Jugend&Kultur&Religion

Marienschule Hildesheim


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"Zwischen Stiller Nacht und Christmas Party" - Spurensuche Jugendlicher in der Vorweihnachtszeit, um den Sinn von Weihnachten neu zu entdecken -

 

 

Verfasserinnen: Inga Grajetzky, Anja Hünerberg, Sylvia Jakob, Anja Klein, Sonja Münzebrock, Julia Rehbock, Linda Reupke, Lydia Schröder


Betreuende Lehrkraft:
Dörte Albrecht

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitungsteil

1.1. Einleitung

1.2. Persönlicher Zugang zum Projektthema und Darlegung des Erkenntnisstandes

2. Hauptteil: Die Geschichte von Jonas und Willi

3. Schlussteil

3.1. Skizzierung des methodischen Vorgehens

3.2. Reflexion über die Projetkarbeit

3.2.1. Material und Methoden

3.2.2. Resümee

4. Anhang

4.1. Literaturverzeichnis

4.2. Materialauflistung

4.3. Dokumentationsmaterial

4. Bildmaterial

 

 

 

Einleitungsteil

1.1. Einleitung

"Erzählen heißt: geben und nehmen von Mensch zu Mensch. Es war einmal eine Zeit, da erzählten sich die Menschen ihre Geschichten noch selbst und ließen sich nicht von sprechenden Apparaten Gehör und Gehirn betäuben. Diese Zeiten sind längst vorbei, doch die Wachsamen erkennen immer erschrockener, was damit uns allen, nicht nur den Kindern, verlorengegangen ist. Der Mensch ist darauf angewiesen, mit seinesgleichen sprachlich zu kommunizieren. Und das geschieht nicht durch bloßen Informations-austausch, sondern durch lebendiges Erzählen und Zuhören."

Dieses Zitat, einer Arbeit vorangestellt, die sich mit dem Thema "Weihnachten" befasst, gibt schon gleich zu Beginn beinahe eine Zusammenfassung an. Das Weihnachtsgeschehen läßt sich nur durch das Weitererzählen erleben, nicht durch eine kühle Berichterstattung. So und nicht anders hat es sich über 2000 Jahre hinweg verbreitet. Diese Erkenntnis zog sich wie ein roter Faden durch die Vorbereitung und Fertigstellung der Projektarbeit hindurch, sowohl methodisch als auch inhaltlich.

Am Anfang der Arbeit soll die Schilderung der Findung des Projektthemas stehen, das heißt, warum wir als Kurs gerade das Thema "Weihnachten" für den Wettbewerb "Jugend & Kultur & Religion" ausgesucht haben.

Im Hauptteil soll dann die im Kurs selbst konzipierte und verfasste Weihnachtsgeschichte stehen.

Den Schlussteil bildet die Reflexion über die Projektarbeit. Zu Beginn soll die Skizzierung unseres methodischen Vorgehens stehen, der dann die Reflexion über die angewendeten Methoden, das ausgewählte Material, unsere Motivation und die gesetzten Schwerpunkte folgt.

Im Anhang folgen dann die Auflistung der verwendeten Literatur und Materialien.

 

 

1.2. Persönlicher Zugang zum Projektthema und Darlegung des Erkenntnisstandes

Als wir uns entschieden hatten, als Kurs an dem Wettbewerb teilzunehmen, galt es zunächst, ein Thema zu finden, das sowohl in das Semesterthema des Kurses ("Jesus Christus - Fundament des Glaubens und der Kirche") passte als auch alle Kursteilnehmerinnen interessierte. Da wir mit der Materialsuche Anfang November beginnen wollten und die erste gemeinsame Arbeitsphase des Projektes im Dezember stattfinden sollte, lag das Thema "Weihnachten" aufgrund der Zeit schon recht nahe. Als uns dann bei der Materialsuche auffiel, dass es sehr viel Material zum Thema "Advent und Weihnachten" für Kinder und auch für die Erwachsenenarbeit, aber kaum etwas für Jugendliche gibt, war unser Interesse geweckt. Jugendlichen einen angemessenen Umgang mit Weihnachten zu ermöglichen, schien uns durchaus sinnvoll. Die eigenen Erfahrungen stimmten im Kurs weitgehend überein, dass es Weihnachten auch manchmal schwierig sei. Man ist kein Kind mehr, aber man feiert doch noch in der Familie zu Hause.

Viele Sitten und Bräuche scheinen sich gerade an Weihnachten zu widersprechen, z.B. die ersehnte Besinnlichkeit und die Hektik beim Geschenke kaufen, die heutige Konsumorientierung und das doch eher bescheidene Geschehen vor ca. 2000 Jahren in Bethlehem. So stellten wir uns selbst die Aufgabe, uns auf die Suche nach Inhalten zu machen, die jeder einzelnen von uns zu Weihnachten wichtig waren.

