Jugend&Kultur&Religion

Gymnasium Lüchow


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Tod und Trauer bei Jugendlichen

 

 

Verfasserinnen: Gabriele Dziedo, Nina Kiehl, Anne Schulz

 

Betreuende Lehrkraft: Heide Pinkall

 

 

Gliederung

1. Einleitung

2. Unterschiede zwischen den Ländern im Umgang mit Tod und Trauer

3. Wenn Kinder und Jugendliche trauern

4. Die Einstellung der Jugendlichen zu Beerdigungen

5. Was kommt nach dem Tod?

6. Sterbehilfe – hat der Mensch auch ein Recht auf den Tod?

7. Den Tod abschaffen?

8. Reflexion

 

 

 

1. Einleitung

In dem Moment, in dem ein Kind das Licht der Welt erblickt, steht fest, dass irgendwann der Zeitpunkt kommen wird, wo es sterben wird. Natürlich denken wir unmittelbar nach einer Geburt nicht an den Tod, aber trotzdem hängt sie mit dem Tod zusammen.

Wann dieser Tod eintreten wird, weiß niemand. Es kann sein, dass das gerade geborene Kind im Alter sterben wird und noch ein langes Leben vor sich hat. Manchmal werden wir aber auch ganz plötzlich mit dem Tod konfrontiert, der uns zeigt, dass das Leben nicht unendlich ist und niemand dem Tod entfliehen kann.

Wie Sie sehen, haben wir unser Thema innerhalb der Arbeit verändert und das Thema "Tod" ausgesucht, weil er alltäglich ist und einen Teil des Lebens ausmacht; wir aber trotzdem immer wieder Probleme zeigen, darüber zu sprechen.

Wir fragen uns in unserer Arbeit, was den Tod ausmacht, warum wir so auf ihn reagieren und welches Verhältnis Jugendliche im Speziellen zu ihm haben.

 

2. Unterschiede zwischen den Ländern im Umgang mit Tod und Trauer

In den unterentwickelten Ländern ist der Tod ein natürliches Element im Alltag. Man begegnet ihm häufig und muss sich früher mit ihm auseinandersetzen, als in hochentwickelten Ländern, da die medizinischen Möglichkeiten eingeschränkt sind und die Bevölkerung in ihrer Armut sich medizinische Behandlung oft nicht leisten kann. Unhygienische Verhältnisse und mangelnde Aufklärung haben eine relativ hohe Kindersterblichkeit zur Folge.

Kranke Menschen sterben in der Regel in der Großfamilie. Jeder hat an ihrem Leid teil, auch die Kinder. Ist jemand gestorben, wird er von den Nachbarn gewaschen und hergerichtet und dann zu Hause aufgebahrt. Das gesamte Dorf kommt, um sich von ihm zu verabschieden. Man berührt ihn noch einmal, setzt sich eine Weile in den Raum, singt, jemand sagt etwas über den Toten. Gemeinsam bringt man ihn dann am gleichen Tag zum Grab ( Paraguay ). Die Teilnahme des gesamten Dorfes erleichtert die Trauer.

In unserer hochentwickelten Leistungsgesellschaft haben die Themen Alter, Krankheit und Tod wenig Platz und werden häufig verdrängt. Die Werbung malt ein Menschenbild, in dem Jugend, Sport, Frische, Aktivität, Reichtum und Kraft im Mittelpunkt stehen. Alte Menschen werben ausschließlich für Produkte, die Alters abhängige Unannehmlichkeiten erleichtern sollen (Gelenkschmerzen, Blasenschwäche, Herzprobleme usw.).

Krankheit, Alter und Tod sind unansehnlich geworden durch die Macht der medizinischen Geräte, die den Tod herauszögern und das Leben unwürdig verlängern. Sie passen nicht in das jugendliche Menschenbild.

Auch der Zerfall der Großfamilie schafft Probleme im Umgang mit Sterben und Krankheit. In vielen Familien sind beide Ehepartner berufstätig und haben keine Zeit und oft auch keinen Platz für die Pflege eines Menschen. Die meisten Menschen sterben in Altersheimen und Krankenhäusern. Die Hospize sind ein Versuch, die Menschen in familienähnlicher Atmosphäre beim Sterben zu begleiten.

