Jugend&Kultur&Religion

Lothar-Meyer-Gymnasium Varel


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Raise your voice

 

 

VerfasserInnen: Hauke Decker, Monika Feldmann, Lena Folkens, Claudia Glaß, Neele Lipskoch, Nadine Mönck, Christian Ransoné, Neetje Riechmann, Jonas Strohschein, Anke Ulferts, Jan Varrelmann, Gesa Bleß, Sara Carter, Linda Guddat, Julian Kanth, Jan Marek Metz, Sarah Theilen, Jantje Witt, Laura Wollina, Moritz Ahlhorn, Anna Boger, Anna Lena Gowen, Philipp Herrnberger, Steffen Hinrichs

 

Betreuende Lehrkraft: Jens Teube

 

 

 

Vorwort

Jugend & Kultur& Religion - bei diesem Thema hatte jeder aus unserem Kurs etwas zu sagen. Erfahrungen, Meinungen, manchmal auch wütende Kommentare wurden hörbar. Doch als wir uns näher mit diesem Thema auseinandersetzten, wurde schnell klar, wir mussten geordneter vorgehen. Es begann uns auch zu interessieren, wie unsere Eltern und Großeltern über diese Dinge gedacht haben, denn wir sahen, wie wenig wir darüber wussten. Diskussionen kamen auf, bis sich erstmals die Frage stellte, wie diese Begriffe überhaupt definiert seien, ob sie für uns das Gleiche bedeuten wie für die anderen Generationen. Begriffsklärung- das hieß für uns zu sehen, dass es nicht nur Generationenunterschiede gibt, sondern sogar in unserem kleinen Kurs jeder eine andere Meinung dazu hatte.

Es dauerte, bis wir uns einigen konnten, bis wir eine Definition gefunden hatten, mit der sich die meisten einverstanden erklärten.

Aber wir haben es geschafft und versucht, darauf aufbauend die Generationen unserer Eltern und Großeltern etwas besser zu verstehen und mit unserer vergleichen zu können. Deshalb bemühten wir uns

- eingehende Fragen zu stellen (qualitative Befragung),

- eine quantitative Umfrage durchzuführen,

- die geschichtlichen Ereignisse zu verstehen,

- uns auch mit der Frage auseinanderzusetzen, was Religion noch sein kann ("Civil Religion").

Das Ergebnis kann sich - so meinen wir- sehen lassen. "Raise your voice - religiöse Stimmen im 20. Jahrhundert"- so der Titel unserer Arbeit, in der viele verschiedene Menschen mit ihren Erfahrungen zur Jugend, zur Kultur und zur Religion zur Sprache kommen.

 

 

 

Zwischen "Goldenen Zwanzigern" und "generation @"- ein geschichtlicher Überblick

Ab 1920

Die "golden twenties" sind nicht so golden, wie es scheint. Wirtschaftlich bedeuten sie eine Abfolge von Inflation, Konjunktur, Zwischenkrise, Konjunktur und letztendlich Weltwirtschaftskrise. Politisch sind sie geprägt durch Putschversuche, Aufstände und Straßenkämpfe von Nationalsozialisten und Kommunisten sowie durch große Instabilität und die Nachwirkungen des I. Weltkrieges. Gesellschaftlich werden sie gekennzeichnet durch zum Ende hin zunehmende Arbeitslosigkeit ebenso wie durch eine scharfe Grenze zwischen Arm und Reich. Jazz beginnt, das Musikleben zu beeinflussen

29.10.1929

13.11.1929

Börsencrashs in New York, Beginn der Weltwirtschaftskrise. In der Folge Anstieg der Arbeitslosigkeit von 5,5% auf 21,1%; das BSP sinkt um 35%, die Industrieproduktion um 50%; die Menschen versinken in Elend.

Ab 1930

30.1.1933

Hitler wird Reichskanzler

Bis 1939

Nazis bauen ihr System auf; gezielte Indoktrination von Kindern und Jugendlichen (HJ etc.); Judenverfolgung und Verfolgung Andersartiger

Ab 1940

1939- 45

II. Weltkrieg

1945

Kapitulation Deutschlands; auf der Konferenz von Jalta und der Potsdamer Konferenz wird über Deutschlands Zukunft beraten; Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen

Ab 1945

Zunehmende Spannungen zwischen kommun. Staaten und der ‚Westwelt‘; Wiederaufbau Deutschlands; Besinnung auf bürgerliche Werte

Ab 1949

BRD und DDR konstituieren sich; zunehmende Ost- West- Blockbildung

Ab 1950

Nachwirkungen des Weltkrieges zeigen sich wegen der hohen Personenverluste gerade im Familienleben noch immer; das gesellschaftliche Leben normalisiert sich; Wirtschaftswunder; erste Gastarbeiter kommen nach Deutschland; gegen Ende Wiedereinführung der Wehrpflicht; Jazz und Rock’n‘Roll bestimmen die Musik der Jugend

Ab 1960

1961

Mauerbau, dadurch Trennung von Familien - Zuspitzung des Konfliktes

1965

Luftangriffe der USA auf Nordvietnam; massive Proteste gegen den Krieg nahezu weltweit; Beginn der Flower- Power- Ära; linke Revolutionsideen prägen das Klima

1968

Studentenunruhen

Ab 1970

7.12.1970

Kniefall Willy Brandts in Gedenken an die Opfer des Warschauer Ghettos

Flower- Power- Generation grenzt sich vom "Establishment" ab; noch immer Spannungen, gerade zwischen USA und UdSSR; 1972 löst Entführung und Ermordung israelischer Sportler während der Olympiade in München Entsetzen aus; das pol. Klima der späten 70er wird durch Anschläge und pol. Morde (z.B. an Schleyer, begangen durch die RAF, 1977) beeinflusst

Ab 1980

Punkkultur mit "no future"- Einstellung bildet sich aus; in vielen Schichten pol. Anpassung; 1986 GAU in Tschernobyl, dadurch Verunsicherung der Menschen

1989

Mauerfall

Ab 1990

Zusammenbruch des Ostblocks; langsames Zusammenwachsen von Ost und West; Zersplitterung der Jugend in viele Gruppen; Markenkult; Technokultur; HipHop und Rap setzten sich ebenfalls durch

Bis heute

Technologisierung und Globalisierung verändern die Gesellschaft und die Arbeit; Nachwirkungen des Weltkrieges sind noch immer spürbar, z.B. im Verhältnis zu anderen Ländern; Politikverdrossenheit der Jugend wird beklagt, ebenso deren "Spaßkultur"; Musik: s.o.; EU gewinnt an Einfluss (z.B. in der nationalen Gesetzgebung -> Frauen zur Bundeswehr etc.)

 

 

Leben in Varel

Leben in Varel, was hat das für unsere Großeltern und Eltern bedeutet und was bedeutet das für uns heute? Was zum Beispiel haben unsere Großeltern in ihrer Freizeit gemacht und was für Ereignisse hatten einen besonderen Einfluss auf ihr Leben?

