Jugend&Kultur&Religion
|
|
"Ohne Sonntag sind alle Tage ..." Der Streit um die Sonntagsheiligung
Verfasserinnen: Angela Kisser, Andrea Reichstein
Inhaltsverzeichnis: 1. Vorwort 2. Hauptteil 2.1. Der religiöse Hintergrund des Sonntags 2.2. Volkskundliches 2.3. Von der Kultur des Sonntags 2.4. Der Gottesdienst als Sonntagskultur 2.5. Der Sonntag geschützt im Grundgesetz 2.6. Sozialer Wert des Sonntags 2.7. Welchen Wert hat der Sonntag für die heutige Gesellschaft 2.8. Die Bedeutung des Sonntags für die Jugend 2.9. Was wäre, wenn der Sonntag wirklich zum Werktag werden würde? 3. Nachwort 4. Anhang
1. Vorwort Unsere Zeitordnung ist in die Diskussion geraten: Ausweitung der Geschäftszeiten, Nachwachsen der Wochenarbeit im gesamten Dienstleistungsbereich, Entkoppelung von persönlicher Arbeitszeit und Betriebszeiten, Teilzeitarbeitsplätze. Diese Themen bestimmen inzwischen die öffentliche Debatte. Zusätzlich kommt aus der Industrie die Forderung nach Verlängerung der Maschinenzeiten, so heißt es in einer Erklärung zur Samstags- und Sonntagsarbeit auf einer Internetseite der Evangelischen Kirche im Rheinland.Dies gab uns Anlaß, uns auch mal unsere Gedanken zum Thema "Ohne Sonntag sind alle Tage ..." Der Streit um die Sonntagsheiligung zu machen und auch mal in diesem Bezug auf die Jugend einen besonderen Blick zu werfen. Was ist wirklich so besonders an dem Sonntag? Was unterscheidet ihn von den anderen Tagen in der Woche? Und wie ist er überhaupt entstanden und hat sich in der Geschichte weiterentwickelt? Welchen Wert hat er heutzutage in einer Konsumgesellschaft, die zunehmend materiell eingestellt ist? Wie sehen Jugendliche den Sonntag? ... Das sind Fragen, die wir uns nun zu Anfang unserer Wettbewerbsarbeit stellen. Um ihnen auf die Spur zu kommen, werden wir zunächst einen Blick in die Bibel werfen, um den religiösen Hintergrund und die weitere Entwicklung des Sonntags zu verfolgen. In Lexika suchen wir eine allgemeine Bedeutung des Sonntags. Und um spezielle und individuelle Fragen zu klären, werden wir einzelne Befragungen machen. Anschließend werden wir diese mit aktuellen und bereits verjährten Statistiken vergleichen. Ziel ist es nicht, die Streitfrage um den Sonntag grundsätzlich zu klären und eine definitive Endlösung zu finden. Vielmehr sind wir darauf bedacht, die Diskussion möglichst von allen Seiten zu erhellen und auf den Hintergrund einzugehen, um dieser Arbeit auch eine gewisse standfeste Grundlage zu verschaffen. Im Mittelteil werden wir die allgemeine Situation schildern und indem wir einen Ausblick in die Zukunft werfen, was wäre, wenn der Sonntag zum Werktag werden würde, zeigen wir mögliche Folgen, die uns vielleicht doch noch mal überlegen lassen, ob wir wirklich für einen Sonntag sind, der wie alle anderen Tage der Woche ist. Ob wir alle Fragen beantworten können und immer unserem methodischen Plan nachgehen können, wird sich im Laufe der Arbeit herausstellen. Und mit Sicherheit werden sich viele weitere Fragen und auch Schwierigkeiten auftun.
