Jugend&Kultur&Religion

Gymnasium Ulricianum Aurich


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Darf man seinen Glauben über den Verstand stellen?

 

VerfasserInnen: Jan Ubben, Christina Dirks, Wiebke Ehmen, Dirtje Jürgens, Katharina von Koenen, Tjarko Bohlen, Maike Flemming, Marcel Schoolmann, Jan- Hendrik Akkermann, Theda Janssen


Betreuende Lehrkraft: Helmut Ubben

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Inhalsverzeichnis

Einleitung zum Thema

Eine gottlose Gesellschaft?

Menschen unter dem Einfluss der "Zeugen Jehovas"

Definition des Begriffes Fundamentalismus

Fundamentalismus – Es ist Krieg im Namen des Glaubens

Zwischenzeitliche Teilreflektion I

Warum entscheiden sich Frauen Nonne zu werden - ein ausgewähltes Beispiel.

Warum Mutter Teresa Nonne wurde?

Interviews mit einem Pfarrer und einer Pfarrerin

Zwischenzeitliche Teilreflektion II

Abschließende Reflektion



Einleitung zum Thema „Darf man seinen Glauben über den Verstand stellen?“

Auf den Schülerlandeswettbewerb „Jugend & Kultur & Religion“ wurden wir durch unseren Religions-Fachlehrer am Ulricianum Gynmasium Aurich aufmerksam gemacht. Wir beschlossen spontan einen Beitrag zu einem abstrakteren Thema einzubringen, jedoch gestaltete sich die Themenwahl, auch unter den Umständen der Personenzahl unserer Arbeitsgruppe komplexer und schwieriger als wir angenommen hatten. Die Entscheidung fiel schließlich auf die Fragestellung „Darf man seinen Glauben über den Verstand stellen?“. Der Reiz dieser Arbeit gestaltete sich uns vor allem in unserem gemeinsamen Interesse für Menschen die ihr Leben im Namen des Glaubens radikal ändern oder es sogar riskieren. Die allgemeine Meinung der Gruppe basierte vom ersten Arbeitstag an auf dem Unverständnis für die ausgesuchten Einzelschicksale. Mit einem länger werdenden Arbeitszeitraum wurde jedoch diese Einstellung weitesgehend ausgeräumt. Die Gruppe hat gelernt zwischen den angeführten Menschenschicksalen zu unterscheiden und ihre Gründe warum sie ihr Leben unter den totalen Einfluss des Glaubens stellen zu bewerten. Uns wurden verschiedene Ansichten und Beweggründe deutlich, aber im Gegensatz dazu herrscht zum Beispiel für die im Namen des Islam geführten Glaubenskriege immer noch großes Unverständnis, welches sich sogar durch die nähere Beschäftigung mit diesem Thema extrem verstärkt hat.

Die im Folgenden angeführten Beispiele sind von der Gruppe unter den Kriterien der Vielseitigkeit und der Abwechslung mit Einstimmigkeit ausgesucht worden. Auch haben wir lange nach einer abstraken Antwort auf unsere Fragestellung gesucht, bis wir zu der Erkenntnis kamen, dass diese nicht existiert. Die Gruppe vertrat die Auffassung, dass es niemandem zustünde über Menschen zu richten, die sich ein Leben im Dienst des jeweiligen Glaubens ausgesucht haben, ohne ihre genauen Beweggründe zu dieser Entscheidung zu erkennen.

Besonders beeindruckt hat uns auch die persönliche Einstellung dieser Menschen, bei denen wir die Möglichkeit geboten bekommen hatten, sie in einem privaten Gespräch näher kennen zu lernen und sie zu ihrer Ansicht unseres Themas zu befragen. Einstimmig wurde uns als Antwort gegeben, dass sie sich im Klaren darüber sind, dass ein Leben unter dem totalen Einfluss des Glaubens, ein Leben gegen den Strom der Gesellschaft bedeutet. Dies war jedoch kein Grund für die meisten ihre Entscheidung anders zu treffen, welche also nicht blind, sondern ganz bewusst erfolgte.

Unsere Gruppe hat es sich zur Hauptaufgabe gemacht besonders die Frage nach dem Warum zu klären und sich mit verschiedenen Persönlichkeiten auseinanderzusetzen, angefangen bei dem Pfarrer der Dorfkirche über Mutter Theresa bis hin zu den Kämpfern der islamischen Glaubenskriege. Diese Arbeit bietet eine für uns eindrucksvolle Zusammenfassung von verschiedenen Menschenschicksalen, die einen Großteil unserer Gruppe dazu bewegte ein zweites Mal über ihre Einstellung zu unserem Thema zu reflektieren.

 

Eine gottlose Gesellschaft ?

Vor dem Hintergrund des zu reflektierenden Themas "Darf man seinen Glauben über seinen Verstand stellen", ergibt sich zwangsläufig die Basisfrage, an was und mit welcher Intensität die Deutschen gegenwärtig glauben.

Eine aktuelle Umfrage unter 1000 Personen hat ein nicht all zu überraschendes Gesamtbild ergeben, welches jedoch durch seine Extremität wachrüttelt und zum Nachdenken über die Beschaffenheit des heutigen Glaubens anregt.

So steht eine große Mehrheit der Befragten, nämlich 70% hinter der Auffassung, dass unsere Gesellschaft gottloser geworden ist. Nur 23% sind gegenteiliger Meinung. Auffällig ist auch das Ergebnis speziell bei den jüngeren Mitbürgern: Ganze 78 % der 14 - 29jährigen spüren einen deutlichen Verlust der Religiosität in unserer Gesellschaft.

Weiterhin hat sich herrausgestellt, dass nur jeder zehnte regelmäßig, also einmal pro Woche, einen Gottesdienst besucht, 61% zieht es nur an besonderen Feiertagen ins Gotteshaus1.

 

 

Hinter diesen doch eher trockenen Zahlen steckt ein eindeutiges Ergebnis, welches die Kirchen aufschrecken sollte: Sie verlieren in Deutschland langsam, aber konstant an Anhängern. Íhnen gelingt es immer weniger, den Menschen die Inhalte des Christentums zeitgemäß näherzubringen. Besonders in den ostdeutschen Ländern wächst eine Generation heran, die in der Mehrheit nur sehr wenig an Religion interessiert ist, was zeigt, dass hier der Atheismus der Kommunisten offenbar Spuren hinterlassen hat (siehe auch Diagram I ).

Anscheinend empfinden die Menschen durchaus ein religiöses Vakuum. Genau hier bietet sich nun eine Chance für die Kirchen, mit einer klaren Botschaft und zeitgemäßen Formeln, Gläubige zurückzugewinnen. Jedoch ist die Einstellung vieler Kirchengemeinden, besonders im katholischen Bereich, eher konservativ.

"Sie [ die Kirche] soll sich nicht dem Zeitgeist anpassen. Heute ist der Druck sehr groß, sich anzubiedern. Aber die Kirche hat in den letzten zweitausend Jahren die gegenteilige Erfahrung gemacht. Heute sind wir stolz auf diejenigen, die sich nicht angepaßt haben." ( Erzbischof Johannes Dyba aus Fulda )

Trotz allen negativen Fakten und kontragerichteten Tatsachen erleben wir gegenwärtig in Deutschland eine noch relativ junge Konjunktur des Religiösen. Diese kann jedoch nur schwerlich aus der Überzeugungskraft akademischer Theologie oder aus der hinreißenden Lebendigkeit unserer Kirchen gewachsen sein, den die neue Privatheit religiöser Überzeugungen findet in ihnen kein zu Hause. Diese Privatheit ist als Erbe der Aufklärung hoch anzuerkennen. Jeder bastelt sich individuell jeweils eine maßgeschneiderte Religiosität zusammen aus verfügbaren Versatzstücken der Weltreligionen.