Stirbt jemand, so übernimmt das Beerdigungsinstitut alle anfallenden "Arbeiten" und Organisation der Trauerfeierlichkeiten. Wir glauben, dass das Trauern in unserer Gesellschaft schwer geworden ist, weil der Tod aus der Familie verdrängt wird und nur wenige Formen der Trauer überlebt haben. Die Mitmenschen können mit der Trauer des anderen oft nicht umgehen.

Kinder begegnen dem Tod hauptsächlich im Fernsehen, in brutalen Comics und Filmen in denen der Held überlebt und der "Böse" im Tumult mit viel Lärm stirbt. Dort wo sterben wirklich betroffen macht, hält man Kinder fern. Auf die Beerdigungen werden Sie nur selten mitgenommen.

Jugendliche in unserer Gesellschaft werden mit dem Tod häufiger konfrontiert und von ihm betroffen. Straßenkreuze geben Zeugnis von jugendlichen Verkehrstoten. In den Großstädten gibt es zahlreiche Drogentote und HIV Infizierte. Die Selbstmordrate unter Jugendlichen ist in der Bundesrepublik Deutschland hoch. Alle 40 Minuten stirbt ein Mensch durch Suizid. 30 bis 40 Menschen pro Tag, 13000 bis 14000 pro Jahr. Davon sind zehn Prozent, also 1300 bis 1400, Menschen im Alter bis zu 25 Jahren. Das bedeutet, dass täglich drei oder vier Jugendliche sich selbst töten. Vermutlich liegt die Zahl noch wesentlich höher. Denn wer weiß schon, ob sich nicht auch hinter einem Unfall im Haushalt oder einem Autounfall oder hinter Drogentod eine Selbsttötung verbirgt.

 

3. Wenn Kinder und Jugendliche trauern

Wenn Kinder trauern, sind Erwachsene oft hilflos, da sich die Kinder anders verhalten als sie selbst. Oft sind sie mit ihrem eigenen Schmerz beschäftigt und wissen nicht, was sie ihren Kindern sagen sollen. Viele Menschen glauben, dass Kinder den Tod noch nicht verstehen und ihn schnell vergessen (durch Ablenkung oder Ausreden der Trauer).

Kinder weinen nicht in dem Moment, in dem es von ihnen "erwartet" wird. Sie wollen sich den Trauermoment selbst aussuchen können. Sie holen sich, was sie brauchen. Deshalb verstehen viele Erwachsene die kindliche Trauer nicht, weil sie "sprunghaft" ist. Folglich ist das Unverständnis bei "unaufgeklärten" Menschen sehr häufig der Fall.

Kinder haben je nach Altersstadium unterschiedliche Vorstellungen vom Tod. Außerdem definieren sie ihn auch anders. Deshalb sollten sich Erwachsene früh mit der Form der kindlichen Trauer auseinandersetzen, nicht erst, wenn es sie betrifft. Wer Kinder trösten und ihnen vom Tod erzählen, wer sie unterstützen will, muss selbst trauern können. Vielen Eltern und Erwachsenen fehlt jedoch der Mut dazu. Sie wollen die Kinder vor traurigen Gefühlen schützen und merken dabei nicht, dass sie mit ihrem versteckten Kummer unglaubwürdig wirken, denn Kinder wissen genau, was in ihrem Umfeld passiert. Auch wenn sie nicht begreifen können, was "endgültig" bedeutet: Sie werden den Verlust und die Trauer realisieren. Der Verlust eines Menschen wird von jedem Kind anders wahrgenommen. Dabei spielen das Alter des Kindes und die Beziehung zu der verstorbenen Person eine zentrale Rolle. Entscheidend sind jedoch auch die Umstände, wie jemand gestorben ist. Es ist für viele Menschen etwas anderes, wenn ein alter Mensch stirbt, der schon lange Zeit krank und schwach war, oder der Tod jemanden mitten aus dem aktiven Leben reißt.

So reagieren Kinder beim Tod eines geliebten Menschen:

Neun Monate bis ein Jahr:

Ist ein Kleinkind in dieser Zeit mit einem Verlust konfrontiert, erfährt es ihn durch die traurige Stimmung und die Gefühle der Eltern.

