Jugend&Kultur&Religion

Gymnasium Ernestinum Rinteln


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Die neuen Paradiese?

Das Thema "Spaßgesellschaft" in einem Schulgottesdienst

 

 

VerfasserInnen: Ramona Anders, Tim Krüger, Valentina Breise, Jessica Kuhlmann, Benjamin Brill, Andrea Lohrengel, Svenja Brill, Rasmus Meier, Victoria Drewnitzky, Julia Mohrmann, Sonja Eikmeier, Vanessa Requardt, Anna Huff, Katrin Schnase, Katharina Hundertmark, Florian Schobeß, Christoph Kalbe, Nina Siegert, Anna Julia Krause, Martina Strübe, Christian Krohn, Birte Vogt

 

 

Betreuende Lehrkraft: Dirk Wilkening

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Statt einer Einleitung: Protestanten rechtfertigen sich
2. "Schöner als die Wirklichkeit" – Thematischer Einstieg
3. Gen 2f: Paradies und Sündenfall
a. Gen 2: Das Paradies
b. Gen 3: Der Sündenfall
c. Kommentar
4. Schulgottesdienst: Ja oder nein?
5. Gottesdienstablauf
6. Die Rollenspiele
a. Szenisches Spiel I: Die Selbsthilfegruppe
b. Szenisches Spiel II: Ansturm auf die Kirche
c. Erläuterung zu den Rollenspielen
7. Predigt im Buß- und Bettagsschulgottesdienst
8. Fürbitten
9. Die Lieder
10. Statt einer Nachbetrachtung: Der Jahrbuchbericht
"Spaß! Spaß! Spaß? Der Jugendgottesdienst 2000"
a. Die Vorbereitungen
b. Der Gottesdienst
11. Literatur- und Medienverzeichnis
12. Anhang

 

 

 

1. Statt einer Einleitung: Protestanten rechtfertigen sich

Wir sind Protestanten!

Deshalb "protestieren" wir gegen den Ausschluss der Sek. I bei diesem Wettbewerb – und nehmen teil! Wir nehmen teil, weil wir dabei sind, eine Schulgottesdienst-Tradition (seit 1999 am Buß- und Bettag) aufzubauen, und weil das Thema unseres letztjährigen Gottesdienstes "Erlebnisgesellschaft" Überschneidungen aufwies zum Thema des Schülerlandeswettbewerbs des RPI "Jugend & Kultur & Religion". Deswegen ist es auch eine "praktische" Arbeit geworden.

Und wir nehmen teil, obwohl wir "nur" eine 10. Klasse sind. Aus den RRL für die Klassen 9 und 10 haben wir zwei Leitthemen herausgesucht, mit denen wir unsere Teilnahme "rechtfertigen" können.

Glück suchen – Heil erfahren (Leitthema 2)

Viele Menschen versuchen ihre Wunschträume kurzsichtig umzusetzen und werden durch den Sog der Medien und die vielen Glücksangebote der Werbung für z.B. Freizeitparks dazu angespornt. Die von dort mitgebrachten Souvenirs verkörpern die Traumwelt in der Wirklichkeit, dem grauen Alltag, und werden deswegen angebetet (Vergötzung).

Schuld und Vergebung (Leitthema 7)

Werbung zielt darauf ab, Schuldgefühle bei den (erwachsenen) Zuschauern zu wecken, um sie später auszunutzen. Die RRL beschäftigen sich mit dem Wunsch so "sein zu wollen wie Gott", den wir auch in unserer Arbeit eingebracht haben (Kommentar zur Paradiesgeschichte), so wollen z. B. die Konstrukteure der Parks schöpfen wie Gott und verlagern z.B. Skigebiete ins Flachland von Holland oder überdachte Südseestrände nach Japan.

Ein weiterer Punkt der RRL ist die Entfremdung des Menschen vom Menschen. In den Freizeitparks wird der Einzelne anonym und fremd, statt echter Gemeinschaft gibt es dort allenfalls Schlangestehen. Viele Menschen flüchten aus ihrem Alltag in den Rausch der Erlebnisgesellschaft, in der sie immer größere Kicks suchen.

In den RRL finden wir zudem noch den Unterpunkt "Abschieben der Schuld auf andere (Sündenböcke)"; dieses Verhalten gibt es schon in der Paradiesgeschichte, die ein Teil unserer Arbeit ist, in der das Paradies als mythischer Schlüsselbegriff gesehen wird, so wie in den RRL genannt.

Da unsere Arbeit mit den RRL der 10. Klassen übereinstimmt, können wir also mit ruhigem Gewissen an dem Wettbewerb teilnehmen!

 

 

2. "Schöner als die Wirklichkeit" – Thematischer Einstieg

Zur Einführung in das Thema "Erlebnisgesellschaft" haben wir eine Dokumentation geguckt, die uns viel Wissenswertes übermittelte, aber auch einige Fragen offen ließ.

Was bedeutet eigentlich "Erlebnisgesellschaft"? Der Begriff Erlebnisgesellschaft bezeichnet den Beginn einer neuen Ära und zwar die der Traum- und Erlebniswelten, die häufig in Form von Freizeit- und Erlebnisparks daherkommen. In diesen künstlichen Welten, abseits von Kummer, Schmerz, Krankheiten und Not, sollen die Menschen die Realität vergessen. Das Ziel der Parkerbauer ist es, den Menschen organisierte Lebensfreude zu vermitteln und diese so zu dosieren, dass die Zielgruppe "Mensch" immer wieder das Verlangen verspürt, diese Parks zu besuchen, um einen immer größeren Kick zu erleben. Man kann sagen, die Parkerbauer verkaufen Träume und Glück, welches die Parkbesucher in Form von Souvenirs auch mit nach Hause nehmen dürfen. Durch diese heiligen Gegenstände bleibt die Erinnerung an einen schönen Tag voller "Wunder" und Erlebnisse immer erhalten.