Dieses Interesse hat sich überwiegend abseits der traditionellen Kirchen entwickelt. Es ist für die christliche Theologie eine Herausforderung, die nicht damit abgetan werden kann, lediglich eine Fehlform des "wahren Glaubens" zu sein. Die neuen individuellen Richtungen haben die traditionellen Kirchen in Deutschland von ihrer Monopolstellung verdrängt, oder diese zu mindestens stark angesägt. Nun ist es an ihnen diese Realitäten ernst zu nehmen und sich selbstkritisch zu fragen, weshalb christliche Verkündigung an den meisten weitgehend vorbeigeht.

Diese Darstellung zeigt deutlich, dass sich in unserem kapitalistischen Deutschland eine überwältigend große Mehrheit für ein Leben ausgesprochen hat, welches Verstand und Materialismus als Priorität setzt und die praktizierende Religion weitestgehend in den Hintergrund rückt. Allerdings findet sich nicht eine gottlose Gesellschaft, wenn man nach der inneren Einstellung der Menschen, die hier leben sucht, sondern eher eine breite Masse, die die Kirche als Institution an sich ablehnt.

Wahrscheinlich ist gerade diese permanent abnehmende Aufmerksamkeit und Beachtung der Religion in unserer Gesellschaft einer der Hauptgründe, warum sich auch Menschen findet lassen, die, zum Teil auch aus Protest, in das andere Extrem streben, sowohl in die negative, wie in die positive Richtung.

Im Folgendem werden sich mehrere Beispiele vorstellen, die beide Extrema beschreiben. Dieser Gesamtbericht bietet einen Einblick in das Leben von Menschen, die unserer Meinung nach, ihren Glauben über ihren Verstand gestellt haben und ihre Beweggründe, welche sie zu diesem oft sehr radikalen Schritt veranlaßte.

 

Menschen unter dem Einfluss der "Zeugen Jehovas"

Wer und was sind die "Zeugen Jehovas" ?

Die Zeugen Jehovas sind eine Sekte, die stark von der Vorstellung eines nahen Weltunterganges geprägt ist.

Ihre Entstehungsgeschichte reicht bis ins vorletzte Jahrhundert und ist gekennzeichnet durch die Datierung des Weltunterganges und die damit verbundene Wiederkehr Christi. Dieser Tag wird auch als die "Schlacht von Harmagedon" bezeichnet. Zuerst wurde dieses Ereignis für das Jahr 1874 erwartet, nach dem Nichteintreffen des Erwarteten wurde dieses Datum mehrere Male verschoben. Zur Zeit gibt es kein festes Datum für diesen Tag des "letzten Gerichts" an dem Christus die bestehende Welt vernichten wird und die Auserwählten, nämlich eben die treuen Zeugen Jehovas, mit in sein Paradies nehmen wird. Aber dieses Ereignis wird für die nächsten Jahre erwartet.

Die Zeugen Jehovas berufen sich zwar, ebenso wie die Christen, auf die Bibel, allerdings weicht ihre Bibel-Ausgabe die "Neue Welt Bibel" von der Schrift, die Grundlage für die ökumenisch orientierten Kirchen ist, ab.

Höchste Instanz dieser Sekte ist die "leitende Körperschaft" in Brooklyn, New York, eine Gruppe alter Männer, die als die Vertretung Christi auf Erden angesehen wird. Das Leben eines Zeugen Jehovas besteht zu einem großen Teil aus dem Dienst für die Organisation. Hiermit ist der Versuch gemeint, andere Menschen aus der Welt des "Satans" zu befreien und für die sogenannte Wachturmgesellschaft zu gewinnen. Hierbei unterscheidet man zwei Arten von "Mission". Die eine ist die eher passive Präsenz von Sektenmitgliedern in der Öffentlichkeit. Jeder kennt sie, die Menschen mit den Zeitschriften "Wachturm" und "Erwachet!" in der Hand.

Die zweite Art von Mission ist der Predigtdienst. Er gilt als höchster Ausdruck von Nächstenliebe. Hierbei gehen meist zwei Zeugen von Haustür zu Haustür und versuchen die Menschen in ein Gespräch zu verwickeln. Oftmals werden auch gezielt Menschen aufgesucht, die gerade einen schweren Schicksalsschlag wie beispielsweise Tod eines eigenen Familienangehörigen oder auch eine Scheidung erlebt haben, aufgesucht. Denn solche Menschen sind besonders anfällig für die Lehre der Wachturmgesellschaft, für die z.B. eine Stärkung der Familie von hoher Bedeutung ist. Sehr bezeichnend für die Organisation sind auch die Ablehnung vieler christlicher Feiertage und gesellschaftlicher Ereignisse, aber hierauf werde ich im Folgenden noch ausführlich eingehen.

 

Kinder und Jugendliche in den Fängen der Wachturmgesellschaft

Die meisten Jugendlichen, die Mitglieder der Zeugen Jehovas sind, wurden in diese Sekte hineingeboren. Die ZJ sind eine Sekte, die einen stark religiösen Charakter hat und zu deren Aktivitäten beispielsweise ein intensives Bibelstudium gehört. Diese Umstände scheinen auf den ersten Blick die ZJ für Jugendliche eher uninteressant zu machen.

Aber wenn man sich etwas genauer mit den ZJ beschäftigt, dann zeigt sich, das ihre Propaganda durchaus auch für Jugendliche ansprechend ist. Denn die Wachturmgesellschaft stellt sich als eine Organisation dar, die zum Beispiel das Familienleben stärkt. Für Jugendliche, die aus einer kaputten Familie kommen, könnte dies also durchaus einen Anreiz darstellen, sich einmal mit den ZJ zu befassen.

Aber wie bereits erwähnt, sind die meisten Jugendlichen in dieser Sekte schon von Geburt an dabei.

Diese Jugendlichen haben meist eine sehr strenge Erziehung durchgemacht, die auch vor körperlicher Züchtigung nicht zurückschreckt. Außerdem wurden sie ihr ganzes Leben lang mit zu den Veranstaltungen der ZJ genommen. Das bedeutet zum Beispiel, dass sie am Predigtdienst teilnehmen mussten, sobald sie laufen konnten. Auch ist es Gang und gebe, schon ganz kleine Kinder mit zu den wöchentlichen Treffen im "Königreichssaal" mitzunehmen, dem Versammlungsort der Wachturmgesellschaft. Dies ist für kleine Kinder oft eine erhebliche Belastung, da diese Veranstaltungen oft bis spät in den Abend hinein dauern. Außerdem sind sie für die Kinder sehr langweilig, weil sie kaum etwas von dem dort Gebotenen verstehen und trotzdem stundenlang ruhig und aufmerksam sein müssen.

Die größte Belastung für diese Kinder und Jugendlichen ist aber die Außenseiterrolle, in die sie schon kurz nach Beginn der Schulzeit gedrängt werden. Denn Kinder von ZJ sind immer etwas anders als ihre Altersgenossen. Oftmals sind sie geistig vielleicht schon etwas reifer, weil sie ihr Leben lang schon an Veranstaltungen für Erwachsenen teilgenommen haben. Aber vor allen Dingen sind sie ein völlig anderes Leben gewohnt als ihre Schulkameraden. Die Schule deckt dann schonungslos diese Unterschiede auf. So feiern ZJ beispielsweise kein Weihnachten, weil es von ihnen als ein heidnisches Fest gesehen wird. Viele Eltern die der Sekte angehören, verbieten es ihren Kindern daher an schulinternen Weihnachtsfeiern teilzunehmen und oft haben sie auch etwas gegen das übliche Weihnachtsbasteln, das in den Schulen stattfindet.

