Rezension

  

Thomas Langkau: Filmstar Jesus Christus. Die neuesten Jesus-Filme als Herausforderung für Theologie und Religionspädagogik, Lit Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3825801960, 240 S., 17,90 Euro

Nachdem Mel Gibsons Film „Die Passion Christi“ (2004) den religionspädagogischen Diskurs um Sinn und Ziel von Jesus-Filmen neu angestoßen hat, ist jetzt von Thomas Langkau eine Studie vorgelegt worden, die einen hilfreichen Überblick über die zahlreichen seit 1990 bis heute entstandenen Jesus-Filme gibt. Nach der wichtigen Arbeit von Manfred Tiemann „Jesus comes from Hollywood“ (2002) kann die Stärke von Langkaus Veröffentlichung besonders in der Darstellung der aktuellen bzw. in Deutschland sehr unbekannten Jesus-Filme der letzten Jahre gesehen werden. Ohne akademische Hürden erklimmen zu wollen schreibt Thomas Langkau, Gemeindereferent in der Erzdiözese Freiburg, von seinen persönlichen Zugängen und Interessen, die ihn zu einer langjährigen, praxisorientierten Beschäftigung mit Jesus-Filmen angeregt haben. Sein Augenmerk liegt besonders auf den „direkten“ Jesus-Filmen, d.h. auf Filmen, in denen die Person und das Leben Jesu Christi im Mittelpunkt stehen. Die besondere theologische Problematik, die solche Darstellungen mit sich bringt, wird an zahlreichen Stellen benannt. Bedauerlicherweise vermischen sich dabei häufig eigene Meinung und begründende Argumente, so dass zum Beispiel die Kriterien zur Untersuchung der Jesus-Filme eher einem subjektiven Empfinden als einem theologischen bzw. religionspädagogischen Grundverständnis geschuldet bleiben. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass das wichtige Kriterium „antijüdische Tendenzen“ in Jesus-Filmen nicht vorkommt. Stattdessen wird – offensichtlich angestoßen durch Mel Gibsons Film – häufig die Gewaltfrage aufgegriffen, ohne dass hier eine überzeugende Antwort gefunden wird: „Ein ‚Mittelmaß’ an Gewalt, an dem die Regisseure wohl nicht vorbeikommen werden, genügt auch in heutiger Zeit vollkommen.“ (S. 191)

Auch wenn es bei der großen Unterschiedlichkeit und den häufig sehr verschiedenen Interessen der einzelnen Filme schwierig ist, bleibt eine grundsätzliche Reflexion des Mediums Film in diesem Zusammenhang unerlässlich, soll das Medium mehr als ein Dokumentar- oder Missionsträger sein. So ehrlich an dieser Stelle manche Formulierungen des Autors sind, so ärgerlich können sie auch empfunden werden: „Wünscht sich nicht jeder Gläubige irgendwie, Jesus selbst zu sehen?“ (S. 203)

Thomas Langkau kommt der große Verdienst zu, eine wichtige Bresche geschlagen zu haben im Dickicht der neueren Jesus-Filme. Jede und jeder Unterrichtende wird die Darstellungen mit Gewinn lesen können, auch wenn sie bzw. er bei den meist positiven Bewertungen gewiss zu anderen Einschätzungen gelangen kann. Doch nicht zuletzt ist für den Religionsunterricht eine medienkritische Auseinandersetzung unerlässlich, und hierzu bietet das Buch gewiss Material genug!

Jesus im Film – die Diskussion ist so alt wie der Film selbst. Vielleicht ist das Buch von Thomas Langkau auch Anlass, den ältesten Jesus-Film, den Film „Das Leben und die Passion Jesu Christi“ (1897) der Gebrüder Lumière, wieder einmal anzuschauen. Alle Fragen der Jesus-Verfilmung sind hier im Kern bereits vorhanden. Der Film dauert 13 Minuten und kann als Video beim Ev. Medienverleih in Hannover (0511/1241-501) für Schule und Gemeinde ausgeliehen werden.

Steffen Marklein