„Dankbarkeit macht das Leben erst reich“, auch in Zeiten von Corona – Ein Beispiel für die Arbeit mit dem Tool Flinga

Von Dietmar Peter

Der Satiriker Thorsten Stelzner aus Braunschweig hat zu Beginn der Corona-Pandemie ein bewegendes Gedicht mit dem Titel "Gute Nacht Deutschland" geschrieben und auf YouTube veröffentlicht. In den sozialen Netzwerken hat das Gedicht viel Aufsehen erregt, denn der Autor schildert im Text auf eine eigene Weise seine Gedanken.

Es ist ein leises Gedicht, Thorsten Stelzner lässt keinen Dampf über die Einschränkungen ab. Er beschreibt sensibel seine Gedanken und er ist dankbar. Damit blickt er aus einer anderen Perspektive auf die aktuelle Situation und regt zum Nachdenken an.

Das Gedicht eignet sich in besonderer Weise, um den Blick zu weiten und mit Schüler*innen anders und neu auf die aktuelle Situation zu schauen.

Zum Einstieg wird den Schüler*innen das Video gezeigt. Ob dieses im Unterricht geschieht oder die Schüler*innen den Link im Rahmen des Homeschooling (z.B. über IServ) erhalten, ist unerheblich.

Thorsten Stelzner – "Gute Nacht Deutschland"

Im Anschluss bringen die Schüler*innen und Schüler ihre Gedanken zum Gedicht ein. Im Homeschooling kann dafür das Tool Flinga (flinga.fi) genutzt werden. Die Anmeldung bei Flinga ist kostenlos und das Tool kann zu interaktiven und kollaborativen Zwecken im Unterricht genutzt werden. Hier wird zunächst die Whiteboardfunktion des Tools genutzt, wodurch alle Schüler*innen ihre Gedanken festhalten und ihren Mitschüler*innen online zugänglich machen können. Ein Beispiel ist eingefügt.

Gedanken zum Gedicht "Gute Nacht Deutschland"

In einer anschließenden Diskussion (online oder offline) werden die Gedanken vertieft und anschließend der Satz Bonhoeffers „Dankbarkeit macht das Leben erst reich“ (Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 158) in den Unterricht eingebracht. Dieser bleibt zunächst als Impuls stehen.

Eine Kommentierung durch die Schüler*innen mittels einer weiteren Funktion des Tools Flinga schließt sich an.  Dazu wird vorher von der Lehrkraft eine sogenannte Wall eingerichtet. Hierauf sollen die Schüler*innen zu dem Satz Bonhoeffers Stellung nehmen und Äußerungen von Mitschüler*innen, die ihnen gefallen, mit einem „Herz“ versehen. Die Ergebnisse können auf diese Weise mittels des oberen linken Balkens im Tool in eine Reihenfolge gebracht werden ("Most liked first"). Ein Beispiel ist eingefügt.

Nach einer vertiefenden Auseinandersetzung mit den auf der Wall festgehaltenen Aussagen sollen die Schüler*inn aufschreiben, wofür sie dankbar sind. Dieses kann auch annonym geschehen. Die Texte werden eingesammelt und von der Lehrkraft vorgelesen. Hierbei zeigen sich (vor allem, wenn die Texte annonym verfasst wurden) erstaunliche Ergebnisse.

Psalm 136, 1-9 bildet den Abschluss. Der Psalm steht im Kontext des Unterrichts als Beispiel dafür, wie das Judentum seine der Dankbarkeit gegenüber Gott zum Ausdruck gebracht hat und wie Christen und Juden sich diese Worte heute leihen, um ihre Dankbarkeit gegenüber Gott zum Ausdruck zu bringen.

Im Kontext der vorausgegangenen Auseinandersetzung wird der Inhalt des Psalms vermutlich anders klingen. Dazu wird der Psalm, nach wenigen einleitenden Worten über den Kontext, von der Lehrkraft Zeile für Zeile ruhig und langsam gesprochen. 

Psalm 136, 1-9

Psalm 136, 1-9