Aber wem nützt dieses Traumdenken? Für die Parkerbauer lohnt es sich natürlich, da Traumwelten mit Traumquoten gleichgesetzt werden können. Das Motto der Parkerbauer heißt "Marken lohnen sich", denn die Menschen lassen sich von dem schönen Schein des Reichtums leicht verführen. Vergleichen lässt sich dieses mit der Paradiesgeschichte, weil schon Adam und Eva sich von der sichtbar süßen Frucht haben verlocken lassen, um mehr "Lebensqualität" zu gewinnen und so zu sein wie Gott. Daran erkennt man eine weitere Parallele, die zwischen den Freizeitparks und der Religion vorhanden ist.

Ersetzen Freizeitparks aber die Religion? In einem gewissen Sinn schon, da sie den Menschen genau wie der Glaube Glück, Zufriedenheit und Erfüllung vermitteln wollen. Doch man sollte beachten, dass die Freizeitparks nicht durchgehend geöffnet haben und man diese Erfüllung nur in dem Moment verspürt, wenn man als Besucher dieses Parks einen Kick verspürt. Der christliche Glaube jedoch ist etwas, das keine Öffnungszeiten kennt und nicht käuflich ist, so dass jeder Mensch zu jeder Zeit und an jedem Ort die Möglichkeit hat, durch ihn seine Erfüllung zu erlangen.

 

 

3. Gen 2f: Paradies und Sündenfall

a. Gen 2: Das Paradies

8. Dann pflanzte Gott der Herr einen Garten in Eden gegen Osten und setzte den Menschen darein, den er gebildet hatte. 9. Und Gott der Herr ließ allerlei Bäume aus der Erde wachsen, lieblich anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. 10. Es entspringt aber ein Strom in Eden, den Garten zu bewässern; von da aus teilt er sich in vier Arme:11. Der erste heißt Pison; das ist der, welcher das ganze Land Havila umfließt , wo das Gold ist; 12. Und das Gold jenes Landes ist köstlich. Da findet man auch das Bdellionharz und den Edelstein Soham .13. Der zweite Fluss heißt Gihon; das ist der, welcher das ganze Land Kusch umfließt. 14. Der dritte Fluss heißt Hiddekel (d.i. Tigris); das ist der, welcher östlich von Assur fließt. Der vierte Fluss ist der Euphrat. 15. Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre. 16. Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Von allen Bäumen im Garten darfst du essen; 17. Nur von dem Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen, von dem darfst du nicht essen; denn sobald du davon issest, musst du sterben. 18. Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm eine Hilfe schaffen, die zu ihm passt. 19. Da bildete Gott der Herr aus Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte sie zum Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde; und ganz wie der Mensch sie nennen würde, so sollten sie heißen. 20. Und der Mensch gab allem Vieh und allen Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes Namen; aber für den Menschen fand er keine Hilfe, die zu ihm passte. 21. Da ließ Gott der Herr einen Tiefschlaf auf den Menschen fallen, sodass er einschlief. Und er nahm eine von seinen Rippen heraus und schloss die Stelle zu mit Fleisch. 22. Und Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, und führte sie dem Menschen zu. 23. Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. 24. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein EIN Fleisch. 25. Und sie waren beide nackt, der Mensch und sein Weib, und schämten sich nicht.

b. Gen 3: Der Sündenfall

Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? 2.Da sprach das Weib zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; 3. Aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! 4. Da sprach die Schlange zu dem Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, 5. Sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset , werden eure Augen aufgetan , und ihr werdet sein wie Gott und wissen , was gut und böse ist. 6.Und das Weib sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß. 7. Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. 8. Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging als der Tag kühl geworden. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten. 9. Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm:Wo bist du? 10. Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. 11. Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? 12. Da sprach Adam: Das Weib, das du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. 13. Da sprach Gott der HERR zum Weibe: Warum hast du das getan? Das Weib sprach: Die Schlange betrog mich, so dass ich aß. 14. Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauch sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. 15. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten und du wirst ihn in die Verse stechen. 16. Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, aber er soll dein Herr sein. 17. Und zum Manne sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deines Weibes und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen -, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. 18. Dornen und Disteln soll er tragen und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. 19. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden. 20. Und Adam nannte sein Weib Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben. 21. Und Gott der HERR machte Adam und seinem Weibe Röcke von Fellen und zog sie ihnen an. 22. Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich. 23. Da wies ihm Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. 24. Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzendem Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.

c. Kommentar

Am Anfang ist die Beziehung zwischen Gott und Adam und Eva, den ersten Menschen, sehr vertraut, weil sie sich nicht vor ihm verstecken, obwohl sie nackt sind. Allerdings leben die Menschen in völliger Abhängigkeit von Gott.

Dann taucht die Schlange auf. Sie verwickelt Eva hinterlistig in ein Gespräch, das sie mit einer falschen Behauptung beginnt, indem sie sagt, dass die Menschen von KEINEM Baum im Garten essen dürfen. Eva wendet ein, dass Gott ihnen nur verboten hat die Früchte vom Baum der Erkenntnis zu essen, weil sie sonst sterben müssen. Damit erwähnt sie den Baum der Erkenntnis, des Guten und des Bösen als erste. Die Schlange lockt Eva mit der Behauptung, dass sie nach dem Essen der Frucht nicht sterben und außerdem wie Gott sein wird und Gutes und Böses erkennen kann. Das bedeutet, der Mensch wird nicht wie Gott sein, sondern wird nur, wie Gott, Gutes und Böses unterscheiden können.

