Jugend&Kultur&Religion
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Star Wars – Ein Science Fiction Epos als Ersatz-Religion oder Die Saga der religiösen Verknüpfungen
Verfasser: Ulf Lepelmeier
INHALTSVERZEICHNIS I . VORWORT II . BEARBEITUNG ANHAND DES NEUESTEN STAR WARS FILMS III . ANALYSE UND INTERPRETATION IV. ZWEI GEGENSÄTZLICHE KULTUREN MIT UNTERSCHIEDLICHEN RELIGIONSVERSTÄNDNISSEN
VII. ANHANG ( BILDMATERIALIEN ) I. Vorwort Im Jahr 1977 gelingt es einem jungen Regisseur namens Georg Lucas, endlich einen Financier für seinen ersten Film zu finden, der einen Stil und ein Thema beinhaltete, welches schon lange aus der Mode gekommen zu sein und kein Publikum mehr anzusprechen schien. Niemand, nicht einmal er selbst, rechnete damit, dass der Film ein Erfolg werden könnte, geschweige denn eine Sensation.Aber es wurde eine Sensation. Das Star Wars Fieber brach aus und machte den ersten Film der Star Wars Trilogie (der heute den vierten darstellt) zu einem der erfolgreichsten Kinofime aller Zeiten. Und damit nicht genug wurden auch die Nachfolgefilme der von vornherein geplanten Trilogie `Das Imperium schlägt zurück` (1980) und `Die Rückkehr der Jedi-Ritter` (1983) zu Blockbustern. Zwanzig Jahre nach Erscheinen des ersten Filmes bewies dann das überwältigende Echo einer ganz neuen Generation von Kinobesuchern auf die Special Edition aller drei Filme, dass Lucas` Weltraumepos auch in den späten neunziger Jahren noch genauso populär war wie in den Siebzigern und Achzigern. Seine für heutige Verhältnisse technisch veralteten Filme schafften es, Generationen zu begeistern und zu verbinden. Doch was macht die Filme, das Epos Star Wars insgesamt zu diesem generationsverbindenden Ereignis, was fasziniert die Menschenmassen so daran, dass sie gar von einer `Star Wars Religion` sprechen und das trotz der schlechten Kritiken, die jeder Star Wars Film über sich ergehen lassen musste. Die Kritiker brachten ihre Geringschätzung zum Ausdruck mit Bemerkungen wie z.B.: - niedliche Unterhaltung - Märchen für Kinder - Infantilisierung des Kinos - galaktisches Cowboy- und Indianer-Spiel Aus diesem Zwiespalt ergibt sich für mich die Frage: Warum sind die Star Wars Filme kommerziell so erfolgreich, d.h. warum zieht es so viele Menschen immer wieder in die Kinos, um sie anzusehen? Allein die ersten drei Star Wars- Filme spielten an den Kinokassen weltweit 1,3 Mrd. Dollar ein.1 Wie kommt es, dass aus vielgeschmähter Trivialität letztendlich ein Triumph wird ? Um zunächst auf den Begriff der Trivialität einzugehen, sollte man sich von der Wortbedeutung her klarmachen, dass hier keineswegs das Negativ-Image dominiert, das man zunächst assoziiert: alltäglich seicht trivial = platt einfach unproblematisch gewöhnlich
Trivial-Literatur = niedrigste Stufe der Unterhaltungs-Literatur
Vielmehr sollte man sich vergegenwärtigen, dass `trivial` vom Begriff `Trivium` abgeleitet ist. Wobei das Trivium (aus der griechischen Sprache stammend) im Mittelalter den sprachlichen Teil der sieben freien Künste, nämlich: GrammatikRhetorik Dialektik
bildete, `des freien Mannes würdige Kenntnisse und Fertigkeiten`. Heute könnte man diese Fähigkeiten auch als `Basis-Qualifikation` bezeichnen. Wenn man also Trivialität als Mittel sieht, die Basis des Menschen anzusprechen, durch : Aufnahme populärer Themen Abzielen auf direkte Wirkungen genaue Verwendung konstanter Grundmuster,
dann ist dieses sicherlich eine legitime und nicht verwerfliche Intention. Entnimmt man also der Beschreibung von `Trivialität` diese Basis-Aspekte, so stellt man fest, dass es sich hier um den Zugang zum Menschen auf der Ebene der Emotionen handelt, auf der auch die Mythen und Religionen angesiedelt sind. Paul Tillichs Definition von Religion, als "im weitesten und tiefsten Sinne des Wortes das, was uns unbedingt angeht"1, greift genau diesen Gedanken wieder auf. Will man mit einem (Kunst)Werk/Film möglichst viele Menschen erreichen, so muss man irgendetwas in ihrem Inneren ansprechen und zum Schwingen bringen, etwas was sie anrührt und betroffen macht. Betroffenheit auch in Form von Sensibilität (im positiven Sinne) ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Natürlich ist es unter Film-Autoren kein Geheimnis, dass dieses Ziel (Menschen durch Betroffenheit anzusprechen), erreicht werden kann, indem man im kommerziellen Film mythologische bzw. religiöse Elemente einsetzt. Dieses Schema wurde in Star Wars auf die Spitze getrieben, so dass ein Science Fiction Universum entstand, welches dem Zuschauer trotz des futuristischen Touches bekannt vorkommt und anspricht, da es auf Religion, Mythologie und Geschichte der Menschheit basiert. Aber nicht nur das Einbeziehen der tradierten Mythen und ihrer Strukturen haben Star Wars zum Triumph geführt, sondern Georg Lucas hat es außerdem verstanden, den Zeitgeist so einzubeziehen, dass die Menschen sich mit der Handlung und Darstellung identifizieren konnten. Im Zeitalter der industriellen Revolution und der beginnenden Raumfahrt wird die Technik ebenso rasant dargestellt und ihre weitere Entwicklung antizipiert, wie auch die notwendige Rückbesinnung auf das Natürliche. Auch die Suche nach einem Religions-Ersatz und damit die Faszination der Vorstellung außerirdischen Lebens findet hier Befriedigung. Und genau diesem Religionsersatz, den viele Menschen in Star Wars gefunden zu haben scheinen, soll in diesem Referat auf den Grund gegangen werden. Welche religiösen Elemente werden übernommen, aus welchen Religionen stammen sie und vor allem warum setzt der "Schöpfer der Filme" sie in dem jeweiligen Kontext ein ?