Auch wenn die Kinder am Montagmorgen von ihren Aktivitäten am Wochenende berichten sollen, und die anderen Kinder von Ausflügen oder anderen normalen Wochenendbeschäftigungen berichten, stehen Kinder die ZJ sind, außen vor. Sie können nur von Predigtdiensten und Bibelstudium berichten, wofür sie von ihren Klassenkameraden schief angeguckt werden, berichten. Diese Kinder versuchen sich dann oft durch besondere schulische Leistungen Anerkennung zu verdienen. Was die sozialen Kontakte betrifft, geht dieser Schuss aber auch meist nach hinten los und diese Kinder sind in der Schule schnell als die "strebsamen Sonderlinge" verschrien. Dies wird von den Zeugen Jehovas aber auch provoziert. Denn Kinder, die der Wachturmgesellschaft angehören, sollen nicht mit "weltlichen" Kindern Kontakt haben, damit sie nicht von diesen Kindern die "unter Satans Einfluss" stehen, negativ beeinflusst werden.

Auch sollen ZJ Kinder nach Möglichkeit nicht an außerschulischen (Sport-) Veranstaltungen teilnehmen, da diese sie nur von der Lehre Jehovas ablenken, und Werke des Bösen sind.

 

Gefahren, denen ein Zeuge Jehovas ausgesetzt ist

Die größte Gefahr, die besonders für Kinder und Jugendliche sehr schlimm ist, ist die Ausgegrenztheit der Sektenmitglieder aus der Gesellschaft. Man mag vielleicht denken, dass diese Tatsache nicht weiter schlimm ist, weil die Zeugen Jehovas ja ausreichend Kontakte innerhalb der Organisation haben. Das ist sicher richtig, aber man darf nicht vergessen, dass dieser Umstand die ZJ in eine große Abhängigkeit von der Wachturmgesellschaft bringen. Die schlimmste Strafe für einen ZJ ist die, aus der Organisation ausgeschlossen zu werden. Die Organisation ist für ein ZJ-Mitglied fast das ganze Leben. Wird er nun aus dieser verbannt, dann steht er plötzlich ganz alleine, ohne irgendwelche Bezugspersonen da, weil die meisten ZJ alle Kontakte zu Nichtmitgliedern der Sekte im Laufe ihres Lebens abgebrochen haben. Dies wird sogar von der Organisation verlangt.

Eine weitere große Gefahr ist in meinen Augen die Unmündigkeit, in die ZJ getrieben werden. Selbstständiges Denken und Handeln wird innerhalb der Organisation nicht gern gesehen. Es ist auch gar nicht notwendig, denn die Sekteninternen Zeitschriften und Leitfäden geben den Menschen genau vor, wie sie ihr Leben zu gestalten haben. Derjenige, der sich am meisten nach diesen Vorgaben richtet, wird von der Organisation herausgehoben und gelobt. Auch politisches und soziales Engagement wird von der Wachturmgesellschaft nicht gerne gesehen. Denn die Politik beschäftigt sich mit "weltlichen" Fragen, und alles "Weltliche" ist für die ZJ von Satan bestimmt und somit böse. Ausserdem ist in den Augen der ZJ die Welt sowieso nicht mehr zu retten, weil der Tag des Unterganges schon sehr nahe ist, und es ist jetzt nur noch wichtig, sich durch eine Lebensweise im Sinne Jehovas in das Paradies hinüberzuretten.

Diese "Erziehung zur Unselbstständigkeit" halte ich für eine sehr große Gefahr, da die Menschen mit der Zeit gar nicht mehr realisieren, ob das, was die Wachturmgesellschaft ihnen vorsetzt, überhaupt gut für sie ist. Was die "Leitende Körperschaft" oder die Bibel vorgeben wird ungefiltert akzeptiert, ohne es kritisch zu hinterfragen.

Die bekannteste Gefahr, in der sich Zeugen Jehovas befinden, ist wohl ihre sehr unverständliche Einstellung zur modernen Medizin. In der Bibel heißt es, man solle sich "Vom Blut fernhalten". Dies ist Anlass für die ZJ, keine Nahrung zu sich zu nehmen, in der tierisches Blut enthalten sein könnte. Dies ist selbstverständlich zu akzeptieren. Es bedeutet aber auch, dass ZJ jeglichen Kontakt mit Blut verweigern, sie lassen also auch keine Bluttransfusionen zu, auch wenn diese Leben retten könnten. Ob ein Mensch leben oder sterben möchte ist natürlich seine eigenen Entscheidung, und wer sich gegen eine Bluttransfusion am eigenen Körper ausspricht, der handelt sicherlich unverständlich, aber trotzdem ist sein Verhalten noch halbwegs akzeptabel.

Schwierig wird es allerdings bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Hier müssen die Eltern schriftlich einem medizinischem Eingriff oder eben einer Bluttransfusion zustimmen. Tun sie es aus Glaubensgründen nicht, so steht das Leben des Kindes auf dem Spiel, auch wenn das Kind selbst vielleicht gar nicht den Glauben der Eltern teilt und einer Transfusion zustimmen würde, um zu überleben. Es gab schon mehrere solcher Fälle, die vor Gericht gebracht wurden, aber solange es keinen triftigen Grund gibt, den Eltern das Sorgerecht zu entziehen, solange ist das Kind völlig dem Willen der Eltern ausgeliefert. Am Beispiel der Zeugen Jehovas lässt sich erkennen, wie schnell es passieren kann, dass Menschen ihren Glauben über ihren Verstand stellen und sich und andere damit in große Gefahr bringen.

 

Quellen: Claus-Dieter Papa „Die Angstmacher; wer (ver)führt die Zeugen Jehovas?“, Sankt Benno Buch und Zeitschriften Verlag, MBH Leipzig 1998

 

Definition des Begriffes Fundamentalismus

Der Begriff „Fundamentalismus“ wurde von US-amerikanischen Protestanten geprägt, die um 1910 eine Schriftreihe herausgaben. Diese Gruppe wollte durchsetzen, dass die Bibel als von Gott gegeben angesehen wird und jeglicher Kritik standhaft ist, es konnte ihrer Ansicht nach keiner ein wahrer Christ sein, der dieser fundamentalistischen Aussage nicht zustimmte; es sollte keinesfalls eine Umdeutung der Schrift versucht werden. Erst die islamische Revolution 1979 im Iran hat den Fundamentalismus zu einem Teil der Politikwissenschaften gemacht.

Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffes Fundamentalismus, daher werde ich hier ein paar Arten kurz darstellen:

- absolut:

Die fundamentalistische Aussage wird als Wahrheit hingestellt, ist jeglicher Kritik erhaben und nicht veränderbar.

- totalitär:

Das oberste Ziel ist es, alle betroffenen möglichst vollständig zu erfassen.

- wissenschaftsfeindlich:

Die Begründung für die fundamentalistische Aussage ist von jeglicher wissenschaftlicher Untersuchung ausgeschlossen.

- antimodern:

Er richtet sich gegen moderne Verhaltensweisen und andere moderne Aspekte. Diese werden abwertend bezeichnet und als vernichtend gebrandmarkt.

- heilsgewiß:

Die fundamentalistische Bewegung stellt ihren Anhängern das „Heil“ in Aussicht oder wenigstens ihren Gegnern das Unheil.