Unsere Großeltern erlebten ihre Jugendzeit größtenteils in den 30er und 40er Jahren, als Varel etwa 8000 Einwohner hatte. Da zu dieser Zeit der Einfluss des Nationalsozialismus am stärksten war, waren die meisten unserer Großeltern entweder in der Hitlerjugend oder im Bund deutscher Mädel. In diesen Organisationen verbrachten viele von ihnen auch ihre Freizeit, so dass wenig Zeit für andere Beschäftigungen blieb - mal abgesehen davon, dass man sich zusätzlich auch noch mit Freunden getroffen hat. Aufgrund der mangelnden Zeit und auch wegen des fehlenden Interesses besuchten wenig Jugendliche zu dieser Zeit den Gottesdienst der Kirche, was sich bis heute auch nicht verändert hat.

Der zweite Weltkrieg war für die Jugendlichen in Varel, die nicht mehr einberufen wurden, keine große psychische Belastung, da Varel wenig zerstört wurde. Nach dem Weltkrieg gab es in Varel wenig aufzubauen.

Unsere Eltern erlebten ihre Jugendzeit dann in den 60er und 70er Jahren, als der Fernseher Einzug in die deutschen Wohnzimmer hielt und der Vietnamkrieg weltweit die Flower-Power-Ära auslöste.

Es gab zu dieser Zeit viele Ereignisse auf der Welt, die Einfluss auf die Jugend genommen haben , zum Beispiel die Mondlandung, als sich viele Leute in die Häuser drängten, die einen Fernseher besaßen.

In diesen Tagen haben sich die Jugendlichen auch viel mit ihren Freunden getroffen, zum Teil um fern zu sehen, aber auch zu anderen Anlässen, wie zum Beispiel um Tanzen zu gehen (Bsp. Discothek H9) . Jobs hatten zu dieser Zeit hauptsächlich die Jugendlichen, deren Eltern ein eigenes Geschäft hatten.

In den 70er Jahren gab es dann noch die autofreien Sonntage, an denen die Menschen auf den Straßen gingen und Fahrradtouren gemacht haben, was viele als angenehme Abwechslung angesehen haben. In Varel selbst sind jedoch auch einige interessante Dinge passiert: beispielsweise eine Sturmflut, die viele Menschen nach Dangast lockte um zu sehen, wie weit das Wasser angestiegen war.

Heutzutage haben nahezu alle Jugendlichen einen Fernseher, eine Musikanlage und einen Computer . Außerdem haben viele einen Job (Zeitungen austeilen, ...) . Abends haben sie inzwischen auch viel mehr Möglichkeiten irgendwo hinzugehen, wie zum Beispiel diverse Discotheken, Pizzerien oder Kneipen.

 

 

Civil Religion: Was Religion noch sein kann

Es ist kurz vor halb vier - Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt und es ist sehr laut. Wie jeden Samstag pilgern rund 325000 Menschen in Fußballstadien. Sie feuern ihre Mannschaft an und unterstützen sie mit Fangesängen. Doch was keiner von ihnen weiß, ist, dass sie, unabhängig von ihrer Religion, eine eigene Religion ausüben: die sogenannte "Civil Religion".

Sie ist eine Form von Religion, die nicht direkt etwas mit Kirche zu tun hat. Es handelt sich dabei vielmehr um traditionelle Handlungen größerer Massen von Menschen (hier die Fans), deren Gemeinschaftssinn dadurch verdeutlicht wird, dass sie an ein und dasselbe glauben (an einen Sieg, o.a.). Sie ist nicht alltagsabhängig, sondern hebt sich von den alltäglichen Handlungen ab. Am besten kann man Civil Religion anhand des Fußballspiels verdeutlichen. Fans glauben an ihre Mannschaft und bekommen jene Geborgenheit und Zufriedenheit, die sie unter Gleichgesinnten finden. Jede Generation ist unter den Zuschauern vertreten. Von jung bis alt wird man zu eins, und egal wie man ist: man ist in die Gemeinschaft eingebunden.

Dies ist einer der wichtigsten Aspekte der Civil Religion. Gemeinschaft, Geborgenheit und Glück sind Zeichen für diese Form von Religion.

Es gibt weitere Formen der Civil Religion, die jedoch keiner als diese wahrnimmt. Denn sagt man einem Besucher eines Fußballspiels, dass er eine Religion ausübt, bräche der wohl in Lachen aus. Denn wer denkt an Religion, wenn er mit Bierdose in der Hand und Fanschal die gegnerische Mannschaft ausbuht. Und wer denkt an eine Religion, wenn er zu einem Abtanz geht? Wer denkt an Religion, wenn er sich zu DJ Ötzi die Kehle aus dem Leib schreit?

Oft sucht man auch nach der integrierenden Funktion der Religion, die man in der Kirche nicht mehr finden kann. Man geht unter Gleichgesinnte, wo man Geborgenheit und Freude findet.

 

 

Es gibt noch viele weitere Beispiele:

Faschingsfeiern, wo man sich verkleidet und typische Gesänge und Lieder singt, die nur nicht wie in der Kirche von Religiosität handeln

- Konzerte, wo man jedem bekannte Lieder, die jeder kennt, und an die Band glaubt

- Demonstrationen, wo man etwas mit der Gemeinschaft erreichen will

- Rituale zum Jahreswechsel

- U.v.m.

Die Civil Religion besteht neben der kirchlich-verfassten Religion, jedoch kaum einer fühlt sich dieser Religion zugehörig. Man besucht einfach gewisse Ereignisse, ohne an Religion zu denken. Ein Glücksgefühl wird jedoch von den meisten Beteiligten nicht abgestritten.

 

 

Viele Stimmen - viele Meinungen: Die quantitative Befragung

 

Im Rahmen der quantitativen Umfrage wurden 231 Personen aus insgesamt drei Generationen zu ihrer Religiosität während ihrer Jugend befragt.

Die Grenze der ersten Generation, bei uns die Großelterngeneration, legten wir bei den bis zum Jahr 1945 geborenen Personen fest.

In dieser Generation wurden 50 Personen befragt, davon waren 30 weiblich und 20 männlich.

Für diese Zahlen sind folgende Faktoren verantwortlich:

- Frauen leben allgemein länger als Männer

- Frauen sind eher zu einer Befragung bereit

- Zahlreiche Männer dieser Generation sind im 2.Weltkrieg umgekommen

 

In dieser Region sind viele evangelische Christen ansässig. Dies hat sich auch bei der Befragung herausgestellt, allerdings sind etwas weniger der Gläubigen auch religiös aufgewachsen, trotzdem aber in die Kirche gegangen ("Wir mussten ja !").

Gründe, warum der Sonntagsgottesdienst in der Jugendzeit nicht besucht wurde, waren beispielsweise:

- Anderweitige Verpflichtungen, wie zum Beispiel Landarbeit

- Zu weite Wege

- Der 2. Weltkrieg

- Kein Glaube

 

In der Jugendzeit hat der größte Teil gebetet, als Situationen wurden oftmals Tisch- und Bettgebet genannt, sowie Not- und/oder Angstsituationen (aufgrund des Krieges).

Die zweite Generation, die Generation unserer Eltern, setzt sich aus 57 Frauen und 26 Männern, also aus insgesamt 83 Personen zusammen. Hierbei ist der hohe Frauenanteil bei den Befragten auf die vielen Hausfrauen in der Vareler Fußgängerzone zurückzuführen.