II. Bearbeitung anhand des neusten Star Wars Films Um die religiösen Inhalte aufzuzeigen, zu beschreiben und letztlich auch auf die Frage des Religionsersatzes einzugehen, habe ich den neusten Star Wars Film, der im Jahre 1999 in den Kinos zu sehen war, als charakteristisches Material ausgewählt. Ich entschied mich für Episode 1 The Phantom Menace (Die dunkle Bedrohung) ,da dieser Film den nachgeschobenen ersten Teil der bereits erschienenen Trilogie darstellt, damit den wirklichen Anfang der Saga behandelt und somit auch spezifisch für die anderen Teile (vier, fünf und sechs) stehen kann.1 Um eine bessere Übersicht zu erhalten, fasse ich den kompletten Inhalt des gewählten Filmes kurz zusammen.2 Eine Unruhewelle erschüttert die einst so stabile Galaktische Republik.die Besteuerung der Handelsrouten zu äußeren Sternensystemen wird gestritten und die mächtige und gierige Handelsföderation hofft, die Angelegenheit allein durch Gewalt und Einschüchterung bereinigen zu können.Eine Blockade mit Kriegsschiffen hält den kleinen, friedlichen Planeten Naboo im Würgegriff, aber dennoch weigert sich dessen Herrscherin, Königin Amidala, die Forderungen der Föderation zu erfüllen. Zwei Jedi-Ritter, Qui-Gon Jinn und sein Schüler Obi-Wan Kenobi erhalten vom Präsidenten der Republik den Auftrag, den Konflikt auf diplomatischen Wege zu lösen, bevor die Spannungen eskalieren. Die Jedi-Ritter erwarten zunächst einfache Verhandlungen mit dem Vizekönig der Föderation, aber es sind dunkle Mächte am Werk. Die Handelsföderation wird von einer finsteren Gestalt kontrolliert, die nur in einem Hologramm zu sehen ist – dem Meister der dunklen Macht Lord Darth Sidious. Als dieser erfährt, das sich die Jedi-Ritter der Angelegenheit angenommen haben, befiehlt Sidious dem Vizekönig Nute Gunray, die beiden zu töten und mit der Invasion Naboos zu beginnen. Die Jedi-Ritter entkommen nur knapp dem Kriegsschiff der Föderation, versteckt auf einem der Landungsschiffe, das sie auf dem Planeten zusammen mit den Invasoren absetzt. Verfolgt von feindlichen Truppen, machen die Jedi-Ritter die Bekanntschaft von Jar Jar Binks, einem Gungan, dessen amphibische Spezies unter Wasser und isoliert von der das Festland bewohnenden Bevölkerung Naboos lebt. Unter der Führung von Bose Nas verweigern die Gungans aber jede Unterstützung gegen die Invasion der Handelsföderation. Mit dem ausgestoßenen Jar Jar verlassen die Jedi-Ritter die Unterwasserstadt und fahren nach Theed, dem Regierungssitz Naboos. Dort angekommen kann Qui-Gon Königin Amidala davon überzeugen, ihre Situation dem Galaktischen Senat in Coruscan vorzutragen.Die Jedi-Ritter, Jar Jar, die königlichen Dienerinnen, der Leiter der Sicherheitskräfte von Naboo, Captain Panaka und der Pilot Ric Olie flüchten von dem Planeten im Privatschiff der Königin. Schäden, die das Schiff bei der Flucht erlitten hat, zwingen zur Landung und Reparatur in Tatooine. Dort begegnet Qui-Gon einem Sklavenjungen namens Anakin Skywalker – ein Junge in dem die Macht ungewöhnlich stark ist. Eine Wette mit Watto, dem Besitzer des Jungen und Anakins Sieg beim Podrennen verschaffen Qui-Gon die Ersatzteile, die er braucht, um das Schiff zu reparieren und dem Jungen die Freiheit zu schenken. Weil Anakins Mutter die außergewöhnlichen Fähigkeiten ihres Kindes erkennt, läßt sie ihn zusammen mit Qui-Gon Tatooine verlassen. Qui-Gon ist davon überzeugt, dass der Junge der Auserwählte ist, der die Macht wieder ins Gleichgewicht bringen kann. Die Gruppe um Anakin erreicht Coruscan, die Hauptstadt der Republik, wo sich Königin Amidala mit dem Senator von Naboo, Palpatine, berät und den Senat bittet, die Aggression der Handelsföderation zu stoppen. Aber aufgrund von Parteistreitigkeiten zwischen den Senatoren kommt die Republik Naboo nicht zu Hilfe. Worauf die junge Königin einen Misstrauensantag gegen den jetzigen Kanzler stellt, was Neuwahlen zur Folge hat, bei denen der Senator von Naboo als aussichtsreicher Kandidat gehandelt wird. Unterdessen beschließt die Königin, auf ihren Planeten zurückzukehren, der jetzt von der Armee der Föderation besetzt ist, um auf eigene Faust gegen die Invasoren zu kämpfen. Auch Qui-Gons Vorhaben, Anakin als seinen Schüler im Umgang mit der Macht auszubilden, scheitert. Nachdem er Anakin dem Rat der Jedi- Ritter vorgestellt und um Erlaubnis gebeten hat, ihn zum Jedi- Ritter auszubilden, wird sein Antrag abgewiesen, weil die Ratsmitglieder eine dunkle Seite in ihm zu spüren glauben. Zurück auf Naboo gewinnen die Königin und die Jedi- Ritter die Unterstützung der Gungans und kämpfen gegen die Droidenarmee der Föderation. Trotz zahlenmäßiger und vor allem technischer Unterlegenheit liefern die Gungans mit viel Mut und Kreativität der Armee eine heftig Schlacht auf dem Festland. Ein Flugangriff der Raumjäger auf das Nervenzentrum der föderierten Kriegsschiffe macht die Droiden auf dem Festland kampfunfähig, und die Streitkräfte der Föderation werden geschlagen. Doch der Tod von Qui-Gon, der in einem Lichtschwertduell mit Darth Sidious bösem Schüler, Darth Maul, ums Leben kommt, überschattet den Sieg für den trauernden Obi-Wan. Dieser schlüpft in die Rolle eines Vollwertigen Jedi- Meisters und löst das Versprechen gegenüber seinem ermordeten Lehrer ein, Anakins Lehrmeister zu werden. Mit einem Siegeszug in den Straßen von Theed endet das