ANSICHTEN 1 – Unreal realism (2004) Künstlerin: Inge-Rose Lippok, Hannover

Von Simone Liedtke

KÜNSTLERIN: INGE-ROSE LIPPOK, HANNOVER
Kontakt:
www.irlippok.de
www.lortzingart.de
www.facebook.com/LortzingART

Beschreibung: 
Das Video zeigt eine Installation der Künstlerin Inge-Rose Lippok. Zahlreiche Stühle nehmen einen Raum ein. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass man auf keinem von ihnen sitzen kann: Es handelt sich um Zerrbilder von Stühlen, die auf Acryl gemalt und sorgsam arrangiert wurden. 

Das Spiel mit Illusion wirft Fragen auf, zum Beispiel:
Wie finde ich (m)einen Platz im Leben? 
Was trägt mich? 
 

Impulse:

Im Video wird gesagt: „Wir haben hier keine bleibende Stadt“. Dies ist ein Zitat aus dem Hebräerbrief (Kapitel 13, Vers 14).

  • Was kann damit gemeint sein?
  • In welchen Situationen könnten Menschen so empfinden und denken?

Worauf verlassen sich Menschen in ihrem Leben, was trägt sie?

  • Welche Rolle spielt dabei Religion? 
  • Was bedeutet eigentlich „Gottvertrauen“?

Der eigene Platz im Leben:

  • Was macht diesen Platz aus?
  • Wie findet man diesen Platz?
  • Was fördert, was hindert einen Menschen daran, (s)einen Platz im Leben zu finden?
  • Wieviel Freiheit hat ein Mensch, seinen Platz im Leben zu finden?
  • Welche Verantwortung tragen wir dafür, unseren Platz im Leben zu finden?

unreal realism“: Das Kunstwerk von Inge-Rose Lippok führt vor Augen, wie leicht wir etwas für wahr nehmen – und das schon ein minimaler Perspektivwechsel genügt, um festzustellen, dass die Dinge gar nicht so sind, wie sie scheinen…

  • Was beeinflusst unsere Wahrnehmung von Welt?
  • Was wollen wir glauben, was können wir glauben?
  • Was macht „Wahrheit“ aus? Wer verbürgt sie?
  • Kann es mehrere „Wahrheiten“ geben?

Wenn die vielen Stühle in dem Kunstwerk „Unreal realism“ für Menschen stehen, die auf ihnen platznehmen könnten, stellt diese Kunst auch die Frage nach sozialer Verantwortung:

  • Wieviel Raum muss ich meinen „Sitznachbarn“, meinen Mitmenschen, zugestehen?
  • Hat wirklich jeder Mensch einen Platz auf der Welt? Und „im Himmel“?
  • „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebr 13,14) Wie sähe eine zukünftige Welt aus, in der alle Menschen einen Platz hätten, der ihnen ethisch angemessen Lebensraum bietet? Was können wir heute schon zu einer solchen Zukunft beitragen?
  • „Jeder bekommt, was er verdient“, lautet ein Sprichwort. Inwiefern könnte man als Christ*in behaupten, dass das nicht stimmt?

Methodische Bilderschließung:

  • Lieblingsplätze sammeln: In der Unterrichtsstunde vor dem Zeigen des Videos kann eine Aufgabe an die Schülerinnen und Schüler gestellt werden: Mache ein Foto von deinem Lieblingsplatz. Wo hältst du dich am meisten und am liebsten auf? 
    Über www.flinga.fi können diese Fotos wie auf einer digitalen Foto-Pinnwand gezeigt werden. An diese Alltagsbetrachtungen anknüpfend, kann dann das Video mit der Installation zahlreicher schematischer Stühle gezeigt werden. Wofür mögen diese Stühle stehen?
  • Schreibmediation: Die Schülerinnen und Schüler betrachten das Video zunächst ohne Ton und selbst schweigend. Dann formuliert jemand einen ersten Eindruck, die Lehrkraft notiert diesen auf Tafel oder Whiteboard; oder es wird eine digitale Pinnwand wie padlet genutzt (https://de.padlet.com/), 
  • dann können die Schülerinnen und Schüler selbst schreiben. Der/die nächste notiert seinen/ihren Eindruck unter der vorhergehenden Notiz oder nimmt zu dieser Stellung. Das geht so weiter, bis die Tafel bzw. das Whiteboard vollgeschrieben ist; bei einer digitalen Pinnwand steuert die Lehrkraft als Moderator*in, wer schreiben darf und wann diese Sequenz des Schreibens beendet ist. 
  • Von Bedeutung ist nun die Auswertung: Der Schreibphase sollte eine Gesprächsrunde über die Beiträge der Schülerinnen und Schüler folgen (Verständnisfragen klären, Motive erläutern, Bezüge zwischen Aussagen herstellen etc.).
  • Dann erst wird der Videoclip mitsamt der Audiospur noch einmal gezeigt. Wie verhalten sich die Bildkommentare der Schülerinnen und Schüler zur Bildbeschreibung im Video?
  • Reizwort-Assoziationen: Der Videoclip wird kommentarlos und ohne Ton gezeigt. Dazu gibt die Lehrkraft ohne weitere Erklärung ein Reizwort vor. Die Schülerinnen und Schüler sollen nun in begrenzter Zeit einen Text verfassen, der inhaltliche Beziehungen herstellt zwischen dem Reizwort und dem Kunstwerk, das im Video zu sehen ist. 
    Reizworte könnten sein: Lebensraum, Wahrheit, Illusion, Vertrauen, Gemeinschaft, Gott, Religion…

Biblische Motive und Texte:
Freundschaft und Gemeinschaft, Verantwortung für sich und andere Hebräerbrief, Kapitel 13, Verse 1-19

Konkurrenz, Konflikt und Respekt; Ängste und Leistungsansprüche; Selbstannahme; bedingungslose Annahme
Mt 20, 1-16 
Lk 15,11-32
Lk 19,1-10 (Zachäus)

verschiedene Lebens-und Beziehungsmodelle; Miteinander in Verschiedenheit; Ich und die anderen
Kor 12, 12-31

Sinnfragen in Religionen und Weltanschauungen, biografische Beispiele
Röm 1,16f.

Geistliche Lieder: 

  • Strahlen brechen viele aus einem Licht (Evangelisches Gesangbuch, 268)
  • Ach wie flüchtig, ach wie nichtig (Evangelisches Gesangbuch, 528)
  • Ins Wasser fällt ein Stein (Evangelisches Gesangbuch, 604) 
  • Ich steh dazu (Freitöne, 132)
  • Meine Seele sucht Heimat (Freitöne, 89)