2. Hauptteil 2.1. Der religiöse Hintergrund des Sonntags Die Bibel erzählt, Gott habe nach sechs Tagen schöpferischer Arbeit am siebenten Tage geruht. "Geruht", nicht um sich physisch auszuruhen, sondern, um sein Werk betrachten zu können und darüber nachzudenken. Dieses wird in den zehn Geboten noch einmal aufgenommen: " Sechs Tage darfst Du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag, der Sabbat, ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. In Markus 16,2 steht geschrieben "weil Jesus Christus am erste Tage nach dem Sabbat von den Toten auferweckt wurde", feiern Christen (in ihren Gottesdiensten) den Sonntag, der den Sinn und die Tradition des jüdischen Sabbats mit aufgenommen hat, als den Tag des Herrn. Konstantin I. verordnete 321 die volle Sonntagsruhe ( analog zu der jüdischen Sabbatsruhe) mit Verbot von Gerichtshandlungen und knechtlicher Arbeit. In der katholischen Kirche sind die Gläubigen am Sonntag zur Teilnahme an der Eucharistie und zur Sonntagsheiligung verpflichtet.
2.2. Volkskundliches Der Sonntag war als Tag des Herrn feierlich zu begehen, man trug daher gute Kleider (Sonntagskleid, Sonntagsstaat); die Arbeit hatte zu ruhen. Sonntagsbriefe (Himmelsbriefe) erinnerten als Devotionalgrafik an diese heilige Sonntagsruhe, die nicht durch Haus- und Feldarbeit oder Jagdvergnügen gestört werden durfte. Die mittelalterliche Frömmigkeit hat in der Verletzung des Ruhegebotes durch Arbeiten eine Schändung des leidenden Heilands gesehen und zu dessen Veranschaulichung den Typus des Feiertags- Christus entwickelt: ein Christusbild, umgeben von bäuerlichen und handwerklichen Geräten, von denen einige seinen Leib auch direkt verletzen. Am Sonntag geborene Kinder (Sonntagskinder) gelten als Glückskinder ( die - so der Volksglaube- Geister sehen und sprechen hören können) ; ein Goldenes- Sonntags- Kind ist am Goldenen Sonntag, einem Quatember- Sonntag, geboren.
2.3. Von der Kultur des Sonntags Wenn der Sonntag als kulturelle Errungenschaft bezeichnet wurde, so deshalb, weil Kultur einen religiösen Ursprung hat. Alle Kultur beruht auf einer Formung und Ritualisierung gemeinsamer Zeit. Nicht von ungefähr kennen alle großen Religionen den besonderen Tag in der Woche, der sich von allen anderen abhebt. Wo die Sitte gerade des siebenten Tages als Tag der Arbeitsruhe ihren Ursprung hat, ist bis heute ungeklärt. Fest steht, daß diese Tradition wohl noch älter ist als die uns überlieferten Formulierungen des dritten Gebotes im Alten Testament. Die faktische Abschaffung von Sonn- und Feiertagen wäre demnach ein kultureller Rückschlag. Alle Kultur folgt dem Prinzip der Ermöglichung durch Beschränkung. Das heißt : Indem nicht zu aller Zeit alles möglich ist, wird Raum und Energie für anderes frei. Wenn Grenzen und Beschränkungen nur als Einschränkung dargestellt werden, verfehlt man diese Ebene.