Anfang Dezember haben wir uns dann im Kurs gegenseitig verschiedene Geschichten, Gedichte, Beschreibungen von Weihnachtsbräuchen in verschiedenen Ländern, Erzählungen von Verwandten über eigene Kindheitserinnerungen, eigene Fotos und Bilder vorgestellt. Währenddessen kamen uns noch weitere Ideen. Wir beschlossen, eine Umfrage zu entwerfen, Kinder Bilder malen zu lassen und uns selbst weiterhin aufmerksam durch die Adventszeit zu bewegen.

Eine Schwierigkeit ergab sich dann allerdings bei der Frage, wie denn aus der Fülle an gesammeltem Material eine einheitliche Geschichte entstehen könnte. Dass es eine Geschichte werden sollte, war uns sehr schnell klar, denn wir bemerkten, dass die eigenen Erlebnisse zu leben begannen, als wir uns sie uns gegenseitig erzählten.

Wir beschlossen also, eine eigene Geschichte zu verfassen, in die wir die gesammelten Weihnachtsmaterialien einarbeiten wollten. Passend hierfür erschien uns eine Geschichte in Form eines Adventskalenders, an dem die Hauptpersonen sich fast jeden Tag erzählen, was sie in der Vorweihnachtszeit bewegt, was sie gehört und gesehen haben. Wir entschlossen uns, als Hauptpersonen einen zwölfjährigen Jungen, Jonas, und einen Obdachlosen, Willi, zu wählen, und zwar aus folgenden Gründen: Die beiden sollen voneinander lernen können, da sie unterschiedliche Lebenssituationen und Lebenserfahrungen haben. Es sollte die Spannbreite zwischen Wohlstand und Armut, zwischen Jungen und Alten, zwischen Weihnachtsidylle und harter Realität, zwischen blühendem und schwerem Leben zur Sprache kommen, so wie auch schon das biblische Weihnachtsgeschehen diese Spannungen in sich birgt. Denn dort handelt es sich nur scheinbar "um einfache Texte, die unbefangen, fast naiv die wunderbaren Umstände bei der Geburt des Kindes schildern; tatsächlich kommt hier eine genau durchdachte theologische Reflexion in Gestalt der anschaulichen Erzählung zur Sprache." Das Ernstnehmen von Spannungen beim Thema "Weihnachten" schien uns wichtig, gerade auch für Jugendliche, die sich in ihrer Entwicklung zwischen der Kindheit und dem Erwachsensein befinden. Wir wollten uns direkt darauf einlassen, uns mit dem selbstgewählten Unterrichtsgegenstand zu identifizieren und ihn zu unserer "eigenen Sache" zu machen.

 

 

2. Hauptteil: Die Geschichte von Jonas und Willi

Freitag, 01.12.2000

Jonas ist 12 Jahre alt und lebt mit seinen Eltern in einer Wohnung nahe der Innenstadt. Er ist heute alleine in die Stadt gegangen, um nach Weihnachtsgeschenken für seine Eltern zu suchen. Er hat insgesamt 15,- DM gespart, und die möchte er für tolle Geschenke ausgeben. Leider hat er nur noch keine Idee, was er seinen Eltern schenken könnte, und so läuft er von einem Geschäft ins andere. Doch entweder findet er nichts Schönes, oder die Sachen sind zu teuer. Jonas ist ganz schön enttäuscht, er hatte sich das anders vorgestellt. Wahrend er an der alten Marktkirche, die auf dem Marktplatz steht, vorbeiläuft, denkt er darüber nach, in welchem Geschäft er noch nicht gewesen ist, ob er es aufgeben und nach Hause gehen sollte, ob er sich von seiner Oma Geld leihen oder ob er, wie letztes Jahr, etwas basteln soll. Auf einmal wird er aus seinen Gedanken gerissen. Ein Mann, der mit vielen Taschen beladen ist, hat ihn angerempelt, sodass er hingefallen ist und dabei den Hut eines Obdachlosen, der in diesem Geld sammelt, umgeworfen hat.

"Mensch, passen Sie doch auf!" ruft der Obdachlose wütend und Jonas denkt, er meint ihn. Erschrocken steht er auf und da sieht er, dass der Obdachlose den Mann mit den vielen Taschen gemeint hat. Der Obdachlose steht da und sieht in die Richtung, in die der Mann gegangen ist. "So ein ungehobelter Kerl", empört er sich und zu Jonas gewandt, "Hast du dir wehgetan, Kleiner?" "Nein, nein, geht schon", antwortet Jonas.

Der Obdachlose ist ein alter Mann. Er trägt eine weite, dreckige Stoffhose, einen alten dunkelgrünen Mantel, kaputte schwarze Handschuhe, einen dicken blauen Schal und eine dreckige, dunkle Wollmütze. In seinem Gesicht hat er graue Bartstoppeln und sein Lager, an der Kirchenwand, besteht aus einem abgenutzten großen Rucksack mit angebundenen Töpfen und einer großen Wolldecke, auf der er wohl gesessen hat.

