Die Corona-Krise und das Gottesbild – Bausteine für den Unterricht und für die Arbeit zu Hause

Von Dietmar Peter

Wie wir als Christen die Corona-Krise deuten, hängt immer auch mit unserem Gottesbild zusammen. Manche Menschen glauben, dass Gott die Menschen mit dem Coronavirus straft, andere glauben an das Versprechen Gottes, dass er auch im Dunkel ihres Lebens gegenwärtig ist.

Aktuell wird in verschiedenen Zusammenhängen die Frage thematisiert, ob das Coronavirus eine Strafe Gottes sei. Ggf. werden auch Schüler*innen diese Frage stellen. Die nachstehenden Materialien greifen das Thema auf und machen einen Vorschlag, wie das Thema im Religionsunterricht der Sekundarstufe I aufgegriffen werden kann.

Unsere Gottesbilder drücken unsere Beziehung zu Gott aus und haben damit letztlich immer auch Rückwirkungen auf die eigene Identität. So ist es für den Einzelnen nicht unerheblich, ob er Gott in erster Linie als Richter und unerbittlichen Gesetzeshüter sieht oder sich selbst als von Gott geliebten Menschen beschreibt. Grundlage solcher Vorstellungen sind persönliche Gotteserfahrungen oder sie gründen in religiösen Überlieferungen. Ihren Ausdruck finden sie in Bildern oder Symbolen. Insbesondere für eine Beziehung, die ohne hörbare Verbindung und Sichtkontakt auskommen muss, sind diese Bilder oder Symbole wichtig. Unter das Bilderverbot fallen sie nicht. Dieses bezieht sich biblisch auf die Anfertigung einer Götter- und Götzenstatue des Gottes Israels, die angebetet wurde und der göttliche Kräfte zugeschrieben wurden (Ex 1,20). 

Um der Frage nachzugehen, ob das Coronavirus eine Strafe Gottes ist, ist eine Auseinandersetzung mit den persönlichen Gottesbilder unerlässlich. Da Gottesbilder eher unbewusst entstehen, macht es Sinn, sich nach dem eigenen Gottesbild zu fragen und mit Schüler*innen über persönliche Gottesbilder ins Gespräch zu kommen. Dieses im Bewusstsein, dass alle Bilder und Symbole Gott nicht gerecht werden. Gott bleibt immer der ganze Andere, der alle menschlichen Konzepte und Bilder übersteigt. Dennoch brauchen wir eine Vorstellung vom Gegenüber und deren Reflexion, um daran reifen und wachsen zu können. 

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Nachstehende Übung können Lehrkräfte zunächst für sich allein machen. Leicht abgewandelt und der Lerngruppe angepasst ist die Übung auch geeignet, um mit Schüler*innen über ihre persönlichen Gottesbilder (im Zuge / nach der Corona-Krise) ins Gespräch zu kommen.

  • Schauen Sie sich die unten abgebildeten Gottesbilder in Ruhe an.
  • Suchen Sie sich dasjenige Bild aus, das besonders mit Ihrer Gottesvorstellung übereinstimmt. Lassen Sie sich für Ihre Wahl genügend Zeit. Falls aus Ihrer Sicht ein Bild fehlen sollte, ergänzen Sie die Bildauswahl.
  • Suchen Sie sich dasjenige Bild aus, das Ihrer Vorstellung von Gott besonders stark entgegensteht. Lassen Sie sich für Ihre Wahl genügend Zeit. Falls aus Ihrer Sicht ein Bild fehlen sollte, ergänzen Sie die Bildauswahl. Dafür steht der leere Rahmen am Ende der Bildauswahl.
  • Überlegen Sie, warum Sie diese beiden Bilder gewählt haben.
  • In welcher Weise hat sich Ihr Gottesbild im Laufe Ihres Lebens verändert? Welche Bilder waren in Ihrer Kindheit prägend? Welche Bilder sind es heute?
  • Was haben diese Bilder für Ihr Leben bedeutet? Was haben sie ausgetragen? Inwieweit haben sie ihr Leben bestimmt?