2.4. Der Gottesdienst als Sonntagskultur Der Sonntag sah nicht immer so aus wie in heutigen Tagen, sondern hat viele Entwicklungen durchgemacht. Schon in der Zeit der Apostel begann der "erste Tag nach dem Sabbat" den Lebensrhythmus der ersten Christen zu bestimmen. Diesen Tag wählten sie, um sich zu versammeln und "das Brot zu brechen", sie feierten den Gottesdienst. Seit dem 2. Jahrhundert ist festgelegt, daß diese Versammlung der Gemeinde in Gestalt eines Gottesdienstes stattfinden soll. So prägten seit dem 3./4. Jahrhundert morgendliche Eucharstiefeiern ( Gottesdienst ) und Vespern ( Abendgottesdienst ) die Feier des Sonntages in den Ost- und Westkirchen. Nachdem Konstantin der Große im Jahre 321 n. Chr. Den Sonntag zu einem öffentlichen Ruhetag erklärt hatte, wurde der Sonntag immer mehr als "christlicher Sabbat" verstanden. Allerdings musste die ursprüngliche Bedeutung des Sonntages ab dem 9./10. Jahrhundert immer mehr der Einengung des Sonntages auf die Dreifaltigkeit Gottes weichen. Der Sonntag wurde sogar rangmäßig so niedrig eingestuft, daß er ( die
Sonntagsformulare ) fast regelmäßig durch Heiligenfeste verdrängt wurde. Und seit der Rubrikreform von 1955 und 1960 ist es zur Regel geworden, den Sonntag mit den ursprünglichen Texten des Sonntags zu feiern. Danach ist der Sonntag "Fundament und Kern des ganzen liturgischen Jahres" ( SC 106 des Vat ll ), an ihm kommt die Gemeinde zusammen und nimmt Anteil am neuen Leben Jesu Christi. Deshalb ist er ein Tag der Muße und Freude, dessen Inhalt nur noch Feiern von "wirklich höchster Bedeutung" vorgezogen werden sollen. Konkretisiert wird das ganze in der "Grundordnung des
Kirchenjahres" von 1969: Diese Wertschätzung des Sonntags als Feier der Erlösung wird in der Praxis allerdings unterlaufen, indem man manche Sonntage unter ein bestimmtes Thema stellt. Den zeitlosen Sinn des Gottesdienstes hebt noch einmal folgendes Zitat hervor: " Indem Christen sich zum Gottesdienst versammeln, verdeutlichen sie, daß die Unterscheidung des Sonntags vom Alltag dem Leben dient. Die Feier des Sonntags ist die Antwort der Christen auf das, was Gott getan hat. (...) Es ist wichtig, an diesem Tag uns zu besinnen und zur Ruhe zu kommen, damit wir entdecken, wofür wir zu danken haben." Eben, um nachzudenken, wie es auch Gott nach sechs Tagen schöpferischer Arbeit tat, denn das Leben ist auch in heutiger Zeit mehr als nur Arbeiten, Kaufen und Besitzen.
2.5. Der Sonntag geschützt im Grundgesetzbuch Der Sonntag ist geschützt als Tag der Arbeitsruhe und seelischen Erhebung: Es besteht ein Verbot, an Sonntagen und staatlich anerkannten Feiertagen öffentlich bemerkbare Arbeitshandlungen vorzunehmen, die die äußere Ruhe stören oder dem Wesen des Sonntags als einen tradierten Element sozialen Ausgleichs widersprechen. Die Regelungen des Sonntags sind aus der Gewerbeordnung in die §§9 ff. Arbeitszeit- Gesetze vom 6.6.1994 übernommen und an die technische und soziale Entwicklung angepaßt worden. Danach dürfen Arbeitnehmer an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen von 0 bis 24 Uhr grundsätzlich nicht beschäftigt werden. In mehrschichtigen Betrieben mit regelmäßiger Tag- und Nachtschicht kann Beginn und Ende der Sonntagsruhe um bis zu sechs Stunden vor- oder zurückverlegt werden, wenn für die auf den Beginn der Ruhezeit folgenden 24 Stunden der Betrieb ruht. Für Kraftfahrer und Beifahrer kann der Beginn der 24- stündigen Sonntagsruhe um bis zu zwei Stunden vorverlegt werden. Als Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit sieht § 10 Abs. 1 Arbeitszeit- Gesetz u.a. die Beschäftigung in folgenden Bereichen vor: Not- und Rettungsdienste, Feuerwehr, Krankenhäuser u. a. Pflegeeinrichtungen , Gaststätten, Beherbergungsbetriebe, Theater- und Filmaufführungen, Rundfunk, Presse, Messen, Ausstellungen, Verkehrsbetriebe, Energie- und Wasserversorgung, Bäckereien, Landwirtschaft, Bewachungsgewerbe, Reinigung und Instandhaltung von Betriebseinrichtungen, Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit von Datennetzen. Weitere Ausnahmen vom Beschäftigungsverbot sind in Notfällen kraft des Gesetzes möglich bzw. können durch Rechtsverordnung geregelt werden. Sonderregelungen bestehen ferner nach dem Jugendarbeitsschutz-, dem Mutterschutz- und dem Ladenschluß- Gesetz sowie für Seeleute. Mindestens fünfzehn Sonntage im Jahr müssen jedoch beschäftigungsfrei bleiben. Doch in letzter Zeit kam die Frage auf, inwiefern eine Änderung des Ladenschlußgesetzes sinnvoll und vertretbar sei. Die Zahl der Sonntage an denen die Geschäfte in Kur- und Erholungsorten geöffnet sein dürfen, wurde bereits erhöht. Durch die sogenannte Bedürfnisgewerbeordnung der Länder wurde die Arbeit am Sonntag, beispielsweise im Beratungs- und Dienstleistungsbereich, ausgeweitet, sogar in zweifelhaften Fällen als Ausnahme genehmigt. Viele, insbesondere Kirchen und Gewerkschaften, antworteten mit Protest und Widerstand: Der Sonntagsschutz werde immer weiter ausgehölt. Der Sonntag drohe unter die Räder eines rein wirtschaftlichen Denkens zu geraten. Aus Repräsentativfragen geht hervor, daß die überwiegende Mehrheit der bundesdeutschen Bevölkerung den Sonntag nicht als Werktag haben möchte, denn er ist ihr lieb und heilig (siehe auch später aufgeführte Umfragen).