Mühsam beugt sich der Obdachlose zum Boden und fängt an, die ausgeschütteten Geldstücke wieder in den Hut zu sammeln. Er ächzt und stöhnt bei jeder Bewegung. Plötzlich bekommt er einen so starken Hustenanfall, dass ihm Tränen über das Gesicht laufen. Jonas, der ihn die ganze Zeit über staunend betrachtet hat, geht zu dem Obdachlosen hin und klopft ihm auf dem Rücken. Das macht Mama bei ihm auch immer, wenn er hustet und meistens hilft es auch. Doch bei dem Obdachlosen nicht. Jonas macht sich langsam Sorgen um ihn, denn sein Gesicht wird auch immer roter. Doch auf einmal ist der Husten weg, und der Obdachlose lächelt Jonas dankbar an, während er sich die Tränen aus den Augen wischt.

"Danke Kleiner, ist nett von dir."

"Bitte, aber das Klopfen hat doch gar nicht geholfen."

"Aber Du hast es gut gemeint, dafür danke ich Dir."

"Ach so", sagt Jonas verständig. "Warten Sie, ich hebe Ihnen das Geld auf, damit Sie nicht noch einmal husten müssen."

Jonas nimmt dem Obdachlosen den Hut aus der Hand und fängt an, die Geldstücke aufzusammeln. Der Obdachlose guckt ihm lächelnd zu. Als Jonas fertig ist, gibt er dem Obdachlosen den Hut zurück.

"Mann oh Mann, bei dir jagt ja eine gute Tat die nächste! Danke schön. Da wirst du ja sicherlich viele Geschenke vom Weihnachtsmann bekommen?"

"Weihnachtsmann, an den glauben doch nur Babys", empört sich Jonas.

"So, wie alt bist du denn?"

"Ich bin ganze 12 Jahre alt und allein in der Stadt!"

"Ach so, ich dachte, du wärst noch ein Baby", entschuldigt sich der Obdachlose. Jonas ist zunächst etwas verärgert über diese Bemerkung, aber der alte Mann lächelt ihn so lieb an, dass er einfach zurücklächeln muss und diese Bemerkung dadurch entschuldigt, dass der Mann schon alt ist.

"Sag mal, wie heißt du denn? Wenn du schon 12 bist, kann ich dich ja nicht Kleiner nennen." "Ich heiße Jonas, und wie heißt du?"

"Ich heiße Wilhelm, kannst mich Willi nennen, und ich bin ganze 52 Jahre alt."

"Mann, so alt sind ja nicht mal meine Eltern", staunt Jonas. Er hat zwar gesehen, dass Willi alt ist, aber soo alt! Willi fängt an zu lachen: "Tja, da kannste mal sehen."

Er hat ein kräftiges, brummiges Lachen. Doch auf einmal wird sein Lachen von einem neuen Hustenanfall unterbrochen, aber dieser ist nicht so doll und nur kurz.

"Mensch Willi, du bist wohl erkältet?" fragt Jonas ihn besorgt.

"Ja, diesen Husten habe ich schon eine halbe Ewigkeit", sagt Willi. "Das kommt wohl von meiner zugigen Wohnung", fügt er spitzbübisch grinsend hinzu.

Jonas braucht erst ein bisschen Zeit, bis er verstanden hat, dass Willi mit seiner Wohnung sein Lager an der Kirchwand gemeint hat. Schockiert fragt er Willi: "Ja, bist du denn immer hier?"

"Ja, ich wohne hier mit meiner Decke, meinem Rucksack und meinem Hut." Die Kirchenglocke der Marktkirche fängt an zu schlagen. Jonas schaut auf seine Armbanduhr. "Oh, es ist schon 6 Uhr. Ich muss jetzt nach Hause, Willi."

"Ist gut Jonas, musst du denn noch weit gehen?"

"Nein, nein, ich wohne hier ganz in der Nähe, wenn ich laufe, bin ich in 10 Minuten zu Hause."

"Ach so", sagt Willi verständig. "Dann mal los Jonas, vielleicht kommst du mich ja mal besuchen?"

"Ja, mach ich", verspricht Jonas ihm und läuft nach Hause.

 

Samstag, 02.12.2000

Nachdem Jonas über die Begegnung mit Willi ganz vergessen hat, sich um die Weihnachtsgeschenke zu kümmern, entschließt er sich, zusammen mit seinen Eltern nochmals in die Stadt zu gehen, vielleicht findet er ja diesmal etwas. Solange er noch keine originelle Geschenkidee hat, bummelt er gemeinsam mit seinen Eltern durch die Straßen.