- intolerant:

Andere Lebensrichtungen, Gesellschaftsstrukturen werden strikt abgelehnt und bekämpft.

 

Der Fundamentalismus erscheint als wilkommener Fluchtweg vor Misserfolgen der Moderne. Verschiedene Wissenschaften geben folgende Gründe:

- Psychologie:

Die Unfähigkeit mehrdeutige Situationen auszuhalten.

- Soziologie:

Die Unfähigkeit in einer offenen Gesellschaft eine soziale Identität zu bewahren.

- Politikwissenschaft:

Hier gilt als wischtiger Grund die mangelnde Bereitschaft, sich mit dem Relativismus der Demokratie und Kompromissen zu arrangieren.

- Kulturphilosophie:

Die Unfähigkeit, sich in der kulturellen vielseitigkeit der Moderne einzurichten.

- Anthropologie:

Sie stellt in Frage, ob der Mensch überhaupt ohne gewisse Grundüberzeugungen leben kann.

 

Fundamentalismus – Es ist Krieg im Namen des Glaubens

Für jeden von uns, der sich schon einmal näher mit dem Fundamentalismus auseinandergesetzt hat, ergibt sich die Antwort auf die Themenfrage von allein. Wenn im Namen einer Religion Krieg geführt wird, um andere Religionen zu vernichten, so zeugt dieses ausschließlich von Intoleranz und Besessenheit durch den eigenen Glauben.

Bei Fundamentalisten wie z.B. dem meist gesuchtesten Mann der Welt, Osama bin Laden, der als Hauptverantwortlicher für die 1998 verübten Bombenanschläge auf zwei amerikanische Botschaften in Afrika, angesehen wird, stellt sich diese Frage überhaupt nicht mehr.

Innerhalb von 12 Sekunden starben 224 Menschen durch parallel gezündete Autobomben.

Dieser Anschlag geht auf das blutige Konto der "Al Quada", was soviel heißt wie die Basis. Osama bin Laden, ein hoch intelligenter Mann, der sein Studium in den Vereinigten Staaten absolviert hat, ist der Kopf dieser jihad Organisation. Sein Kampf der im Namen Allas geführt wird und hauptsächlich gegen die Amerikaner gerichtet ist, ist kein infantiles Kriegsspiel, sondern ein Glaubenskrieg mit den schlimmsten Auswirkungen. Diese Organisation ist, kein Einzelfall und dieser Fakt stellt daher die eigentlich potentielle Gefahr dar. Denn dieser , in den Köpfen manifestierter Hass gegen Andersgläubige findet man nicht nur im nahen Osten sonder auch zum Beispiel in Osteuropa. Die ethnischen Säuberungen eines Slobodan Milosevic nicht nur gegen die Muslime sind ein schreckliches Beispiel für diese wohl eher in einer Ideologie verankerten Graultat. Der Euphemismus Ethnisch Säuberung kostete tausende ihre Häuser oder ihr Leben und das nicht nur in diesem spezifischen Fall. Es ist ein in der Geschichte immer wieder aufkommendes Mittel um seine Hass gegen einen Volksstamm oder Anhänger einer bestimmten Religion, zu verdeutlichen

Ein treffendes Beispiel dafür, das Menschen in ihrem Fanatismus einen Glauben dem Verstand vorziehen, sind die immer wieder aufflammenden Aufruhen in Israel. Auf Seiten der islamischen Palästinenser nennt man diesen Krieg " Intifada", was übersetzt soviel wie "Aufrütteln" bedeutet. In drei Jahren der Intifada kamen fast Tausend Palästinenser, meist Jugendliche, um. Durch die erst neulich wieder aufgeflammten Straßenkämpfe zwischen dem israelischen Militär und den Palästinensern um die Hauptstadt Jerusalem wird diese Zahl nach oben korrigiert werden müssen.

Terrororganisationen wie die Hammas , die Jihad el Islami oder die berüchtigte Hizbollahi, die von dem Prophetennachkommen Hussein Mussawi geführt werden, schrecken nicht einmal vor Suizidanschlägen zurück, um ihr Ziel zu erreichen.

Selbst in so festgefahrenen und unlösbar erscheinenden Situationen wie sie in Israel vorzufinden ist, will man resultierend aus seinem religiösen Stolz, die Waffen nicht niederlegen und so zu einem Konsens zu gelangen. Gerade am Beispiel Israel kann man den blinden Fundamentalismus leicht verdeutlichen.

Israel gebeutelt durch den Bürgerkrieg, mit dem benachbarten Libanon, beginnend mit dem israelischen Einmarsch 1982, kämpft immer noch um seine, zum größten Teil zerstörte Hauptstadt. Da es weder den Israelis noch den Palästinensern um die eigentliche Hauptstadt sondern vielmehr um die Heiligkeit dieser geht, ist offensichtlich, gerade dieser Aspekt zeigt die Dramatik der Situation und wie sehr sie verfahren ist.

Verfahren ist auch die derzeitige Situation in Afghanistan, die islamischen Fundamentalisten der Taliban zerstören das 1500 Jahre alte Weltkulturerbe in Form von überlebensgroßen Buddhastatuen, um der Welt zu demonstrieren, dass der Islam die einzige zu akzeptierende Religion ist. Schon früher hatte der Taliban Kunstgegenstände unschätzbaren Wertes zerstört.

Andere Religionen, wie hier der Buddhismus, sind für fundamentalistische Terrororganisationen als Anhänger des Islams nichts anderes als Verräter, diese Aussage zur Grundlage werden Menschen verfolgt, unterdrückt und getötet.

Eine zu verstehende Intention, ist bei allen dieser ausgearteten Glaubenskriegen nicht zu erkennen.

Ebenfalls ist die verheerendste Form des Fanatismus, das Suizid- Kommando vor allem für Menschen aus unserer Gesellschaft nicht akzeptabel.

Das Unverständnis wächst dann um ein vielfaches wen diese Operationen von Kindern Ausgeführt werden. In der Arabischen Welt nennt man diese Form der Kriegsführung "Bassidsch".

Saddam Hussein hatte 1980 geglaubt , auf Grund der durch die islamische Revolution Khomeinis ausgelösten Wirren im Iran , sich der persischen Provinz Khusistan und der dortigen Petroleumvorkommen bemächtigen zu können. Die Offensive seiner Panzerdivisionen war an der Opferbereitschaft und dem fanatischen Kriegseinsatz der iranischen Todesfreiwilligen, der "Bassidschi" gescheitert.

Menschen sterben für ihren Glauben, der meist durch eine zentrale Figur verkörpert wird, wie im Iran der Ayatollah.

Diese Menschen stellen den Glauben über ihren Verstand. Dieser blinde Fanatismus der meistens so tief in der Gesellschaft verankert ist, dass er immer fester Bestandteil der Erziehung ist, hat verheerende Folgen. Eine Lösung dieser Probleme wir nicht abzusehen sein. Die Begeisterung, die diese Menschen für den Krieg hervorbringen, bleibt weitestgehend unverständlich. Vor allem vor dem Hintergrund der Globalisierung im beginnenden 21. Jahrhundert, welche Aufklärung und Verständnis für den Glauben anderer bringen müsste.

 

Quelle: Peter Scholl-Latour in „Revolution im Namen des Allahs“, Wilhelm Heyne Verlag, München 1990

 

Zwischenzeitliche Teilreflektion I

Die bis hierhin aufgeführten Beispiele sind ausschließlich negativer Art und zeigen Menschen die in einem fanatischen Wahn ihren Glauben über ihren menschlichen Verstand stellen.