2.6. Sozialer Wert des Sonntags Der Sonntag als Tag der Familie Der Sonntag hat einen hohen sozialen Wert. Das soziale Kapital wird nicht nur in der Schule und Betrieb, sondern zu einem sehr großen Teil "privat" im Familien und Freundeskreis und in Vereinen und Gemeinden gebildet. Seine Eigenart ist es, daß es in sozialen Räumen entsteht, in denen die Logik des Eigennutzes, die unsere Wirtschaft so leistungsfähig macht, gerade nicht gilt. Der Sonntag ist genau derjenige Tag, der für die Freiheit des Menschen von Nützlichkeitserwägungen steht: Der Sonntag beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück, das man jetzt mal so richtig genießen kann - alleine oder auch zusammen in der Familie. Man hat nun Zeit sich mal wieder mit Freunden oder Bekannten zu verabreden und sich in Ruhe zum Beispiel über die Geschehnisse der letzten Woche zu plaudern. Familien machen zusammen Ausflüge ins Grüne. Vereine laden ihre Mitglieder zu Spiel und Sport ein. Man findet mal wieder Zeit ein Buch zu lesen oder den Abend mit dem Sonntagskrimi ausklingen zu lassen. Noch hört sich der Sonntag anders an, er ist leiser, noch fühlt er sich anders an, er ist gelassener, noch schmeckt er sogar anders, dadurch, daß wir in Ruhe gemeinsam um den Mittagstisch sitzen. Dieser Tag gibt der Woche und dem ganzen Jahresablauf einen Rhythmus von Arbeit und Ruhe. Doch dieser Wert scheint in der heutigen Zeit immer mehr zu verblassen.