Aber das ganze Gedränge in der Fußgängerzone und auch der Rummel auf dem Weihnachtsmarkt nerven ihn ziemlich. Bis jetzt fand er Weihnachten und die Adventszeit immer ganz toll, aber durch Willi und seine Gelassenheit und Zeit kommt ihm die Hektik jetzt ganz unpassend vor. Aber er traut sich nicht, seinen Eltern zu sagen, dass er am liebsten zu Willi laufen möchte. Also behält Jonas seine Gedanken erst einmal für sich.

 

Sonntag, 1. Advent, 03.12.2000

Am ersten Advent fährt Jonas mit seinen Eltern zu seiner Oma zum Adventskaffee.

 

Montag, 04.12.2000

Montags hat Jonas immer Klavierunterricht. Heute macht er sich ein bisschen eher auf den Weg, denn er möchte unbedingt Willi wiedersehen. Außerdem hat er eine Menge zu erzählen, denn die Oma hat gestern davon erzählt, wie sie früher Weihnachten gefeiert hat. Und vielleicht kann der alte Willi ja auch von seinen Erinnerungen berichten.

Und wirklich, Willi sitzt wieder an der Kirchenwand hinter seinem Hut. Als er Jonas kommen sieht, ruft er gleich: "Das ist ja toll, dass du wirklich nochmal vorbeikommst! So oft passiert mir das nicht, dass sich jemand an mich erinnert!"

"Ich musste am Wochenende oft an dich denken, Willi", platzt Jonas gleich heraus, "denn mein Oma hat von früher erzählt, und ich habe mich gefragt, ob du wohl Ähnliches über Weihnachten weißt!"

"Na, dann leg mal los", murmelt Willi schmunzelnd.

"Also: Während meiner Omas Kindheit in Ostpreußen trafen sich die Kinder des Ortes am Nachmittag des 24.12. in einem Gemeinschaftsraum. Dort wurde eine kleine Bescherung gemacht. Es wurde gesungen und gefeiert. Zu Hause liefen dann, wenn die Kinder aus dem Haus waren, die Vorbereitungen auf Hochtouren: Die Betten wurden frisch bezogen, das Kopfkissen bekam einen Knick in der Mitte. Das tat man, weil man glaubte, dass die Engel die Reinheit eines Hauses gern sähen. Die Tische dekorierte man mit Nüssen und Gebäck. Das Haus sollte für die Ankunft des Herrn sauber und schön geschmückt sein. Abends gab es dann zuerst etwas zu essen, dann wurde die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorgelesen, und man sang gemeinsam die alten Lieder und musizierte. Anschließend fand die Bescherung mit der Familie statt. Später gingen dann alle gemeinsam zur Kirche. Und die Betten wärmte man - statt mit der heutigen Wärmflasche - mit heißen Steinen auf.

So war das vor dem zweiten Weltkrieg, als meine Oma noch selber Kind war. Später, nach dem Krieg, als meine Mutter schon geboren war, wurde am Abend des 24. als erstes mit der ganzen Familie gegessen, meistens waren sogar noch meine Urgroßeltern dabei! Dann ging man über zur Bescherung, und abschließend wurde die Christmette besucht.

Da das Wohnzimmer der einzige Raum war, den man heizte, übernachtete meine Mutter am liebsten dort auf dem Sofa. Außerdem lag dort der angenehme Duft von Tannennadeln in der Luft.

Und heutzutage gehen wir nachmittags zuerst zur Kirche. Dort findet ein Gottesdienst mit Krippenspiel statt. Dann kommen meine Großeltern zu uns, und es findet zuerst die Bescherung statt, danach wird traditionell schlesische Weißwurst gegessen. Am späten Abend gehen wir alle zusammen zum Abschluss in die Christmette."

Jonas holt tief Luft und ist ganz stolz, dass er sich alles so gut gemerkt hat. Auch Willi wirkt ganz nachdenklich. Und ein bisschen wehmütig. Jonas stupst ihn vorsichtig an. "Hat dir die Geschichte meiner Oma gefallen?"

"Oh, ja", sagt Willi. "Und besonders, als du von den Engeln erzählt hast, die zu Weihnachten in die Häuser schauen, ist mir eine schöne Geschichte eingefallen. Denn weißt du, Jonas, wie die Engel geschaffen wurden?"

"Nein, leider nicht, aber das hört sich sehr spannnend an!" Jonas wirft einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr. "Himmel, ich muss leider sofort los, Willi, sonst komme ich zu spät zum Klavierunterricht, aber morgen komme ich wieder, und dann erzählst du mir von den Engeln, okay?"

"Klar, das mach’ ich, ich hab’ ja Zeit. Also bis morgen!"