An dieser Stelle hat Eva eine Entscheidung zu treffen. Entweder achtet sie Gottes Verbot und widersteht damit der Versuchung, oder sie hört auf die Schlange und isst von den Früchten. Eva fällt erneut auf die Schlange herein und probiert von der Frucht, wobei der Grund für diese Entscheidung wahrscheinlich war, dass die Schlange gesagt hat, dass sie nicht sterben wird. Danach übernimmt Eva die Rolle der Schlange und verführt Adam ebenfalls von der Frucht zu essen.

Weil sie Gottes Verbot missachtet haben, werden beide schuldig. Um sich aus der Abhängigkeit von Gott zu lösen, mussten die Menschen zwangsläufig schuldig werden. Mensch sein heißt deshalb: schuldig werden müssen!

Nach dem Überschreiten des Verbots ändert sich die Beziehung zwischen Gott und den beiden Menschen grundlegend. Das kann man daran erkennen, dass sich Adam und Eva vor Gott verstecken und sich schämen, weil sie nackt sind. In dieser Beziehung ist das Vertrauen ganz weg, das Gesamtvertrauen beiderseits ist jedoch nur erschüttert.

Als Gott Adam beschuldigt der Versuchung nicht widerstanden zu haben, hat er nicht den Mut die Verantwortung zu tragen, sondern schiebt die Schuld auf Eva. Aber auch sie ist zu feige zu ihrer Entscheidung zu stehen und schiebt die Schuld auf die Schlange. Hier bleibt die Antwort auf die Frage, ob die Schlange Gott die Schuld auferlegen wollte, offen.

Auf Grund der Verbotsmissachtung werden Adam, Eva und die Schlange von Gott bestraft. Diese Strafen sind bis heute erhalten:

- der Mann (Adam) muss immer noch hart arbeiten,
- die Frau (Eva) erleidet noch heute Schmerzen bei der Geburt,
- die Schlange kriecht jetzt noch im Wüstensand und scheint Staub zu fressen
- und auch die Feindschaft zwischen Mensch und Schlange besteht noch heute. Die Menschen  fürchten sich immer noch vor dem Biss der Schlange und treten deshalb nach ihr.

Aber die wohl schlimmste Strafe ist die Verbannung aus dem Paradies. Von nun an müssen die Menschen ein Leben mit Sorgen, Ängsten, Krankheiten und anderen Nöten führen, ohne jemals ins Paradies zurückkehren zu können. Diese Tatsache ist mit dem Erwachsen-Werden zu vergleichen. So wie sich Kinder aus der Abhängigkeit und Geborgenheit der Eltern lösen, mussten sich Adam und Eva aus der Abhängigkeit Gottes und seiner Geborgenheit im Paradies lösen.

Heute verdrängen die Menschen ihre Sorgen und ihr Leid in den neuen Paradiesen, der Spaßgesellschaft, den Erlebnisparks. Damals stand der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen verlockend im Mittelpunkt, heute sind es die Achterbahnen und andere Fahrgeschäfte raus aus dem Alltag, die Spaß vermitteln und deshalb die Besucher anziehen und der Höhepunkt eines jeden Parks sind.

So wie die Schlange Eva zum Essen der Frucht verführte, werden die Leute von der Werbung zum Besuchen der Freizeitparks angeregt. Beide geben ein Versprechen ab, das sie nicht halten können. Die Schlange verspricht den Menschen, dass sie sein werden wie Gott, aber nach dem Essen sind sie es nicht. Die Werbung für Freizeitparks verspricht Gemeinschaft und sinn-volle Beschäftigung, im Freizeitpark ist jedoch jeder alleine auf der Suche nach dem Kick. Im Paradies dagegen ist eine unmittelbare Nähe zwischen Gott und den Menschen vorhanden.

Die Erbauer der Parks betätigen sich als Schöpfer, z.B. erschaffen sie einen ganzen Tropenwald unter einer Glaskuppel oder künstliche Skipisten im Flachland von Holland. Dort fühlt man sich wie im Paradies, Sorgen und Nöte werden von einem fern gehalten und man ist von der Außenwelt abgeschottet.

Die beiden ersten Menschen hatten nach dem Essen der Frucht die Erkenntnis von Gut und Böse. Somit erkannten sie, dass es ein Fehler war, Gottes Verbot zu missachten, und sie versteckten sich aus Scham vor Gott. Bei Attraktionen im Freizeitpark werden Glückshormone freigesetzt. Für die Besucher ist das der Kick, der sie spüren lässt, dass sie Spaß haben und deshalb leben. Durch den Spaß werden die Besucher vom Alltag abgelenkt; sie kommen immer wieder, weil sie einen immer größeren Kick brauchen.

Die Verbannung aus dem Paradies kann man mit dem Ende eines Tages im Freizeitpark vergleichen, da man den Park - wie Adam und Eva das Paradies - verlassen muss. Der Unterschied ist jedoch, dass Adam und Eva das Paradies nie wieder betreten können - die Besucher aber können bei Bedarf in ihre "neuen Paradiese" zurück.

 

 

4. Schulgottesdienst: Ja oder nein?

In Religionsstunden werden oft Themen jenseits der eigenen Konfession behandelt (fremde Religionen, ethische Fragen). Es wird darüber diskutiert, was diese Themen denn mit dem christlichen Glauben zu tun haben. Die Meinung der Schüler ist hier besonders gefragt; für den Lehrer ist dabei sehr interessant, wie sie argumentieren und was sie denken. Manche Schüler blühen in solchen Diskussionsrunden richtig auf, da sie für sich selbst überprüfen können, warum sie "ihren" Glauben gewählt haben.