erste Kapitel des neuen Star Wars Epos. III. Analyse und Interpretation Zuerst möchte ich auf die Charaktere des Films eingehen, denen, wie bei Star Wars Filmen üblich, die Gesinnung von vornherein äußerlich anzusehen ist. Das Hauptthema aller Star Wars Filme ist immer der Kampf zwischen Gut und Böse. Sowohl die gute Seite als auch die böse Seite ist erfüllt von der Macht, die sie jeweils unterschiedlich nutzen und einsetzen. Die Macht ist die zentrale Basis des Films, sie bestimmt den Lauf der Dinge im Star Wars Universum und befähigt Menschen bzw. andere Wesen spezielle Fähigkeiten zu entwickeln. Allerdings muß ein Träger der Macht in ihrem Umgang trainiert werden, um sie effektiv nutzen zu können. In Episode 1 wird die Macht als die Verbindung zwischen dem Körper und den im Körper lebenden Kleinstlebewesen, Midikloreaner genannt, definiert. Viele Star Wars- Fans fanden diese Erklärung zu "lächerlich und unspektakulär"1. Deshalb ziehen viele die mystischen Worte Jodas, eines mächtigen Jedi-Ritters, in Episode 5 als Definition der Macht vor : "...sie umgibt uns, durchdringt uns, sie hält die Galaxis zusammen... sie ist überall"2. Wenn man von dieser Definition der Macht ausgeht, kann man sie auch mit dem christlichen Bild Gottes vergleichen. Wie die Macht in Star Wars ist Gott immer bei uns, umgibt uns, spendet Kraft und Hoffnung (vgl. PS 139). Doch Gottes Worte hören, einsetzen und verbreiten konnten nur die Propheten und man kann demnach die Jedi-Ritter als Propheten sehen, die die `Macht`, gleichgesetzt mit der Anwesenheit Gottes, wirklich spüren und wahrnehmen können, zugleich haben sie hellseherische Fähigkeiten, die an die Prophezeihungen der Propheten erinnern (vgl. z.B. Der Brief Jeremias). Insofern kann man die Jedi- Ritter als ´Propheten der Macht´ sehen, doch ich meine, dass- wenn man ihr Äußeres und ihr Verhalten genauer betrachtet- sie auch auf eine andere Weise zu interpretieren sind.Die Jedi-Ritter sind auf die gute Seite der Macht eingeschworen. Sie tragen braune Kutten über ihrer eher einfach wirkenden Kleidung und haben immer die berühmten Laserschwerter bei sich, die der ´guten Gesinnung` entsprechend eine grüne bzw. eine blaue Klinge aufweisen. Die grüne Farbe symbolisiert das Leben, während die blaue die Hoffnung darstellen soll, somit unterstreichen die Farben der Klingen, denen positive Eigenschaften zugewiesen werden, die Gesinnungen ihrer Träger. Die Jedi- Ritter werden als geheimnisvolle, mächtige und gut ausgebildete Gruppe innerhalb des Star Wars Universums gezeigt, die innerhalb der Gesellschaft ein hohes Ansehen genießen. Aufgrund dieser Darstellung stellen die Jedi- Ritter eine brisante Kreuzung aus Mönch und Kreuzritter dar. Die Kutten ähneln den Mönchskutten sehr und auch ihr Status innerhalb der Gesellschaft ist mit dem der mittelalterlichen Mönche vergleichbar. Zu den Mönchsattributen kommen nun allerdings noch die Schwerter hinzu und ihr kämpferisches Eintreten für ihren Glauben, die gute Macht, welches sie eher im Bereich der Kreuzritter ansiedeln läßt (vgl. Mat. 1). Ihre Erzfeinde sind die Vertreter der Macht des Bösen, die Sith, die stets in schwarzen Kutten zu sehen sind und meist als Einzelgänger in Erscheinung treten. Sie führen Laserschwerter mit roten Klingen. Die rote Farbe ist im Zusammenhang mit ihrer schwarzen Kleidung negativ als Blut, Tod, Feuer und Zerstörung zu deuten. Sie als Vertreter der schwarzen Seite der Macht sind mit Dämonen oder dem Teufel, als mythologischem Widerpart zu Gott, vergleichbar. Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang an dem Sith- Schüler Darth Maul, der, mit seiner roten Haut, rot strahlenden Pupillen und den Hörnern auf dem Kopf, direkt aus der Hölle zu kommen scheint (siehe Mat. 2). Sein Meister, Palpatin, zieht in Episode 1 die dunklen Fäden im Hintergrund und ist auch im ganzen Film die einzige Person, die man nicht genau auf eine der beiden Seiten der Macht einordnen kann. Doch Kennern der Serie ist er als böser Imperator bekannt. Der Grundstein zu seiner großen Macht und seinem Imperium wird aber schon in Episode I gelegt. Palpatin wird, nachdem die Königin ihren Misstrauensantrag gegen Kanzler Velorum gestellt hat, zum neuen Kanzler gewählt und damit zum mächtigsten Mann des galaktischen Imperiums. Die Wahl Palpatins stellt sich als überaus folgenreich heraus, da er später den Senat auflösen, eine Diktatur errichten und den Krieg gegen die Rebellen führen wird. Palpatin ist es, der der dunklen Seite der Macht völlig erliegen wird, so dass er am Ende der Hexalogie nur noch ermordet werden kann, weil es keine guten Anteile mehr in seiner Persönlichkeit gibt. Die eigentliche Hauptfigur der Trilogie verkörpert aber der Junge Anakin Skywalker, der in dem gewählten Film das erste Mal mit den Jedi- Rittern zusammentrifft.Er ist von einer starken Aura umgeben und die Macht ist, wie alle zu spüren glauben, besonders stark in ihm. Qui-Gon hält ihn sofort bei seiner ersten Begegnung für den vor langer Zeit prophezeiten Auserwählten, den Erlöser, der die Macht wieder ins Gleichgewicht bringt (dieses ist vergleichbar mit dem Christus-Messias-Bekenntnis Johannes des Täufers). So befreien ihn die Jedi- Ritter aus der Sklaverei mit dem Ziel, ihn vor den Rat der Jedi zu bringen, um ihn als Jedi ausbilden zu können. Seine Mutter muss in der Sklaverei zwangsmäßig