 

Dienstag, 05.12.2000

Jonas kann heute seine Hausaufgaben gar nicht schnell genug erledigen, denn er freut sich schon auf Willis Geschichte. Und Willi sitzt auch wieder an seinem Platz. Jonas hat diesmal ein paar Kekse aus der Weihnachtsdose stibitzt, Kekse gehören doch irgendwie zum Geschichtenerzählen. Willi lacht ihm schon von weitem entgegen. Jonas ruft:" Willi, ich bin so gespannt, ich dachte nämlich immer, die Engel waren schon immer da!" Willi schmunzelt und sagt: "Na, dann hör mal gut zu, die Geschichte heißt:

DER KLEINE JUNGE MIT DEN FLÜGELN

Vor langer, langer Zeit, als Gott gerade mit der Schöpfung fertig war, aber die Vögel, Insekten und Schmetterlinge noch keine Flügel hatten, lebte ein kleiner Junge. Seine Stupsnase war so rund wie eine Murmel, seine Wangen so zart wie Rosenblätter, sein Kraushaar so schwarz wie die Nacht und seine Augen so hell wie die Sterne.

Mit einem Korb auf dem Rücken lief er über Berge und Felder, durch Wälder und Schluchten, an Strassen und Flüssen entlang und sang dabei dieses Lied:

Flügel, Flügel, schöne Flügel

Wer will fliegen? Holt euch Flügel!

Ich hab Flügel, schöne Flügel

Wollt ihr fliegen? Hier sind Flügel!

Er war ein Junge wie alle anderen und doch nicht wie die anderen. Niemand kannte seinen Namen, niemand wusste, woher er kam. War er vielleicht früh morgens einem Blütenkelch entstiegen? Oder war er um Mitternacht auf einem Mondstrahl zur Erde geglitten? Oder vielleicht bemerkte Gott, dass er vergessen hatte, Flügel zu verteilen und entsandte den kleinen Jungen, seine Schöpfung zu vollenden.

Er trug einen Korb auf dem Rücken, der niemals leer wurde, genau wie der Sack des Sankt Nikolaus. In diesem Korb waren aber keine Spielsachen, sondern er war voller Flügel jeder erdenklichen Art: spitze, scherenförmige Flügel für die Schwalben, weisse, flaumige Flügel für die Tauben, zart schimmernde Flügel für die Libellen, winzige, hauchdünne Flügel für die Mücken, hölzerne Flügel für die Windmühlen.

Der kleine Junge verteilte seine Flügel überall. Er gab sie allen, die fliegen wollten: Adlern und Kolibris, Marienkäfern und Geiern, Papageien und Spatzen. Und während er mit seinem Korb voller Flügel immer weiter wanderte, sang er auch immer wieder sein kleines Lied:

Flügel, Flügel, schöne Flügel

Wer will fliegen? Holt euch Flügel!

Ich hab Flügel, schöne Flügel

Wollt ihr fliegen? Hier sind Flügel!

Er war ein richtiger Flügelhändler, und doch kein Händler wie die anderen. Nie verlangte er etwas für seine Flügel. Jeder bedankte sich so, wie er konnte: Die Nachtigall erfand eine neue Melodie. Der Spatz, der nicht singen konnte, drehte sein Köpfchen leicht zur Seite und nickte ein paarmal besonders freundlich. Die Amsel zwitscherte ihm ein fröhliches Lied. Der Storch nahm ihn mit auf einen abenteuerlichen Flug hoch über die Wolken hinaus bis in die Nähe der Sonne. Der Dompfaff zwinkerte ihm zu, und die Eule rief: ,Uhuu, Uhuu!’

Das Marienkäferchen brachte ihn zum Lachen, indem es mitten auf seiner runden Stupsnase landete und ihn mit seinen winzigen Füßchen kitzelte - und ,bsst’, schon war es wieder weg. Der Papagei, der sprechen konnte, sagte: ,Ich dank dir, sie passen!’ Die Fliege summte glücklich um ihn herum, bevor sie auf und davon flog. Der Täuberich, der sich freute, dass er den Taubendamen imponieren konnte, plusterte stolz seine neuen Flügel und gurrte ,Dankeschön’. Bald hatten alle Vögel und Insekten rund um die Erde ihre eigenen Flügel, und mit denen fliegen sie heute noch.

Eines Tages, müde vom vielen Wandern, setzte sich der kleine Flügelhändler neben eine alte, verlassene Windmühle. Ihre Flügel waren zerbrochen und konnten sich schon lange nicht mehr im Winde drehen. Einsam und traurig stand sie auf einem kleinen Berg. Manchmal weinte sie. ,Komm herein, komm in meine Tenne und ruh dich aus,’ sagte sie zu dem kleinen Flügelhändler. ,Sie ist staubig, aber sie ist warm, und wenn du bei mir bist, bin ich nicht so einsam.’ Der kleine Flügelhändler legte sich in der Tenne auf ein Bündel Stroh und schlief die ganze Nacht. Am nächsten Morgen schenkte er der kleinen Windmühle zum Dank vier neue Flügel: einen blauen, einen roten, einen grünen und einen gelben Flügel. Überglücklich begann sie ihr Rad zu drehen, zuerst langsam und dann schneller und schneller wie früher, vor langer, schon fast vergessener Zeit. Ein Müller auf einem Weizenfeld sah es von weitem, packte seine Garben und rannte zur Windmühle hinauf.