Aus solchen Unterrichtssituationen heraus kann man zunächst keinen Schulgottesdienst entstehen lassen. Außerdem gibt es organisatorische Probleme, da die Zeit und die Motivation (viel Arbeit würde auf die Klasse zukommen) in der Regel nur gering sind. Doch bietet gerade ein Schulgottesdienst die Möglichkeit den eigenen Glauben näher erfahren bzw. gestalten zu können. Deswegen findet ein Gottesdienst manchmal doch statt – und die Schüler erinnern sich häufig daran, besonders wegen der Gemeinschaft und der Wärme, die durch die enge Zusammenarbeit hergestellt wird. Hilfreich ist dafür eine angenehme Umgebung, in der sich die Jugendlichen wohlfühlen können (z. B. ein speziell für diesen Zweck eingerichteter Gottesdienstraum). Folgende Argumente können wir aus eigener Erfahrung noch ergänzen:

Pro

Contra

Die Schulen sind dafür und unterstützen das Projekt der Schüler.

Manche Schüler zeigen Abneigung gegen die Kirche und wollen deshalb nicht am Gottesdienst teilnehmen.

Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Verantwortungsbewusstsein wird gestärkt.

Schüler anderer Religionen gehen nicht in die Kirche.

Die Schüler lernen zu organisieren.

Viele Schüler finden Religion langweilig.

Abwechslung zum Unterricht.

Zu viele Unterrichtsstunden werden für den Aufbau des Gottesdienstes "geopfert".

Schüler sehen, dass Kirche auch Spaß machen kann.

Nach Schulschluss ist keine Motivation vorhanden, um näheres vorzubereiten.

Die Kirche wird den Schülern nähergebracht und sie ist ihnen nicht mehr so fremd, sondern vertrauter.

Gestaltung des Gottesdienstes stimmt nicht unbedingt mit dem Lehrplan für das Schuljahr überein.

 

FAZIT:

Die positiven Argumente in Zusammenhang mit den positiven Erfahrungen, die wir selbst gemacht haben, bestärken uns darin, den Gottesdienst anzugehen!

 

 

5. Gottesdienstablauf

Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied: Keinen Tag soll es geben...
Szenisches Spiel: Die Selbsthilfegruppe/Ansturm auf die Kirche
Chor: Put your...
Predigt: Sehnsucht nach Paradiesen
Kanon
Fürbitten/Vaterunser
Chor: Freedom
Segen
Lied: Havenu shalom alechem
Schluss/Aufbruch

 

 

6. Die Rollenspiele

a. Szenisches Spiel I: Die Selbsthilfegruppe

Die Patienten und die Therapeuten sitzen im Halbkreis; die Therapeuten sitzen außen.
Tim Krüger: als Therapeut Herr Dr. Krüger
Nina Siegert: als Therapeutin Frau Dr. Siegert
Benjamin Brill als Patienten; jeder Patient hat einen "Tick", eine für ihn

Christian Krohn typische, sich wiederholende Zwangshandlung (Ärmel hoch-

Valentina Breise und runterschieben, Hände kneten, Hände an den Beinen entlang streichen)

Die Therapeuten begrüßen sich mit Vornamen.

Tim zu Nina: "Ich habe gehört, wir haben einen neuen Teilnehmer?" Nina nickt.

Therapeuten begrüßen abwechselnd die Patienten mit Nachnamen, Nina zwei, Tim einen.

Nina begrüßt das neue Mitglied Benjamin und fragt: "Was führt Sie zu uns?"

Benjamin schildert sein Problem. Er lässt viel Geld auf Jahrmärkten, vor allem auf der Rintelner Messe; seine Frau droht ihn rauszuschmeißen, denn das Geld reicht nicht bis Monatsende.

Nina: "Herr Brill, erzählen Sie doch mal, was Sie von dieser Gruppe hier erwarten."

Benjamin: "Ich erhoffe mir von der Gruppe, dass ich hier meine Sucht loswerden kann, so dass ich wieder mit meinem Geld auskomme. So wird sich hoffentlich auch das Problem mit meiner Frau lösen."

Tim sagt (zu Benjamin): "Interessant, ich möchte gerne einen Versuch mit Ihnen machen. Sie sollen zu einem Stichwort frei assoziieren. Schließen Sie bitte die Augen! Konzentrieren Sie sich: Das Stichwort lautet RINTELNER MESSE."

Benjamin (ohne nachzudenken): "Hip Hop-Flyer, Musikexpress, 27mal hintereinander gefahren, davon 11mal rückwärts, Pommesbude, Currywurst, gebrannte Mandeln, Bier aus Plastikbechern, Lose ziehen, ‚Leider nein’, Dosen werfen, Riesenrad, Autoscooter, Plastikblumen schießen..."

Tim unterbricht Benjamin: "Stopp! Sagen Sie mir, wie Sie sich anschließend fühlen, ich meine, nachdem Sie auf der Messe waren?"

Benjamin (nachdenklich, nach einer Pause): "Leer - wie eine dieser Dosen beim Dosenwerfen."

Nina fragt Valentina, wie der Wochenverlauf der letzten Woche war.

Valentina (euphorisch): "Schön, wunderschön!" (Pause; merkt, dass sie etwas falsch gemacht hat, deshalb schuldbewusst weiter) "Ich war jeden Tag in einem anderen Park. Am letzten Sonntag war ich im Rastiland, am Montag im Disney Land – übrigens das erste Mal in diesem Monat -, gestern im Heidepark, aber..." (stolz) "Heute war ich noch in gar keinem Park!"

Nina (resignierend): "Aha, ich verstehe. Also, anscheinend haben wir noch keine Verbesserung erreicht."

Tim: "Kommen wir noch mal zurück zum Fall Krohn. Ich habe mir Gedanken über ihr Problem gemacht und möchte auf eine mögliche Ursache zu sprechen kommen. Hatten sie Probleme in ihrer Kindheit mit ihren Eltern?"

Christian (abwinkend): "Überhaupt nicht!"

Tim: "Beschreiben Sie doch einmal, wie Ihr Kinderzimmer aussah!"

