Materialien zur Corona-Krise für den BRU

Von Dirk Bischoff und Michaela Veit-Engelmann

In ihrer Fernsehansprache am 18.3.2020 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel es auf den Punkt gebracht: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst!" Dieser Aufgabe werden sich auch die Lehrkräfte der verschiedenen Schulformen zu stellen haben, wenn nach einer – in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einmaligen – mehrwöchigen Pause der Unterricht wieder beginnt. Nach und nach kehren die Schüler*innen wieder an die Schulen zurück, werden in halben Klassen oder weiterhin im Homeschooling unterrichtet. Dies alles stellt beide Seiten – Lehrer*innen und Schüler*innen gleichermaßen – vor neue Herausforderungen. 
Das RPI Loccum stellt deshalb auf diesen Seiten Materialien sowohl für den Religionsunterricht in einer Zeit „nach Corona“, als auch onlinegestützte Tools für die Bearbeitung religiöser Themen im E-Learning zur Verfügung.

Online-Tools für das Homeschooling

Wenn Schüler*innen sich Inhalte im Homeschooling erarbeiten sollen, sind sie auf abwechslungsreiche und selbsterklärende Materialien angewiesen. Die hier vorgestellten Beispiele bieten dazu hilfreiche Anregungen und praktische Ideen. Sie sind sofort einsetzbar, können aber den Lehrkräften auch als Impuls für die kreative eigene Weiterarbeit dienen. 
Die Online-Tools werden sukzessive überarbeitet und ergänzt.

Unterrichtsmaterialien für den BRU „nach Corona“

Die Schüler*innen werden nach diesen Wochen mit sehr verschiedenen Erfahrungen in die Schule zurückkehren. Haben die einen die Zeit als zusätzliche Ferien verstanden, bringen andere vielleicht emotional belastende und sogar existentielle Erlebnisse mit, die sie nachhaltig geprägt haben. Umso wichtiger ist es, dass der schulische Unterricht die Möglichkeit bietet, diese Erfahrungen in einem geschützten Rahmen zu thematisieren, um sie so aufzufangen, verstehen zu lernen und dadurch zumindest in Ansätzen auch verarbeiten zu können. Dabei dürfte eine Schwierigkeit in dem unterschiedlichen Redebedarf der Schüler*innen bestehen: Haben die einen erkennbar keinerlei Interesse mehr am Dauerthema der letzten Wochen, so dürften dennoch nicht wenige Schüler*innen das Bedürfnis nach einem intensiven Austausch haben. 

Dazu leistet der Religionsunterricht einen wichtigen Beitrag. So bietet er aufgrund seiner grundsätzlichen Offenheit für existentielle Fragestellungen in besonderer Weise den schulischen Ort, um diese herausfordernde Ausnahmesituation zu verarbeiten. Nicht ausgeschlossen werden kann ja, dass auch im Umfeld der Schüler*innen Todesfälle oder schwere Krankheitsverläufe vorkamen. Nicht nur dann sind die Religionslehrkräfte auch mit ihrer seelsorgerlichen Kompetenz gefragt.

Über die erste Reflexion individueller Betroffenheit und eigenen Erlebens hinaus bietet die Corona-Krise vielfältige Anknüpfungsmöglichkeiten sowohl zur Lebenswelt der Jugendlichen an einer BBS als auch zu zahlreichen beruflichen Kontexten. Angehende Arzthelfer*innen, Pflegefachkräfte, Erzieher*innen oder Auszubildende im Einzelhandel werden durch diese Krise, obwohl noch am Anfang ihres Berufslebens stehend, beruflich bereits auf eine Art und Weise gefordert worden sein, die vermutlich der Reflexion und Aufarbeitung bedarf. Gleichzeitig mahnt diese Krise dazu, für Auszubildende z.B. aus den o.g. Berufen grundsätzlich zu fragen, was man aus dieser Erfahrung für den zukünftigen Umgang mit vergleichbaren Situationen lernen kann.