Ein bis zweieinhalb Jahre:

Kinder dieses Altersabschnittes dehnen ihre Beobachtungen von belebt bzw. unbelebt auf Pflanzen und Tiere aus und differenzieren sie weiter. Tod sein wird als Analogie zu Schlafen, Trennung oder Reise empfunden. Die Redewendung "er ist entschlafen" kann deshalb bei Kindern Ängste vor dem Einschlafen auslösen.

Zweieinhalb bis drei Jahre

Kinder können die Endgültigkeit des Todes noch nicht erfassen. In Rollenspielen, wenn sie etwa einen Verkehrsunfall inszenieren, sagen sie in diesem Alter häufig: "Du bist jetzt schnell tot und dann aber gleich wieder lebendig.". Dreijährige Kinder, die den Verlust einer engen Bezugsperson erleben, haben manchmal bereits klare Vorstellungen von Tod.

Drei bis fünf Jahre

In dieser Lebensphase heißt tot sein für Kinder reduziertes Leben. Die Todesursache suchen sie vorwiegend in äußeren Faktoren wie Unfall und Gewalt. Körperliche Krankheiten werden noch nicht als Todesursache anerkannt. Kinder unter fünf Jahren können den eigenen Tod noch nicht reflektieren.

Fünf bis acht Jahre

In diesem Zeitraum erfasst das Kind den Tod zuweilen als etwas Endgültiges. Manchmal wird der Tod personifiziert. Es besteht auch die Vorstellung, dass die Verstorbenen wieder zurückkommen. Kinder diese Altersabschnittes haben eine ausgeprägte, nicht selten personifizierte Vorstellung vom Tod: als Schnitter, Engel, Sensemann oder Gerippe, oder auch, berühmtes Beispiel, als Erlkönig (Goethe).

Neun bis zwölf Jahre

Ab diesem Alter verfügen die meisten Kinder (wenn sie gesund sind

über eine genaue Vorstellung von der Endgültigkeit des Todes. Oft wird der Tod als Strafe für etwas Schlechtes aufgefasst, das der Tote oder die trauernden Angehörigen getan haben mögen. Ganz anders ist es, wenn die Kinder selbst lebensbedrohlich erkrankt sind. Der Tod kommt und nimmt sie mit.

Jugendliche ab 12 Jahren

Die Todesvorstellung Jugendlicher ist geprägt von der Erwachsenenwelt. Diese Auseinandersetzung kann sich in Form des Opponierenden ("ich denke anders") wie auch in der Position des Übernehmenden ("das glaube ich auch") zeigen. Der Begriff des Lebens wird Pflanzen, Tieren und Menschen zugeordnet. Jugendliche

können zwischen Formen des Lebendigen unterscheiden, zwischen eigenem Ich und der übrigen Realität. Sie können die Endgültigkeit und die weitreichende, unausweichliche, emotionale Bedeutung des Todes erkennen. Alle wesentlichen Denkmuster, die auch Erwachsene haben, sind ihnen in der Regel zugänglich. Jugendliche können sowohl in rau formulierter Abwehr ihr eigenes Unbehagen am Tod formulieren als auch, eine ihnen häufig zugeschriebene Sichtweise, sich eher ein skeptisch-sachliches Bild von einem zu konstatierenden Lebensende machen.

Gedanken an den eigenen Tod können in sehnsüchtiger Assoziation mit dem selbstgewählten Suizid als Bestrafungsphantasie, z. B. gegenüber der Eltern, ausgekostet werden (Bsp. Tom Sawyer). Aber auch häufig auftretende, von morbider Faszination geprägte Nachfolgewunsch und Totenkult bekannter (Jugend-) Idole wie bspw. im Falle Curt Cobains. All dieses Verhalten kann, muss jedoch nicht auch auf Unsterblichkeitsphantasien beruhend beschrieben werden.

Erwachsene Menschen versuchen nicht immer erst nach dem Tod einer Person die Kinder zu schützen, sondern auch während der Zeit, in der absehbar ist, dass jemand stirbt. Kinder dürfen beispielsweise die todkranke Person nicht im Krankenhaus besuchen oder an deren Beerdigung teilnehmen. Oft wird angenommen, dass sie dafür noch zu klein sind. In vielen Fällen ist es sicher richtig, dass Kinder Beerdigungen noch nicht verarbeiten oder verstehen können, aber das muss jeder Erwachsene für sich und das Kind selbst entscheiden.