Christian: "Oh, das war wunderschön – das schönste Kinderzimmer, das man sich vorstellen kann! Für mich war es ein kleines Paradies: elektrische Eisenbahn, Carrera-Autorennbahn, Kisten voller Lego und Eimer voller Playmobil, eine Sammlung von Siku-Autos, Regale voller Kassetten von Benjamin Blümchen über Tabaluga und TKKG bis hin zu den Drei Fragezeichen – eine Unordnung, dass mein Gameboy manchmal gar nicht mehr zu finden war, so dass ich ganz traurig nur noch meinen kleinen Fernseher anschalten konnte..."

Tim (resignierend): "Ah, ich verstehe, ich glaube wir nähern uns langsam der Ursache ihres Problems."

Nina: "Herr Dr. Krüger, ich glaube, hier liegt ein deutlicher Fall von (betont) äußerer Überfülle bei gleichzeitiger innerer Leere vor."

Tim (nickend): "Frau Breise, ich bitte Sie, nächste Woche in möglichst wenige Parks zu gehen."

Valentina: "Ich versuche ja schon, nicht mehr so oft hinzugehen - aber der Drang ist oft stärker als der Wille aufzuhören."

Nina: "Ich denke, wir sollten nun zum Schluss noch einige Übungen gegen Ihre Sucht machen. Bitte machen Sie nach, was ich vormache. Schließen Sie zunächst die Augen!" (Nina macht eine Art Phantasiereise, bei der die Patienten sich vorstellen sollen, dass sie in einem Freizeitpark sind. Anschließend sollen sie den Park – noch einmal an der Achterbahn vorbei - verlassen und nach Hause gehen. Dort sollen sie sich entspannen, eine Tasse Tee trinken und ein Buch lesen. [ Bei dem Wort "Buch" fangen die Patienten gleichzeitig an, den Kopf zu schütteln] Nachdem sich die Patienten vollkommen entspannt haben, werden sie von Nina aus der Phantasiereise herausgeholt.)

Tim: "Ich habe Ihnen einige Bücher mitgebracht, die Sie bitte zu nächster Woche lesen sollen." Tim gibt jedem Patienten ein Buch und verabschiedet die Patienten.

Die Patienten verlassen die Bühne, anschließend führen die Therapeuten noch ein Nachgespräch, in denen ihre zunehmende Euphorie zu spüren ist.

Nina: "Mensch, Tim, das war ja wieder ganz schön anstrengend! Jetzt brauch ich erst einmal Erholung."

Tim: "Die Patienten rauben mir echt die letzten Nerven mit ihren Problemen. Es wird Zeit, dass ich mal wieder richtig Urlaub mache."

Nina: "Urlaub klingt wirklich gut. Ich hab da letztens von einem Angebot gehört, das echt ver-lockend klang: ein Wochenende im Disneyland in Paris für gerade mal 499,- DM! Und ich habe mir gedacht, falls du am Wochenende noch nichts Besseres vor hast, könnten wir ..."

Tim: "Disneyland Paris!?! Da wollte ich schon immer mal hin, da wird endlich mein Kindheitstraum wahr. Natürlich komm ich mit, Nina!"

Nina: "Das wird bestimmt klasse! Ich freue mich schon. Wann willst du mich abholen kommen?"

Tim: "Ich dachte an Freitag Nachmittag..."

b. Szenisches Spiel II: Ansturm auf die Kirche

A. = Andrea; K. = Katharina

A: (platzt mitten in die Nachbesprechung der Therapiestunde und verbreitet eine Mischung aus ausgelassener Stimmung und Hektik, sie trägt Hawaiihemden und bunte Krawatten auf dem Arm) Halt! Stopp! Mein Gott, verlassen Sie sofort dieses öde Gebäude!...

K: (kommt aus dem Chor "gestürmt") Stopp! Bitte bleibt sitzen, ich werde das hier regeln!

(zu Andrea) Was soll das?!

A: (abwertend zu Katharina) Ach! (wieder zur Gemeinde) Sie wollen doch nicht wirklich hier in dieser kargen, kalten Kirche rumsitzen?! Und wie sehen Sie überhaupt aus? – So grau in grau ... Hier! (überreicht Hemden und bindet Krawatten um) Legen Sie ihren Alltag ab und machen Sie sich für die Spaßgesellschaft fertig! ... So, das hätten wir! Nun können Sie ...

K: (fällt Andrea ins Wort) Moment! Was um Himmelswillen tun Sie hier überhaupt? Sie können doch nicht einfach hier hereinplatzen und Hektik verbreiten...

A: Schon gut! (Auch Katharina wird mit Utensilien überrumpelt) – So, und nun verlassen Sie endlich diese Kirche! Raus! (Anpreisend) Im Industriegebiet finden Sie das neue Erlebniseinkaufszentrum mit integrierter Badeanstalt. Die hat sechs Becken mit unterschiedlicher Wassertemperatur, eine Rutsche mit vielen Kurven, die fünfhundert Meter lang ist, und eine Saunalandschaft ... (Zeigt auf einen der Gottesdienstbesucher) Sie habe ich doch da auch schon mal gesehen!

K: Sie haben doch nicht das Recht, diese Leute hier einfach aus der Kirche zu schmeißen! Das ist eine Schulveranstaltung, die Sache ist genehmigt. Und außerdem sehen Sie doch, wie viele Leute gekommen sind.

A: Ach! Papperlapapp! Wer braucht denn schon noch das "Leid Christi", wenn er statt dessen Fun und Action haben kann???

K: Also, erstens kann man in der Kirche auch Fun und Action haben, Sie sehen doch, was hier los ist, und zweitens: Wie wollen Sie mit ihren dämlichen Achterbahnen so etwas wie Leid oder Krieg aus der Welt fahren?

