Das Leid vor Gott bringen – Klage in den Psalmen

Von Dietmar Peter

Klagemauer in Jerusalem. Foto von Dave Herring. Unsplash

Psalmen sind biblische Gebete. Es gibt unterschiedliche Gattungen von Psalmen. So unterscheidet man Klage-, Dank- und Lobpsalmen.

In Klagepsalmen klagt ein betender Mensch Gott an. Sein Vorwurf lautet, dass Gott sich in einer schwierigen Situation nicht des Menschen und seines Leidens annimmt. Gleichzeitig vertraut der Psalmbeter darauf, dass Gott ihm hilft und ihn aus der Not befreit.

Psalmen ermutigen, das Leiden vor Gott zu bringen. Sie verleihen Menschen in schwierigen Situationen Worte und führen damit aus der Sprachlosigkeit. 

Vielleicht haben Sie keine besondere Nähe zu den Psalmen, vielleicht tun Sie sich sogar außerordentlich schwer mit ihnen. Vielleicht macht es aber gerade dieses Fremde und Unzugängliche reizvoll, sich einem Psalm auf ungewöhnliche Weise zu nähern, ihn mit eigenen Gedanken und Empfindungen zu verknüpfen und den Psalm und sich selbst dadurch besser zu verstehen.

Zur Annäherung an den Psalm werden auf dieser Seite verschiedene Vorschläge gemacht. Wenn Sie mögen, probieren Sie einen Vorschlag oder mehrere Vorschläge aus.

Nach der Corona-Krise könnten Sie mit Ihren Schüler*innen in ähnlicher Weise mit einem Psalm arbeiten.

Exemplarisch wurde der Klagepsalm 22 ausgewählt:

  • Lesen Sie den Pslam zunächst noch nicht. Suchen Sie sich fünf Worte aus der Wortwolke aus und schreiben Sie dazu eine Geschichte. Die Wortwolke wurde aus Wörtern des Psalms generiert.
  • Lesen Sie nun Psalm 22 langsam, Zeile für Zeile, Vers für Vers. Vergleichen Sie den Psalm mit Ihrer Geschichte.
    Wo gibt es Übereinstimmungen, wo Abweichungen?

Konzentrieren Sie sich nun auf den Psalm und stellen Sie sich eine der folgenden Aufgaben bzw. Fragen:

  • Zu welchen Sätzen finden Sie Zugang aus eigener Erfahrung?
  • Wo sind Erfahrungen angesprochen, die Schülerinnen und Schüler vertraut sind?
  • Unterstreichen Sie die Sätze oder Teile davon, die Sie mit eigenen Erfahrungen verbinden oder die nach Ihrer Einschätzung mit Erfahrungen Ihrer Schüler*innen korrespondieren.
  • Schreiben Sie die für Sie „stärksten“ Sätze jeweils groß auf eine Karteikarte und schreiben Sie eine Geschichte dazu oder malen Sie ein Bild dazu.
  • Suchen Sie sich ein Bild aus einer Zeitung oder Zeitschrift, das am besten zu Ihrem Psalmwort passt.
  • Nehmen Sie mit dem Körper eine Haltung ein, die Ihrem Psalmwort entspricht. Bleiben Sie eine Zeit lang in dieser Haltung und gehen Sie ihren Gefühlen und Gedanken nach.
  • Überlegen Sie, wer das von Ihnen gewählte Psalmwort in welcher Situation sagen könnte.
  • Schreiben Sie das ausgesuchte Psalmwort in die Mitte eines DIN-A4 Blattes und notieren Sie Worte oder kurze Sätze dazu, die Ihnen im Zusammenhang mit dem Psalmwort in den Sinn kommen.
  • Überlegen Sie, wie Ihr Psalmwort in einem Theaterstück gesprochen werden müsste. 
  • Probieren Sie aus Ihr Psalmwort fröhlich, langsam, laut, schnell zu sprechen oder es zu singen. Was verändert sich dadurch?
  • Sprechen Sie Ihr Psalmwort an verschiedenen Orten (im Wohnzimmer, in der Küche, im Garten, auf dem Schulhof, unter einem Tisch, auf dem Lehrerpult, im Wald, in einer Kirche, im Keller ...). Wo fällt es Ihnen am leichtesten, wo ist das laute Sprechen am schwersten? Wie verändert dies Ihre Wahrnehmung des Raumes?