Es sind extreme Massenschicksale, die zum Nachdenken anregen, ob teilweise auch die Vernachlässigung des Bedurfnisses des Menschen zu glauben einen Auslöser für das Ausschlagen in die extrem negative Richtung sein könnte. Die meisten Anhänger von Sekten haben in dieser sehr praxisorientierten Form von Glauben eine Nische entdeckt, in welcher sie ihren maßgeschneiderten Rettungsanker vor dem sinkenden Schiff der gottlosen Gesellschaft sehen. Dass sie für die meisten Sekten nicht viel mehr als eine gute Geldquelle sind, wird häufig ignoriert oder absichtlich vergessen.

Im Gegensatz zur Gottlosen Gesellschaft, die das Phänomen der Sekte hervorbringt, stehen die islamischen Glaubenskriege, welche ihre Basis in der tief religiösen Gesellschaft findet. Fakt ist, dass die Menschen des Islam ihren Fanatismus stetig an ihre Kinder weitergeben und ein Ende der Intoleranz nicht abzusehen ist. In den obersten Gesetzen des Islam, in den Gesetzen der Scharia wird schon die Grundlage für die Glaubenskriege geschaffen, indem diese Schrift für sich beansprucht absolut, einzig und unkritisierbar zu sein.

Die Gruppe hat dieses Verhalten auch als Entwicklungsbremse für diese Länder betrachtet, weil der Fundamentalismus zur absoluten Intoleranz gegenüber anderen Religionen verleitet und dieses zur Isolation der Gesellschaft in der Welt führt.

Im Weiteren werden wir auch die andere Seite betrachten. Es werden verschiedene Persönlichkeiten vorgestellt, die ihr Leben vorrangig in den Dienst der katholischen und evangelischen Kirche gestellt haben. Die Gruppe sieht diese Beispiele, im Gegensatz zu den bereits aufgeführten, als positive Kontrapunkte, welche sie zum Nachdenken über ihre vorurteilige Grundauffassung, welche vor der Bearbeitung vorhanden war, anregte.

 

Warum entscheiden sich Frauen Nonne zu werden - ein ausgewähltes Beispiel.

Als wir uns für das Thema in der Wettbewerbsarbeit " Wenn man seinen Glauben über den Verstand stellt" entschieden haben, beschlossen wir auch die Frage zu bearbeiten "Nonnen- warum ändern Frauen ihr Leben radikal im Namen des Glaubens?" mit in den Beitrag aufzunehmen.

In der Gruppe herrschte zunächst allgemeines Unverständnis für diese Entscheidung der Frauen, da wir der Meinung waren, dass die Frauen ihr Leben, mit allen schönen Seiten wie Familie, Liebe, ein eigener Beruf und die Freiheit sein Leben so zu gestalten, wie man es selbst bestimmt, aufgeben, um in einer Gemeinschaft mit feststehenden Regeln, abgeschlossen vom "wahren Leben" , zu leben.

Durch einen Artikel in einer Frauenzeitschrift über das Klosterleben wurden wir auf Schwester Kornelia aus dem Kloster Habsthal bei Münster aufmerksam, und wir schrieben an die noch junge Schwester (36 Jahre), um ihre Beweggründe zu erfahren, die dazu führten, ihr Leben radikal zu ändern. Sie schrieb einen langen, sehr informativen und eindrucksvollen Brief. Im folgenden nun eine Zusammenfassung.

Leben und Glauben sind wie weite Felder, der Entscheidung Nonne zu werden, ging ein Ruf voraus, der von Gott an sie gerichtet wurde. Diese Berufung erweiterte ihre Felder des Glaubens und des Lebens.

Schwester Kornelia ist in einer streng katholischen Familie aufgewachsen, was sie jedoch nicht in ihrer Entscheidung Nonne zu werden beeinflusste. Zwar war sie von Anfang an von dem radikalen Leben der Heiligen fasziniert, konnte sich aber nicht für ein Klosterleben begeistern. Bis zu ihrem 22. Lebensjahr war Schwester Kornelia dem klösterlichen Leben eher abgeneigt, und erst nachdem sie während ihres Studiums Begegnungen mit jungen Ordensleuten hatte, begann sie sich mit dem leben im Kloster auseinanderzusetzen. Der Einfluss der Ordensleute zeigte sich in ihren regelmäßigen Gottesdienstbesuchen im Kloster. Nach und Nach wurde ihr die Liturgie und die Spiritualität immer vertrauter und ein inneres Gefühl sagte ihr, dass das Ordensleben zu ihrem eigenen Weg werden würde.

Dann kam die schmerzlich Erkenntnis, dass sie auf gewisse Dinge, wie Ehemann und Kinder, verzichten werden müsste. Diese Erkenntnis führte zu einem mehrjährige Kampf, in dessen Verlauf ihr Widerstand gegen Gottes Anruf immer geringer wurde und das Interesse für ein Ordensleben wuchs.

Ihr fiel auf, dass alle Berufungsgeschichten in der Bibel ein Schema aufzeigen, nachdem der Angerufene verschiedene Phasen durchläuft; angefangen bei der Flucht, dem Verstecken, der Verweigerung vor Gott, bis hin zu Einwänden und Ausreden, die gegen die Berufung sprechen. Am Ende steht jedoch immer die Zustimmung für den Ruf Gottes.

In ihrem Brief ging Schwester Kornelia auf den Sinn und das Ziel ihres kontemplativen Lebens ein#, welches darin besteht, für Gott da zu sein, Gott zu suchen und in der Eins-Werdung mit Gott. Sie weist jedoch auch darauf hin, dass dieses Leben nur auf der Ebene des Glaubens zu erklären sei. Währenddessen richtet sich ihr alltägliches Leben nach den Geboten und Weisungen Gottes, dem Verwirklichen seines Willens im Alltag und dem Horchen auf sein Wort.

Gottes Willen tun heisst konkret, sich für Gott Zeit zu nehmen, im Inneren seine Stimme zu vernehmen und den Mut haben das Erkannnte im Alltag zu leben. Mut haben deshalb, weil ein Leben nach Gottes Willen ein Leben gegen den Strom der Gesellschaft bedeutet.

Schwester Kornelia erklärt auch, dass das Klosterleben keine Weltflucht im wirklichen Sinne sei, dass man hier jedoch versuche ein gewisses Maß an Zurückgezogenheit und Schonraum zu bieten, welches für die Begegnung mit Gott notwendig ist.

Das Kloster an sich ist eine gesellschaftliche Institution, in der Gäste herzlich willkommen sind. Sie können sich auch mit persönlichen Problemen an die Nonnen wenden, jedoch sagt Schwester Kornelia, dass sie die Probleme mit sie tragen möchten, jedoch nicht lösen können.

Schwester Kornelia ist der Meinung, dass jeder Mensch sich geistig-geistlich weiterbilden soll. Erst dann ist man in der Lage das zu leben, zu was Gott uns berufen hat. Denn je mehr man eins mit sich selbst ist, desto näher kommt man Gott, und desto eher kann man eins mit ihm werden. Dieser Reifungsprozess hat nichts mit der Selbstverwirklichung in der heutigen "Ellenbogengesellschaft" zu tun, sondern beruft sich auf das Entgegenstellen von Problemen im Alltag. Also die eigenen Probleme durchleben, sie tragen und, wenn möglich, lösen.