2.7. Welchen Wert hat der Sonntag für die heutige Gesellschaft? Um dieser Frage auf die Spur zu kommen, haben wir verschiedene Leute aus unserem Alter, aber auch Menschen verschiedener Altersgruppen befragt, da wir befürchteten, daß es hier sehr unterschiedliche Meinungen geben würde, die mit Sicherheit vor etwa zehn Jahren auch wiederum ganz anders aussahen mochten. Diese Annahme bestätigten die Ergebnisse unserer Umfrage. Die deutsche Gesellschaft hat sich zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt, in der auch Freizeit und Erlebnis eine große Rolle spielen. Dennoch ist entgegen anders lautender Behauptungen noch immer eine Mehrheit für den Erhalt des Sonntags, nämlich über 60%. Eine Mehrheit ist außerdem für die Liberalisierung der Arbeitszeiten unter der Woche. Allerdings ist diese Mehrheit für den Sonntag keine überragende mehr. Deshalb muß man sich als politisch Verantwortlicher immer auch fragen, woran man sich eigentlich orientiert: an der Vielzahl der täglich publizierten deutschen Stimmungsbarometer, den verkürzten Fragen und hastigen Antworten in Fußgängerzonen oder an Telefonen? Oder nicht vielmehr an Werten, die man persönlich für wesentlich hält und auf dem Wege der Überzeugungsarbeit den Menschen nahe bringt? Wir kommen noch einmal auf das Grundgesetzbuch zurück, das den Sonntag, wie bereits erwähnt als Tag der Arbeitsruhe und seelischen Erhebung bezeichnet. Tatsächlich wird er von den meisten Bundesbürgern auch so gelebt: Drei Viertel der Bundesbürger halten sich sonntags regelmäßig in ihrer Wohnung oder in Wohnungsnähe auf. Lediglich 26% der Bevölkerung unternehmen etwa alle ein bis zwei Wochen einen Sonntagsausflug. Viele unser Befragten antworteten auf die Frage der persönlichen Bedeutung des Sonntags, das er der einzige Tag in der Woche sei, an dem sie sich etwas erholen könnten, da er nicht so hektisch, sondern eher sehr ruhig abläuft. Dieses waren meist Berufstätige, die auch samstags viel arbeiten müssen. Doch wir fragten auch danach, ob es sich bei den Leuten innerhalb der letzten Jahre geändert hätte, woraufhin mehrere darauf hinwiesen, daß für sie die erholsame Bedeutung des Sonntags immer unbedeutender wurde. Während der Sonntag für viele vor mehreren Jahren noch einer der schönsten Tage in der Woche war, nimmt diese Tendenz auch langsam ab. Wir fragte nach dem Grund, warum dieses so sei, woraufhin man uns erklärte, daß man heutzutage schließlich auch viele schöne Dinge in der Woche unternehmen könne. So beispielsweise ein Kinogang: Da es an bestimmten Wochentagen den Kinotag gäbe, an denen der Eintritt viel günstiger sei und außerdem auch weniger Menschen sich im Kino umherschieben, ziehen es viele Leute vor sich innerhalb der Woche eine schönen Tag oder Abend zu machen. Selbst Discotheken haben in der Woche teilweise geöffnet. Doch eine überwiegende Mehrheit lebt in Großstädten und hier ist bereits jeder zweite Haushalt ein Einpersonenhaushalt. Für sie ist der Sonntag einer der einsamsten Tage: Die Freunde unternehmen mit ihren Freundinnen oder Freunden etwas, im Stadtpark kommt man sich dann doch etwas komisch unter den ganzen Paaren und Familien vor. Fast alle Läden sind geschlossen - das kann durchaus eine deprimierende Wirkung auf alleinstehende Leute haben. Für viele ist er sogar der grausamste Tag in der Woche. Auch alte Leute, die alleine leben, finden sich insbesondere an den Sonntagen in Einsamkeit wieder. Es stellt sich auch die Frage, wie viele Bundesbürger überhaupt noch regelmäßig zum Gottesdienst gehen. Statistiken besagen, noch jeder fünfte Bundesbürger ein regelmäßiger Kirchgänger ist und mindestens zweimal im Monat einen Gottesdienst besucht. Interessant sind Vergleiche wie beispielsweise wie viele Kirchgänger auf einen Freizeitparkbesucher kommen, nämlich genau 7%. Selbst Besuche von Sportveranstaltungen (12%) oder Volksfeste (13%) finden deutlich weniger Resonanz, von Discotheken (9%) oder