Als Gründe dafür, nicht in den Gottesdienst gegangen zu sein, wurden unter anderem folgende genannt:

- Keine Lust

- Keine Zeit/zu früh

- Kein Glaube/Interesse

- Für Jugendliche oft unverständlich

 

Außerdem ist ein Großteil der Befragten nicht religiös aufgewachsen.

Im Gegensatz dazu hat aber über die Hälfte aller Erwachsenen in der Jugendzeit gebetet. Die genannten Situationen waren ähnlich wie bei der ersten Generation, zudem wurden folgende Antworten gegeben:

Not/Trauer/Kummer

Aussichtslose Situationen

- Krankheit

- Freude

- Pflicht

 

Die Befragung der dritten Generation umfasst 98 Schüler der 9. bis 11. Klasse von Gymnasium, Real- und Hauptschule. Unter den Befragten befanden sich 54 weibliche und 44 männliche Jugendliche.

In der Befragung dieser Generation, wurden einige besonders interessante Antworten, auf die Frage warum der Sonntagsgottesdienst nicht besucht wurde, gegeben:

- "Form des Gottesdienstes gefällt mir nicht"

- "alles unglaubwürdig"

- "ich habe den Glauben an Gott durch bestimmte Ereignisse verloren"

 

Bei den Jugendlichen gilt zum größten Teil der Satz: "Die Not lehrt Beten."

(siehe auch Diagramme auf den folgenden Seiten)

 

Als abschließende Bemerkung ist zu sagen, dass viele der Personen, sobald sie das Thema des Fragebogens, "Religion", erfuhren, nicht mehr bereit waren, an der Umfrage teilzunehmen. Des weiteren waren folgende Auffälligkeiten zu bemerken:

- Katholiken sind wesentlich gläubiger als der Großteil der Protestanten

- Ältere Leute haben ihre Aussagen gerechtfertigt

 

 

Graphische Auswertung Großelterngeneration

Insgesamt 50 Befragte:

 

 

 

 

 

1.Frage: Glaubten in ihrer Jugendzeit an einen Gott ?

2.Frage: Gingen Sie in Ihrer Jugendzeit in die Kirche ?

3.Frage: Haben Sie in Ihrer Jugendzeit andere kirchliche Veranstaltungen besucht ?

4.Frage: Sind Sie religiös aufgewachsen ?

5.Frage: Haben Sie in Ihrer Jugendzeit gebetet ?

 

 

2a) Wie oft gingen Sie im Jahr in die Kirche ?                                        2b) Zu welchen Anlässen gingen Sie in die Kirche ?*

 

 

2c) Wenn Sie nicht in den Sonntagsgottesdienst gegangen sind:
 Warum nicht ?*                                                                                    5a) Wie oft haben Sie in Ihrer Jugendzeit gebetet ?

 

 

5b) In welchen Situationen haben Sie gebetet ?*

*Mehrfachnennungen möglich

 

 

 

Graphische Auswertung Elterngeneration

Insgesamt 83 Befragte:

1.Frage: Glaubten in ihrer Jugendzeit an einen Gott ?

2.Frage: Gingen Sie in Ihrer Jugendzeit in die Kirche ?

3.Frage: Haben Sie in Ihrer Jugendzeit andere kirchliche Veranstaltungen besucht ?

4.Frage: Sind Sie religiös aufgewachsen ?

5.Frage: Haben Sie in Ihrer Jugendzeit gebetet ?

 

 

2a) Wie oft gingen Sie im Jahr in die Kirche ?                                              2b) Zu welchen Anlässen gingen Sie in die Kirche ?*

 

 

2c) Wenn Sie nicht in den Sonntagsgottesdienst 
gegangen sind: Warum nicht ?*                                                                   5a) Wie oft haben Sie in Ihrer Jugendzeit gebetet ?

 

5b) In welchen Situationen haben Sie gebetet ?*

*Mehrfachnennungen möglich

 

 

 

Graphische Auswertung Jugendgeneration

Insgesamt 98 Befragte:

1.Frage: Glaubst du an einen Gott ?

2.Frage: Gehst du in die Kirche ?

3.Frage: Besuchst du andere kirchliche Veranstaltungen ?

4.Frage: Bist du religiös aufgewachsen ?

5.Frage: Betest du ?

 

 

2a) Wie oft gehst du im Jahr in die Kirche ?                                                    2b) Zu welchen Anlässen gehst du in die Kirche ?*

 

 

2c) Wenn du nicht in den Sonntagsgottesdienst 
gehst: Warum nicht ?*                                                                                          5a) Wie oft betest du ?

 

 

5b) in welchen Situationen betest du ?*

 I

*Mehrfachnennungen möglich

 

 

 

Denkbares: jugenderlebnisse der großeltern-generation

15.07.1938, 15.00 Uhr

Es ist doch noch Sommer geworden dieses Jahr. Verwunderlich schon allein deshalb, weil es bis vor so kurzer Zeit noch nur geregnet hat. Ich stehe also wieder einmal vor dem Spiegel und überprüfe den Sitz meiner Uniform. Gebügelt, mit allen notwendigen scharfen Falten. Gleich geht es los, hinaus auf‘s Land, nun, wo wir nicht mehr drinnen sitzen und den Regentropfen zuhören müssen. Am Abend werden wir um das Lagerfeuer hocken und Lieder singen. Ich mag diese Abende. Doch die Kirchenlieder und Psalmen, die wir früher zuhause gesungen haben, fand ich schöner, sie waren tröstlich, wenn sie vom Herrn erzählten. Aber jetzt singen wir sie nicht einmal mehr zuhause. Die Eltern sagen, es sei gefährlich. In die Kirche gehen wir auch nicht mehr. Das hat mich eine Zeitlang sehr traurig gemacht, weil ich den alten Pastor so gerne mochte. Ich habe ihn oft im Dorf gesehen und mich mit ihm unterhalten. Manchmal kam er dann auch zu uns nach Hause. Vor einem Jahr ist er plötzlich weg gewesen. Ich habe Mama gefragt, wo er hin ist, aber sie hat nur ganz ängstlich geschaut und nichts gesagt. Ein paar Wochen später hieß es, er sei an Lungenentzündung gestorben. Er war wirklich schon sehr alt.

Jetzt haben wir einen neuen Pastor, den mag ich gar nicht. Vielleicht gehen wir deshalb nicht mehr in die Kirche, weil meine Eltern ihn auch nicht mögen. Er ist sehr streng und schaut mich immer böse an, wenn ich ihm begegne. Ich weiß auch nicht, was ich denken soll. Früher haben wir alle die schönen Feste gefeiert und sind dazu in die Kirche gegangen, und nun werden auf einmal immer neue Feste gefeiert, und beim BdM sagt man, wir sollten nicht mehr zur Kirche gehen, sondern lieber die Sonnenwendfeier mitmachen. Und man erzählt uns von irgendwelchen anderen Göttern, den germanischen. Dabei habe ich doch in der Kirche beim alten Pastor gehört, es gebe nur den einen Gott, den Vater. Was stimmt denn nun? Ich mochte den Gottesdienst am Sonntag immer gerne, besonders wenn die Sonne schien. Dann sah man die Strahlen auf den weißen Wänden, und sie sahen ganz bunt aus, wegen des farbigen Glases in den Fenstern. Und der alte Pastor erzählte von Gott und Gottes Sohn, wie er über die Erde ging und den Menschen half. Die neuen alten Götter sind so grausam, ich mag sie nicht sehr, aber das darf ich niemandem sagen.

