„Die 12“ oder „Was ist dir im Leben wichtig?“
Unterrichtseinheit für die Sek I zum Thema „Nachfolge“

von Jana Milchner und Linda Schnackenberg

 

Was können Schülerinnen und Schüler an den Jüngern und der Nachfolge lernen?

Das Thema „Nachfolge“ knüpft unmittelbar an der Lebenswelt der Jugendlichen an. Die Jünger setzen sich mit viel Engagement für die Verkündigung der Botschaft Jesu ein. Der Fokus in ihrem Leben war klar: Jesus. Die Schülerinnen und Schüler sollen motiviert werden, ebenfalls einen Fokus in ihrem Leben zu setzen und sich zu überlegen, was in ihrem Leben wichtig ist. Dies könnten Familie, Hobbies, Freunde, etc. sein.

Die Schülerinnen und Schüler können am Beispiel der Jünger lernen, dass es sich lohnt, sich für etwas einzusetzen. Zunächst muss man sich für eine Sache, für die man sich einbringen möchte, entscheiden. Nicht immer fällt diese Auswahl leicht. Die Jugendlichen heute sind konfrontiert mit einer Flut an Möglichkeiten des Engagements. Zu denken wäre hierbei an ein Hobby, die Mitarbeit in einem Verein, die Ausübung einer Sportart oder das Engagement in einer Partei. Sie werden motiviert, selber aktiv zu werden und ihre zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll einzusetzen, um ihnen persönlich wichtig erscheinende Ziele zu erreichen. Für Jugendliche ist dieses Engagement häufig mit Aufwand verbunden. Oft muss etwas investiert oder etwas anderes dafür aufgegeben werden.

In der Bibel ist oftmals davon zu lesen, dass Jesus und somit die Jünger sich um die Schwachen und Armen in der Gesellschaft gekümmert haben. Für die Schülerinnen und Schüler wird daran sichtbar, dass es wichtig ist, sich gesellschaftlicher Notstände anzunehmen. Sie sollen motiviert werden, ihre eigene Umwelt wahrzunehmen und Notlagen zu erkennen. Ein weiterer Schritt könnte sein, konkrete Möglichkeiten im Alltag zu finden, diese Missstände aktiv zu verändern. Unsere heutige Gesellschaft ist auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Die Schülerinnen und Schüler sollen verstehen, wie wichtig und wertvoll ehrenamtliche Mitarbeit ist und selber dazu motiviert werden.

Blickt man auf die soziale Situation der Jünger, dann wird deutlich, dass sie nur sehr wenige Ressourcen zur Verfügung hatten. Ihnen stand zum Beispiel nicht viel Geld zur Verfügung, um Gutes zu tun. Deutlich wird, dass die Umstände und Gegebenheiten nicht ausschlaggebend dafür sind, ob Veränderung stattfindet. Oftmals reicht es aus, wenn man sich mit Leidenschaft und Zeit für eine Sache einsetzt.

Andererseits haben die Jünger Misserfolge erlebt. Und auch heute sind wir in unsere Schranken gewiesen. Auch wenn Menschen Jesus nacheifern und anstreben, Jesus ähnlicher zu werden, wird es nicht gelingen, genauso zu sein wie Jesus. Für die Schülerinnen und Schüler resultiert daraus die Frage, wie sie mit Misserfolgen und dem Nichterreichen der an sie gestellten Erwartungen umgehen.

In einer schnelllebigen und sich ständig verändernden Welt machen die Schülerinnen und Schüler die Erfahrung, dass wenig, oftmals noch nicht mal ihre Familie, Bestand hat. Auch klare Entscheidungen für oder gegen eine Sache werden nicht getroffen. Der Glaube bietet den Jugendlichen Hoffnung, Verlässlichkeit und Antworten auf ihre Fragen. Ebenfalls fehlt es vielen Jugendlichen heutzutage an positiven Vorbildern der Lebensführung und Personen, an denen sie sich orientieren können. Für die Jünger stellte so eine Person Jesus dar. Dies kann eine Option für die Schülerinnen und Schüler darstellen, sich ebenfalls an Jesus zu orientieren.


Ideen für eine Unterrichtseinheit

Das vorausgegangene Thema dieser Unterrichtseinheit könnte „Leben und Umwelt Jesu“ gewesen sein. Daran würde eine Unterrichtseinheit zum Thema Nachfolge anknüpfen.

1. Stunde:
In der ersten Stunde soll es um die Bedeutung der Nachfolge gehen und um die Herausforderung, die die Nachfolge mit sich bringt.

2. Stunde:
Der Einstieg in die zweite Stunde erfolgt mit der Frage „Was ist in eurem Leben so wichtig, dass ihr anderes dafür aufgeben würdet?“
Weiter geht es um die Auseinandersetzung mit der Frage, warum die Jünger alles aufgegeben haben, obwohl es ihnen vermutlich schwer fiel.

