Rezension

 

Philipp Elhaus, Ralf Rogge, Dirk Schliephake und Anne Woitha-Klapprott: Wenn Anna Papa von Gott erzählt. Kinder und Erwachsene auf dem Weg des Glaubens, Lutherisches Verlagshaus, Hannover 2011, ISBN 978-3-7859-1046-7, 160 Seiten, 16,90 Euro

Die Veröffentlichung wird als „Arbeitsbuch“ angezeigt und bietet eine Vielzahl von Praxisbeispielen, die die Lebendigkeit und Vielfalt evangelischen Gemeindelebens abbilden sowie die Angebotspalette gemeindenaher Unterstützungssysteme dokumentieren. Eingeleitet wird die Dokumentation von Best Practice an den Bildungsorten Kindertagesstätte, Kindergottesdienst und Familienbildungsstätte in Form von Impulsen, die den Rahmen des Projekts im Blick auf Angebote für Eltern und Kinder abstecken sollen. Da sollen „neue Korridore zwischen Bildung und Mission“ geöffnet (Philipp Elhaus), der Kindergottesdienst als niedrigschwelliges Gottesdienstangebot für Eltern in den Blick genommen (Dirk Schliephake) und Impulse der Kindertheologie für eine gemeindepädagogische Praxis fruchtbar gemacht werden (Hannegreth Grundmann). Zugleich werden Folgerungen aus den Ergebnissen der Rostocker Langzeitstudie für die religiöse Begleitung der Kinder – „Gott neu denken lernen“ – formuliert (Anna-Katharina Szagun). Jeder Impuls hat für sich seine Berechtigung. Deutlich wird, dass die Haltung eines „Perspektivenwechsel(s) in der Wahrnehmung des Kindes“ (Ralf Rogge/ Anne Woitha-Klapprott) die Beiträge bestimmt. Signalisiert der Titel „Anna erzählt von Gott“ eine religionspädagogische Perspektive, so bildet bei den Praxisbeispielen die jeweilige institutionelle Verortung der Fokus.

Kindergottesdienstarbeit, religiöse Bildungsangebote in einer Kindertagesstätte, die Arbeit der Familienbildungsstätte stellen je eigene Praxisfelder dar. Und es finden in diesen Feldern spannende und interessante Aktivitäten statt. Dies in dieser Breite zu verdeutlichen ist der große Gewinn der Veröffentlichung. Einen besonderen Stellenwert hat dabei die religionspädagogische Arbeit in der Kindertagesstätte.
Aber: Dass auch Familienbildungsstätten gottesdienstliche Angebote oder „besinnliche Spaziergänge“ anbieten, ist interessant zu wissen. Die Frage bleibt, warum es dazu eines „Arbeitsbuches“ bedarf, um diese Formen religiöser Praxis zu dokumentieren. Einige der Praxisbeispiele entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als Angebote von institutionellen Trägern. So stellen Familienbildungsstätten, die Ev. Erwachsenenbildung sowie der Arbeitsbereich Kindergottesdienst Angebote bzw. Arbeitsmaterialien vor. Gute Angebote sind nur zu begrüßen, noch lohnender wäre eine Reflexion der Gelingensbedingungen „guter“ Praxis. Dennoch ist das „Stöbern“ in der Vielzahl der praktischen Berichte anregend und die Vielfalt der Praxisformen eines „gefeierten“ und „reflektierenden“ Glaubens können der gemeindlichen Arbeit mit Kindern und Eltern neue Impulse geben.

Friedhelm Kraft

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 3/2011

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