Und der kleine Flügelhändler wanderte weiter. Als er am Fuß des Berges ankam, drehte er sich noch einmal um und rief:

Auf Wiedersehen, kleine Windmühle! Mahle dein Korn, kleine Windmühle! Mahle, mahle, mahle es fein!

Aber das viele Wandern machte den kleinen Flügelhändler müder und müder. Eines Abends stellte er seinen Korb unter eine große Eiche und schlief sofort ein. Während der Nacht kam ein mächtiger Sturm. Es war ein gehässiger Wind, der die Lüfte allein beherrschen wollte, er war schon lange eifersüchtig auf die vielen Flügel, die der kleine Junge verteilte. Als er den Korb sah, wirbelte er ihn mit seiner ganzen Kraft so lange durch die Luft, bis er mit allen Flügeln im Meer versank. Seit diesem Tag haben die Wellen bei hohem Seegang weiße Kronen. Das sind die Flügel, die sich aus dem Wasser befreien und wegfliegen möchten.

Als der kleine Flügelhändler am nächsten Morgen aufwachte, suchte er verzweifelt nach seinem Korb! Bitterlich weinend wanderte er ziellos umher und dachte an all die Vögel und Insekten, denen er nie mehr würde Flügel schenken können. Ganz erschöpft setzte er sich letztendlich mitten in ein Feld voller Mohnblumen.

Eine kleine schwarze Raupe sah ihn dort und war so bewegt von seinem Kummer, dass sie ihn zu trösten versuchte: ,Sei nicht traurig, denk nicht an die Flügel, die du verloren hast. Denk an all die Flügel, die du verschenkt hast! Denk an all die Vögel und Insekten, die dank dir jetzt fliegen können! Bitte, mir zuliebe, weine nicht mehr! Schau mich an, schau wie hässlich ich bin, und ich weine trotzdem nicht!’ ,Wie freundlich du bist, Raupe,’ antwortete der kleine Flügelhändler, ,dir zuliebe will ich nicht mehr weinen. Oh, wenn ich doch bloß noch ein Paar Flügel für dich hätte! Die schönsten Flügel würde ich dir schenken - Flügel so schön wie eine blühende Blume.’

Da flüsterte eine Mohnblume, die mitgehört hatte: ,Pflück mich, kleiner Junge. Nimm meine Blütenblätter, sie werden perfekte Flügel für deine Raupe sein!’ Der kleine Flügelhändler strahlte und nahm sorgfältig zwei Blütenblätter von der Mohnblume. Er legte sie auf den Rücken der schwarzen Raupe und schon flatterte sie dankend vor ihm und flog dann weiter von Blume zu Blume. So wurde die kleine hässliche Raupe zum ersten Schmetterling - zauberhaft schön, wie eine blühende Blume!

Noch am selben Abend legte sich der müde kleine Flügelhändler neben einen Bach und fiel sofort in einen tiefen Schlaf.

Er schlief und schlief. Tausende von Vögeln, Libellen und Schmetterlinge setzten sich zu ihm und warteten, bis er aufwachen würde. Die Nachtigall sang ihre schönste Melodie, die Amsel zwitscherte fröhliche Lieder, der Papagei redete auf ihn ein, das kleine Marienkäferchen kitzelte seine Stupsnase, die Eule rief: ,Uhuu.’ Doch was immer sie auch taten, der kleine Flügelhändler schlief weiter.

Auf einmal fand eine neugierige Elster in seiner Hosentasche zwei kleine, weiße Flügel, die er dort aufbewahrt und vergessen hatte und die vom gehässigen Wind nicht gefunden und weggetragen wurden. Jetzt waren es die Vögel, die dem schlafenden Jungen Flügel auf den Rücken legten. Da rührte er sich. Mit einem leichten Flügelschlag schwang er sich, von seinen Freunden, den Vögeln, begleitet, in die Lüfte und stieg gegen den Himmel empor. Als Gott hoch oben durch eine sonnenbeschienene Wolke den kleinen Flügelhändler auf sich zufliegen sah, entschied er sich, auch noch Engel zu erschaffen."

