Materialien zur Corona-Krise für den BRU

Von Dirk Bischoff und Michaela Veit-Engelmann

In ihrer Fernsehansprache am 18.3.2020 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel es auf den Punkt gebracht: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst!" Mit Beginn des neuen Schuljahres 2020/2021 haben die Corona-Fallzahlen wieder eine kritische Höhe erreicht, die Normalität, auf die die Menschen in Deutschland – Schulleitungen, Lehrkräfte und Schüler*innen eingeschlossen – gehofft hatten, scheint wieder in weiter Ferne. Das neue Schuljahr startet eindeutig „unter Corona“. 

Deshalb stellt das RPI Loccum auf diesen Seiten Materialien sowohl für den Religionsunterricht in einer Zeit unter den Bedingungen von Corona, als auch onlinegestützte Tools für die Bearbeitung religiöser Themen im E-Learning zur Verfügung.

U-Tipp der Woche

Ab dem Schuljahr 2020/2021 startet das RPI Loccum einen neuen Service für alle Kolleg*innen, die an Berufsbildenden Schulen Religionsunterricht erteilen: Im wöchentlichen Rhythmus wird es Unterrichtstipps geben, die „U-Tipps der Woche“. Für den Unterricht in den Niveaustufen 2 – 4 und 6 wird jede Woche eine Unterrichtsidee mit Kurzbeschreibung und fertigen Unterrichtsmaterialien und Arbeitsblättern vorgestellt. Der curriculare Bezug ist jeweils ausgewiesen, Handlungs- und Kompetenzorientierung sind selbstverständlich mitbedacht. Alle Materialien stehen zum Download bereit und können unmittelbar im Unterricht eingesetzt werden – auch unter den Bedingungen von Corona. Der U-Tipp der Woche erscheint jeden Freitag neu.

Online-Tools für das Homeschooling

Wenn Schüler*innen sich Inhalte im Homeschooling erarbeiten sollen, sind sie auf abwechslungsreiche und selbsterklärende Materialien angewiesen. Die hier vorgestellten Beispiele bieten dazu hilfreiche Anregungen und praktische Ideen. Sie sind sofort einsetzbar, können aber den Lehrkräften auch als Impuls für die kreative eigene Weiterarbeit dienen. 

Unterrichtsmaterialien für den BRU „nach Corona"

Die Schüler*innen sind mit sehr verschiedenen Erfahrungen in die Schule zurückgekehrt. Haben die einen die Zeit als zusätzliche Ferien verstanden, bringen andere vielleicht emotional belastende und sogar existentielle Erlebnisse mit, die sie nachhaltig geprägt haben. Umso wichtiger ist es, dass der schulische Unterricht die Möglichkeit bietet, diese Erfahrungen in einem geschützten Rahmen zu thematisieren, um sie so aufzufangen, verstehen zu lernen und dadurch zumindest in Ansätzen auch verarbeiten zu können. Dabei dürfte eine Schwierigkeit in dem unterschiedlichen Redebedarf der Schüler*innen bestehen: Haben die einen erkennbar keinerlei Interesse mehr am Dauerthema Corona, so dürften dennoch nicht wenige Schüler*innen weiterhin das Bedürfnis nach einem intensiven Austausch haben. Dazu leistet der Religionsunterricht einen wichtigen Beitrag. 

Darüber hinaus bietet die Corona-Krise vielfältige Anknüpfungsmöglichkeiten sowohl zur Lebenswelt der Jugendlichen an einer BBS als auch zu zahlreichen beruflichen Kontexten. Angehende Arzthelfer*innen, Pflegefachkräfte, Erzieher*innen oder Auszubildende im Einzelhandel werden durch diese Krise, obwohl noch am Anfang ihres Berufslebens stehend, beruflich bereits auf eine Art und Weise gefordert worden sein, die vermutlich der Reflexion und Aufarbeitung bedarf. Gleichzeitig mahnt diese Krise dazu, für Auszubildende z.B. aus den o.g. Berufen grundsätzlich zu fragen, was man aus dieser Erfahrung für den zukünftigen Umgang mit vergleichbaren Situationen lernen kann.