zurückbleiben, da ihr Besitzer nicht zwei Sklaven gleichzeitig verlieren will. Doch trotz ihres großen Abschiedschmerzes ist sie davon überzeugt, dass dieser Aufbruch für ihren Sohn die einzig richtige Entscheidung bedeutet. Sie spürt, dass er zu Höherem bestimmt ist. Doch der Rat der Jedi hat große Bedenken. Anakin ist zwar hoch begabt, auch ist die Macht in ihm äußerst wirksam. Er ist aber angeblich bereits zu alt; dies stellt ein sehr unschlüssiges Argument dar, da sein späterer Sohn Luke Skywalker erst als Erwachsener die Ausbildung zum Jedi aufnehmen wird. Zudem lässt Anakin sich zu sehr von Furcht leiten. Er sorgt sich nämlich um seine Mutter, die er in der Sklaverei auf dem Planeten Tatooine zurücklassen musste. Furcht aber ist das Mittel, mit dem der dunkle Imperator Herrscher über die Galaxis wird. Die Philosophie des Films spiegelt sich in der Aussage Jodas nach der Absprache des Rates über Anakins Zukunft wider, sie lautet: "Leid führt zu Wut. Wut führt zu Hass und Hass führt zu unsagbarem Leid"1. Jedis haben zwar ihren Gefühlen zu vertrauen, da sie auf Grund ihrer Verbindung zur Macht mehr zu Fühlen vermögen, als das Auge oberflächlich zu sehen vermag, Furcht gehört aber nicht zu den Gefühlen, von denen ein Jedi sich leiten lassen darf. Denn Furcht ist das Mittel, mit dem die dunkle Seite der Macht Einfluss auf einen Menschen gewinnt. So ist das "Fürchte dich nicht!" (analog zur Weihnachtsbotschaft in Lk 2,10) eine wesentliche Botschaft des Films. Allerdings begegnet sie in Gestalt dessen, was die lutherische Tradition (gegenüber dem Judentum sicherlich einseitig zu missverständlich) "Gesetz" zu nennen pflegt. Sich nicht zu fürchten, ist hier Gebot, nicht aber Verheißung. Die Macht stiftet weder den "Mut zum Sein" (Paul Tillich), noch gibt sie die Kraft dazu, der Furcht zu widerstehen. Soll die Verbindung mit der Macht nicht dazu führen, dass man von ihrer dunklen Seite überwältigt wird, so hat der Jedi der Furcht aus eigener Kraft zu widerstehen, wobei die Macht weder die Kraft dazu verleiht, ihrer dunklen Seite zu widerstehen, noch die Möglichkeit dazu bietet, Furcht in ihr zu bergen. Man mag hier einwenden, dass für christologische Figuren andere Kriterien gelten als für die gefallene Menschheit, aber auch die Christologie Paul Tillichs sieht vor, dass Christus den Bedingungen der Endlichkeit zwar unterworfen ist, ihnen aber nicht erliegt. Anfechtung, Versuchung und Begegnung mit dem Bösen führen nicht zu einer völligen Trennung von Gott, da Christus zwar "ohne Sünde" (Hebr. 4,15), wohl aber versucht worden ist (Mk. 1,13 par).2 Der christliche Christus dürfte also durchaus Angst gekannt haben, ohne dabei der göttlichen Macht, die ihn in seinem Werk und Wirken getragen hat, entfremdet worden zu sein. In der Star Wars Welt sind für einen Auserwählten andere Kriterien gesetzt. Ein Jedi hat die Furcht nicht in der Macht zu bergen, sondern ihr aus eigener Kraft widerstehen zu lernen, bevor er sich auf die Macht einlassen darf. So kommt es zur Ablehnung Anakins durch den Rat der Jedi. Da Anakin die Furcht kennt, wird er eines Jedis für unwürdig befunden. Qui-Gon erkennt die Entscheidung des Rates nicht an und nimmt Anakin gegen den Beschluss des Rates als Schüler. Vor seinem Tod nimmt Qui-Gon Obi-Wan das Versprechen ab, Anakin zum Jedi auszubilden, was schließlich mit der Genehmigung Yodas geschieht. Allerdings scheint Yoda die düstere Zukunft Anakins schon vorauszusehen. Anakin lässt sich mit dem biblischen Christus vergleichend in Beziehung setzen, wie es bereits anklang. Er wird im Film ausdrücklich als "Auserwählter" benannt. Er hat keinen Vater. Nach Angaben seiner Mutter ( " Es gab keinen Vater. Es war ein Wunder") geht seine Geburt auf das "Wunder" einer vaterlosen Geburt zurück (eine deutliche Anspielung auf die Geburtsgeschichte Jesu - vgl. Lk 1,35). Überhaupt trägt das Motiv des Retters in Gestalt eines Kindes durchaus auch weihnachtliche Akzente, auch wenn sich, wie die meisten Kinobesucher wissen, dieser "Christusanwärter" im Fortgang der Handlung zum "Antichrist" und dann in eine überaus erlösungsbedürftige Gestalt verwandeln wird. Wie es sich für einen "Auserwählten" gehört, sind die Fähigkeiten Anakins überragend. Während Jesus sich als Kind durch eine außerordentliche Schriftgelehrsamkeit auszeichnete (Lk 2,41-52), sind für Anakin Begabungen prägend, die zur Rettung eines Kosmos dienlich sind, in dem Raumschiffe ein beträchtliche Rolle spielen. So ist Anakin kein Zimmermann (Mk 6,3), sondern ein elektronisches Basteltalent und ein für sein Alter überaus begabter Pilot. Anakin kann einen Druiden (C3-PO) bauen, ein Raumschiff reparieren und während eines Fluges ein defektes Fluggerät wieder in Gang setzen. Als guter Pilot beweist er sich bereits zu Anfang, bei einem an den Film Ben Hur erinnernden Wettrennen. Zudem fliegt der Junge, wenn auch eher zufällig, den entscheidenden Angriff gegen das Basisschiff, von dem aus die Roboter- Armee auf Naboo gesteuert wird. Nach seinem Einsatz wendet sich das Blatt zum Guten, die Roboter fallen in sich zusammen und die Invasionsarmee ist geschlagen. Dass er auserwählt ist, wird neben diesen äußeren Zeichen auch durch eine "naturwissenschaftliche" These unterstützt. Die Untersuchung einer Blutprobe ergibt, dass sein Blut mehr "Midikloreaner" enthält als das von Yoda, dem