Abschließend gibt Schwester Kornelia an, dass das, was sie im vorhergegangen beschreibt, als ihre Ideale ansieht: "Es ist das, was ich anstrebe zu leben, in der Realität habe ich vieles noch nicht umgesetzt bzw. verwirklicht..."

Ihren Brief schließt sie mit einer Aussage, die einen zum Nachdenken über das eigene Leben anregt:

Sein Leben Gott zu widmen, heißt von Gott gerufen zu sein.

Dieser Brief veranlasste uns nun unsere eigentlich schon vorgefasste Meinung zu ändern. Wir hatten eine Antwort von einer weltfremden und vielleicht auch fanatischen Frau erwartet, statt dessen bekamen wir diese sehr beeindruckende Schilderung eines Lebens.

Schwester Kornelia hat sich sehr bewusst für ein Leben im Kloster entschieden, wobei sie sicher auch auf viele schöne Aspekte des Lebens schweren Herzens verzichten musste. Durch ihre Berufung lernte sie mit schweren Lebenssituationen und Entscheidungen umzugehen und konnte so ein eigene, selbstsichere Persönlichkeit bilden.

Das Leben im Kloster selbst, gerade in diesem kontemplativen Orden, in dem sie lebt, ist hochgeistig und sie benutzt ihren Verstand sicher in vieler Hinsicht mehr, als der Durchschnittsbürger2.

Sie bildet ihren Geist ohne Unterlass fort und findet die Erfüllung ihres Lebens in ihrem Glauben. Nur wenige von uns können behaupten, den Sinn ihres Lebens gefunden zu haben, zufriedenzusein,serer Meinung nach, muss jeder seinen eigenen Sinn im Leben, mit oder ohne Gott, finden. Dies gelingt sicher auch außerhalb der Klostermauern.

 

Quelle: privater Brief vom Dezember 2000

 

Warum Mutter Teresa Nonne wurde?

Mutter Teresa ist eine authentische Interpretin des Evangeliums Jesu Christi in unserer Zeit, eine international bekannte und verehrte Persönlichkeit. Was liegt näher, als über die Jugendlichen den Weg zu Christus zu weisen?

Mutter Teresa lebte im öffentlichen Bewußtsein als Frau christlichen Apostolats. Das Geheimnis dieser Frau ist ihr Glaube. Ihr Gottesbild ist bestimmt von der Lebendigkeit Gottes und seiner Liebe zum Menschen, seiner Barmherzigkeit, Güte, seinem Mitleid und seiner Solidarität mit den Menschen, besonders den Armen und Schwachen. Gottes Zuwendung zum Menschen ist in Jesus Christus Mensch geworden.

An dieser Liebe Gottes, die sie im Glauben, im Gebet, in der Eucharistie, in der Pflege ' der Kranken, in der Fürsorge für die Verlassenen erfährt, drängt Mutter Teresa zur Gegenliebe. So ist ihr Glaube flammende Liebe zu seinem Sohn Jesus und dessen Mutter Maria.

Gott ist für Mutter Teresa ,summum bonum', höchstes Gut. Sie ist ganz Ohr auf Gott hin, auf ihn hört sie, ihn sucht sie zu vernehmen mit ihrer ganzen Person in Gebet, betrachtendem Schweigen, in der Stille. Ihn zu lieben, seinen Willen zu tun, ist für sie das Hauptgebot, Damit steht sie fest in der biblischen Tradition. Die unbedingte Bereitschaft für Gott spiegelt sich exemplarisch in der Geschichte ihrer Berufungen.

Im Alter von 12 Jahren verspürte sie den Ruf Gottes, den Armen zu helfen. Mit 18 Jahren tritt sie in ein Loretokloster ein. Fast zwei Jahrzehnte ist sie Lehrschwester für Geographie an der St. Mary's High School in Kalkutta. Dann erfährt sie ihre zweite Berufung. In den Sommerferien 1946 fährt sie - wie üblich - mit dem Zug nach Darjeeling, um Exerzitien zu machen. Auf dem Bahnhof von Kalkutta erlebt sie namenloses Elend und Leid. Während der Bahnfahrt ziehen diese Bilder der Not vor ihrem geistigen Auge vorüber; sie vernimmt den Ruf Jesu, alles aufzugeben, den bisherigen Ruf als Lehrschwester, die Sicherheit und Geborgenheit des Klosters. Jesus ruft sie - so versteht sie es -, ihm in die Elendsviertel zu folgen und ihm dort unter den Ärmsten der Armen zu dienen.

Sie ihrer zweiten Berufung weiß sie, daß es ihre Sendung ist, für Christus ganz dazusein in der Hingabe, im Dienst für die Armen, um so Gott und Christus den Menschen zu offenbaren. Ihre Mission ist die Nächstenliebe in der nichtchristlichen Welt Diese Lebensaufgabe bewältigt sie von Christus her.

 

Quelle: Unterrichtsmodelle im Fach Religion: Mutter Teresa, Kösel - Verlag München 1980, Heft 28

 

Interviews zum Leben als Pfarrer bzw. Pfarrerin

Interview mit einer Pfarrerin

 

- Haben Sie die Bibel gelesen?

Ja, habe ich. Sogar mehrfach. Allerdings nicht so am Stück, weil die Bibel eigentlich nicht ein Buch ist, sondern ganz viele Bücher, die man auch einzeln lesen kann. Manche Geschichten fand ich als Kind ganz toll wie zum Beispiel die vom verlorenen Sohn oder vom Oberzöllner Zachäus. Oder die Geschichten von Abraham, Jakob und Josef. Manche Geschichten fand ich als Erwachsene erst so richtig gut wie zum Beispiel die Geschichten von König David im Alten Testament. Und manche Geschichten sind einfach immer gut wie die Schöpfungsgeschichte oder die Weihnachtsgeschichte. - Man muß sich nicht den Streß machen, die ganze Bibel von A bis Z lesen zu wollen, dann verliert man schnell die Lust. Aber immer mal wieder so reinschnuppern, ist schon nicht schlecht. Schließlich war es früher so, daß die Leute die Bibel überhaupt nicht lesen durften. Jetzt dürfen sie sie lesen und machen es nicht. Eigentlich schade.

1. Wie wird man Pfarrer?

Wie für alle anderen Berufe muß man erst mal ganz schön lange die Schulbank drücken - bis zum Abitur. Dann studiert man Theologie an einer Universität (ich war in Mainz und Heidelberg). Zu diesem Studium gehört, daß man alte Sprachen beherrscht (Latein, Griechisch und Hebräisch) und verschiedene Fächer lernt (Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte, Dogmatik, Ethik, Praktische Theologie). Es ist ein ziemlich langes Studium, das mit einem Exomen schließt. Nach dem Examen wird man Vikar bzw. Vikarin. Dos heißt, daß man in einer Gemeinde lernt, was so olles zu diesem Beruf gehört. Man macht seine erste Beerdigung, hält seinen ersten Gottesdienst, unterrichtet Religion an einer Schule und vieles mehr. Nach zweieinhalb Jahren macht man dann ein 2. Examen. Danach wird man in eine Gemeinde geschickt und tut dort seinen Dienst. Damit man das tun darf, wird man ordiniert. Das bedeutet, daß man ganz offiziell mit der Aufgabe betreut wird. eine Gemeinde zu versorgen. Meist ist dos ein feierlicher Gottesdienst - verbunden mit einem großen Fest.