Der Todesfall verändert das Leben von Kindern und Jugendlichen. Oft verleihen sie ihren Schmerz nicht verbal, sondern in Zeichnungen oder Rollenspielen Ausdruck, Kleinere beispielsweise durch die Beerdigung von Puppen. Manchmal sind sie auch wütend auf den Verstorbenen, weil er sie verlassen hat, oder sie geben sich selbst die Schuld an dessen Tod.

Egal, wie Kinder und Jugendliche auf den Tod reagieren, es ist wichtig, dass sie unterstützt werden. Ihrer Trauer muss aufmerksam zugehört und auf Ablenkungsmanöver und einfache Trostversuche verzichtet werden. Sie benötigen intensive Zuwendung der überlebenden Angehörigen und Freunde. Das Alter der Trauernden spielt dabei keine Rolle.

 

4. Die Einstellung der Jugendlichen zu Beerdigungen

Die Glocken der Friedhofskapelle läuten, und mit langsamen Schritten geht der Pastor auf die Gemeinschaft zu, die sich schon schweigend am Grab des Verstorbenen versammelt hat. Auf dem Friedhof herrscht eine bedrückende Stimmung. Der Pastor wünscht den Anwesenden sein Beileid, tritt ans Grab und beginnt Texte zu verlesen und Worte über den Verstorbenen zu sagen. In den meisten Fällen ist es so, dass der Pastor den Verstorbenen kaum oder gar nicht kennt und somit auch wenig über ihn weiß. Auch die Trauergesellschaft setzt sich oft aus vielen Menschen zusammen die den Verstorbenen kaum kannten, und sich gesellschaftlich dazu verpflichtet fühlen, diese Beerdigung aufzusuchen.

Die meisten Jugendlichen die wir zu diesem Thema befragt haben konnten sich in diesem "normalen" Verlauf einer Beerdigung nicht wiederfinden. Viele von ihnen haben mit der Kirche nicht viel zu tun, mögen deshalb keine Kirchenlieder und meinen, dass auf ihrer Beerdigung Lieder gesungen oder gespielt und Texte verlesen werden sollten, die ihnen während ihres Lebens etwas bedeutet haben. Außerdem würde es ihnen besser gefallen, wenn gute Freunde die ihnen im Leben nahe standen, etwas über sie erzählen würden und nicht ein Pastor, der sie nicht kennt.

Ein anderer Teil der befragten konnte sich überhaupt nicht vorstellen, begraben zu werden und dann von den Würmern zerfressen zu werden. Sie bevorzugen es, sich verbrennen zu lassen und dann die Asche von guten Freunden oder der Familie im Meer verstreuen zu lassen.

Alle meinten jedoch, dass es aufs Alter ankäme, in dem sie beerdigt werden. Wenn man als alter Mensch stirbt, legen sie nicht ganz so viel Wert auf den Verlauf der Beerdigung.

Wenn sie jedoch in jungem Alter sterben sollten, ist es für sie sehr wichtig, dass all ihre Freunde sich am Grab noch ein letztes mal verabschieden.

Hier möchten wir nun eine der Antworten veröffentlichen, die vielen anderen entspricht. Sie wurde von einem 18 jährigen Jungen geschrieben. Wir haben ihn gefragt, wie er sich seinen Beerdigung vorstellt. Er antwortete folgendes:

"Ich habe lange überlegt, um darauf eine Antwort zu finden, aber eine wirklich gute ist mir nicht eingefallen. Also ich denke, es kommt darauf an, wie alt man ist wenn man und woran man stirbt. Wenn ich jung sterben würde, wäre es nicht so leicht, das zu sagen. Wenn man älter ist, wäre es vielleicht schön, wenn man das, was man erreicht hat, irgendwie auch dann noch spüren könnte. Aber trotzdem sollte das ganze nicht pompös werden. Das wäre irgendwie unpassend. Ich muss vielleicht sagen, dass ich noch nie auf einer Beerdigung war, auch wenn es schon viele gab, wo ich sicherlich hätte hingehen können. Aber ich bin nie dabei gewesen.