Langsam muss ich los, was macht es schon, dann rede ich eben nicht über meinen Gott und den alten Pastor, es gibt genug anderes, worüber man reden kann. Die Sonne scheint immer noch, es ist sehr heiß draußen, wir haben ja auch Juli. Ich freue mich, wieder einen Abend mit den Freundinnen zu verbringen, wenn auch das Marschieren morgen meinen Füßen wieder Blasen bescheren wird. Die Nächte im Heu sind schön, dann können wir wieder reden bis fast in den Morgen, über die Schule und ob uns die Jungen von letzter Woche auf dem Marsch wieder begegnen werden. Der Abend am Lagerfeuer wird die Gesichter wieder golden aussehen lassen, und sicherlich werde ich diesmal auch die Lieder schön finden. Ich werde mich anstrengen, denn ohne den alten Pastor gefällt mir die Kirche nicht mehr, und vielleicht stimmen ja die Geschichten von den neuen alten Göttern, sie sind jedenfalls viel weniger wunderlich als die anderen. Letztlich ist es egal, ich will jetzt einfach mit den anderen zusammensein, was kümmert mich da ein Gott? Es gibt andere Dinge, über die man reden kann.

 

 

"In der Gefangenschaft habe ich einen Glauben an Gott gefunden!"

Helmut Fildstedt ist 1925 in Oldenburg geboren und evangelisch getauft. Er ist in einer sächsischen Kleinstadt aufgewachsen, ausgebildeter Maschinenschlosser und wurde in seinen Jugendjahren zum Dienst an der Front eingezogen. Am 11. Mai 1945 geriet er in sowjetische Gefangenschaft.

 

Was ist für Sie religiös

Wenn man einen Glauben an einen Gott hat. Früher habe ich gedacht, dass ich so etwas nicht brauche. In der Hitlerzeit galt das Erziehungsmuster: "Kirche braucht man nicht". Ich bin zwar konfirmiert ,aber nur meiner Mutter zu Liebe. In der Gefangenschaft merkte ich: ohne einen Glauben geht es nicht.

 

Fühlen Sie sich religiös?

Durch meine Erlebnisse im Krieg habe ich einen Glauben an Gott entwickelt. Ich stehe der Kirche als Institution aber nicht positiv gegenüber.

 

Hat Sie der Krieg religiös geprägt?

In gewisser Weise schon. Durch verschiedene Erlebnisse habe ich dort gelernt, dass es da eine Macht geben muss, die einen beschützt, die einem hilft und in diesem Kontext ist man zu einem Glauben an Gott gekommen. Dadurch hat man die grausamen Lebensbedingungen besser ausgehalten.

 

Hat sich Ihre Religiosität seit der Jugend geändert, wie war das in Ihrer Jugend?

Ja. Ich habe den Glauben, Hilfe zu erbitten und dankbar zu sein, gehe aber nicht immer in die Kirche. In meiner Jugend bin ich eher gezwungenermaßen dorthin gegangen. Die Konfirmation haben wir ein wenig aus Protest gemacht. Immer wenn wir am Haus der Kreisleitung vorbei gelaufen sind und uns der Kreisleiter sah, war das für uns, wie eine kleine Revolution. Einen Sinn gemacht hat der Konfirmandenunterricht aber nicht. Es war genauso wie bei heutigen Jugendlichen: man wird konfirmiert, kriegt Geschenke und die Familie ist zufrieden. Durch die grausamen Erlebnisse habe ich dann zu meinem Glauben gefunden. Wenn man zum Beispiel ins Lazarett kam, war man froh und hatte ein gewisses Dankbarkeitsgefühl.

 

Welche Erfahrung haben Sie im Konfirmandenunterricht gemacht? Hat Ihnen das irgendwie im Leben weitergeholfen?

Der Konfirmandenunterricht wurde von unserem Pastor interessant gestaltet und hat mir auch Spaß gemacht, aber nicht wirklich was gebracht.

 

Wie sah das mit dem Religionsunterricht aus?

Der war für mich auch sehr interessant. Ich mochte die Geschichten aus der Bibel. Ab 1940 wurde der Religionsunterricht reduziert - er war nicht so wichtig.

 

Hatten Sie Vorbilder?

Sportler und wohl auch meine Eltern. Und damals hat man eben auch Hitler als Vorbild angesehen, da er die Arbeitslosigkeit sehr schnell unter Kontrolle hatte. Dadurch waren die Leute zufrieden.

 

Hatten Sie in Ihrer Jugendzeit Erlebnisse, die Sie über das Leben haben nachdenken lassen? Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich wäre mit 12 Jahren fast ertrunken, wurde aber noch rechtzeitig gerettet. Allerdings hatte ich kein Dankbarkeitsgefühl einem höheren Wesen gegenüber, sondern nur Glück, dass ein Schulkamerad mich gerettet hatte. Später habe ich darüber nachgedacht, nämlich als eben dieser gefallen war. Da wird man schon nachdenklich. Ich habe mein ganzes Leben vorüberziehen gesehen. Es hätte schief gehen können. Dieses Erlebnis hat mich aber nicht näher an die Kirche gebracht.

 

Haben Sie als Kind gebetet?

Ja, als Kleinkind, wegen der Mutter. Also gezwungenermaßen. Später im Gefangenenlager habe ich gebetet. Durch verschiedene Erlebnisse merkte ich, dass da jemand war, der mich zurecht stauchte, wenn ich meine Kameraden wegen Hunger bestohlen habe. Das habe ich dann unterlassen und nie wieder getan.

 

Herr Fildstedt, wir danken Ihnen für dieses Interview!

 

 

"In Zeiten des Krieges war Gott auch manchmal der letzte Strohhalm"

Annchen Kretzmer ist 1923 in Westermarsch geboren und gehört seit ihrem 16 Lebensjahr einer baptistischen Gemeinde an. Sie ist gelernte Einzelhandelskauffrau, arbeitete im Laufe ihres Lebens als Postangestellte und Landwirtin.

Der Glaube an Gott und an Jesus ist für mich in meinem Leben zu einem wichtigen Bestandteil geworden. Ich bin durch meine Eltern zu der Religion gekommen. Beten war von klein auf sehr wichtig in meinem Leben, besonders das Abendgebet, dann war man ganz ruhig und konnte einschlafen. Man konnte dann alles abladen bei Gott.

In der Kindheit war das allerdings noch mit Ängsten verbunden, weil man noch nicht errettet und bekehrt war. Man hatte Angst, dass wenn etwas passieren würde, man ewig verloren gehen würde.

