UNSER FEST - Trauerrituale neu entdecken

Ein interdisziplinäres Projekt in Kooperation mit Theaterpädagogin und Regisseurin Verena Ries sowie den Musikerinnen des Quartett PLUS 1.

 

Dieses Projekt hat den Anspruch, kirchliche Bildungs- und Kulturarbeit so zu gestalten, dass Teilnehmende der Veranstaltung in Auseinandersetzung mit einem gesellschaftlich und religiös bedeutsamen Thema selbst aktiv und kreativ werden können. Auch seelsorgerliche Aspekte und theologische Kontextualisierung sind bedacht. 

Der theoretische wie der praxisorientierte Umgang mit den Themen "Tod" und "Auferstehung" sind feste Bestandteile des Evangelischen Religionsunterrichts, nicht nur aufgrund der curricularen Vorgaben. Die Lehrenden sind zuerst und zumeist Ansprechpartner*innen ihrer Schüler*innen, auch wenn diese privat durch Sterbe- und Trauerfälle betroffen sind. Lehrende benötigen neben inhaltlichen Impulsen methodische und auch ästhetische Reflexion, um sich dem Themenbereich "Sterben, Tod und Auferstehung" persönlich sowie in Unterricht und Schulleben nähern und stellen und entsprechende Vermittlungsformen entwickeln zu können. Diese Herausforderung ist umso größer geworden, da die christliche Sozialisation in der Gesellschaft rückläufig ist; zunehmend erschweren Verständnis- und Erfahrungslücken in Bezug auf christliche Verkündigung und Glaubenspraxis die Vermittlung der Bedeutung, Plausibilität und Relevanz traditionell zu nennender, christlicher Abschiedsrituale. Die Corona-Pandemie hat die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den vergangenen Monaten zudem zum Teil grundlegend verändert, so dass kirchliches Leben häufig nicht mehr in gewohnten und etablierten Strukturen stattfinden kann; dies wurde und wird vor allem in der beeinträchtigten Durchführbarkeit von Trauerfeiern spürbar. 

Ihre plötzliche Einschränkung hat den Stellenwert von (religiösen, christlichen) Ritualen auf eigene Art verdeutlicht und den Auftrag pointiert, die gegenwärtige und zukünftige Gestaltung von lebensbegleitenden Ritualen genauer in den Blick zu nehmen. Mit dieser Herausforderung will sich die Tagung "UNSER FEST" befassen und dabei die Berufs- und Lebenserfahrung von Lehrkräften, die Evangelischen Religionsunterricht erteilen, Diakon*innen und Pastor*innen im Schuldienst in den Mittelpunkt stellen. Die Tagung leistet einen entscheidenden Beitrag zur aktuellen Debatte über den Umgang mit Abschiedsritualen; sie präsentiert Kirche darüber hinaus als relevante Trägerin von Kunst und Kulturarbeit. 
 
Die exklusive Tagungsstruktur mit Seminaranteil, Workshop und Performance ist eine Ausnahmeerscheinung, was den personellen und konzeptionellen Aufwand betrifft. Bedingt durch die Corona-Pandemie haben viele Veranstaltungen im Bildungs- wie im Kulturbereich für Monate nicht oder nur in reduzierter Form stattfinden können. Zahlreiche Formate wurden digitalisiert. Es ist aber von Bedeutung für die Qualität und Wirksamkeit von Fortbildungsveranstaltungen und auch von künstlerischen Projekten, in analogen Präsenzformen stattzufinden. Vor allem ein seelsorgerlich bedeutsames Thema sollte nicht ausschließlich in digitaler Distanz vermittelt werden. Diese Tagung setzt einen Kontrapunkt zum digitalen Konsum, indem sie auf persönliche Begegnung, vielfältige Vermittlungsformen und einen besonderen Ereignischarakter setzt. Ein differenzierter und nachhaltiger Zugang zum Thema "Sterben, Tod und Auferstehung" setzt entsprechende methodische und ästhetische Annäherung, moderierten Diskurs und erfahrungsbezogene Reflexionsangebote voraus. Darum setzt dieses Projekt in erster Linie auf die Kombination von Workshop und Performance, wird allerdings zusätzlich zur Präsenzveranstaltung medial begleitet, um in fachlich versierter Nachbereitung inhaltliche, methodische und künstlerische Impulse über die Homepage des RPI Interessierten zur Verfügung zu stellen, die nicht an der eigentlichen Tagung  teilnehmen können. 

Gefördert durch die Hanns-Lilje-Stiftung

Ansprechpartnerin

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Dr. Simone Liedtke
Tel.: 05766 81-143
Fax: 05766 81-184