ältesten und mächtigsten der Jedi. Eben dieser Stoff ist aber "naturwissenschaftlich" betrachtet für die starke Verbindung der Jedi zur "Macht" , zu ihrem "Gott", verantwortlich. Überaus prägend für die Figur Anakin ist es, das seiner Person jegliche Zweideutigkeit fehlt. Dieses erklärt sich aus der "Christologie" des Gesamtkonzepts. Anakin ist eine Seele von Mensch, er tut immer das Richtige, ist nie unhöflich, hilft immer gerne und handelt nie aus Eigennutz. Auf einem Kinoplakat geht vom jungen Anakin der Schatten des späteren Darth Vader aus (siehe Material 3). Im Film fehlt dieser Figur allerdings jeglicher Schatten, nicht ein einziges Verhalten wird geschildert, das an den späteren Darth Vader erinnert. So wirkt es überaus erstaunlich, woher eigentlich Yoda seine Bedenken gegen den überaus liebenswerten Jungen bezieht. Nun kann angenommen werden, dass durchaus ein Konzept dahintersteckt, Anakin derart brav und von lauteren Motiven bestimmt zu zeichnen. In den früheren Filmen wird Luke Skywalker, Anakins späterer Sohn, immer wieder davor gewarnt, der "dunklen Seite der Macht" zu erliegen. In der Konzeption der Star Wars Filme ist der mögliche Einfluss "der dunklen Seite der Macht" immer dann am stärksten, wenn die Sorge um das Wohl der Freunde in Hass gegen den Imperator umzuschlagen droht, der sie zu töten versucht. So versucht der Imperator in "Rückkehr der Jedi- Ritter" Luke dazu zu provozieren, die Waffe gegen ihn zu erheben, was Luke schließlich auch ohne Erfolg tut. Die Botschaft lautet: Die "dunkle Seite der Macht" ist derart mächtig, dass sie auch den besten Menschen zu korrumpieren vermag. Dass Luke der "dunklen Seite der Macht" letztlich nicht erliegt, hat damit zu tun, dass er nicht nur aus Wut gegen den Imperator, sondern auch aus dem Glauben an die guten Anteile in der Persönlichkeit seines Vaters handelt und sich deshalb weigert, seinen Vater zu töten, was den völligen Triumph des Bösen bedeutet hätte. Zudem wäre es auch sozusagen Selbstmord gewesen. Hätte Luke seinen Vater umgebracht, so wäre er dem Bösen damit voll und ganz erlegen; er hätte die Nachfolge seines Vaters angetreten. Eben deshalb entdeckt Luke in einer Vision, in der er Darth Vader im Kampf tötet, unter dessen schwarzer Maske sein eigenes Gesicht. Dass die "dunkle Seite der Macht" so überaus böse ist, dass sie kaum Ambivalenz bei den Personen duldet, die ihr erliegen, sondern vielmehr völlige Unterwerfung und Hingabe fordert, macht auf der anderen Seite bei den Charakteren, die der "dunklen Seite der Macht" nicht erlegen sind, eine unzweideutige Orientierung am Guten erforderlich. Die Anthropologie der Star Wars Filme kennt kein simul iustus et peccator. Die Guten sind frei von Schuld, während die Bösen voller Schuld sind. Gut und Böse schließen einander aus. Die Hingabe an die "dunkle Seite der Macht" ist der Sündenfall schlechthin. Durch diese Hingabe ist eine qualitative Differenz zum Zustand vor dem Fall gegeben. Hier gibt es kaum ein Zurück. Trotzdem sind das Gute und das Böse komplementär aufeinander bezogen. Der Auserwählte soll das Böse nicht bezwingen, da das Böse immer existieren wird und nicht zu bezwingen ist, er soll vielmehr den Ausgleich zwischen gut und böse schaffen. Die zwei Mächte sollen im Einklang miteinander stehen, so wie die achte Karte des Großen Arkanums beim Tarot die Waage darstellt1, die den Ausgleich der Gegensätze verspricht, so soll auch der Auserwählte, von dem Qui-Gon spricht, die Mächte ausgleichen. Dass Darth Vader im Unterschied zum Imperator gerettet werden kann, wofür er sich bei seinem Sohn Luke ausdrücklich vor seinem Tod bedankt, ist nur möglich, weil die guten Anteile in ihm als Kind so über alle Maßen stark sind, dass ein guter Rest auch nach dem Erliegen gegenüber der "dunklen Seite der Macht" verbleibt. Eben deshalb muss der junge Anakin als hundertprozentig von der Liebe und einer Reihe von weiteren ehrenhaften Motiven bestimmtes Sonnenkind gezeichnet werden. Dass Darth Vader am Ende der Star Wars Hexalogie auferstehen kann, ist im Zuge dieser "Christologie" nur möglich, weil er als Kind derart von Gutem erfüllt war, dass immer noch ein guter Rest bleibt, selbst wenn das denkbar Böseste von ihm Besitz ergreift, was das Star Wars Universum zu bieten hat. Königin Amidala, die im zweiten Teil der Saga eine Schwäche, im Sinne von Zuwendung, für Anakin entwickeln wird, ist in dem zweiten Teil der Hexalogie, in dem ihre Zwillinge Luke und Leia zu den Hauptcharakteren werden, unauffindbar, welches auch auf ihren baldigen Tod schließen läßt. In Episode 1 ist sie die einzige Frau, die eine wichtige Position einnimmt. Mit ihren vierzehn Jahren ist sie schon die "gewählte" Königin des Volkes der Naboo und wirkt auf den Zuschauer wie eine stolze absolutistische Herrscherin mit einer enormen Durchsetzungskraft (siehe Mat. 4). Sie erinnert an die katholische Heilige Jeanne d`Arc; auch sie war eine Frau in Männerposition, die vom französischen Volk zutiefst verehrt wurde und mit Mut und Entschlossenheit ihrem Volk zum Sieg gegen die Besatzungsmacht England verhalf. Natürlich ist dieser Vergleich sehr weit hergeholt. Amidala fehlt der religiöse Aspekt der Verkündigung Gottes, der Jeanne d`Arc zur Legende werden ließ, und auch wenn man die Verhältnisse nicht kennt, in denen die gewählte Königin aufwuchs, ist dennoch anzunehmen, dass