3. Warum sind Sie Pfarrerin geworden?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil es dafür viele Gründe gibt. Zunächst einmal hat mir mein Studium großen Spaß gemacht. Ich habe viele Dinge gelernt, die mir wichtig waren und sind. und ich habe mir viele Gedanken gemacht, die für mein Leben viel ausgetragen haben. Und dann geht es mir natürlich um die Menschen. Es macht große Freude, mit Menschen zu arbeiten oder etwas für sie tun zu können. Wenn man für einen Menschen nützlich war, dann ist das ein sehr schönes Gefühl. Und drittens geht es mir um Gott. Mein Glaube ist mir sehr wichtig und gehört zu meinem Leben wie das Atmen. In vielen Situationen hat mir mein Glaube geholfen und Kraft gegeben. Weil ich dos gut finde, möchte ich anderen davon erzählen und ihnen davon weitergeben.

4. Wie lange sind Sie Pfarrerin?

Wie man es nimmt. Ich habe im Herbst 1992 l. Examen gemacht und bin dann als Vikarin in die Gemeinde Imsbach am Donnersberg gegangen. Dort habe ich sozusagen als Pfarrerin gearbeitet, war aber noch in der Ausbildung. Seit Frühjahr 1995 bin ich in der Lutherkirchengemeinde in Kaiserslautern Pfarrerin mit allen Rechten und Pflichten.

5. Wie sieht Ihre Arbeit über die Woche aus?

Bei Pfarrern ist die Arbeitszeit nicht so klar geregelt wie in vielen anderen Berufen. Das heißt, daß wir manchmal 40 Wochenstunden arbeiten und manchmal 70 Wochenstunden. Das kommt ganz auf die Kirchenjahreszeit an. Was gehört alles dazu: Kindergartengottesdienste, Betreuung von Kindergruppe und Kindergottesdienst, ein paar Stunden Religionsunterricht an der Luitpoldschule, Präparanden- und Konfirmandenarbeit, Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Geburtstagsbesuche, Krankenbesuche, ziemlich viele Telefonate, einiges an Schriftverkehr, Gemeindebrief, Predigt schreiben, Gottesdienste halten. Hausabendmahl feiern, viele Gespräche führen, Besuchsdienstkreis, Presbyteriumssitzungen, Dienstbesprechungen, Ausschüsse in der Gemeinde, verschiedene Aufgaben im Kirchenbezirk, Notfallseelsorge, Beiträge für den Rundfunksender SWR 3 - vielleicht hat ja Jemand Lust, mal ein Praktikum im Pfarramt zu machen? Auf diese Art und Weise sieht man nämlich am besten, daß Pfarrer eben doch nicht nur sonntags arbeiten.

6. Hobbies

So furchtbar viel Zeit bleibt leider nicht für Hobbys. Ich bin ziemlich froh, wenn ich mich ab und zu mit Freunden treffen kann, spiele leidenschaftlich gerne Doppelkopf und gehe gern ins Kino. Außerdem mache ich ab und zu Musik und lese sehr gern Krimis.

7. Was ist so interessant am Pfarrerberuf?

Er ist unheimlich vielfältig. Man hat mit so vielen verschiedenen Menschen zu tun und macht so viele verschiedene Dinge. Ich habe noch keinen Tag erlebt, an dem es mir langweilig gewesen wäre. Ganz besonders mit Konfirmanden wird es nie langweilig...

8. Warum denken Sie, daß die Konfirmation für uns wichtig ist?

Am liebsten wäre es mir, wenn Ihr das selbst herausfinden würdet, warum die Konfirmation für Euch wichtig ist. Aus meiner Sicht sind es zwei Bereiche: Der eine ist die Konfirmandenzeit, in der Ihr ganz viel Gelegenheit habt, Fragen zu stellen, die Euch am Herzen liegen; oder Dinge zu bereden, die für Euer Leben ganz interessant sein könnten. Aber wie für die meisten Sachen gilt auch für die Konfirmandenzeit: Sie ist genau so interessant, wie Ihr sie macht. Die Konfirmation selbst macht deshalb Sinn, weil Ihr als Säuglinge getauft worden seid. Bei der Taufe haben stellvertretend für Euch Eure Eltern und Paten Ja zu Gott gesagt. Bei der Konfirmation seid Ihr alt genug, das endlich selbst zu tun. Für uns, die Gemeinde, seid Ihr mit der Konfirmation mündige und erwachsene Menschen, die wir sehr ernst nehmen. Ihr dürft selbst Paten sein, dürft Presbyterien wählen, dürft zum Abendmahl gehen. Das alles sind wichtige Aufgaben, für die die Konfirmation Voraussetzung ist - ein Leben lang.

 

2. Interview mit einem Pfarrer

1.Warum gingen Sie ins Kloster und haben sich damit für das Zölibat entschieden?

Es war für mich nicht klar, dass ich Theologie studiere, sondern es fing damit an, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin. Ich war bei den Benediktinern in Augsburg, Der Rektor der Schule hat mitbekommen, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin und hat mich eingeladen im Kloster eine gewisse Zeit mitzuleben. Da habe ich dann Lunte gerochen. Ich habe aber gemerkt, dass der benediktinische Weg nicht mein Weg sein kann, denn um fünf Uhr aufstehen ist nicht meine Sache. Auch mit dem Rückzug aus der Welt kann ich nichts anfangen. Ich möchte einfach mit Leuten Zusammensein und in Freiheit leben. Ich habe dann die Prämonstratenser in Roggenburg kennen gelernt. Ich wollte nicht alleine Sein. Nach dem Abitur hatte ich die Absicht zusammen mit einer französischen Freundin in Frankreich Jura zu studieren aber dies hat sich dann aus finanziellen Gründen zerschlagen. Dann hat sich folgendes ereignet: Ein Schulfreund war tödlich mit dem Auto verunglückt und zwei Tage darauf sollte ich nach dem ich ja bei der Bundeswehr eingezogen war, auf Pappkameraden schießen. Das passte für mich alles nicht zusammen und habe dann den Kriegsdienst verweigert. Meine Freundin hatte in der Zwischenzeit ihr Studium in Frankreich aufgenommen und ich hatte mich entschieden in Deutschland Theologie zu studieren.

2. Welcher Sünde könnten sie nicht widerstehen?

Was auch in die Schülerzeitung rein darf? Ein gutes Essen. Aber ich versuche meinen Appetit zu drosseln, doch es fällt mir schwer.

3. Wie ist ihre Meinung zum Zölibat?

Der Zölibat ist eine sinnvolle Sache, aber man sollte ihn freistellen. Sinnvoll in so fern, dass ein Priester heutzutage sehr viel Zeit für seine Gemeinde aufwenden muß. Das Zusammenleben von Mann und Frau erfordert mehr Zeit als ein Priester aufwenden kann.

4. Was würden sie tun, wenn sie in der Kirche die Frau ihres Lebens kennen lernen würden?

Ich würde natürlich nicht gleich alles hinschmeißen. Ich würde mir erst einmal die Zeit nehmen, herauszufinden, ob Sie es wirklich ist. Wie sie aussieht, weiß ich nicht. Aber sie müsste schon das gewisse Etwas hoben, damit etwas passiert. Wenn Sie es wirklich wäre, würde ich sicher meine Konsequenzen daraus ziehen.

5. Soll man jeden Sonntag in die Kirche gehen?

Die Leute die nicht in die Kirche gehen, wissen nicht was sie versäumen. Wenn du in einem Fußballverein bist ist es auch selbstverständlich dass du zu den üblichen Veranstaltungen kommst. Die Kirche stellt eine Art Korrektur dar für das Leben.