Manchmal ist es aber auch besser, den Menschen so in Erinnerung zu behalten, wie man ihn am liebsten hatte und nicht, wie er beispielsweise im Krankenhaus aussah, oder sogar beim letzten Blick in den Sarg. Das hält den Menschen irgendwie lebendig.

Wobei der Tod an sich sowieso eine komische Sache ist. Rein biologisch betrachtet total verständlich und durchaus nützlich, wenn man das mal nüchtern betrachtet. Aber wir können das als Menschen eben meistens so nicht akzeptieren. Warum sollte das Leben plötzlich aufhören? Und kommt danach noch etwas? Auch daran habe ich gedacht, als ihr mich das hier gefragt habt.

Man könnte sich ja auch verbrennen lassen, oder einfrieren oder so. Da gibt es ja mittlerweile genug Sachen. Ich würde mich jedenfalls nicht verbrennen lassen, wenn ich jetzt jung sterben würde. Ich will in keine Urne und schon gar nicht, hier zu Hause ins Regal gestellt werden. Das wäre auch für die Familie zu hart.

Bei meiner Beerdigung müsste irgendein Lied gespielt werden, das mir im Leben irgendetwas bedeutet hat. Ich wüsste jetzt keins, aber es müsste auch kein trauriges oder dramatisches sein.

Eigentlich glaube ich kann ich gar nicht richtig sagen, wie das aussehen sollte, aber auf jeden Fall würde ich mich vorher von allen verabschieden wollen und es wäre vermutlich gut zu wissen, dass auch Freunde am Grab stehen würden und noch einmal Abschied nehmen würden".

 

5. Was kommt nach dem Tod?

So unterschiedlich wie die Trauer der Kinder ist, kann auch die Trauerarbeit der Jugendlichen ausfallen. Auch hier begreifen sie oft nicht, warum eine Person gestorben ist. Sie erkennen zwar die Endgültigkeit des Todes, ihre Vorstellungen von dem "was danach kommt" sind sehr unterschiedlich. Wenn ein alter Mensch stirbt, können sie es eher akzeptieren, als wenn ein jüngerer praktisch "aus dem Leben gerissen" wird. Auch wenn er eine schwere Krankheit hatte, ist es für sie schwer akzeptabel. Es kommt bei der Trauerarbeit oft darauf an, wie sehr sich die Jugendlichen bisher mit dem Tod beschäftigten. Die Reaktionen auf den Tod eines Menschen aus dem engerem Umkreis reichen vom Zusammenbruch bis zur scheinbaren Gleichgültigkeit. Es ist ihnen meist aber auf gar keinen Fall gleichgültig. Sehr oft beschäftige sich Jugendliche erst mit dem Tod, wenn er sie bzw. einen Bekannten oder Verwandten trifft. Einige resignieren, andere schöpfen Hoffnung oder werden wütend.

An diesem Punkt stellt sich unsere Gruppe die Frage, auf wen sie wütend werden und welche Fragen sich den Jugendlichen auftun. Schon kleine Kinder fragen sich , warum Menschen überhaupt sterben müssen, oder warum Gott auch junge Menschen sterben lässt. Bei den Jugendlichen, aber auch bis ins späte Erwachsenenalter ist dies nicht anders. Oft beschäftigen sich Jugendliche mit denselben Dingen wie Kinder, obwohl sie die Sache viel klarer überschauen können. Trotzdem ist es durchaus möglich, dass ein Kind den Tod besser verarbeitet als ein Teenager. Kinder und Jugendliche sind, von Ausnahmen abgesehen, auch bei der Trauerarbeit, wie auch bei anderen heftigen Emotionen, auf Bewegung angewiesen. Dies ist dann kein harmloses oder "verdrängtes" Spiel, sondern aktive und notwendige Bewältigungsstrategie und Prävention weitergehender oder länger andauernder Störungen. Generell gilt, dass Kinder und Jugendliche anders trauern als Erwachsene. Sie "springen" in ihre Trauer hinein und heraus, sie drücken ihre Trauer nicht immer in Worte aus, sie weinen, spielen, malen, schreien oder sitzen stundenlang einfach nur so da. Das heißt aber nicht, auch wenn es äußerlich vielen Menschen so erscheint, dass sie nicht trauern oder dass ihnen alles egal ist. Meistens ist es auch so, dass Jugendliche erst nach der Beerdigung eines Menschen "richtig" trauern können, da sie es vielleicht erst dann realisieren und wissen, dass alles so endgültig ist. Oft finden sie auch dann erst ihre "Ruhe".