Als ich so ungefähr zwölf Jahre alt war, da sind meine Schwester und ich beinahe bei einem Badeunfall ertrunken. Am nächsten Abend sagte unser Vater zu uns: "Kinder, die Mama hat mir erzählt, was euch passiert ist. Wo hättet ihr eure Ewigkeit zugebracht?" Wir waren ja zu der Zeit noch nicht errettet. Das hat uns sehr getroffen.

Getauft wurde ich erst nach meiner Bekehrung mit 16 Jahren. Damals bekam ich eine solche Überzeugung, dass ich mich unbedingt taufen lassen musste.

Näher wurde mir der Glauben vor allem durch die Menschen in meinem Umfeld gebracht: da war z.B. die Pastorenfrau in unserer Gemeinde. Sie war immer so einfühlsam und immer da, wenn man sie brauchte. Sie ist für mich zu einem Vorbild geworden. In Zeiten des Krieges war Gott auch manchmal der letzte Strohhalm, an den man sich klammern konnte. Es war einfach immer das Gefühl da, dass man sich in seinen Händen wusste. Wenn Bombenangriffe hier stattfanden, wandte man sich zu Gott, weil man ihn brauchte. Und wenn all die Todesnachrichten kamen, war es schon gut, dass es diesen Halt gab. Es war hart. Es war aber nun mal Krieg und das alles war das Ergebnis vom Krieg, das Morden und das alles. Es war schon schwer zu verstehen. Wenn in einigen Familien die drei, vier Söhne alle fielen, das hat man dann schon manchmal nicht verstehen können.

 

Denkbares: jugenderlebnisse der eltern-generation

05.03.1971, 16.00 Uhr

Es regt mich auf! Da steht ein Artikel in der Zeitung, in dem sich zwei Religionswissenschaftler darüber streiten, was Religion nun eigentlich ist. Wer weiß das schon? Wer kann das schon wissen? Schließlich ist gerade dies doch ein Thema, über das jeder anders denkt. Für meine Großeltern ist Religion, jeden Sonntag in die Kirche zu rennen. Für mich ist Religion schon wieder etwas ganz anderes. Ich mag die östlichen Religionen lieber, die buddhistische und den Hinduismus.

Obwohl Religion nichts mit Kirche zu tun hat, meiner Meinung nach. Trotzdem haben die Kirchen ihre Existenzberechtigung, weil sie vielen Menschen helfen und ihnen einen Sinn geben. Sogar diese Hare- Krishna- Priester mit ihren bonbonfarbenen Kutten und den geschorenen Köpfen geben doch wohl irgend jemandem einen Sinn, und sei es sich selbst. Ich verstehe auch nicht, weshalb es so falsch sein soll, sich alle Religionen- nein, Kirchen- anzuschauen, zu lernen und sich seine Gedanken zu machen. Gut, ich glaube nicht, dass es unbedingt nötig ist, in einen Ashram zu gehen oder einem Guru zu folgen. Das ist wahrscheinlich eher eine Modeerscheinung. Es ist nun einmal gerade schick. Und warum auch nicht, wer es will, soll es tun. Nein, aber ich denke, man sollte sich bemühen, seinen Blick zu erweitern und dadurch vielleicht sogar etwas Toleranz in sein Leben zu bringen. Denn niemand kann mir erzählen, er lebe ganz ohne Religion, das geht einfach nicht. Religion hat ja nicht unbedingt etwas mit Gottglauben zu tun, auch wenn dieser Kerl in dem Artikel das meint. Nur: Er macht einen Fehler. Er selbst spricht von der "buddhistischen Religion". Aber haben die Buddhisten vielleicht einen Gott? Na also! Nein, es sollte jeder das glauben, tun und lassen, was er will- solange er oder sie damit niemandem wehtut. Ich werfe der christlichen Kirche nicht vor, dass sie so wenig zeitgemäß ist und die eigenen Riten durchsetzen will. Ich werfe ihr vor, in der Vergangenheit Ungläubige, d.h. nicht christlich Gläubige so gnadenlos verfolgt zu haben. Diese Grausamkeit widert mich an, ich mag sie nicht. Deshalb vielleicht bevorzuge ich den Buddhismus. Ich gehöre nicht zu denen, die diese östlichen Religionen toll finden, weil dort Hasch geraucht wird, sondern ich mag den Buddhismus weil er so wenig grausam und so tolerant ist. Natürlich ist er nicht perfekt, ich glaube auch nicht alles von den Lehren, aber die Grundeinstellung gefällt mir. Denn ich habe den ganzen Mist hier auf der Erde so gründlich satt! Krieg und Tod und Hunger wo man hinschaut, und irgendwie haben sich da einige Politiker an die Macht geschummelt, die dort nicht hingehören, weil sie nichts verstanden haben und nur auf Macht aus sind. Religion wird vorgeschrieben oder verboten! Mord wird belohnt, und es gibt immer einige, die sind in einem Staat gleichberechtigter Menschen immer noch etwas gleicher und bekommen mehr Geld, die besseren Stellen und die Macht. Es wäre schön, wenn der Kommunismus im Staat funktionieren würde (erschlagt mich, aber ich kann nicht so ganz daran glauben) und, was die Religion angeht, jeder Mensch frei seinen Glauben wählen könnte. Utopien, die niemals Wirklichkeit werden. Wie sollte ich daran glauben? Es scheint besser zu werden, es gibt eine Jugend, die vielleicht kritischer und unangepasster ist als die früheren es waren. Aber auf der anderen Seite sitzen da immer noch all die Macht- und Geldgeilen und bewegen sich nicht vom Fleck. Aber lasst mir meinen Glauben, egal woran, dann bin ich schon zufrieden.

 

"Ich fand die Jugendarbeit der Gemeinde gut!"

Ulrich Pieper ist 1953 geboren und Lehrer für Politik und Religion am Lothar-Meyer-Gymnasium. Er ist evangelisch getauft.

 

Was ist für Sie religiös?

Religiös sind für mich Menschen, die an einen Gott, eine Macht, ein höheres Wesen oder Ähnliches, das ihr Leben bestimmt, glauben und versuchen, ihrem Glauben entsprechend zu leben. Religiöse Menschen gehören in der Regel einer Gemeinschaft an.

Fühlen Sie sich religiös?

Ich kann auf diese Frage keine klare Antwort geben. Ich schwanke zwischen Rationalität/Vernunft und Glauben.

 

Wie waren ihre ersten Erfahrungen mit der Religion, mit dem Glauben?

Ich bin in einer Freien Evangelischen Gemeinde aufgewachsen. Bis zum 14. oder 15. Lebensjahr bin ich recht regelmäßig zum Gottesdienst gegangen, weil meine Eltern mehr oder weniger Druck machten. Ich empfand den Gottesdienst als langweilig. Mir hat der nichts gebracht, damals.

 

Welche Erfahrungen haben Sie im Konfirmandenunterricht bzw. in entsprechenden anderem kirchlichen Unterricht gemacht? Hat Ihnen das für Ihr Leben geholfen?