Perspektivisch gedacht bietet die Corona-Krise die Möglichkeit eines aktuellen und lebensnahen Unterrichtsbezugs, anhand dessen sich grundsätzliche anthropologische, psychologische, theologische und ethische Aspekte herausarbeiten lassen. Denn nicht nur die Schüler*innen, die aktuell eine BBS besuchen, sind in ihrer schulischen Laufbahn von der Corona-Krise betroffen, sondern dies wird noch einige Jahre lang auch für die kommenden BBS-Jahrgänge gelten. Daher liegt es nahe, anhand der im Frühjahr 2020 gemachten Erfahrungen zum Beispiel die Theodizeefrage oder Fragen nach dem Wert menschlichen Lebens zu stellen und das Problem einer Abwägung zwischen verschiedenen Werten und Ansprüchen zu thematisieren sowie prinzipiell den Umgang mit Krisen zu behandeln. Dann wäre es auch denkbar, ausgehend von der Corona-Krise den Blick zu weiten, andere menschliche Krisensituationen zu betrachten und zu fragen, was und wie daraus zu lernen ist. 

Die hier vorgestellten Arbeitsmaterialien – die sich aufteilen auf mehrere Unterkapitel – bieten umfangreiche Impulse für den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen. Einige Materialien, i.d.R. die zu Beginn der einzelnen (Unter‑)Kapitel, sind bereits auf Niveaustufe 2 einsetzbar. (Die Entscheidung, inwiefern ggfs. eine Auswahl getroffen werden muss oder eine weitere didaktische Reduktion geboten ist, liegt dabei bei den einzelnen Lehrkräften.)

Der Aufbau der einzelnen Kapitel ist jeweils gleich: Eine Datei enthält eine kurze Einführung in die einzelnen Arbeitsmaterialien, die Möglichkeiten ihrer Verwendung im Unterricht sowie Ideen zum weiterführenden Umgang damit. In einer zweiten Datei werden alle Materialien zum Download bereitgestellt; hier finden sich ggfs. auch Links zu Onlinequellen. Die Materialien sind dabei nach steigender Komplexität sortiert, beginnend bei Niveaustufe 2. Die Materialien zeichnen sich dabei durch ihre Vielfältigkeit und Bandbreite aus; sie eignen sich i.d.R. zur Verwendung als Handlungssituationen und ermöglichen es den Lehrkräften, darauf aufbauend selbstständig eigene Lernsituationen zu erstellen. Selbstverständlich bestehen vielfältige Bezüge zu den einzelnen Lernfeldern der Rahmenrichtlinien; diese werden deshalb nicht im Einzelnen ausgewiesen, weil je nach der – den unterrichtenden Kolleg*innen überlassenen – Schwerpunktsetzung innerhalb des unterrichtlichen Geschehens jeweils andere Zielformulierungen leitend würden. 

Die einzelnen Materialien und Kapitel werden sukzessive ergänzt.

Ein herzlicher Dank gilt allen, die zur Erarbeitung beigetragen haben. Hier sind besonders Beate Ney-Janßen und Lothar Veit zu nennen, die eigene Texte und Fotos für diese Material-Sammlung beigesteuert haben, sowie Bettina Wittmann-Stasch, von der die Ideen und Anregungen für das fünfte Kapitel stammen. Großer Dank gebührt auch Stephanie Bödeker für ihre vielfältige Unterstützung. Und Danke sagen wir schließlich auch all jenen, die bereit waren, weitere Materialien zur Verfügung zu stellen oder mit den Berichten über ihre eigenen Erlebnisse in dieser besonderen Zeit unsere Sammlung zu bereichern.

Dirk Bischoff (BBS Peine-Vöhrum; dirk.bischoff@evlka.de)
und
Dr. Michaela Veit-Engelmann (RPI Loccum; michaela.veit-engelmann@evlka.de)