(Die beiden gucken sich einen Moment schweigend an und gehen dann auseinander)

c. Erläuterung zu den Rollenspielen

Die Selbsthilfegruppe

oder besser Therapie der Opfer der Erlebnisgesellschaft. Denn eigentlich ist die Bezeichnung Selbsthilfegruppe untertrieben. Durch dieses Rollenspiel wollten wir die Probleme und Ursachen der Spaßsucht veranschaulichen - dass nicht nur Drogen oder Alkohol Sucht verursachen können.

Jeder unserer Patienten hatte einen Tick (wie im Rollenspiel beschrieben), als Ausdruck der Entzugserscheinungen. Diese Entzugserscheinungen sollten die Abhängigkeit darstellen, wie bei Drogenabhängigen, die ihren Stoff brauchen. Die Probleme unserer Erlebnisgesellschaftsgeschädigten waren Geld, Zoff/Streit in der Familie, Konsumabhängigkeit, der Drang, immer wieder in einen Freizeitpark gehen zu müssen bzw. ohne Park kein erfülltes Leben zu haben.

Unsere Therapeutin ging auch gleich auf das Konsumproblem ein, indem sie darauf hinwies, dass bei einem der Patienten ein eindeutiger Fall von äußerer Überfülle bei gleichzeitiger innerer Leere vorliegt. Das bedeutet, dass er zwar im Spielzeug ertrinkt, aber innerlich keine Erfüllung verspürt.

Die Fantasiereise sollte eine Art Karikierung bzw. Veralberung einer fernsehtypischen Therapiesitzung darstellen. Das sogenannte Nachgespräch der beiden Therapeuten sollte zeigen, dass selbst diejenigen, die anderen helfen wollen von einer Sache/Sucht loszukommen, dieser Sache auch nicht immer widerstehen können.

Ansturm auf die Kirche

Der Anfang dieses Rollenspiels ist ziemlich ungewöhnlich, denn noch während der Selbsthilfegruppenszene platzt eine "Vertreterin der Erlebnisgesellschaft" in die Kirche und unterbricht das Gespräch der Therapeuten. Ihre "Mission" ist es, die Leute aus der, ihrer Meinung nach, zu öden Kirche zu schmeißen, um sie zu den schönen Dingen des Lebens zu weisen (Einkaufszentrum mit integrierter Badeanstalt). Das Anziehen der Hawaiihemden und der bunten Krawatten symbolisiert das Ablegen des eintönigen, tristen Alltags (Symbol hierfür graue Klamotten) und das Fertig-Machen für die Erlebnisgesellschaft.

Der Höhepunkt des "Konfliktes" war die Frage, wer denn schon noch das Leid Christi bräuchte, wenn er stattdessen Fun und Action haben könne? Auf diese Frage folgte eine sehr wichtige Gegenfrage, denn wie soll die Spaßgesellschaft das Leid aus der Welt schaffen? Darüber sollte jeder für sich nachdenken, womit auch der abrupte Schluss zu erklären ist. Denn die beiden Darstellerinnen "froren" für einen Moment ein und gingen anschließend schweigend auseinander und ließen die Zuschauer mit ihren Gedanken allein zurück.

 

7. Predigt im Buß- und Bettagsschulgottesdienst

am 22.11.2000 in Rinteln (Berufsschulpastor Gerd Brinkmann)
aber es muss doch auch Spaß machen!!! Ich muss doch Spaß an einer Sache haben.
Das motiviert mich doch erst!! Alles andere ist doch Quälerei!
Und da kann man doch nicht Leute, die einfach nur Spaß haben wollen, gleich therapieren, wie eben im Rollenspiel. Und sie als Süchtige hinstellen!
Sie sind doch getrieben von einer Sehnsucht. Auch eine Art von Sucht, aber unheilbar!!
Ich sehne mich nach Glücksgefühlen, nach dem Ort, wo alles gut und in Ordnung ist für mich.
Ich sehne mich nach einem guten Weg, der mich in eine bessere Zukunft führt.
Nach Menschen, mit denen es mir gut geht und mit denen ich Spaß habe.
Das sind alles Sehnsüchte! Nur, wo können die erfüllt werden?
Auf der Rintelner Messe? In Freizeit-Parks? Vielleicht ein bisschen!
Vielleicht gibt's da Momente, wo sich so ein Gefühl einstellt.
Vielleicht fühl ich mich einfach gut dort. Das wäre ja schon was!
Nur, wenn ich´s nur da suche, dann wird´s schwierig.
Dann brauch ich den ständigen Kick, dann komm ich in einen Wiederholungszwang.
Und das wird ganz schön hohl! Dann schlägt das Pendel zu weit aus.
Dann gibt´s "Spaß um jeden Preis".
Und dann krieg ich einen Tick weg, wie im Rollenspiel vorgeführt.
Dann wird aus der großen Lebenssehnsucht eine kleine enge Suchtbefriedigung.
Und ob man damit glücklich werden kann, weiß ich nicht!
Man deckt einfach so viel zu!
Spaß haben, immer gut drauf sein, immer lächeln – das kann doch nicht ehrlich sein!
Das ist eine schlechte Utopie von gesundem, glatten, schönen und keimfreiem Leben.
Auf die Dauer langweilig, weil inszeniert und unecht.
Das sieht auf dem Bildschirm vielleicht noch ganz gut aus, aber ansonsten ist es ziemlich hohl.
Also, lasst Euch nicht verführen! Haltet Eure Sehnsucht wach!
Lasst Euch nicht zu billig abspeisen. Ihr habt mehr verdient als so kleine Trostpflaster!
Der Buß- und Bettag ist vielleicht ein guter Tag, um sich daran zu erinnern.
Ein Tag, um sich sein Leben anzuschauen.
Gutes und Schlechtes abzuwägen, zu gucken, was sich ändern soll
und die Kraft dafür zu bekommen.
Darum können wir bitten mit Worten des Liedes, das wir eben gesungen haben:
Der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsere Sehnsucht groß und stärke uns!
Amen

 

8. Fürbitten

1. Wir bitten für alle Menschen, denen ihr Alltag grau und trist erscheint, die das Gefühl haben, ihr Leben bestehe nur aus Wiederholungen:

Lass sie einen Weg finden, ihr Leben lebendiger und aufregender zu gestalten, und gib ihnen den Mut zum Aufbruch.