Willi schnauft tief durch. Das Erzählen in der Kälte hatte ihn doch sehr angestrengt, und jetzt hustet er wieder ganz entsetzlich. Jonas ist noch ganz überwältigt und gerührt. "So eine schöne Geschichte!" murmelt er versonnen. "Jetzt hast du dich so angestrengt, damit ich diese Geschichte hören kann. Vielen Dank! Morgen bringe ich eine Thermoskanne Tee mit, keine Widerrede!" Jetzt ist Willi gerührt und sagt: "Wir sind schon zwei komische Knöpfe und beschenken uns immer gegenseitig." "Aber so muss es ja an Weihnachten sein", ruft Jonas. So war ihm das noch gar nicht aufgefallen, aber der Gedanke gefiel ihm, und er überlegte gleich, was er Willi denn morgen neben dem Tee noch mitbringen könnte, denn morgen ist ja Nikolaus.

 

Mittwoch, 06.12.2000

Heute hat Jonas in der Schule ein ziemlich merkwürdiges Gedicht kennengelernt und beschließt, es Willi später zu zeigen. Am Nachmittag kocht Jonas wie versprochen Tee, den er mit zu Willi nimmt.

"Du, Willi", beginnt Jonas, "ich habe dir ein Gedicht mitgebracht. Lies es dir mal durch, also, ich finde es komisch." Willi beginnt zu lesen:

ENGEL

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,

die Engel.

Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein,

oft sind sie alt und häßlich und klein, die Engel.

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand,

die Engel.

Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,

oder er wohnt neben dir, Wand an Wand,

der Engel.

Dem Hungernden hat er das Brot gebracht,

der Engel.

Dem Kranken hat er das Bett gemacht,

er hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht,

der Engel.

Er steht im Weg und er sagt: Nein,

der Engel,

groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein -

es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,

die Engel.

"Und?" fragt Jonas gespannt. Willi schaut nachdenklich auf das Gedicht. "Also, ich finde es sehr schön! Was hast du denn daran auszusetzen?" "Mensch, Willi! Ist dir denn nichts aufgefallen? Männer können doch gar keine Engel sein!" "Wieso denn nicht?" fragt Willi erstaunt. Jonas ist empört: "Aber Engel, das sind doch Kinder oder Frauen mit Flügeln und goldenem, lockigem Haar." "Aber Jonas, Engel erkennt man doch nicht immer an ihrem Aussehen. Es gibt welche, die sehen aus wie du und ich." "Ja, aber woher weiß ich denn dann, dass es ein Engel ist?" fragt Jonas erstaunt. "Man bemerkt Engel nicht sofort, denn man erkennt sie nur an ihrem guten Handeln", erklärt Willi mit verständnisvollem Lächeln. "Bist du sicher?" fragt Jonas, "heißt das, dass jeder Mensch ein Engel sein kann?" "Ja", antwortet Willi, "wenn du jemandem hilfst, bist du für denjenigen in diesem Moment ein Engel. Denk doch nur mal an die Geschichte, die ich dir gestern erzählt habe." "Ach ja, du meinst die mit dem Jungen, der Flügel verschenkt und nachher ein Engel wird!" "Genau die. Der Junge ist durch seine Flügel zu einem Engel geworden, wie du ihn dir vorstellst. Aber eigentlich war er ja schon vorher einer. Er hat den Tieren geholfen, indem er ihnen Flügel geschenkt und ihnen dadurch eine große Freude gemacht hat." Jonas schaut Willi nachdenklich an, wie er auf seiner alten Decke und in seinen verlumpten Kleidern dasitzt. Endlich hat er das Gedicht verstanden. Nachdenklich verabschiedet er sich von Willi und geht nach Hause.

 

Donnerstag, 07.12.2000

Nach der Schule nimmt Jonas vorsichtig seinen Adventskalender von der Wand ab und steckt ihn in eine Tüte. Bei Willi angekommen, entrollt Jonas den Kalender auf dem Pflaster vor der Kirche. "Guck mal, Willi, das ist mein Adventskalender. Jeden Tag kann ich mit diesem tollen Sternenstempel einen Stern an den Himmel von Bethlehem stempeln, und am 24.12. kann ich diesen großen Filzstern in der Mitte aufkleben. Das ist der Stern von Bethlehem, der den Weisen den Weg zur Krippe zeigte." Jonas ist ganz stolz. "Das ist aber wirklich ein schöner Kalender", stimmt Willi zu, "und stell dir nur vor, alle diese Sterne wären Menschen, die auf die Krippe schauen und sich darüber freuen, was für die Menschen dort vor vielen, vielen Jahren geschehen ist. Weißt du denn eigentlich, was Weihnachten wirklich bedeutet?" "Klar", sagt Jonas, "da wurde Jesus geboren." "Und warum?" forscht Willi nach. "Na ja, eben für uns", weicht Jonas aus. "Ich bin mir sicher, du kriegst das noch genauer hin", lacht Willi, "denk mal drüber nach!" Ein bisschen kleinlaut geht Jonas nach Hause, seine Antwort findet er selbst auch nicht sehr überzeugend. Aber Willi ist schon ziemlich schlau, von ihm kann ich noch ‘ne Menge lernen, denkt Jonas.