6. Was hielten ihre Eltern von dem Entschluß Theologie zu studieren?

Oh Gott! Sie waren total dagegen. Mein Vater sagte, du schaffst das Vordiplom nie. Wir sind drei Geschwister und mein Bruder ist eigentlich der Intelligenteste von uns. Er hat das Vordiplom erst beim dritten Anlauf geschafft. Mein Vater war ziemlich entsetzt, als ich a) die Prüfung beim ersten Mal geschafft habe, und b) einen Schnitt von 1,9 hingelegt habe. Also, da war er dann ziemlich platt. Aber er hat eingesehen, dass ich ein bestimmtes Ziel verfolge, und dass ich bereit bin, was dafür zu tun.

7. Was halten Sie von Menschen, die z. B. sagen, sie gehen nur an Weihnachten oder gar nicht in die Kirche?

Natürlich muss das jeder selber entscheiden, aber die Leute, die nicht in die Kirche gehen, wissen nicht, was sie verpassen. Ich vergleiche das jetzt mal mit einem Sportverein. Stell dir vor, du bist aktives Mitglied, aber zu den Übungsspielen willst du nicht kommen. Irgendwann wirst du feststellen, dass andere besser sind als du. Du wirst nicht mehr zu Turnieren mitgenommen – dann bist du draußen, nur noch ein zahlendes Mitglied. Im Endeffekt hast du nichts davon.

8. Wie würden Sie sich in drei Worten beschreiben?

Spontan, humorvoll und zu jeder Schandtat bereit - und "unmöglich"

9. Wollen Sie die Schüler bekehren? Was sollen Sie von Ihnen mit auf den Weg bekommen?

Es wäre schön, wenn sie spüren, dass mir der Glaube wichtig ist. Und es wäre schön, wenn sie spüren würden, dass der Glaube Halt und Traum gibt. Aber ich bin kein Missionar. Wenn jemand nicht in die Kirche gehen will, ist dos sein Problem. Man sollte nicht in die Kirche gehen, wenn man es nicht will.

10. Was denken Sie, haben Jugendliche heute für eine Einstellung zu Gott und der Kirche?

Zu Gott haben Sie sicher eine sehr positive Einstellung. Zur Kirche eine eher kritische, würde ich sagen. Aber das ist normal. Wäre ja schlimm, wenn es nicht so wäre. Es gibt nichts Schlimmeres, als Ja-Sager. Also solche, die ohne nachzudenken zu allem Ja und Amen sagen.

Als Pfarrer braucht man heutzutage schon eine Menge Dynamik, wir haben bemerkt, dass Sie diese besitzen. Vielen Dank für das sehr ausführliche Interview.

 

Zwischenzeitliche Teilreflektion II

Als Zwischenreflektion des letzteren Teilabschnittes wird besonders die private Dimension deutlich, die im stechenden Gegensatz zum vorangegangenen Teilabschnitt, welcher hauptsächlich Rohthemen bearbeitet, mit denen wir nicht in privaten Kontakt gekommen waren. Durch die persönlichen Treffen und auch besonders durch das auflockernde Element des Interviews mit dem Pfarrer bzw. der Pfarrerin wird eine lebendigere Ebene erreicht. Das Interview führte der Gruppe unsere falschen Erwartungen an diese Persönlichkeiten vor Augen. Auf dem Weg zu den Treffen erwarteten wir stets auf eine schüchterne, weltfremde und konservative Person zu treffen. Statt dessen wurden wir von der Offenheit und Schlagfertigkeit dieser Menschen überrascht und verdeutlichte uns wieder einmal mit welchem klaren Bewusstsein diese Menschen ihre Entscheidung getroffen hatten. In diesem Sinne haben sie nicht ihren Glauben über ihren Verstand gestellt, sondern sich mit Hilfe des Verstandes für den Glauben entschieden.

 

Abschließende Reflektion zum Thema „Darf man seinen Glauben über den Verstand stellen?“

Unser Bericht ist von zwei Fronten geprägt, die durch die Gemeinsamkeit des Extremen miteinander verbunden sind. Die Unterschiede ihrer Beschaffenheit bestehen hauptsächlich in ihrer entgegengerichteten Wirkungsabsicht und in der vom fernen ins privaten wechselnden Ebene.

Möchte man eine allgemeine Schlusslehre aus dieser Arbeit ziehen, so wird man keine finden. Denn diese Ausführung macht vor allem deutlich, dass es ganz besonders auch auf äußere Umstände wie Gesellschaft, Elternhaus und innere individuelle Einstellung jedes einzelnen ankommt welche Antwort man auf die Fragestellung findet.

Dieses kann auch auf den ersten mit negativen Beispielen behafteten Teilabschnitt angewendet werden. Dadurch, dass wir uns das Wissen für diese Berichte aus Büchern, Zeitschriften und Magazinen angeeignet haben, war es uns nicht möglich einen Einblick in die Beweggründe zu erlangen, welche Menschen dazu treiben ihr Leben einer Sekte zu widmen oder es im Krieg im Namen Allahs auf Spiel zu setzen. Die Arbeitsgemeinschaft hat es als allgemein interessant beurteilt, einen näheren Eindruck über diese zu bekommen. Wir glauben nicht daran, dass diese Gründe, Morde und verschiedene Sektenpraktiken rechtfertigen können, jedoch würde es uns helfen zumindestens dieses Einzelschicksal der betreffenden Person zu verstehen.

Genau dieses erschien uns auch als der bedeutenste Vorteil, den die Arbeitsbeiträge des zweiten Teilabschnittes für uns hatten. Hier war es uns möglich, Menschen näher kennenzulernen, die unserer vorurteiligen Meinung nach ihren Glauben über den Verstand stellten. Besonders duch die private Atmosphäre haben wir gelernt zu verstehen, warum diese Menschen ihr Leben radikal ändern. Die Gruppe würde die angegebenen Gründe dieser Menschen nicht für sich beanspruchen, aber sie werden verstanden und vor allem toleriert. Gerade in Zeiten, in denen imer wieder die Kritik an einer gottlosen Gesellschaft laut wird, fallen Persönlichkeiten wie die von uns vorgestellten besonders auf und stoßen immer wieder auch besonders bei Jugendlichen unseren Alters auf Desinteresse und Unverständnis. Gerade in der jüngeren Masse unserer Gesellschaft wird besonders ein Trend deutlich, der zur Aufgeschlossenheit gegenüber allem aufruft. Konservatives Denken, welches gerade solchen Personen wie den hier von uns vorgestellten zu unrecht, wie wir jetzt wissen, angehängt wird, ist „Out“.

Gerade der erste Bericht „Eine gottlose Gesellschaft?“, welcher mehr die Funktion eines Vorwortes für die Gesamtarbeit hat, verdeutlicht diesen Trend und auch im Interview mit Pfarrer Nolte wird fast wortwörtlich erwähnt, dass gerade die jüngere Generation nicht Gott, sondern die Kirche als Institution und jede Identifizierung mit ihr ablehnt. Diesem Trend konnten sich auch die Mitglieder unsrerer Gruppe nicht entziehen. Für uns steht es außer Frage, dass wir unser momentanes Leben im Namen unseres Glaubens komplett ändern würden, jedoch glauben die meisten, dass wir vielleicht auch noch zu jung und enthusiastisch sind, als dass wir unseren unsern Glauben über unseren Verstand stellen würden.

 

1Daten ergeben sich nach einer Umfrage, durchgeführt im Auftrag von dem Magazin "Das Beste"

2Im Gegensatz zum kontemplativen Kosterleben steht das karitative Leben. Hierbei engagieren sich die Ordensanhänger in sozialen Projekten. Beispiele wären Katholische Kindergärten oder auch die Arbeit der Mutter Theresa.

 

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