2. Wir bitten für alle Menschen, die in Süchten gefangen sind, egal um welche Art Sucht es sich handelt:

Lass sie Menschen treffen, die ihnen dabei helfen, von ihrer Sucht loszukommen, so dass sie in ihr altes Leben zurückfinden oder ein neues aufbauen können.

3. Wir bitten für alle Menschen, die ihrem Alltag entfliehen wollen:

Gib ihnen die Fähigkeit, Spaß von Sucht unterscheiden zu können, so dass ihre Freiheit gewahrt bleibt.

4. Wir bitten für alle Menschen, die das Gefühl haben, den eigenen oder fremden Ansprüchen nicht genügen zu können:

Lass sie ihre Stärken finden und schenke ihnen die Gelassenheit, das nicht zu Ändernde anzunehmen.

5. Wir bitten für alle Menschen, die unter Hunger, Krankheit, Ungerechtigkeit oder Krieg leiden:

Lass sie nicht aufgeben, sondern gib ihnen die Kraft, über das Hier und Heute hinauszusehen und weiterzukämpfen.

 

Die Lieder

"Keinen Tag soll es geben"

1.Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:

Niemand ist da, der mir die Hände reicht.

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:

Niemand ist da, der mit mir Wege geht.

Refrain:

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft,

der halte unsren Verstand wach und unsre Hoffnung groß

und stärke unsre Liebe.

2.Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:

Niemand ist da, der mich mit Kraft erfüllt.

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:

Niemand ist da, der mir die Hoffnung stärkt.

Refrain:

Und der Friede ...

3.Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:

Niemand ist da, der mich mit Geist beseelt.

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst:

Niemand ist da, der mir das Leben schenkt.

Refrain:

Und der Friede ...

Wir haben das Lied ausgesucht, weil es allen wünscht, dass sie an Gott glauben können, denn dann müssen sie nie alleine sein, es ist immer jemand für sie da, der ihnen hilft und ihnen Hoffnung und Kraft gibt. Man braucht seine Sorgen und Ängste nicht in der Spaßgesellschaft zu verdrängen. Das Lied wünscht den Menschen, dass Gott mit ihnen zusammen Wege gehen kann.

"Gott gab uns Atem, damit wir leben"

1.Gott gab uns Atem, damit wir leben.

- Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.

- Gott hat uns diese Erde gegeben,

- dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

- Gott hat uns diese Erde gegeben,

- dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

2.Gott gab uns Ohren, damit wir hören.

- Er gab uns Worte, dass wir verstehn.

- Gott will nicht diese Erde zerstören,

- er schuf sie gut, er schuf sie schön.

- Gott will nicht diese Erde zerstören,

- er schuf sie gut, er schuf sie schön.

3.Gott gab uns Hände, damit wir handeln.

- Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.

- Gott will mit uns die Erde verwandeln.

- Wie können neu ins Leben gehen.

- Gott will mit uns die Erde verwandeln

- Wir können neu ins Leben gehen.

Wir haben uns für dieses Lied entschieden, weil es einen Gegensatz zur Spaßgesellschaft aufzeigt. In der Spaßgesellschaft werden Sinne und Gefühle betäubt, so dass man einen immer größeren Kick braucht, um noch etwas zu spüren. Um noch Spaß zu haben, muss alles immer größer, schneller, höher und weiter sein. In dem Lied wird darum gebeten, dass die Sinne, die Gott uns gab, wach und offen werden für den Alltag und die Wirklichkeit.

 

"Hevenu schalom alejchem"

Hevenu schalom alejchem,

hevenu schalom alejchem,

hevenu schalom alejchem,

hevenu schalom, schalom, schalom alejchem.

(Wir wünschen Frieden euch allen,

wir wünschen Frieden euch allen,

wir wünschen Frieden euch allen,

wir wünschen Frieden, Frieden, Frieden aller Welt.)

Für dieses Lied haben wir uns entschieden, weil es aller Welt Frieden verkündet. Im Zusammenhang mit unserem Gottesdienst ist der innere Friede gemeint. Im Gegensatz zu der rastlosen Suche in den neuen Paradiesen, z. B. den Erlebnisparks, stillt der Glaube die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Geborgenheit. Somit hat man den inneren Frieden.

 

Statt einer Nachbetrachtung: Der Jahrbuchbericht

"Spaß! Spaß! Spaß? Der Jugendgottesdienst 2000"

a. Die Vorbereitungen

Nachdem der gemeinsame Jugendgottesdienst des Gymnasiums und der Berufsschule letztes Jahr ein voller Erfolg war, dachten sich Herr Wilkening, Herr Haseborg und Herr Pastor Brinkmann "Let’s do it again!" (jedoch diesmal ohne die Berufsschule, die wohl keine Lust hatte).

Und während wir, die geplagte 10.1, noch dabei waren, uns verschiedene Themen für den Gottesdienst auszudenken, kam Herr Haseborg auf das Thema "Spaßgesellschaft" und brachte es in die Diskussion ein. Es wurde wild darüber diskutiert und schließlich entschlossen sich alle dafür, denn es machte irgendwie neugierig. Doch hatten wir noch keine Vorstellung davon, was man alles zu solch einem Thema machen könnte.