Auch wenn die meisten Menschen nicht verstehen können, dass auch junge Menschen sterben können, und wütend auf Gott werden und ihm die Schuld daran geben (Theodizee), befragen sie sich aber auch mit den Dingen, die danach passieren. Wie sieht diese "Danach" aus? Was passiert mit den Toten. Auch wenn für viele Menschen die Religion keine große Rolle spielt, befassen sie sich dennoch – bewusst oder auch unbewusst – mit ihr. Jesus ist nach seinem Tode auferstanden. Passiert das mit den Toten auch? Kommen sie in den Himmel? Sind sie bei Gott? Sehen wir uns alle nach dem Tod wieder? Gibt es ein "richtiges" Leben nach dem Tod? Wo geht die Seele eines Menschen hin? Werden wir alle Engel werden? Obwohl diese Frage auf den ersten Blick vielen Menschen kindlich erscheinen werden, beschäftigen sich viele Jugendliche und Erwachsene mit ihnen. Es kommt ganz auf den Charakter oder den Lebenswandel des Jugendlichen an, wie er diese Fragen für sich selbst beantwortet.

Es gibt natürlich auch junge Menschen, die den Tod ganz realistisch als Abschnitt des Lebens ansehen und ihn ohne wenn und aber akzeptieren. Für die meisten ist das aber nicht so leicht, obwohl auch sie den Tod als natürliches Lebensende ansehen.

Die meisten befragten Jugendlichen glaubten zwar, dass es nach dem Tod noch "irgendwie weitergeht", aber an Auferstehung mochten sie nicht recht glauben. Sie kommen in den Himmel und ihre Seele oder ihr Geist würde aufsteigen. Auf unser Argument, dass das doch eigentlich eine Auferstehung sei, konterten sie sofort, dass man bei einer Auferstehung wieder zurück auf die Erde kommt, so wie Jesus. Wenn man ihnen sagte, dass dies eine Art Wiedergeburt sei, hatten sie bald keine Lust mehr uns zu antworten. Diese Verhalten zeigt, dass Jugendliche in einer bestimmten Weise mit der christlichen Religion verbunden sind, obwohl sie es selbst oft gar nicht glauben. Ihnen wurde meist im Kindesalter erzählt, dass man nach dem Tod in den Himmel kommt. Das bleibt immer noch haften. Es gab jedoch auch Jugendliche, die fest daran glaubten, dass sie nach dem Tod in den Himmel kommen und sich alle dort wiedersehen würden. Einige hatten auch ihre ganz eigene Definition von Auferstehung. Ein Mädchen sagte uns: "Auferstehung ist, wenn man den Verstorbenen immer im Gedächtnis behält. In unseren Gedanken lebt er weiter".

Fest steht, dass die meisten Jugendlichen glauben, dass man nach dem Tod in irgendeiner Weise in den Himmel kommt. Auferstehung verbinden sie oft mit Wiedergeburt. Obwohl sie es nicht wissen oder vielleicht auch nicht wahrhaben wollen, glauben sie an gewisse christliche Grundsätze. Trotzdem ist Religion in der heutige Zeit bei den Jugendlichern eher "out". Umso erstaunlicher ist es, dass sie dennoch an eine Art Auferstehung glauben.

 

6. Sterbehilfe - hat der Mensch auch ein Recht auf den Tod?

Seit Jahren ist die Sterbehilfe ein starker Diskussionspunkt um das Thema Tod.

Unter Sterbehilfe, auch Euthanasie (aus dem griechischen "leichter Tod") genannt, versteht man die Erleichterung des Sterbens bei Menschen, die an qualvollen Krankheiten leiden und die kein lebenswertes Leben mehr führen können. Bei uns in Deutschland wird damit meistens der Zeitpunkt assoziiert, an dem ein Mensch nur noch weiterleben kann, wenn er an mehrere medizinische Geräte angeschlossen ist.

In Deutschland ist diese Hilfe zum Tod zur Zeit in der Diskussion. In den Niederlanden gibt es seit kurzer Zeit ein Gesetz, welches die Sterbehilfe zulässt, eine Entscheidung über dieses Thema zu treffen fällt jedoch schwer.