sie nicht wie Johanna von Orleans aus der untersten Schicht zu ihrer Berufung aufbrach.1 Aber Königin Amidala kann trotz ihres Alters über eine äußerst große Macht verfügen und setzt sich für ihr Volk ein, scheut auch nicht davor zurück, selbst ihr eigenes Leben für die Freiheit ihres Volkes zu opfern, und in diesen Punkten kann man den Bezug zur heiligen Jungfrau von Orleans nicht leugnen ( vgl. auch Esther 7, 3-7 ). Ihre menschlichen Qualitäten werden dadurch, dass sie bei der Flucht von ihrem Planeten Naboo die Rolle einer ihrer Dienerinnen übernimmt offengelegt. Die unnahbar wirkende Königin wird dem Zuschauer als herzliche Dienerin Padme ans Herz gelegt, bis sie schließlich ihre Maske fallend lässt, und als wahre Königin in Erscheinung tritt und ihr somit vom Zuschauer nicht nur politisches Geschick, sondern auch menschliche Qualitäten zugewiesen werden. Ebenfalls eine wichtige Person im Film stellt Jar Jar dar, der als Tollpatsch von seinen Artgenossen, den Gungans, verstoßen wurde und ganz wesendlich für die komischen Elemente im Film verantwortlich zu sein scheint (siehe Mat. 5). Er stellt aber auch das Bindeglied zwischen den beiden sehr unterschiedlichen, gegensätzlichen Kulturen der Gungans und der Naboo dar. Bei seinem ersten Auftritt gerät er zufällig in die Besatzungstruppen und wird von dem Jedi- Ritter Qui-Gon gerettet, wonach er nicht mehr von dessen Seite weichen will, da er nun in der Lebensschuld des Jedi steht. Die Lebensschuld, die z.B. im Islam eine lange Tradition hat, stellt somit einen weiteren religiösen Aspekt im Star Wars Universum dar, wenn er uns auch etwas fremd erscheint. IV. Zwei gegensätzliche Kulturen mit unterschiedlichen Religionsverständnissen Eben wurde schon auf Jar Jar als Bindeglied der beiden unterschiedlichen Kulturen auf Naboo hingewiesen und diese sollen nun näher erläutert werden. Der Planet Naboo stellt in Episode 1 den wichtigsten Handlungsort dar. Hier fängt die Geschichte an sich zu entwickeln und hier endet sie auch, wie es der Rhythmus des Monomythos vorschreibt, der nach Peter Hant (Technik des Drehbuchschreibens) sozusagen ein "Strickmuster" für einen erfolgreichen Film angibt. Auf diesem Planeten leben zwei sehr unterschiedliche Völker, die sich gegenseitig wenig Beachtung schenken, die Naboo und die Gungans. Die Naboo, wohl menschliche Siedler auf diesem Planeten, lenken alle wichtigen politischen Geschehnisse von ihrer Hauptstadt aus, deren Gebäude von der italienischen Renaissance geprägt zu sein scheinen. Breite Straßen, großzügige Freitreppen, Marmorsäulen, hohe Räume und überwiegend palastartige Anwesen dominieren im Reich der Königin Amidala (siehe Mat.6). Königin Amidala selbst trägt im Film sechs unterschiedliche, pompöse Kleider, die die unterschiedlichsten Kulturen und Stilelemente verbinden (siehe Mat. 4). Der Rückgriff auf praedemokratische Traditionen gilt dabei nicht nur für die Architektur, sondern vor allem auch für das Gesellschaftssystem. In der Zukunft wird ein gesellschaftlicher Zustand dargestellt, der aus demokratischer Sicht nicht erstrebenswert sein sollte. Die Bedrohung der Freiheit liegt nicht in der Monarchie, sondern in der Ablösung der Monarchie durch eine Diktatur, vergleichbar mit der Diktatur Ciceros. Entsprechend knüpft sich die Hoffnung an die Restitution der Monarchie, die immerhin mit demokratischen Elementen durchsetzt ist, da Königin Amidala ihr Amt einer Wahl verdankt. Einzig der Senat, die höchste Instanz im Star Wars Universum, scheint direkt auf dem Beispiel des römischen Senats zu basieren. Doch genau wie im antiken Vorbild wird der Senat, der in die Hände der Bürokraten gefallen ist, schließlich durch eine folgende Diktatur seiner Macht beraubt. Was die Religion der Naboo angeht, lässt sich nur wenig sagen, da nur die Verbrennung des Leichnams des Jedis Qui-Gon auf ein religiöses Ritual hinweist. Allerdings ist anzunehmen, dass ihre Religion wie auch ihre Gesellschaft auf der römischen Kultur basiert. Die Gungans, die vornehmlich im Wasser leben, halten sich im Hintergrund auf und wollen unter sich bleiben. Sie wissen, dass sie von den Naboo als "nicht ebenbürtig"1 empfunden werden und ihre Kultur von ihnen nicht den nötigen Respekt zugesprochen bekommt. In der Tat wirken die amphibischen Gungans mit ihrer scheinbar grammatikfreien Sprache auf den ersten Blick komisch und unterentwickelt, doch auch sie haben eine eigenständige und nicht minder beeindruckende Kultur. Vor allem ihre Unterwasserstadt zeigt, dass sie den Menschen ebenbürtig sind und ihr Gesellschaftssystem ist dem der Naboo nicht unähnlich. Ein Monarch regiert die Wasserwesen. Ihre Religion scheint von den Germanen übernommen worden zu sein; so stellt ihr religiöser Mittelpunkt eine Waldlichtung mit einer uralten Buche dar, bei der sie Schutz suchen . Wenn sich dieses Szenario in der Antike bis zum 19. Jahrhundert (Kolonialzeit) abgespielt hätte, wären wohl die Naboo die Partei gewesen, die aufgebrochen wäre, das Territorium der anderen zu erobern und den "Barbaren" die vermeintlich wahre Kultur und Religion zu diktieren. In Episode 1 hingegen sehen die beiden unterschiedlichen Kulturen im Hinblick auf die Handelsföderation, die alle Lebewesen des Planeten zu unterjochen droht, ein, dass sie aufeinander angewiesen sind und das es keine Religion, keine Kultur gibt, die