Padlets: Allein zu Hause - gemeinsam mit der Klasse

Von Dirk Bischoff und Michaela Veit-Engelmann

Zur Nutzung von Padlets im Homeschooling

Ein Padlet ist, vereinfacht gesagt, eine Art virtuelle Pinnwand oder Tafel. Auf www.padlet.com lässt sich nach Registrierung ein Profil anlegen, und in der kostenlosen Version können bis zu drei Padlets erstellt werden. Je nach Intention sind ganz unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten denkbar. So können beispielsweise Mindmaps oder gar ganze Anordnungen von Spalten bzw. Listen zu unterschiedlichsten Themenbereichen und Fragestellungen erstellt werden.

Bild von Dirk Bischoff: Mit Padlet eine Mindmap gestalten

Padlet hat den großen Vorteil, dass es als interaktives Medium genutzt werden kann. Werden beispielsweise die Schüler*innen mit Schreibrechten ausgestattet, können sie auch ohne Anmeldung nach Aufruf des entsprechenden Links oder via Einscannen eines QR-Codes einzelne Beiträge kommentieren oder auch eigene Beiträge verfassen. Die Anwendung läuft auf Handys, Tablets und idealerweise auf PCs. Verschiedenste Bearbeitungsrechte lassen sich für jedes einzelne Padlet individuell festlegen. Es ist auch möglich, die Nutzung des Padlets durch ein Passwort zu schützen, damit es lediglich denjenigen zur Verfügung steht, die eine Zugangsberechtigung erhalten haben. Diese vielfältigen Möglichkeiten machen Padlet sowohl für das interaktive Lernen in der Klasse als auch als E-Learning-Format für das Homeschooling interessant.

 

Nutzungsideen (in Auswahl)

Gemeinsames Erstellen einer Mindmap (Beispiel, Symbol Licht). Durch Klicken auf den Pluskreis (auf dem Display recht unten) erscheint ein neues Blanko-Formular in der Form eines Post-Zettels, der dann beschrieben werden kann. Auf diese Art und Weise lässt sich innerhalb einer Gruppe oder einer ganzen Klasse zu einer Fragestellung Brainstorming betreiben. Die verschiedenen Impulse können anschließend verschoben, geclustert und sogar durch Beziehungslinien verbunden und strukturiert werden.

Pro-Contra-Diskussion: Die Lehrkraft erstellt eine Padlet-Vorlage mit zwei Spalten zu einer kontroversen Fragestellung (z.B. Aktive Sterbehilfe erlauben?). Die Schüler*innen können nun über ihre Smartphones die Pro-Contra-Tabelle mit verschiedensten Argumenten füllen. Auch ist es möglich, über die Kommentar-Funktion auf einzelne Beiträge zu reagieren, um Argumente auf ihre Stichhaltigkeit hin zu hinterfragen. Eröffnet ist eine interaktive Schreib-Diskussion, die eine ganz besondere Dynamik entfalten kann. (Wichtig wäre gegebenenfalls, entsprechende Regeln zu vereinbaren, wie z.B. Kriterien einer sachlichen Kritik, Tabu von beleidigenden Äußerungen …) Ein abschließendes Handlungsergebnis könnte darin bestehen, dass die Schüler*innen basierend auf der Argumente-Sammlung eine schriftliche Erörterung zur Fragestellung verfassen. In niveauschwächeren Klassen wird es sicher ausreichend sein, wenn eine eigene Pro-Contra-Tabelle angefertigt wird, in der in Auswahl die stärksten Argumente zur Fragestellung übernommen werden, um abschließend eine persönliche begründete Stellungnahme zu verfassen.  

Schüler*innen entwickeln und bearbeiten Lernsituationen
(Beispiel, Lernsituation für Erzieher*innen, Niveaustufe 6)

Das Padlet wirkt auf dem ersten Blick bunt und überladen, auf dem zweiten Blick ergibt sich jedoch eine logische Struktur, die den Schüler*innen vor Nutzung zu erklären ist.

Ziel des hier vorgestellten Beispiels ist es, dass in diesem Fall die angehenden Erzieher*innen in Einzel- oder Kleingruppenarbeit mit Hilfe des Padlets eine eigene Lernsituation entwickeln und durchführen.
 

Mit Padlet erstellt

Die Logik ist schnell erschlossen (von der linken zur rechten Spalte): Zunächst wählen sich die Schüler*innen ein Themenfeld aus, aus dem eine Handlungssituation abgeleitet werden kann. (Im konkreten Beispiel-Padlet hatten die Auszubildenden die Möglichkeit, nochmals als Wiederholungsprojekt mit bereits bekannten Themenaspekten zu arbeiten, die allerdings dann methodisch neu aufzubereiten waren. Alternativ konnten von leistungsstarken Schüler*innen auch noch nicht behandelten Problemstellungen gewählt werden, die erstmalig zu erörtern waren.) In einem zweiten Schritt entscheiden sich die Erzieher*innen dann für ein passendes Handlungsergebnis, das am Ende der Erarbeitung stehen soll. Anregungen zu möglichen Methoden und Handlungsergebnissen sind in der Spalte „Anregungen zur Umsetzung“ zu finden; hier können auch noch ganz eigene Ideen ergänzt werden. Falls sich im Rahmen der Erarbeitungen Fragen ergeben, werden diese unter „Fragen, die zu klären sind“ gepostet. Posts von Fragen, die bereits beantwortet wurden, können dann in die nächste Spalte verschoben werden. Auf diese Weise entsteht eine Art FAQ-Sammlung. Damit die Klasse einen Überblick hat, an welchen Bereichen gearbeitet wird, posten die Schüler*innen ihre Ideen in der blauen Spalte. Konzept-Skizzen und Zwischenergebnisse können dann zur Diskussion in der „Präsentations-Spalte“ verlinkt bzw. hochgeladen werden. Auf diese Weise wird die gesamte Klasse zusammen mit der Lehrkraft zum Beratungs- und Feedback-Gremium, das sich gegenseitig Tipps und Anregungen gibt. Fertige Handlungsergebnisse werden schließlich in der letzten Spalte hochgeladen. Andere Schüler*innen können sich die Ideen downloaden, um sie für sich zu archivieren, um sie idealerweise später im Berufsalltag nutzen zu können.

Schlussbemerkung: Damit diese Art des selbstständigen Lernen gelingen kann, müssen die Schüler*innen einen hohen Grad an Verantwortungsbewusstsein, Selbständigkeit und Sozialkompetenz mitbringen. Wenn dies nicht sicher gegeben ist, bietet es sich an, ein solches Konzept des selbstorganisierten Lernens noch stärker zu strukturieren und reduzieren. Auch bei festeren Vorgaben könnte auf ähnliche Weise ein Kooperationsprojekt entstehen.

Die Liste mit Padletbeispielen wird sukzessive ergänzt.

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