Perspektivisch gedacht bietet die Corona-Krise deshalb die Möglichkeit eines aktuellen und lebensnahen Unterrichtsbezugs, anhand dessen sich grundsätzliche anthropologische, psychologische, theologische und ethische Aspekte herausarbeiten lassen. Denn nicht nur die Schüler*innen, die aktuell eine BBS besuchen, sind in ihrer schulischen Laufbahn von der Corona-Krise betroffen, sondern dies wird noch einige Jahre lang auch für die kommenden BBS-Jahrgänge gelten. Daher liegt es nahe, anhand der im Frühjahr und Frühsommer 2020 gemachten Erfahrungen zum Beispiel die Theodizeefrage oder Fragen nach dem Wert menschlichen Lebens zu stellen und das Problem einer Abwägung zwischen verschiedenen Werten und Ansprüchen zu thematisieren sowie prinzipiell den Umgang mit Krisen zu behandeln. Dann wäre es auch denkbar, ausgehend von der Corona-Krise den Blick zu weiten, andere menschliche Krisensituationen zu betrachten und zu fragen, was und wie daraus zu lernen ist. 

Die hier vorgestellten Arbeitsmaterialien – die sich aufteilen auf mehrere Unterkapitel – bieten umfangreiche Impulse für den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen. Einige Materialien, i.d.R. die zu Beginn der einzelnen (Unter )Kapitel, sind bereits auf Niveaustufe 2 einsetzbar. (Die Entscheidung, inwiefern ggfs. eine Auswahl getroffen werden muss oder eine weitere didaktische Reduktion geboten ist, liegt dabei bei den einzelnen Lehrkräften.)

Der Aufbau der einzelnen Kapitel ist jeweils gleich: Eine Datei enthält eine kurze Einführung in die einzelnen Arbeitsmaterialien, die Möglichkeiten ihrer Verwendung im Unterricht sowie Ideen zum weiterführenden Umgang damit. In einer zweiten Datei werden alle Materialien zum Download bereitgestellt; hier finden sich ggfs. auch Links zu Onlinequellen. Die Materialien sind dabei nach steigender Komplexität sortiert, beginnend bei Niveaustufe 2. Die Materialien zeichnen sich dabei durch ihre Vielfältigkeit und Bandbreite aus; sie eignen sich i.d.R. zur Verwendung als Handlungssituationen und ermöglichen es den Lehrkräften, darauf aufbauend selbstständig eigene Lernsituationen zu erstellen. Selbstverständlich bestehen vielfältige Bezüge zu den einzelnen Lernfeldern der Rahmenrichtlinien; diese werden deshalb nicht im Einzelnen ausgewiesen, weil je nach der – den unterrichtenden Kolleg*innen überlassenen – Schwerpunktsetzung innerhalb des unterrichtlichen Geschehens jeweils andere Zielformulierungen leitend würden. 

Ein herzlicher Dank gilt allen, die zur Erarbeitung beigetragen haben. Hier sind besonders Beate Ney-Janßen und Lothar Veit zu nennen, die eigene Texte und Fotos für diese Material-Sammlung beigesteuert haben, sowie Bettina Wittmann-Stasch, von der die Ideen und Anregungen für das fünfte Kapitel stammen. Großer Dank gebührt auch Stephanie Bödeker für ihre vielfältige Unterstützung. Und Danke sagen wir schließlich auch all jenen, die bereit waren, weitere Materialien zur Verfügung zu stellen oder mit den Berichten über ihre eigenen Erlebnisse in dieser besonderen Zeit unsere Sammlung zu bereichern. 
 

Dirk Bischoff (BBS Peine-Vöhrum; dirk.bischoff@evlka.de)
und
Dr. Michaela Veit-Engelmann (RPI Loccum; michaela.veit-engelmann@evlka.de)