Die Problematik liegt darin, zu entscheiden, wann es zu rechtfertigen ist, einem Menschen den Tod zu erleichtern beziehungsweise zu welchem Zeitpunkt ein Mensch kein lebenswertes Leben mehr führt.

Ein generelles Gesetz für das Problem, welches individuell verschieden auftritt, zu finden, ist schwierig.

Wann ist die Sterbehilfe eine Hilfe und wann nicht etwa "Mord"? Hat der Mensch ein Recht auf Selbstmord und somit auf Beihilfe zum Tod, wenn er selbst nicht mehr dazu in der Lage ist, sein Leben zu beenden?

In Deutschland löst schon allein das Wort "Euthanasie" bittere Gefühle aus. Denn innerhalb des Nationalsozialismus wurden unter diesem Begriff mehr als 100.000 behinderte Kinder und Erwachsene getötet.

Geistig behinderte Menschen als nicht lebenswerte Personen zu bezeichnen steht heutzutage nicht im Sinn der Befürworter von Sterbehilfe und trotzdem zeigt sich hier die Problematik der Frage, wann ein Leben nicht mehr wertvoll ist. "Lebenswert" ist ein Begriff, den jeder Mensch für sich selbst verschieden definiert und kann somit nicht zur Lösung des Problem beitragen.

Hinzukommend sind Kritiker der Sterbehilfe der Auffassung, dass man auch durch Pflege und Zuwendung schwerkranken Menschen ein lebenswertes Leben ermöglichen kann. Sie sehen die Sterbehilfe also nicht als Hilfe, sondern als Bequemlichkeit bei der Lösung von Problemen an.

Auch wenn sich in der Politik im Moment der Trend abzeichnet, dass es kein Gesetz zur Sterbehilfe geben wird, waren die Jugendlichen, die wir innerhalb unserer Recherche befragt haben eher positiv gegenüber dieser eingestellt.

Die Würde des Menschen wird gefährdet, wenn er beispielsweise nur noch an Geräten angeschlossen weiterleben kann, und er hat somit ein Recht darauf, sterben zu dürfen, waren ihre Argumente. Nur wenn man wirklich davon ausgehen kann, dass eine Chance darauf besteht, dass der Mensch durch diese Maßnahmen wieder zur Gesundheit kommen kann, darf nach ihrer Meinung auf Sterbehilfe verzichtet werden.

Auch nach unserer Auffassung ist es durchaus nicht sinnvoll, einen todkranken Körper zum Leben zu zwingen. Es sollte nicht versucht werden, den Tod zu bekämpfen, denn irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem er eintritt. Anstatt einen Menschen unnötigen Qualen auszusetzen, sollte versucht werden, die Fortschritte in der Medizin sinnvoll einzusetzen. Nämlich dort, wo ein Mensch wieder gesund werden kann.

 

7. Den Tod abschaffen?

Der Tod gehört also zum Leben dazu, wann auch immer er eintritt. Durch die Weiterentwicklung der Technik und durch die Fortschritte in der Medizin werden die Menschen jedoch älter, und mit den neuesten Entwicklungen in der Gentechnologie könnte der Mensch in der Zukunft vielleicht unsterblich zu werden. Ein Leben ohne Tod, ist denn das vorstellbar? Und haben wir überhaupt das Recht dazu, so starke Eingriffe in die Natur vorzunehmen?

Ewig zu leben, diese Vorstellung fesselt die Menschen schon seit Jahrhunderten.

In dem mehrfach vertonten Song "Forever Young", entspricht das ewige Leben als junger Mensch einer Wunschvorstellung. In alten Geschichten wie dem "Fliegenden Holländer", in denen ein Mensch zum ewigen Leben verdammt ist, wird es als grausame Strafe mit starken Qualen interpretiert, von dem die einzige Erlösung der Tod sein könnte.

Ewig zu leben, dass hätte sicherlich wünschenswerte Aspekte. Man kann viele verschiedene Dinge entdecken und kann sehen, wie sich die Welt um einen herum entwickelt. Man hätte außerdem die Möglichkeit in verschiedene Rollen zu schlüpfen, viele Sachen einfach auszuprobieren. Kaum jemand hat nicht den Wunsch, miterleben zu können, wie sich seine Kinder entwickeln.