 

Mit Schüler*innen in der Schule:

  • Drucken Sie die Bilder mehrfach aus.
  • Lassen Sie die Schüler*innen in Gruppen eine Entscheidung über die persönlich bevorzugten und abgelehnten Gottesbilder treffen. Hierzu sucht sich zunächst jede Schülerin / jeder Schüler dasjenige Bild aus, das besonders mit Ihrer / seiner Gottesvorstellung übereinstimmt und dasjenige Bild, das ihrer / seiner Vorstellung von Gott besonders stark entgegensteht. Falls aus Sicht einer Schülerin / eines Schülers ein Bild fehlen sollte, kann die Bildauswahl ergänzt werden. Dafür steht der leere Rahmen am Ende der Bildauswahl.
    Im Anschluss überlegen die Schüler*innen, warum Sie ihr Bild gewählt haben.
  • Die Ergebnisse stellen sich die Schüler*innen jeweils einzeln in ihren Gruppen vor. Dabei fragen sie sich, ob bestimmte Gottesbilder mehrheitlich abgelehnt und/oder ob bestimmte Gottesbilder in der Gruppe bevorzugt werden.
  • Nun stellen die Gruppen ihre Ergebnisse im Plenum vor:
    - Welche Gottesbilder werden bevorzugt? Warum?
    - Welche Bilder von Gott werden abgelehnt? Warum?
  • Unterteilen Sie die Tafel in zwei Hälften. Überschreiben Sie die eine Hälfte mit "Bevorzugte Gottesbilder" und die andere Hälfte mit "Abgelehnte Gottesbilder".
  • Lassen Sie die Schüler*innen die Bilder zuordnen. Sollte sich keine Einigkeit bei der Zuordnung ergeben, lassen Sie eine kontroverse Diskussion zu. Sollte bei einem Bild überhaupt keine Einigung möglich sein, heften Sie das Bild an den Rand der Tafel.
  • Überlegen Sie gemeinsam mit den Schüler*innen, welche Konsequenzen die jeweiligen Gottesbilder für das Leben eines Menschen haben könnten.
     

Alternative:

  • In ähnlicher Weise kann auch mit den untenstehenden Bibelversen gearbeitet werden. Diese werden mehrfach auf Karteikarten ausgedruckt und die Schüler*innen erhalten in Gruppen jeweils einen Kartensatz und einige leere Karteikarten.
  • Jede(r) Schüler*in wählt einen Vers, der Ihrer / seiner Gottesvorstellung nahekommt und einen Vers, der ihrer / seiner Vorstellung von Gott besonders entgegensteht.
  • Jede(r) Schüler*in erhält nun die beiden Karteikarten mit den ausgewählten Versen.
  • Entscheiden sich zwei Schüler*innen für denselben Vers, wird dieser noch einmal auf eine leere Karteikarte geschrieben, so dass beide Schüler*innen eine Karteikarte erhalten.
  • Nun klebt jede(r) Schüler*in die beiden Verse auf ein DIN A3 Blatt und gestaltet dieses mit Wachsmalstiften oder anderen farbigen Stiften. Es ist auch möglich, Texte zu schreiben.
  • Die Ergebnisse stellen sich die Schüler*innen jeweils einzeln in ihren Gruppen vor. Dabei fragen sie sich, ob bestimmte Gottesbilder mehrheitlich abgelehnt und/oder ob bestimmte Gottesbilder in der Gruppe bevorzugt werden.
  • Nun stellen die Gruppen ihre Ergebnisse im Plenum vor:
    - Welche Gottesbilder werden bevorzugt? Warum?
    - Welche Bilder von Gott werden abgelehnt? Warum?
  • Unterteilen Sie die Tafel in zwei Hälften. Überschreiben Sie die eine Hälfte mit "Bevorzugte biblische Gottesbilder" und die andere Hälfte mit "Abgelehnte biblische Gottesbilder".
  • Lassen Sie die Schüler*innen die Verse zuordnen. Sollte sich keine Einigkeit bei der Zuordnung ergeben, lassen Sie eine kontroverse Diskussion zu. Sollte zu einem Vers überhaupt keine Einigung möglich sein, heften Sie diesen an den Rand der Tafel.
  • Sprechen Sie mit den Schüler*nnen darüber, warum es verschiedene Gottesvorstellungen in der Bibel gibt (Gotteswort im Menschenwort).
  • Überlegen Sie gemeinsam mit den Schüler*innen, welche Konsequenzen die jeweiligen Gottesbilder für das Leben eines Menschen haben könnten.