An Gottesdienste und Konfirmandenunterricht kann ich mich kaum erinnern, die habe ich - glaube ich - verdrängt. Aber die Jugendarbeit in der Gemeinde war durch einen jungen Pastor und eine aktive Jugend, die sich gut verstand, sehr positiv prägend. Wir lernten, dass wir zusammen in der Lage waren, tolle Dinge auf die Beine zu stellen. Bis wir eines Tages in ein Alter kamen, wo wir uns völlig von den Alten in der Gemeinde loslösen wollten: Es gab Auseinandersetzungen und Streit mit dem - auf Lebenszeit(!!!) gewählten - Ältestenrat der Gemeinde, der uns überall Grenzen setzen wollte. Der Pastor wurde extrem unter Druck gesetzt, fing vor lauter Verzweiflung an zu trinken und wurde später versetzt, die Jugend löste sich auf. Für mich begann eine neue Phase, die mit Kirche, Religion nicht mehr viel zu tun hatte: die Kneipenzeit begann.

 

Und wie war das mit dem Religionsunterricht?

Der Religionsunterricht war am Gymnasium ziemlich locker. Damals gab es keine lästigen Klausuren in Religion. Es waren durchweg Pastoren, die uns unterrichteten. Sie überforderten uns teilweise zwar mit theologischen und philosophischen Texten, für die wir damals einfach noch zu jung waren, aber ein Referat brachte dann doch die 2 im Zeugnis. Insgesamt hat der Religionsunterricht einiges gebracht - es wurden eigentlich nur Themen besprochen, die uns Jugendliche in unserem Alltag beschäftigten. Aus diesen Gründen war das ein echter Ausgleich zu den anderen Fächern. Religion war - neben Sport - mein Lieblingsfach.

 

Hatten Sie Vorbilder?

Nein!

 

Hatten Sie in Ihrer Jugendzeit bestimmte Erlebnisse, die Sie über das Leben haben nachdenken lassen? Wie sind Sie damit umgegangen? Mit wem konnten Sie darüber sprechen? Hat Ihnen die Kirche/der Glaube da irgendwie geholfen?

Ja, klar! Der Tod eines Cousins und einer Cousine, als ich um die 20 Jahre alt war zum Beispiel. Mir wurde hier schmerzlich klar, dass der Tod zum Leben dazu gehört und uns nicht erst im hohen Alter betrifft. Die Kirche hat hier nicht weiter geholfen. In solchen Situationen zweifelt man auch an seinem Glauben.

Ich habe als Kind in bestimmten Situationen gebetet, abends vor dem Schlafen zum Beispiel. In der Jugendzeit wurde das weniger. Nur noch, wenn ich für wichtige Dinge Kraft brauchte, bzw. für nahestehende Personen.

Herr Pieper, wir danken Ihnen für das Interview.

"Ich bin nie religiös erzogen worden!"

Heidi Alpha, Jg. 1967, Lehrerin für Englisch und Französisch, evangelisch getauft/konfirmiert, konfessionslos Aus dem Interview mit Frau Alfa ist uns folgendes religiöses Bild von ihr entstanden:

Nein, ich fühle mich nicht religiös, ich habe auch nie an einen Gott oder Götter geglaubt. Diese Einstellung habe ich schon immer gehabt - da gab es nichts, was mich beeinflusst hätte. Vielleicht wäre das anders, wenn ich religiös erzogen worden wäre. Doch auch zum Konfirmandenunterricht bin ich nur gegangen, weil mir die Gemeinschaft so gut gefallen hat und weil das selbstverständlich war. Ebenso wie die Taufe gehörte die Konfirmation zum Leben einfach dazu, da hat sich niemand Gedanken drüber gemacht.

Das ist auch der Grund, warum es mir so wichtig war und ist, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin. Katholiken haben es da wahrscheinlich schwerer, weil sie glauben, dass sie für solch eine "Sünde" eventuell bestraft werden. Doch ich finde es wichtig, dass man in solchen Dingen konsequent ist.

Der Religionsunterricht und auch der Ethik- oder Werte-und-Normen-Unterricht hat meine Einstellung schon eher beeinflusst. Viele der dort behandelten Themen haben mir sehr gut gefallen, weil sie für die Bildung von Grundeinstellungen oder des Charakters wichtig waren.

Ich akzeptiere und achte den Stellenwert der Kirche in unserer Gesellschaft. Sie gibt vielen Menschen Halt , steht ihnen in schweren Zeiten bei und hilft ihnen Probleme zu überwinden. Doch mir persönlich bedeutet sie nichts.

 

 

Denkbares - das tagebuch eines jugendlichen von heute

17.09.2000, 22.30 Uhr

Es ist merkwürdig. Überall reden sie jetzt wieder über die Religion und die Kirche, und sie beklagen sich, dass wir Jugendlichen immer mehr fernbleiben, wir uns auf andere Sachen konzentrieren als auf die Kirche. Aber mal ernsthaft: Was sollen wir denn dort? Ich bin doch die einzige aus meiner Klasse, die wenigstens ab und zu noch einen Fuß in dieses übertrieben große und vor Gold und Stuck beinahe zusammenbrechende Gebäude setzt. Und das auch nur, weil ich die Stille dort mag, während zuhause alle wild durcheinander schreien, und ich sogar beim Einkaufen von Plastikmusik eingelullt werde. Aber dann beginnt der Pastor wieder zu reden, von dem Gott, an den ich nicht glaube, und seinem Sohn, der mich schon im Religionsunterricht nicht interessiert hat. Und der Pastor durchbricht die Stille, wegen der ich überhaupt erst dorthin gegangen bin. Es bleibt mir nur noch die Flucht.

Manchmal, wenn ich die braven und weniger braven Kirchenmänner so sprechen höre, frage ich mich wirklich, wie sie allen Ernstes beklagen können, die Jugend laufe ihnen weg. Sind sie denn wirklich so blind? Entschuldigung, aber es ist doch nicht so, als hätte sich in der Gesellschaft und im Leben seit ein paar hundert Jahren nichts geändert! Ganz im Gegenteil, vielleicht hat sich zu viel geändert. Auf Seiten der Kirche dieses andere Extrem, Veränderung gleich null. Manchmal hingegen lese ich in der Zeitung oder in Zeitschriften auch, es werde etwas neues versucht. Techno in der Kirche und ein Rave um den Altar. Gut, das ist ein Anfang, möchte ich diesen Leuten, die das durchgesetzt haben, zurufen, trotzdem kann ich mich eines Lachens nicht erwehren. Da hat mal wieder jemand nicht kapiert: Veränderung und Anpassung sind nicht das gleiche! Schön für alle die, welche Techno in der Kirche super finden, ich finde es ein wenig lächerlich. Techno kann ich auch in der Disco haben, und die Stille, die ich in der Kirche suche, wird von rasenden Beats zerhämmert. Da tanzt nun die alte, behäbige Kirche und wackelt mit dem Glockenturm, in ein neues Gewand gepresst, das ihr nicht steht, das aus ihr diese traurige alte Gestalt macht, die versucht, sich ein jugendliches Mäntelchen umzuhängen. Ich kann mich nur wiederholen: Veränderung ist nicht gleich Anpassung, und im Grunde hat sich doch, mal abgesehen von der äußeren Form, nicht viel geändert. Religion ist schön und gut, sie ist mir wichtig, aber bitteschön ohne diese Einmischung seitens der ach so toleranten Kirche. Ich bin durchaus in der Lage, mir meine eigenen Gedanken zu machen, und ich kann auch meine eigenen Entscheidungen treffen. Und mein Glaube geht niemanden etwas an. Und anstelle eines Ortes, an dem ich Ruhe finden kann, und meine Gedanken ordnen, über mich selbst nachdenken, versucht man nun, mich durch neue Präsentationsformen von den Dingen zu überzeugen, die ich bereits in der alten Präsentation abgelehnt habe. Hält man mich wirklich für so blöd? Ich hasse diese Einmischung in mein Leben. "Lasst mich denken, versucht nicht, mir Gedanken aufzuzwingen", möchte ich schreien. Helft mir, wenn ich um eure Hilfe bitte, und gebt mir einen Zufluchtsort. Aber niemals, hört ihr, niemals versucht, mich gegen meinen Willen in Denkformen und Riten hineinzupressen, die mir ebensowenig passen, wie einer alten Kirche die modische Verkleidung. Verändert euch, aber bleibt euch selbst treu, von Anpassung hat niemand geredet. Hört doch auf mich, sonst laufen euch bald selbst die letzten noch weg, wenn ihr es nicht schafft, die persönliche Religion zu akzeptieren. Wir akzeptieren euren Glauben doch auch, und wenn ihr die Augen aufmacht, werdet ihr sehen, vielleicht ist der unsere gar nicht mal so anders.