Aber für immer leben? Die Unendlichkeit ist unvorstellbar. Alles, was dem Menschen im Lebensalltag begegnet, ist endlich. Ein Leben für die Ewigkeit kann sich schon deswegen niemand vorstellen. Aber wäre es abgesehen davon, dass die Vorstellung mysteriös und spannend ist, nicht auf die Dauer doch eher langweilig?

Die meisten Jugendlichen, die wir zu diesem Thema befragt haben, hatten keine einseitige Meinung, sie haben differenziert. Ein langes Leben haben sich alle gewünscht. Und viele mussten auch erst lange über diese ungewöhnliche Frage nachdenken. Für immer zu leben schien im ersten Moment recht ansprechend zu sein, es wurde meist erst einmal mit grenzenloser Freiheit verbunden.

Aber selbst wenn der Tod bei jungen Menschen meist kein wohliges Gefühl auslöst, wissen sie auch, dass er existent ist.

Egal, ob man an einen Gott glaubt, der den Tod erfunden hat, oder ob man es für das logische Verhalten der Natur hält, schon alleine die Existenz des Todes führt zu dem Schluss, dass er einen Sinn haben muss.

Erstens verhindert der Tod, dass die Welt überbevölkert. Das ist wohl der natürlichste Sinn des Todes. Wir haben nicht das Recht, den Kreislauf von Leben und Tod zu unterbrechen, denn unsere Kinder müssen auch die Freiheit besitzen können, sich frei entfalten zu können.

 

 

 

Aber auch wenn man von so rationalen Fakten wie Überbevölkerung absieht, 400 Jahre alte Menschen können das Gesicht der Welt nicht mehr verändern. Das Leben wäre über Jahrzehnte hinweg immer der gleiche Trott.

Wie soll sich ein so alter Mensch auch noch über das Leben freuen können? Der 200. Frühling im Leben weckt bestimmt keine Frühlingsgefühle mehr, und was man auch tut, nach so vielen Jahren, wird es wohl nichts geben, was noch eine starke Begeisterung hervorrufen könnte.

Ein Leben ohne diese Gefühle kann aber nicht sinnvoll sein.

Das Leben verliert seinen Zweck, wenn der Tod fehlt. Zu wissen, dass das Leben endlich ist, unterstützt den Menschen, es auch wirklich zu nutzen. Wenn man sich für alle wichtigen Dinge so viel Zeit nehmen könnte, wie man wollte, dann würde der Mensch in Ewigkeit auf der Stelle treten und der Tod könnte tatsächlich eine Erlösung sein.

Der Gedanke daran, dass Wissenschaftler prophezeien, dass der Tod in der Zukunft "abgeschafft" werden kann, graust uns.

Der Tod ist keine Sache, die man sich herbei sehnt. Trauer und Verzweiflung bei den Zurückgebliebenen und die Angst vor dem Tod bei uns selbst sind keine positiven Gefühle. Und doch sind wir der Überzeugung, dass er einen Sinn ergibt und dass er ein Teil des Lebens ist. Deswegen sollte das ewige Leben auf Erden weiterhin in unserer Phantasie bleiben und nicht zur Wirklichkeit werden.

 

 

8. Reflexion

 

Nachdem unser Thema feststand, haben wir darüber nachgedacht, wie wir an Informationen gelangen können. Als bester Weg erschien uns das Befragen unserer Freunde und Bekannte. Hier stießen wir auf die ersten Schwierigkeiten, da das Thema Tod sehr privat ist und man selbst die Leute, die man sehr gut kennt, nicht darauf ansprechen mag. Viele von ihnen wollten über dieses Thema nicht so gerne nachdenken oder waren gerade unmittelbar vom Tod betroffen. Sogar bei uns selbst löste das Thema eine bedrückende Stimmung aus, so dass wir das Verhalten unserer Freunde verstehen konnten und wir sie nicht überrumpeln wollten.

Bei der Auswertung ist uns aufgefallen, dass die meisten unabhängig voneinander die gleichen Antworten gegeben haben.

Alle Themenbereiche, die mit dem Tod in Verbindung stehen, lösen bei den meisten Menschen Angstgefühle aus, weil sie nicht genau wissen, was nach dem Tod folgt.

 

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