 

Für die Arbeit zu Hause:

Arbeiten die Schüler*innen zu Hause, kann ihnen auch eine Pinnwand für einen Chat über das Tool Padlet zur Verfügung gestellt werden (siehe unten). Für den Chat in Echtzeit sollte eine Zeit festgelegt werden. Sonst können die Schüler*innen auch zeitlich unabhängig ihre Kommentare posten.

Padlet ist eine digitale Pinnwand, die sehr einfach gestaltbar und vielfältig einsetzbar ist. Hier können Lehrkräfte Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenstellen. Wenn gewünscht, können Schüler*innen diese kommentieren. Padlet bietet Platz für Notizen, Links, Bilder & Videos und gibt es in einer einfachen Version kostenlos.

Mit Padlet lassen sich

  • Informationen bündeln
  • Ressourcen bereitstellen (z.B. Links, Bilder, audiovisuelle Inhalte)
  • Schüler*nnen zum Mitmachen anregen 
  • Aufgaben verbreiten 
  • Feedbackposts sammeln
  • Ein Video mit den Grundlagen von Padlet kann unter der Adresse https://www.youtube.com/watch?v=yIuI2j-6Aqc angesehen werden.
     
  • Vor dem Chat müssen die oben vorgestellten Materialien für die Arbeit zu Hause aufbereitet und den Schüler*innen entsprechende Arbeitsanweisungen zur Verfügung gestellt werden. Auch das ist über Padlet möglich. 


Mit Schüler*innen in der Schule:

  • In einem nächsten Schritt werden die beiden Texte "Ist das Coronavirus eine Strafe Gottes?" (siehe unten) gelesen. In den unteren Klassen der Sekundarstufe I können die Texte auch gekürzt und Auszuge davon verwendet werden. Alternativ können auch die beiden Videostatements (siehe unten) angesehen werden.
  • Im Anschluss positionieren sich die Schüler*innen auf einer gedachten oder durch einen Klebestreifen auf dem Boden markierten Linie. Die Enden dieser Linie stellen die alternative Pole (Pro/Contra) dar, der Abstand zwischen diesen Punkten entsprechend abgestufte Positionen dar. 
  • Die Schüler*innen werden aufgefordert, ihre Positionen zu begründen und sich auch argumentativ aufeinander zu beziehen.
  • Im Anschluss arbeiten die Schüler*innen gemeinsam das den Texten zugrundeliegende Gottesbild und deren Konsequenzen für den Einzelnen heraus. Dabei wird auch die Frage nach Parallelen und Unterschieden zu den in der Klasse diskutierten Gottesbildern thematisiert.


Für die Arbeit zu Hause:

  • Sollten die Schüler*innen zu Hause arbeiten, lassen sich die Materialien auch auf das Tool Padlet übertragen und die Aufgaben entsprechend modifizieren.

Unten ist ein Beispiel für die Arbeit mit Padlet angefügt. Die Schüler*innen können sich zu den beiden im Materialteil verwendeten Texten und Videos äußern. Mit dem +-Zeichen unter den Texten und Videos können sie Kommentare abgeben und diese gegenseitig kommentieren.

Gottesbilder in der Bibel

Gott ist wie eine Burg (Psalm 144, 2)
meine Hilfe und meine Burg, mein Schutz und mein Erretter, ...

Gott ist wie eine Hand (Psalm 139, 5)
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Gott ist wie ein Rächer (Pslm 94, 1)
HERR, du Gott, des die Rache ist, du Gott, des die Rache ist, erscheine! 

Gott ist wie ein Hirte (Psalm 23, 1)
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Gott ist wie ein König (Psalm 47, 8)
Denn Gott ist König über die ganze Erde; lobsinget ihm mit Psalmen!

Gott ist wie eine Mutter (Jes 66, 13)
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ...

Gott ist wie Feuer (Psalm 79, 5)
Wie lange, HERR, willst du immerfort zürnen? Wie lange wird dein Eifer brennen wie Feuer?