 

 

"Ich habe für Öçalan gebetet!"

Ismail Khalil ist 1982 geboren und Moslem.

 

Was ist für dich religiös ?

Religiös ist für mich, wenn man eigentlich an Gott glaubt. Bei uns ist das so, man muss den Koran gelesen haben und fünfmal am Tag beten. Und Ramadan muss man auch einhalten. Das ist eigentlich religiös.

Würdest du sagen, dass du selber Religiös bist ?

Nein, ich bin überhaupt nicht religiös. Ich habe den Koran nicht gelesen, ich bete auch nicht, Ramadan mach ich auch nicht. Allerdings glaube ich an Gott.

 

Hat sich das innerhalb deiner Jugendzeit geändert?

In meiner Heimat musste man eigentlich ab einem bestimmten Alter den Koran gelesen haben und zur Moschee gehen, aber bei mir hat sich das geändert, weil ich dann nach Deutschland gekommen bin, und hier hat man ja viele Möglichkeiten.

 

Was für eine religiöse Erziehung hast du in deiner Heimat genossen?

Ich habe damals eigentlich nicht sehr viel darüber gelernt. Es gab auch keine Schule. Man wurde zuhause erzogen, man hat es von den Eltern gelernt. Man konnte auch lernen die arabische Gebetstexte zu lesen, aber das habe ich nicht so gemacht.

 

Und jetzt, wo du im Religionsunterricht, bzw. im Werte und Normen Unterricht bist, lernst du dort neue Ansätze kennen? Hilft es dir im Leben weiter ?

Ich habe eigentlich bis zur 10. ev. Religion mitgemacht, und das war eigentlich gut was neues zu lernen, und nicht immer nur etwas vom eigenen Glauben zu hören. Das waren verschiedene Themen, so etwa ob man die Todesstrafe einführen dürfte oder wozu Strafen im allgemeinen gut seien. Das hat mir eigentlich ganz gut gefallen.

 

Hattest du Vorbilder ?

Wirkliche direkte Vorbilder hatte ich nie.

 

Hattest du bestimmte Erlebnisse in deiner Jugendzeit?

Wenn ich schon über das Leben und Tod nachgedacht habe, dann habe ich gesagt, wenn ich sterbe dann wird Gott auf einen warten. Wenn man Sünden begeht, wird er sie einem verzeihen. Aber an ein direktes Erlebnis kann ich mich nicht erinnern. Das liegt aber auch daran, dass ich mich generell an diese Zeit auch nicht mehr so gut erinnern kann, ich war ja noch ziemlich klein.

 

Gab es damals Dinge die dich über deinen Glauben haben nachdenken lassen?

Ja, es gab zum Beispiel Gruppen, die sich als sehr religiös bezeichnet haben und dann irgendwelche Menschen umgebracht haben, das hat mich dann schon zum Nachdenken gebracht ob man religiös sein dürfte.

 

Hast du Antworten auf diese Fragen gefunden?

Direkt habe ich keine Antwort gefunden, ich habe halt für mich festgestellt, religiös kann man sein wenn man will oder man ist es halt eben nicht.

 

Gab es da jemanden, mit dem du über solche Dinge reden konntest?

Nein, eigentlich nicht

 

Hast du als Jugendlicher gebetet?

Ich hab schon öfters gebetet! Zum Beispiel, dass die Leute endlich mal zur Vernunft kommen und aufhören Kriege anzufangen, damit nicht mehr so viele Menschen umgebracht werden. Deswegen habe ich eigentlich viel gebetet.

 

Betest du heute noch?

Ja, manchmal, zum Beispiel als der PKK-Chef Öçalan verhaftet wurde. Da habe ich sehr oft gebetet, dass man nicht die Todesstrafe an ihm vollstrecken würde.

 

Wie hat sich das mit deiner Religiosität auf deinen Alltag ausgewirkt?

Eigentlich wird mein Tagesablauf gar nicht durch meine Religion beeinflusst, ich denke ich lebe da sehr normal. Ich werde eigentlich nie damit konfrontiert. Ich kann mich hauptsächlich noch an die drei Tage nach Ramadan erinnern, wo die Kinder zu den Häusern gehen und Süßigkeiten sammeln, ich war damals ja noch nicht alt genug um in die Moschee zu gehen.

 

Gibt es ein direktes Beispiel wo du dich von deinem Glauben entfernt hast?

Ja, das Gebetssprechen. Fünfmal am Tag, das müsste ich eigentlich meinen Glaubensregeln nach machen, aber erstens sage ich mal das ist nichts für mich, und zweitens spreche ich ja kurdisch, was nützen mir da Gebete die ich nicht verstehe. Vielleicht könnte ich ja Wörter benutzen die überhaupt nicht das bedeuten an was ich glaube, und was ich sagen will. Wieso sollte ich dann in dieser Form beten?

 

Ismail, schönen Dank für das Interview!

"Ich fand den Kindergottesdient spannend!"

Astrid Stroyer ist 1982 in Wilhelmshaven geboren und konfessionslos.