Spielhallen (2%) ganz zu schweigen. Doch der Sonntag ist keiner mehr, wenn die Gesellschaft alle Verbindungen zum Christentum kappt. Das ist mit Sicherheit eine immer noch aktuelles Thema insbesondere bei Jugendlichen. In der Schule lernt man schließlich, daß es gar keinen Gott als Person gibt und das so viele Sachen bereits wissenschaftlich widerlegt sind. Da fällt es einem schwer dem zu glauben, was im Gottesdienst gepredigt wird. Nun gut, jeder Pastor gestaltet seinen Gottesdienst anders. Und viele aus unserem Jahrgang haben positive Erfahrungen vor einigen Jahren beim Konfirmandenunterricht gemacht, denn es muß nicht immer alles so trocken sein. Aber man kann auch an Gott glauben oder zumindest an ein höheres ETWAS, das uns behütet ohne in den Gottesdienst zu gehen. Das bestätigten auch unsere Umfragen an unserer Schule. Doch gerade an der Weihnachtszeit zeigt sich die allgemeine Einstellung zum Glaube an Gott und der Gang zum traditionellen Gottesdienst zu Weihnachten. Die Einstellung hat sich im Laufe der Jahre verändert. Sie scheint zunehmend entleert, wenn der Sinn des Festes, die Feier der Geburt Jesu, die Menschen nicht mehr innerlich bewegt. Das gute Essen, die Geschenke, die freie Zeit sind Elemente, die dieser Freude Ausdruck geben. Wenn aber diese ursprüngliche Freude weg ist, dann erfreuen irgendwann auch die festlichen Elemente nicht mehr. Man hat es dann mit einer blassen Weihnachtsleiche zu tun, die am Geschenkbetrieb wie an einer Herz- Lungen- Maschine hängt. Der Sonntag büßt zunehmend seinen Gemeinschaftscharakter ein. Nur noch für 13% der Bundesbürger ist der Sonntag der geselligste Tag der Woche. Vor zehn Jahren waren es noch rund 10% mehr Leute. Dieses bestätigen auch unsere Umfragen. Nur noch ein geringer Teil unserer Mitschüler/Innen unternehmen am Wochenende etwas mit ihren Eltern. Meist müssen sie auch noch Hausaufgaben abarbeiten oder sind vom vorabendlichen Discobesuch so müde, daß sie so beschäftigt sind bzw. auch nur den ganzen Tag rumhängen und vor lauter Langeweile gefrustet in die Fernsehröhre starren. Für viele Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren ( rund 21% ) ist der Sonntag der langweiligste Tag der Woche, was auch Statistiken belegen. Der Sonntag hat also zwei Gesichter: Was die deutsche Sonntagsseele als gemütlich bezeichnet, also Ruhe, Harmonie und Geborgenheit, schließt im Einzelfall auch leere Stunden mit ein, die Jugendliche als Langeweile und alte Menschen als Einsamkeit empfinden können.
2.8. Die Bedeutung des Sonntags für die Jugend Der Sonntag soll eine Art Antipol für die Jugend im Kontrast zum Schulalltag oder gar bereits Arbeitswelt sein. Für die noch zur Schule gehenden Jugendlichen ist der Sonntag mit dem Samstag einer der Tage, an denen sie sich normaler Weise vom Schulalltag erholen sollen. Doch besonders auf unserem Gymnasium hat man auch noch am Wochenende viel mit Hausaufgaben oder Klausurvorbereitungen zu tun. Eine Entspannung bieten unter anderem die Discotheken, wo sie sich mit Freunden treffen und sich austoben können. Doch vielen ist dieses von der elterlichen Seite nicht erlaubt, so daß sie dann doch wieder gelangweilt in ihrem Zimmer vor dem Fernseher verbringen müssen. Viele Jugendliche würden es begrüßen, wenn auch Sonntags die Geschäfte offen hätten und die allgemeine Sonntagsruhe vernachlässigt werden würde, sie aber trotzdem Schulfrei hätten. Denn wie bereits erwähnt, hat Shopping für sie einen hohen Freizeiterlebnis- Wert. Für Jugendliche, die bereits arbeiten oder eine Ausbildung absolvieren, muß es ebenfalls mindestens einen einheitlichen Ruhetag in der Woche geben, an dem sie sich von ihrer Arbeit erholen und sich mit ihren Freunden treffen können. Wir denken, daß es auch insbesondere für die Jugendlichen wichtig ist, das es einen festen Rhythmus mit einer gewissen Anzahl von Arbeitsstunden bzw. – tagen gibt, aber auch ein Wochenende, auf das sie sich freuen können.