Also zeigte uns Herr Wilkening zum Einstieg ein Video, welches von Freizeitparks und künstlichen Skianlagen, den sogenannten "künstlichen Paradiesen", handelte. Nun waren wir gefragt uns einige Ideen auszudenken, was sich als nicht so leicht herausstellte. Wir mussten Ideen vorstellen und diese zu brauchbaren Rollenspielen umsetzen und zurecht schneiden, so dass man sie verwenden könnte; außerdem wurden ein Konzept und eine Idee für ein Werbeplakat aufgestellt. Bis zu den Herbstferien stand der grobe Ablauf des Gottesdienstes fest. Und jeder war zufrieden. Außerdem entschieden wir uns – auf Anregung von Herrn Wilkening - an dem Wettbewerb "Jugend & Kultur & Religion" teilzunehmen, obwohl dieser eigentlich nur für Kurse aus der Oberstufe bestimmt ist. Jedoch nahmen wir trotzdem teil, sozusagen als "Protestanten", und dies mit der Sicherheit, dass wir zumindest eine Teilnehmerurkunde bekommen würden. Doch als die Ferien vorbei waren und die erste Relistunde anstand, kam Herr Wilkening durch die Tür und kürzte unserer bisherigen Vorstellungen bis auf die Grundmauern, da wir ansonsten eine ganze Abendveranstaltung hätten bestreiten können. Also mussten wir wieder ran, um unsere Ideen zu verändern bzw. ganz zu streichen.

Auch der Chor wurde eingespannt und musste neue Lieder einproben. Die Chormitglieder wurden von ihrem Chorleiter Herrn Haseborg getriezt, bis sie die teils neuen und teils alten Lieder ohne große Fehler singen konnten. (Der Sopran sang zwar manchmal etwas tief, jedoch auf das Zeichen von Supermario - Herrn Haseborg – fand jeder wieder in seine Stimme zurück.)

Sogar noch während der Generalprobe mussten wir ein letztes Mal unsere Texte ändern und "verbessern" lassen.

b. Der Gottesdienst

"Der Spaß kann beginnen!" Ja genau, der Spaß kann beginnen - hieß es allerdings mehr für die Besucher als für die Darsteller und Sänger, denn zumindest unter einigen breitete sich Lampenfieber aus. Man hatte Angst sich zu versprechen bzw. sich zu versingen. Und teilweise vergaß auch mal der ein oder andere seinen Text vor Aufregung.

Zuerst war Sebastian Brendel an der Reihe, er spielte ein jazziges Orgelvorspiel. Dieses Jahr kam er auch dazu, denn letztes Jahr wurde er "irgendwie" vergessen, weil auch Pastor Brinkmann bei seinem ersten Schulgottesdienst etwas Lampenfieber verspürt haben dürfte.

Nach der Begrüßung durch Pastor Brinkmann sang der Chor – nach kurzer Probezeit - gemeinsam mit der Gemeinde "Keinen Tag soll es geben". Der darauf folgende Teil war einer unserer Beiträge. Die "Selbsthilfegruppe" war an der Reihe: In einem Rollenspiel stellte sie zwei Psychologen und drei Spaßsüchtige dar. Diese Szene sollte zeigen, was passieren kann, wenn man als Kind in Spielzeug ertrinkt, auf der Rintelner Messe sein Geld lässt oder Besuchsrekorde in Freizeitparks aufstellt. In das Ende dieser Szene "platzte" eine (Mit-) Schülerin, um so das nächste Rollenspiel einzuleiten. Sie kam in die Kirche gestürmt und wollte die Besucher "rausschmeißen", weil es Sinn jetzt woanders lustvoller gäbe, doch eine andere Mitschülerin aus dem Chor verteidigte diesen Gottesdienst. In der hitzigen Diskussion wurden Freizeitpark und Kirche, Verwaltung von Spaß oder Leid als scheinbare Alternativen deutlich.

Im Anschluss sang der Chor allein das Lied "Freedom", bevor Herr Pastor Brinkmann seine Predigt hielt. Hier griff er sofort die kurze Szene auf, indem er von Sucht und Sehnsucht sprach und die Besucher davor warnte, seine Sehnsüchte nicht so leicht und billig abspeisen zu lassen.

Nachdem die "Gemeinde" "Gott gab uns Atem, damit wir leben" gesungen hatte, waren die Fürbitten an der Reihe. Sie wurden von zwei Schülerinnen aus unserer Klasse vorgetragen, die die Fürbitten zuvor selbst geschrieben hatten. Im Anschluss folgte das Vaterunser, worauf wie gewohnt der Segen kam, jedoch zuvor der Chor mit dem Lied "Put your hand". Als eine Art Rausgehlied sang der Chor mit allen Gottesdienstbesuchern zum Schluss "Hevenu schalom alejchem"; während des Liedes erfolgte – noch singend – der Aufbruch, was einige doch irritierte. Dabei sollte nur die Gottesdienststimmung hinausgetragen werden!

Im Gegensatz zum ersten Jugendgottesdienst vor einem Jahr waren dieses Mal die einzelnen Gottesdienstabschnitte stärker miteinander verzahnt und aufeinander bezogen. Auch mit der Zeiteinteilung gab es beim zweiten Versuch keine Probleme mehr. Und in einem stimmten alle Schüler überein, die den Gottesdienst mitgestaltet hatten: Es war eine Erfahrung fürs Leben, die sie nicht vergessen werden.

Literatur- und Medienverzeichnis

Greisenegger, Ingrid: Schöner als die Wirklichkeit. Die Erlebnisgesellschaft (Film-Dokumentation, ORF 2000, 45 Minuten)

Traupe, Gert: Erlebnispädagogik in der Erlebnisgesellschaft. Kulturkritische Anmerkungen zum Erlebnisbegriff in pädagogischer Literatur. In: Loccumer Pelikan 1/1995. 33-37.

 

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