Rezension

   

Markus Beile
Herausforderungen und Perspektiven der Konfirmationspredigt
Empirische Einsichten und theologische Klärungen,
Kohlhammer: Stuttgart (2016),
ISBN 978-3-17-031517-4, 256 Seiten mit 42 Abb., 39,00 €


Markus Beile ist manchen aus der Konfirmandenarbeit bekannt, nicht zuletzt durch seinen Konfi-Kurs „Reise durch die Welt des Glaubens“, mit dem in einigen Gemeinden gearbeitet wird.

In seiner Dissertation wendet sich der Autor sehr grundlegend der Konfirmationspredigt zu. Er betrachtet diese nicht nur im Rahmen des Konfirmationsgottesdienstes, sondern auch im Zusammenhang der gesamten Konfi-Zeit. Hier liegt ein erster Gewinn des Buches. Denn so gerät auch die Konfirmandenarbeit in einen besonderen Fokus, indem sie von der Konfirmation her gedacht wird. Deshalb ist das vorliegende Buch nicht nur homiletisch interessant. Es regt auch zum Nachdenken über didaktische Entscheidungen insgesamt an.

Beile hat für seine Forschung einen Fragebogen erstellt, den Konfis, deren Verwandte und Gäste und auch Gemeindeglieder unmittelbar vor dem Konfirmationsgottesdienst ausfüllen konnten. Bei Entwicklung und Auswertung des Fragebogens wurde die Hilfe des Instituts für Demoskopie Allensbach genutzt. Die Umfrage wurde in mehreren Gemeinden durchgeführt, die so ausgewählt wurden, dass sich im Rahmen des Möglichen unterschiedliche gemeindliche Milieus abbildeten. So gibt es Gemeinden aus verschiedenen Landeskirchen, eher dörflich bzw. eher städtisch geprägte Orte und Gemeinden unterschiedlicher Frömmigkeit. Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Umfrage belastbare Ergebnisse hervorgebracht hat.

Für die Hauptamtlichen, die mit dem Konfirmationsgottesdienst ja immer auch die Zeit mit einer Konfi-Gruppe abschließen, wird sich eine schöne Erkenntnis aus Beiles Buch ergeben: Ich mache schon (fast) alles richtig. Der Autor zeigt, dass Konfirmationspredigten meist gelingen, Predigende also offenbar ein Händchen dafür haben, wie der Konfirmationsgottesdienst zu gestalten ist. Das ist eine Stärke des Buches, dass es von dieser ermutigenden Einsicht ausgeht, also nicht an Defiziten orientiert ist und gerade deshalb beim Lesen den Eindruck hinterlässt: Ich kann das schon – und nun kann ich es womöglich noch besser, weil ich verstehe, warum bestimmte Formen und Inhalte gut sind.

Zu Fragen bleibt, ob alle Wünsche an die Konfirmationspredigt, die sich aus dem Fragebogen ablesen lassen, auch erfüllt werden müssen. Es wäre zu überlegen, ob man sich nicht auch nur an den Wünschen der Konfis orientieren kann und dennoch einen Gottesdienst zu feiern vermag, der bei allen Mitfeiernden Anklang findet. Beile fordert, dass es in der Konfirmationspredigt darum geht, dass den Konfis ihre Mündigkeit zugesprochen wird, und dass anhand dessen der christliche Glaube in seiner Relevanz und Lebensdienlichkeit für die individuelle Lebenssituation zur Sprache gebracht wird – und zwar für alle, die am Gottesdienst teilnehmen. Das könnte auch eine Überforderung darstellen, wenngleich Beile detailliert aufzeigt, wie sich diese Forderung praktisch umsetzen ließe.

Grundsätzlich bleibt die Frage ungeklärt, ob Konfis überhaupt am eigenen Konfirmationsgottesdienst beteiligt werden sollten oder ob dieser Tag vor allem für sie und weniger von ihnen gestaltet werden soll. Beile spricht sich für ersteres aus. Das birgt aber die Gefahr, dass die Konfis, die selber den Gottesdienst mitgestalten, noch weniger von dem mitbekommen, was drumherum geschieht. So würde Beile seine eigenen Ansprüche nicht einholen können.

Wenn man sich allerdings entschieden hat, die Konfis nicht an der Vorbereitung und Durchführung des Konfirmationsgottesdienst zu beteiligen, gibt Beiles Buch wertvolle Hinweise, wie dann zum Beispiel Vorstellungsgottesdienste erarbeitet werden können. Denn dass Konfis auch selber Gottesdienste gestalten sollen, steht nicht zur Debatte, erst recht nicht, wenn man Beile darin folgt, dass die Konfirmation eine Inszenierung der Mündigkeit der Jugendlichen darstellt.

Andreas Behr 

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 1/2018

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