und Praxiserfahrungen reflektieren, und schließlich in Aufsätze, die die Besonderheit des Jugendalters und der Lernsituation (Uwe Böhm, Manfred Schnitzler: Pubertätsalter, Katharina Kammeyer: Frage nach dem Theologisieren angesichts heterogener Lerngruppen) in den Blick nehmen.

Bemerkenswert erscheint mir, dass die einzelnen Beiträge sich sorgfältig um begriffliche Klärungen und Präzisierungen bemühen, und zwar sowohl bei der theoretischen Grundlegung eines Programms zum Theologisieren mit Jugendlichen als auch im Rahmen der Praxisanalyse bei der Strukturierung und Aussagefähigkeit der Schülerbeiträge. Der Diskurs um die Jugendtheologie beginnt nicht bei null, sondern führt die Forschung um das Theologisieren mit Kindern weiter und nimmt gleichzeitig die spezifische Situation von Jugendlichen, im Blick auf ihr Gesprächsverhalten, ihre entwicklungsbedingten Möglichkeiten und ihre Vorstellungen zu religiösen Themen ernst.

Wer den Sammelband liest, merkt auch, dass die Forschung zum Theologisieren mit Jugendlichen ein Prozess ist, der vor allem an und mit den Beobachtungen aus den theologischen Gesprächen mit Jugendlichen weiter geführt wird.
Wie z.B. jugendliche Vorstellungen von der Macht Gottes im Zusammenhang mit ihrer Lebenssituation stehen, wie sich Sündenvorstellungen von Jugendlichen mit Sündenkonzeptionen aus der systematischen Theologie ins Gespräch bringen lassen oder inwiefern Seelenvorstellungen von Jugendlichen unterschiedliche Menschenbilder zum Ausdruck bringen – die Auseinandersetzung mit den Themen ist vielfältig. Neben einer Richtung in der Forschung, die stark auf das methodische Setting (wie z.?B. die Kasseler Forschungswerkstatt) zielt, das ein Theologisieren ermöglichen soll, stehen in diesem Band die programmatischen und die an theologischen Themen und Begriffen orientierten Untersuchungen im Vordergrund. Alle Beiträge bieten ein interessantes Fenster in die Arbeiten im Bereich der Jugendtheologie, die Würze liegt dabei im Detail der Reflexion und Deutung der Beiträge Jugendlicher. Allerdings fragt man sich an mancher Stelle, ob diese Deutung der Beiträge der Jugendlichen nicht doch wieder „nur“ an den klassischen theologischen Positionen vorgenommen wird. Das intensive Hören auf die eigenen Konstruktionsleistungen der Jugendlichen wird dadurch zugunsten einer bekannten theologischen Strukturierung wieder etwas zurückgenommen. Dass zum guten Zuhören und Weiterführen auch eine theologische Vorbereitung der Unterrichtenden gehört, zeigt sich an den Beiträgen ebenfalls; das in Erinnerung zu rufen ist nicht zuletzt ein Gewinn der Kinder- und Jugendtheologie.

Kritiker könnten einwenden, dass sich die Unterrichtsgespräche im Rahmen eines ausdrücklichen Theologisierens mit Jugendlichen nicht von gut geführten Gesprächen im RU unterscheiden, wie es sie immer schon gab. Das mag sein, und ist eigentlich auch zu hoffen; es ist aber auch so, dass die Forschung zum Theologisieren mit Jugendlichen dazu dienen soll, diese Gespräche in ihrem Gehalt und ihrem Lerngewinn für die Jugendlichen selbst weiter zu fördern. Das Theologisieren mit Jugendlichen ist dafür wesentlich, der Forschungsband „Theologisieren mit Jugendlichen“ ein spannend zu lesender Beitrag dazu, wie dieses Programm weiter entwickelt werden kann.

Melanie Beiner

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 4/2012

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