Gott ist wie ein Krieger (5. Mose, 20, 4)
Denn der HERR, euer Gott, ist es, der mit euch zieht, um für euch mit euren Feinden zu kämpfen, um euch zu retten. 

Gott ist wie eine Quelle (Psalm 36, 10)
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Gott ist wie die Sonne und wie ein Schild (Psalm 84, 12)
Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; der HERR gibt Gnade und Ehre.

Gott ist wie ein Richter (Psalm 7, 12)
Gott ist ein gerechter Richter und ein Gott, der täglich strafen kann.

Gott ist wie ein Freund (2. Mose 33, 11)
Der HERR aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet.

Gott ist wie ein zorniger Herrscher (Psalm 88, 8)
Auf mir liegt schwer dein Zorn, und mit allen deinen Wellen hast du mich niedergedrückt.

Gott ist wie ein Schirm (Psalm 32, 7)
Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten, dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann.

Gott ist wie ein Vater (Psalm 103, 13)
Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

Pinnwand für einen Chat zu den Gottesbildern (erstellt mit dem Online-Tool "Padlet")

Mit Padlet erstellt

Ist das Coronavirus eine Strafe Gottes?

Pro

Nach Meinung des Dekans am Bibelseminar Bonn, Prof. Friedhelm Jung, sind Epedemien Strafen Gottes. Gott straft damit die Menschen für ihre Sünden. Jung führt als Begründung ausgewählte Bibelstellen aus dem Alten und Neuen Testament an:

  • Wenn du nicht darauf hältst, dass du alle Worte dieses Gesetzes tust, die in diesem Buch geschrieben sind, und nicht fürchtest diesen herrlichen und heiligen Namen, den HERRN, deinen Gott, so wird der HERR schrecklich mit dir umgehen und dich und deine Nachkommen schlagen mit großen und anhaltenden Plagen, mit bösen und anhaltenden Krankheiten. Und er wird auch alle Seuchen Ägyptens über dich bringen, vor denen du dich fürchtest, und sie werden dich nicht loslassen; dazu wird der HERR alle Krankheiten und alle Plagen, die nicht geschrieben sind in dem Buch dieses Gesetzes, über dich kommen lassen, bis du vertilgt bist. (5. Mose 28,58-61)
  • Denn so spricht Gott der HERR: Wenn ich meine vier schweren Strafen, Schwert, Hunger, wilde Tiere und Pest, über Jerusalem schicken werde, um darin auszurotten Menschen und Vieh, siehe, so sollen einige übrig bleiben und davonkommen, die Söhne und Töchter herausbringen werden. (Hesekiel 14,21-22)
  • Alsbald schlug ihn der Engel des Herrn, weil er Gott nicht die Ehre gab. Und von Würmern zerfressen, gab er den Geist auf. (Apostelgeschichte 12,23)

Auch im Neuen Testament findet Jung seine These bestätigt:

  • Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist. Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge, und wer in der Stadt ist, gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, komme nicht hinein. Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist. Wehe den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden sein und Zorn über dies Volk kommen, und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind. (Lukas 21,20-24)

Jung sagt weiterhin: „Natürlich ist das für Menschen mit einem einseitigen Gottesbild (der liebe Gott, der keiner Fliege was zuleide tut) nicht nachvollziehbar.“ Menschen, die am biblischen Gottesbild festhalten, wissen, dass Gott "(wie eine gerechte Regierung) Sünde nicht ungestraft lassen kann". Da seiner Meinung nach viele Menschen gottlos und in schweren Sünden leben, schicke Gott Strafen. Als Beispiele nennt Jung "Stolz, Lüge, Pornografie, Diebstahl, Homosexualität usw.". Letztlich ist es für Jung nicht nachvollziehbar, dass Menschen sich trotz der Strafen Gottes nicht zu ihm bekehren.
(vgl.: https://www.idea.de/glaube/detail/ist-die-corona-pandemie-eine-strafe-gottes-112446.html)

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Contra

Mathias Hülsmann, Dozent am RPI Loccum, vertritt ein anderes Gottesbild. Für ihn ist Corona keine Strafe Gottes. Dabei argumentiert er wie folgt:

Erstens: Kein Mensch weiß, was Gott denkt.