einen Absolutheitsanspruch stellen darf. Königin Amidala kniet vor dem Herrschenden Gungan nieder, zeigt ihm ihre Ehrerbietung und bricht somit das Eis zwischen den zwei Zivilisationen. Zusammen kämpfend können sie letztlich die Invasionsarmee in die Flucht schlagen. Bei dem anschließenden Festumzug, der wieder sehr stark an einen römischen Triumphzug erinnert, gibt es nicht - wie bei einem solchen Zeremoniell üblich - ein in Ketten liegendes Volk, welches der stolzen Siegermacht vorgeführt wird, sondern zwei Völker, die endlich zusammen gefunden haben und ihren Frieden mit einer weißen Kugel besiegeln. Insofern beinhaltet Star Wars unter diesem Aspekt betrachtet auch eine Völkerverständigungsaussage. Keine Gruppe, kein Volk, keine Stadt, kein Land - ganz egal wie weit man die Aussage anlegt - darf eine Absolutheit für sich beanspruchen, die andere abwertet oder vollends aus der Welt ausschließt. Man muss offen für Fremdes, für Andersartiges sein und nicht einfach die Vorurteile gelten lassen, denn sonst steht man irgendwann vor einer unlösbaren Situation, in der es der Hilfe anderer bedarf, doch diese anderen werden dann auch nicht mehr für die eine Hilfsleistung offen sein V. Der Segen als Filminhalt Einer der zentralen Sätze der Star Wars Saga lautet: "Möge die Macht mit euch sein ...!"1 .Dieser Satz begegnet einem immer bei entscheidenden Übergängen und fehlt in keinem Star Wars Film. Er wird sogar von Obi Wan Kenobi nach seinem Tod aus dem Jenseits gesprochen. Dabei wird bewusst eine religiöse Sprache gewählt. Analoges gilt übrigens auch für den Segensspruch "Mögen die Propheten mit Ihnen sein" In Deep Space Nine (Star Trek). Die Macht stellt die zentrale Größe in den Star Wars Filmen dar. An der Beziehung der Protagonisten zur "Macht" entscheidet sich das Geschick der ganzen Galaxis. Die Macht ist eine Gottheit ohne Geschichte. Sie ist nicht eine Zusammenfassung der Taten Gottes, wie es die christliche Theologie in der Trinitätslehre zum Ausdruck bringt, sondern vielmehr eine esoterische Gottheit. Wer an ihr partizipiert, kann Laserschwerter oder Raumschiffe schweben lassen, sich also über die Gesetze des Raumes hinwegsetzen. Außerdem gibt die "Macht" die Möglichkeit, nicht von der "Macht" erfüllten Menschen den eigenen Willen telepatisch aufzuzwingen. Mittels dieser Fähigkeiten ist der, der die Macht bewirken kann, den anderen Menschen überlegen.Die Faszination des "Macht" - Konzepts macht aber die Tatsache aus, dass sowohl positive als auch negative Elemente in einer Gottheit vereint sind. Die "Macht" ist sowohl bei den Protagonisten des Guten als auch bei denen des Bösen stark. Was Martin Luther in "De servo arbitrio" (1525) als "Deus absconditus" zu beschreiben versucht, ist in die Vorstellung der "Macht" integriert, wobei der Unterschied zum christlichen oder einem ähnlichen Gott darin besteht, das "Macht" sich nicht offenbart, sondern das an ihr lediglich partizipiert werden kann. Ihren stärksten Einfluss auf das menschliche Leben zeigt sie dadurch, dass Menschen, insbesondere die Jedi- Ritter, sich mit ihr vertraut machen können. Das Leben in Vertrauen auf die "Macht" ist eine erlernbare Religion, zu der man als Schüler von einem Mystiker angeleitet werden kann. Ob der Gebrauch zum Heil oder Unheil der Galaxis eingesetzt wird, hängt davon ab, ob die Jedi der dunklen Seite der Macht erliegen oder ihr widerstehen können. Als Segensspruch begegnet die Zusage der "Macht" sowohl im Optativ als auch futurisch-indikativisch. "Möge die Macht mit dir sein" ist ebenso zu hören wie "Die Macht wird mit dir sein, immer". Der Segen wird allerdings in den Filmen nicht wie z.B. im christlichen Gottesdienst öffentlich-kultisch inszeniert, sondern in privaten Kontexten angewendet. Die Tatsache, dass dieser Segensspruch in den Star Wars Filmen aufgenommen wurde, zeigt, dass das Bedürfnis der Zuschauer nach hoffnungsvollem, Trost spendendem Segen sehr groß ist. Auch Magdalena Frettlöh spricht von einer "wachsenden Segensbedürftigkeit und einem ausdrücklichen Verlangen nach dem (nicht nur) kirchlichen Zuspruch von Segen in den verschiedensten Lebenssituationen"1. Segen ist nicht umsonst Ziel und Ende des Gottesdienstes zugleich, in ihm werden die wichtigsten Wünsche an die Gemeinde weitergegeben.2 VI. Fazit Um ein angemessenes Fazit zu ziehen und auf die Frage der Star Wars Religion eingehen zu können, greife ich nochmals die herausragenden Aspekte auf: - Die "Macht" stellt eine göttliche Erscheinung dar .- Es gibt einen Auserwählten, der die Christusrolle einnimmt und trotz seiner Abkehrung von der "guten Macht" schließlich erlöst wird. - "Fürchte dich nicht" ist eine zentrale Aussage der Star Wars Religion. - Der Glaube an das Gute und der niemals enden wollende Kampf zwischen Gut und Böse dominieren den Film. - Heilige der christlichen Religion sind in dem Star Wars Universum wiederzuerkennen (wie z.B. Anakins Mutter/Heilige Maria oder ähnliche Anspielung auf Heilige Johanna von Orleons in der Person von Amidala). - Religiöse Riten werden aufgenommen (Lebensschuld, Feuerbestattung). - Der Film fordert zur Toleranz im Umgang mit anderen Menschen auf ( die Naboo und die Gungans, zwei Welten bzw. zwei Religionen lernen sich zu tolerieren).- Der Segen, als ein wichtiger Aspekt jeder Religion, bekommt auch hier eine wichtige Rolle zugeordnet.