2.9. Was wäre, wenn der Sonntag wirklich zum Werktag werden würde? Was würde man alles unternehmen, wenn der Sonntag ein ganz normaler Tag wie allen anderen wäre? Allgemein sind es 22%, die sich für ein Einkaufsbummel am Sonntag aussprachen. Rund 48% der über 25jährigen würde von Sonntagsshopping nichts wissen wollen. Doch es sind gerade die Jugendlichen, die nachfolgende Generation zwischen 14 und 24 Jahren, die sich für so eine Möglichkeit begeistern lassen würde, denn für sie ist Shopping ein Freizeiterlebnis. Doch es sind immer noch ganze 56%- davon auch ein beachtlicher Teil von Bundesbürgern, die nie zum Gottesdienst gehen- , die sich eine Sonntagsruhe wie bisher wünschen. Das ist die Hälfte der Bevölkerung- noch, denn in den kommenden Jahren wird sich die Meinung vieler ändern bzw. von der nachfolgenden Generation überschattet. Doch es ist auch Fakt, daß es Umfrageergebnisse an sich haben, daß Widersprüche und Ungereimtheiten nicht sichtbar werden. Wie schön auch immer das Sonntagsshopping sein mag, einem bestimmten Anteil der Bevölkerung wird die Möglichkeit des gemeinsamen Erlebens freier Zeit genommen. Oder ein weiteres Beispiel: Die Freigabe des Sonntags für den Handel hätte mit Sicherheit zur Folge, daß es zu einem raschen Anstieg der Sonntagsarbeit in anderen Dienstleistungsgebieten kommen würde. Derartige Verschiebungen würden sich sehr schnell auf das gesamte Sozialgefüge auswirken. So ist es auch wahrscheinlich, daß sich keiner der Tatsache entziehen könne, wenn der Sonntag zum Arbeits- und Besorgungstag werden würde. Es wäre also eine kollektive Entscheidung, die für alle zur Folge hätte, daß die Woche sozusagen eingeebnet und der Zeitrhythmus zerstört werden würde. Das liberale Argument, man könne sich doch den Sonntag selbst nach eigenen Interessen flexibel aussuchen ist widersinnig. Wie soll dieses möglich sein? In einer Arbeitswelt, die immer mehr das Ergebnis eines feingliedrigen Zusammenspiels miteinander verbundener Marktteilnehmer ist und immer weniger in der Verfügung einzelner Individuen, Unternehmen oder Gruppen steht. Und es ist nicht egal, ob die Familie einen gemeinsamen Sonntag hat oder der Vater am Montag, die Mutter am Mittwoch und die Kinder am Samstag frei haben. Es ist nicht egal, ob sich Freundeskreise treffen können. Es ist gerade wichtig, daß die einzelnen und die Gesellschaft einen Rhythmus von Schaffen und Ruhe, Alltag und Festtag haben. Sonst gibt es nämlich einen burn-out-Effekt und zwar für die ganze Gesellschaft.
3. Nachwort Abschließend ist zu sagen, daß wir unseren methodischen Plan weitgehend eingehalten haben. Wie bereits vermutet, haben sich uns Fragen aufgetan, die wir dann des weiteren versucht haben zu beantworten. Zusätzlich haben wir unter anderem einen Blick auf die Bedeutung des Gottesdienstes und sein Entstehen sowie auch einen Blick ins Gesetzbuch geworfen, um die rechtliche Grundlage des Sonntags zu klären. Wir denken, daß es uns weitgehend gelungen ist, unserem Ziel, den Sachverhalt möglichst von allen Seiten zu erhellen und außerdem weitere Aspekte aufgeführt haben. Wir sind zwar zu keiner Lösung gekommen, was wir uns schließlich auch nicht vorgenommen haben, ziehen aber nun aus alledem, was wir in dieser Arbeit an Hintergründen erfahren haben, ein Fazit: Der Sonntag ist ein Geschenk einer religiösen Gemeinschaft an die ganze Gesellschaft. Nur ein kollektiver Ruhetag schafft Chancen für Gemeinsamkeiten, wie sie für die Integration auch einer individualistischen Gesellschaft unverzichtbar sind.
4. Anhang
Literaturverzeichnis
Internetseiten:
Zeitungsartikel:
Lexika:
CD-Rom:
Literatur:
|
© RPI Loccum