Ideen zur Gestaltung der Zeit nach Wiederaufnahme des Schulbetriebs

Von Bettina Wittmann-Stasch

Grundsätzliches

Wenn die Schulen wieder geöffnet werden, wird es verschiedene Bedürfnisse geben:

Ist es dann klug, auf diese Krise zurückzublicken, sie "zu bearbeiten" –  oder doch besser, den Alltag einkehren zu lassen?

Ganz sicher gibt es darauf keine zweifelsfreie Antwort, die für jede*n das Richtige bereit hält – so wie nach jeder Krise. Das Wesen der Krise ist ja auch, dass vieles unwägbar ist und viele Fragen in einzelnen Köpfen unterschiedlich wichtig sind. Während die einen "endlich Normalität" haben wollen und nach Lernstoff gieren, werden andere Redebedarf haben. Bis alle wieder zu „Normalität“ zurückkehren können, wird es dauern – gleichzeitig wird es Fingerspitzengefühl brauchen, wie viel schon wieder geht und auch guttut. An einer Krise festzuhalten, wenn Schüler*innen wieder anderes tun wollen, wäre auch kontraproduktiv. Deshalb ist es gut, offen zu beginnen, Gespräche anzubahnen und zu ermöglichen – und auch wenn der Betrieb wieder stärker aufgenommen werden kann, den Rückblick weiter zu ermöglichen, immer wieder zwar, aber nicht penetrant.

Sicher ist: Einfach so zu tun, als ob nichts gewesen wäre –  das ist nicht der beste Weg.

 

Erste Schritte

Zur Zeit des Schulbeginns werden Regeln wie für andere Krisensituationen wichtig sein:

  • Sicherheit geben durch klare knappe Informationen:
  • Welche Regeln des Umgangs sollen auch jetzt noch gelten?
  • Was ist „wie immer“, was definitiv anders?
  • Welchen Zeitplan gibt es (bzw. was wird nach und nach erst neu zu klären bleiben)?
     

Atmosphärisch einen sicheren Raum schaffen

 

Einen Austausch ermöglichen in dem 3-Schritt:

  • Was habe ich wahrgenommen / erlebt?
  • Wie bin ich damit umgegangen?
  • Welche Fragen haben mich beschäftigt?

 

Das ließe sich dann ggf. auch im RU aufgreifen:

Gelegenheit für kreative Gestaltung bieten (künstlerisch, als Schreibaufgabe – vgl. auch „Brief an mich selbst“ u.ä., als Aufgabe für eine Projektarbeit).

Gelegenheit zur Erfahrung von Selbstwirksamkeit schaffen; z. B. in der Lerngruppe zu überlegen, wer im Moment der Unterstützung bedarf: Wie kann das – ggf. auch gemeinsam – organisiert werden?

Die Bewältigung der vergangenen Zeit zu Hause, in der Zeit des Stillstandes, kann mit kreativen Gestaltungsaufgaben, Schreibimpulsen u.ä. mehr mithilfe von Fragestellungen bearbeitet werden. Beispiele:

  • Was habe ich über mich gelernt in dieser Zeit?
  • Was war für mich unverzichtbar, um froh bleiben zu können?
  • Was habe ich getan, wenn es mir zu langweilig war? Was war gut, was nicht so toll?
  • Was hat sich bei uns in der Familie verändert?
  • Was würde ich gerne als "Gewinn" weiter so behalten?
  • Wie haben wir als Familie besprochen, was wir verändern?

 

Ideen für die Schulgemeinschaft insgesamt

Schon jetzt arbeiten manche Schulseelsorger*innen und Religionslehrer*innen daran, eine Gedenkstelle, eine Erinnerungswand oder eine Art Klagemauer aus bemalten Kartons oder Ziegelsteinen mit Löchern aufzubauen (im Eingangsbereich der Schule oder einem anderen geeigneten Ort) mit der Möglichkeit, dort jeweils eigene Wünsche, Gedanken oder Gefühle auf kleine Zettel zu schreiben.

Immer zu bedenken bleibt dabei die Frage: Wie lange bleibt das stehen, was tun wir anschließend damit? Eine gute Möglichkeit wäre sicher, die angepinnten Ergebnisse in einem Schulgottesdienst am Ende des Schuljahres in Fürbittengebete mit aufzunehmen und dies zu verbinden mit einer rituellen Verbrennung der Zettel.