Wenn man nun diese Punkte auf sich wirken lässt, kann man auf jeden Fall getrost sagen, dass es George Lucas geglückt ist, sein Science Fiction Universum mit den unterschiedlichsten religiösen Aspekten zu verweben und so ein in sich geschlossenes und glaubhaftes Universum zu schaffen, in dem auch die Religion, deren Status in unserer Zeit von der Allgemeinheit immer mehr in Zweifel gezogen wird, ihren festen Platz einnimmt. Da dieses Filmkonzept so hervorragend aufgeht und mit höchster Wahrscheinlichkeit auch weiterhin gut funktionieren wird, kann man aber mit Bestimmtheit sagen, dass Religion an sich nichts von ihrer Faszination verloren hat und dass das Bedürfnis nach religiösen Themen und nach Segenssprechungen nicht nachgelassen hat. Für viele stellt Star Wars nicht nur eine Filmreihe, sondern auch eine
Religion dar, und ich denke, dass dieses auch in den vielen religiösen
Verknüpfungen begründet ist. Doch stellt sich die Frage, ob dieses nicht
in diese Saga hineininterpretiert ist. Wenn man gezielt nach Religion sucht,
so findet man sie und zwar in jedem Film, in jedem Webeslogan, überall.1
Doch das bewerkenswerte an den Star Wars Filmen ist, dass in ihnen so viele
und unterschiedliche Aspekte der Religionen kombiniert und zu einer neuen,
eigenständigen Religion zusammengewebt werden. Eine Religion, die ihren
Gott, ihren Erlöser, ihre Wirkenden und - religionsuntypisch - auch eine
Schattenseite in sich birgt. Aber ihr fehlt meiner Ansicht nach der Bezug
zur Welt, zu den Menschen und ihrer eigenen verkündenden Schrift. Aber man
sollte nicht vergessen, dass es letztlich nur eine nicht gewollte Religion
ist. Eine "Medienreligion". Denn nur durch die Medien kann ein
Film zu einem solchen Universum heranwachsen, dass Menschen sich die Frage
stellen, ob er nicht eine neue, bessere, alternative Religion darstellt.
Besonders zu berücksichtigen für die Frage nach der Ersatzreligion ist
natürlich die Meinung "des Schöpfers" und diese fällt für Star
Wars Fanatiker sehr enttäuschend aus. Interview-Fragen wie: "Erheben
sie mit Star Wars den Anspruch einer neuen Religion?" oder die
sprachliche Wortspielerei vom "Lucas- Evangelium" beantwortet er
mit den Worten: Literaturverzeichnis Albrecht, Renate: Darstellung und Interpretation seiner Gedanken und Quellen (Paul Tillich), 1986 (Epistemata Reihe Philos. 22). Bouzereau, Laurent und Duncan, Jody. - Dt. von Baltes, Martin: Star Wars, The Making Of Episode I, Die Dunkle Bedrohung, Nürnberg 1999. Ehrhardt, Heiko: I want to believe. Religiöse Sehnsucht in populären Science-Fiction-Filmen. In: EZW-Texte 2001, Nr. 157, Seite 2 ff. Frettlöh, Magdalena: Theologie des Segens– Biblische und dogmatische Wahrnehmungen, Gütersloh 1998. Gräb, Wilhelm: Spuren der Religion, 2000. Lucas, George, Reg. : Krieg der Sterne. Spielfilm. 20th Century Fox/Lukasfilm Ltd. , 1977. Lucas, George, Reg. : Das Imperium schlägt zurück. Spielfilm. 20th Century Fox/Lukasfilm Ltd. , 1980. Lucas, George, Reg. : Episode I - Die dunkle Bedrohung. Spielfilm. 20th Century Fox/Lukasfilm Ltd. , 1999 Subjetive Filmkritiken - Star Wars – Episode I. Internetquelle. http://www.cham.baynet.de/homepage/mazollne/fk.htm.Vasel, Stephan: "Möge die Macht mit dir sein..." – Religionspädagogische Anknüpfung an George Lucas` Mythenmix. In: Kirsuer, Inge und Kerumke, Michael : Religion im Kino. Religionspädagogische Arbeiten mit Filmen, Göttingen 2000, S. 162ff. Ziegler, Gerd: Tarot – Spiegel der Seele, 38. Auflage, Neuhausen 2000.
Material 3 Anakin Skywalker wirf den Schatten seiner dunklen Zukunft
Material 4
Vier der fantasievollen Kleider der Prinzessin
Material 5 Jar Jar
Material 6
Das Reich der Königin Amidala
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