Wer in diesen Tagen behauptet, die Corona-Pandemie sei eine Strafe Gottes und dazu Verse aus der Bibel zitiert, der muss sich fragen lassen: Woher weißt du das? Aus der Bibel? Und warum gibt es dann Christen, die überzeugt sind, dass die Corona-Pandemie keine Strafe Gottes ist, und dabei ebenfalls Verse aus derselben Bibel zitieren?
Diese Grundaussage zieht sich durch die gesamte Bibel: Gott kennt unsere Gedanken, aber wir kennen nicht Gottes Gedanken. Aus diesem Grund warnt die Bibel bereits auf den ersten Seiten davor, sich ein Bild von Gott zu machen. Mein Gottesbild ist von meinen Gedanken und Erfahrungen geprägt, aber Gott ist größer als meine Erfahrungen.

Zweitens: Unser Leben ist zerbrechlich. 

Das war es schon immer. Diese Zerbrechlichkeit gilt für alle Menschen, für die gesamte Gesellschaft, für die gesamte Weltbevölkerung und sogar für das Klima. Wir konnten diese unangenehme Tatsache kurz verdrängen, weil die Kranken und Sterbenden meist aus unserem Familien- und Gesichtskreis verschwunden sind in Krankenhäuser und Pflegeheime und weil eine nahezu perfekte Unterhaltungsindustrie unsere Aufmerksamkeit auf angenehmere Dinge gelenkt hat. Aber die Corona-Krise führt uns unsere Fragilität wieder schmerzlich vor Augen.

Drittens: Die Stärke der Wissenschaft ist, dass sie aus ihren Fehlern lernt und dadurch immer besser wird.

Jede wissenschaftliche Aussage gilt so lange als richtig, bis sie von einer neuen wissenschaftlichen Erkenntnis als falsch erwiesen wird. Auf diese Weise werden wissenschaftliche Vorhersagen Schritt für Schritt „immer weniger falsch“. Während aus Wuhan die ersten Corona-Infizierten gemeldet wurden, haben Wissenschaftler mit erstaunlicher Präzision den weiteren Verlauf dieser Pandemie prognostiziert, so dass Regierungen vorgewarnt waren und Vorkehrungen treffen konnten.
 
Viertens: Der Mensch ist auf der Suche nach Sinn.

Menschen, die einen Sinn in ihrem Tun oder Leiden erkennen können, sind oft zu großen Opfern bereit. Die Schmerzen bei einer Geburt haben den Sinn, einem neuen Menschen das Leben zu schenken. Umgekehrt gilt: Sinnloses Leiden kann Menschen körperlich und seelisch zerstören. Deshalb suchen Menschen auch im Unglück nach einem Sinn. 

Was ist der Sinn dieser Corona-Epidemie? Die Anzahl der Antworten auf diese Frage entspricht der Anzahl der Menschen, die sie stellen. Mit dem Sinn ist es wie mit dem Glauben: Jeder Mensch muss seine eigene Antwort finden. Und niemand hat das Recht, einem anderen Menschen vorzuschreiben, welchen Sinn er darin zu finden hat.

Es kann also durchaus sein, dass ein Mensch die Corona-Epidemie als Strafe für begangene Sünden deutet und Gott deshalb um Vergebung bittet. Das ist seine persönliche Deutung. Das Virus selbst macht keinen Unterschied zwischen guten und bösen Menschen.

Ein anderer Mensch wird möglicherweise aufmerksam für seine eigene Verletzlichkeit und für die lebensrettende medizinische Ausstattung unserer Krankenhäuser und dankt Gott dafür.

Ein Dritter klagt vielleicht wie Hiob Gott an. Für ihn bleibt die Corona-Epidemie ein Leben lang sinnlos, weil ein geliebter Mensch daran gestorben ist.
Die entscheidende Frage am Ende lautet: Was kann ich für mein Leben glauben?

Text: https://www.rpi-loccum.de/corona/Ist-Corona-eine-Strafe-Gottes-

Befragung zu Texten und Videoclips (erstellt mit dem Online-Tool "Padlet")

Mit Padlet erstellt