3. Stunde:
In der dritten Stunde ist eine Exkursion zu einer kommunitären Gemeinschaft oder in ein Kloster geplant. Die Schülerinnen und Schüler treffen Menschen, die ihr „normales Leben“ aufgegeben haben, um Nachfolge in einer besonderen Form zu leben.

4. Stunde
Die Frage „Was ist dir im Leben wichtig?“ wird zum Abschluss noch einmal aufgegriffen. Es wird erörtert, was christliche Nachfolge in der Gegenwart und im alltäglichen Leben bedeutet.

Ziele:
• Die Schülerinnen und Schüler kennen die Namen und die kirchengeschichtlich zugeschriebenen Bedeutungen der Jünger Jesu.
• Die Schülerinnen und Schüler können die Herausforderungen der Nachfolge erläutern und auf eigene Erfahrungen und Vorstellungen beziehen.
• Sie kennen Möglichkeiten der Nachfolge heute und können zur Bedeutung des Einsatzes für andere und der christlichen Nachfolge heute Stellung nehmen.


Ablauf der Einheit

Ablauf der 1. Unterrichtsstunde
A Die Schülerinnen und Schüler werden in Kleingruppen aufgeteilt. Mit Hilfe des Arbeitsblattes (M 1) erarbeiten sie biblische Aussagen und Motive je eines Jüngers.

B Die Schülerinnen und Schüler fertigen eine Präsentation an (Dauer ca. zwei Minuten), mit der sie gruppenweise den jeweiligen Jünger in der Gesamtgruppe vorstellen. Methodisch wird den Schülerinnen und Schüler keine Vorgabe gemacht. Sie sollen die Darstellungsform wählen, die ihnen das höchste Aneignungspotential bietet. Dies kann beispielsweise ein kurzer Monolog, ein Rollenspiel oder ein Steckbrief sein. Alle anderen schreiben die wichtigsten Informationen mit bzw. füllen das Arbeitsblatt (M 2) aus. Am Ende der Unterrichtsstunde besitzen die Schülerinnen und Schüler ein kurzes Informationsblatt zu jedem Jünger und haben gleichzeitig noch ein durch eine Gruppe kreativ erarbeitetes Bild von diesem im Kopf.

C Die Schülerinnen und Schüler bekommen Zeichnungen mit Jüngerfiguren (M 3) und ordnen diese mit Hilfe ihrer Informationen den Jüngern zu.


Ablauf der 2. Unterrichtsstunde
A Einstieg: „Alle Jünger haben etwas aufgegeben. Benennt noch einmal die Dinge und Situationen, die die Jünger verlassen haben.“

B „Was ist dir im Leben wichtig?“ – Die Schülerinnen und Schüler schreiben auf Kärtchen, was für ihr Leben von Bedeutung ist. Sie stellen ihre Ergebnisse vor, dies beruht allerdings auf Freiwilligkeit.

C „Was ist das Wichtigste?“ Die Schülerinnen und Schüler erstellen eine Rangliste und erläutern sie. „Wofür würde ich alles andere aufgeben?“ Im Plenum wird erörtert, ob es für jemanden „die eine Sache“ gibt und welche Folgen es hat, sich ihr ganz zu widmen. Die Schülerinnen und Schüler merken, wie schwierig es ist, sich für eine Sache zu entscheiden und anderes dadurch zurückzulassen.


Ablauf der 4. Unterrichtsstunde
A Die Eindrücke aus dem Kloster- bzw. Kommunitätsbesuch werden geschildert. Es wird gesammelt, was genau den Menschen, die besucht wurden, so wichtig war, dass sie ihr persönliches Leben darauf eingestellt haben.

B Für welche Ziele möchte ich mich einsetzen? Die Schülerinnen und Schüler überlegen je für sich und benennen ein oder zwei Ziele. Im Gespräch begründen sie ihre Entscheidung und beziehen sie auf den christlichen Gedanken der Nachfolge.

C Welches Symbol passt zu mir? Die Schülerinnen und Schüler erstellen ein Symbol (gemalt, ausgeschnitten, aus anderen Materialien gefertigt), das verkörpert, wofür sie sich einsetzen. Mit der Symbolarbeit schließen die Überlegungen zur eigenen „Nachfolge“ an die Symbolzuschreibungen bei den biblischen Jüngerinnen und Jüngern an.

 

Unterrichtsmaterial

Jede Gruppe erarbeitet die Texte für einen Jünger.

Aufgabenstellung:

  1. Lest die Bibelstellen zu dem Jünger, zu dem eure Gruppe arbeitet. Was wird in der Bibelstelle über den Jünger erzählt? Was hat der Jünger mit Jesus erlebt? Was hat er getan oder gesagt?
  2. Erarbeitet eine Präsentation in der Gruppe. Werdet kreativ und erstellt z.B. einen Steckbrief, ein Anspiel, schreibt ein Gedicht, ein Lied, ein Interview, einen Zeitungsartikel, etc.
  3. Ihr habe insgesamt 20 Minuten Zeit. Die Präsentation soll nicht länger als zwei Minuten dauern.