Religiös ist für mich eine Person, die an einen von der Kirche definierten Gott glaubt. Irgendwann hat mich mein Nachbar mal zum Kindergottesdienst mitgeschleppt. Ich fand das alles ziemlich spannend und interessant, bin aber eigentlich nie richtig dazu gekommen, daran zu glauben. Die Bibel ist für mich eher ein Buch voller netter aber unrealistischer Geschichten. Meine Jugendgruppe könnte auch von irgendeiner anderen Einrichtung als der evangelischen Kirche veranstaltet werden, welche ist egal. Ich gehe dorthin, um meine Freunde zu sehen ohne dass das großartig was mit Religion zu tun hat. In der Schule haben mich Werte und Normen orientierte Themen, wie über irgendwelche Philosophen nachdenken, mehr interessiert. Ein richtiges Vorbild oder Ideal zu haben, lehne ich eigentlich ab, weil ich mich dann nicht natürlich entwickeln könnte und nach irgendwelchen Sachen streben würde, die gar nicht zu mir passen. Ich glaube daran, dass wir unser Leben nicht vollständig bestimmen können, sondern, dass es irgendetwas gibt - nennen wir es Zufall oder Schicksal - das auf unser Leben einen ziemlich großen Einfluss hat. Ich glaube weiterhin, dass jeder Mensch ein Lebensziel hat, dass er selbst herausfinden muss, worauf sein Leben aber zusteuert ohne dass er es beeinflussen kann. Ich sehe keinen großen Unterschied zwischen Leuten, die an einen von der Kirche definierten Gott glauben, und mir. Nur was die Sitten und Bräuche angeht fühle ich mich schon anders. Das Beten habe ich irgendwann aufgegeben, denn wenn ich mit jemandem rede, dann möchte ich auch Antworten haben. Doch wäre ich nicht irgendwann da mit hineingewachsen, wäre ich heute bestimmt ein anderer Mensch.

 

 

Auswertung: die qualitativen aussagen im rückblick

Grund für die Durchführung einer qualitativen Befragung war, dass wir dadurch - anders als bei der quantitativen Befragung - die Möglichkeit hatten, einen detaillierteren Einblick in das Leben von Personen aus drei verschiedenen Generationen zu bekommen. Die hier gezeigte Auswahl an Interviews und Statements ist allerdings nur ein kleiner Versuch, die Vielfältigkeit von Religionsansichten, Lebenserfahrungen und Meinungen unserer Gesprächspartner zu veranschaulichen. Aus jeder Generation wurden eine männliche und eine weibliche Person befragt, die verschiedene Religionsansichten haben. Trotz der genauen Planung unserer Vorgehensweise, begannen wir die Interviews ohne große Vorstellung, was uns bei der Durchführung erwarten würde. Wir verwarfen die genaue Struktur unseres Fragebogens bald, denn allein Stichwörter reichten, um den Gesprächsverlauf, der besonders bei der Großelterngeneration (1.Generation) noch weit über das Interview hinauslief, zu lenken. Überrascht waren wir auch von der Spontanität unserer Interviewpartner, mit der sie selbst die von uns als sehr schwierig empfundenen Fragen sicher und überzeugend beantworteten.Die Befragung war Anlass dafür, einen kleinen Einblick in die Einstellungen zur Religion verschiedenster Menschen gewinnen zu können, was uns sonst kaum möglich gewesen wäre.

Im Vergleich der verschiedenen religiösen Stimmen fallen eine Menge Gemeinsamkeiten, Unterschiede oder auch Entwicklungen zwischen den drei Generationen , aber auch zwischen den einzelnen Personen auf. Religiosität war für alle Befragten durch den Glaube an einen Gott oder eine andere höhere Macht gekennzeichnet, ganz unabhängig davon, ob sie sich selbst als religiös bezeichnen würden oder nicht. Außerdem waren alle überzeugt, dass dieses durch ihr Elternhaus beeinflusst wurde. Auffällig dabei ist, dass die Befragten der ersten und zweiten Generation ähnliche Religionen wie ihre Eltern angenommen haben, während die Befragten der dritten Generation sich meist neu orientierten und auch anderen Glaubensrichtungen zugewandt haben. Erstaunlich ist, dass alle, die an einem Konfirmandenunterricht oder Vergleichbarem teilgenommen haben der Meinung sind, dass es sie der jeweiligen Religion nicht näher gebracht hat, sondern eher den Zweck fröhlichen Zusammenkommens erfüllte.

Bei der ersten Generation fällt besonders die Prägung durch geschichtliche Ereignisse auf, so entstand durch die vom Krieg verursachten Notsituationen eine starke Bindung zu einem Gott oder einer nicht unbedingt kirchlichen, aber übernatürlichen Macht.

Im Vergleich der drei Generationen lässt sich besonders gut eine Veränderung des Religionsunterrichtes im Laufe der Zeit erkennen. Während Religionsunterricht der ersten Generation haupsächlich aus Bibelarbeit bestand, lag in der zweiten und dritten Generation ein wichtiger Schwerpunkt bei allgegenwärtigen Themen und beschäftigte sich mit alltäglichen Problemen, wodurch Grundlagen für die Charakterbildung und Bildung von Grundeinstellungen geschaffen wurden.

Als Ergebnis kann man demnach sagen, dass die verschiedenen Generationen jeweils ganz eigene Meinungen und Bezüge zur Kirche hatten. Auch vertrat jeder einzelne individuell seine Einstellung, die von "Kirche, weil die Anderen es auch machten" bis zu "Kirche, weil ich überzeugt davon bin" variierten.

Religiöse Stimmen im 20. Jahrhundert: Verschiedene Tonhöhen mit verschiedenen Texten!

 

 

Raise your Voice: Ein Resümee

Unsere Vorgehensweise:

- Zunächst natürlich Begriffsklärung, Diskussion und unsere eigene Definition von Jugend, Kultur und Religion

- Festlegung auf ein Thema und die groben Züge des Vorgehens

- Gruppenarbeit in drei Gruppen, eine für die qualitativen Befragungen, eine für die quantitativen und eine dritte für die ergänzenden Texte

- Zwischenberichte der Gruppen im Kurs, Diskussionen und Änderungsvorschläge

- Endgültige Ausarbeitung (Layout, Bildmaterial etc.)

Die Arbeit an unserem Projekt ist beendet. Zumindest haben wir nun etwas, worüber wir uns Gedanken gemacht haben, worin wir viel Zeit investiert haben und das uns lange Zeit beschäftigt hat. Ob es vorbei ist, darüber lässt sich streiten, denn noch immer sprechen wir in unserem Kurs darüber, weil es nicht nur Arbeit war, sondern weil wir mit Menschen gesprochen haben, die einen Eindruck bei uns hinterlassen haben, die uns die Möglichkeit gaben, ein wenig lebendige Geschichte nachzuvollziehen. Wir haben neue Einsichten gewonnen, sogar was unsere eigene Generation angeht, und vielleicht einige alte Meinungen als Vorurteile ablegen können. Es war nicht einfach, manchmal fehlte die Motivation nach einem anstrengenden Wochenende, oder wir hatten keine Lust, eben diese vor dem Computer zu verbringen, um Interviews zu tippen oder Texte zu entwerfen. Gelegentlich kam es auch zu Frustausbrüchen, wenn es wieder nicht voranzugehen schien oder viel zu langsam.

Aber letztlich war doch immer jemand da, der den Frust dann abfing und die Motivation wieder herstellte, und außerdem war das Projekt zu "unserer" Sache geworden. Wir hatten uns dafür entschieden, wir wollten etwas tun, etwas lernen, vielleicht etwas weitergeben. Und wer kann es uns verdenken, wenn es da einmal nicht schnell genug gehen kann?

 

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