 

Freitag, 08.12.2000

Jonas kommt ganz aufgeregt aus der Schule, denn heute hat er Willi noch etwas viel Spannnenderes als den Adventskalender mitzubringen. Heute haben sie nämlich eine Umfrage in der Schule gemacht. Eine Gruppe aus seiner Klasse hat die Kinder aus den Parallelklassen befragt, und die anderen haben in der Fußgängerzone die Erwachsenen gelöchert, immer zum Thema Weihnachten. Die Ergebnisse findet Jonas doch sehr spannend, und er freut sich schon darauf, sie Willi mitzuteilen.

"Willi, heute habe ich dir unsere Umfrageergebnisse aus der Schule mitgebracht, schau mal! Das passt gut zu der Frage, die du mir gestern gestellt hast!" Jonas hält Willi die beiden Zettel hin, und Willi liest sie aufmerksam durch. "Es ist schon erstaunlich, wie sehr die älteren Leute durch den Krieg geprägt wurden", sagt er. "Das wurde doch häufig angegeben als eine eindrückliche Erinnerung an Weihnachten, und viele Erwachsenen haben auch gar keine besonderen Erinnerungen, irgendwie schade, nicht wahr? Die Kinder haben da doch viel mehr Ideen!" "Ja, wo du es sagst, fällt mir das auch auf!" antwortet Jonas. "Ich werde am Wochenende mal meine anderen Großeltern fragen, ob sie sich noch an die Weihnachtsfeste zur Zeit des Krieges erinnern können. Deswegen kann ich übrigens die nächsten zwei Tage auch nicht kommen, aber Montag vorm Klavierunterricht, da komme ich, versprochen!" "Schön, dann habe ich ja etwas, auf das ich mich freuen kann, und ich bin auch gespannt, was dir deine Großeltern erzählen! - Und Jonas: Was Weihnachten wirklich bedeutet, müssen wir auch noch besprechen, nicht wahr? Das wussten die Menschen, die ihr gefragt habt, ja auch nur oberflächlich."

 

Samstag, 09.12.2000 und Sonntag, 2. Advent, 10.12.2000

Jonas fährt mit seinen Eltern zu seinen Großeltern.

 

Montag, den 11.12.2000

Jonas freut sich schon sehr auf seinen Klavierunterricht, eher gesagt, auf den Besuch vorher bei Willi. Denn seine Oma hat viel von Weihnachten im Krieg erzählt. Als Willi Jonas kommen sieht, strahlt er über sein altes Gesicht und ruft Jonas entgegen: "Hallo! Na, wie war es bei den Großeltern?" "Manchmal ein bisschen langweilig", antwortet Jonas, "aber Oma hat mit erzählt, wie sie etwa in meinem Alter mitten im Krieg Weihnachten gefeiert hat!" "Da bin ich aber sehr gespannt", sagt Willi.

Jonas räuspert sich und beginnt: "Omas Vater war damals an der Front, und auch ihre älteren Brüder mussten kämpfen. Deshalb war sie zu Weihnachten mit ihrer Schwester und ihrer Mutter allein, aber sie bekamen Weihnachten immer einen Brief, in dem angekündigt wurde, dass die Männer vielleicht zu Weihnachten nach Hause kommen könnten. So hatten sie zu Hause immer Hoffnung auf ein Familienfest. Wurde diese Hoffnung enttäuscht, fanden sie Hoffnung im Glauben. Sie lebten in einem Haus in einem kleinen Dorf und hatten einen prächtigen Weihnachtsbaum, aber es gab keine Geschenke, außer ein bisschen Schokolade. Es gab auch kein Festtagsmahl, denn man hatte nur wenig Geld, und das musste für Anziehsachen und für das alltägliche Essen verwendet werden. 1944 kam Omas Vater zu Weihnachten nach Hause, wegen einer Verletzung am Bein: Das war das schönste Fest, auch wenn es keine materiellen Geschenke gab! Oma war so glücklich über die Ankunft des Vaters, so dass nichts anderes weiter wichtig war. Und so gab es dann eine Familienfeier, die zum Fest der Liebe geworden ist."

Nach einem Moment der Stille inmitten der hektisch umherlaufenden Menschen sagt Willi: "Besonders den letzten Satz von deiner Oma finde ich sehr schön - Weihnachten, das Fest der Liebe. Und wenn das auch noch gelebt wird, ist das besonders schön." "Das finde ich auch", sagt Jonas. "Die Geschenke sind eigentlich gar nicht so wichtig, obwohl ich mir das Fest ohne Geschenke gar nicht so richtig vorstellen kann." "Und wieder haben wir etwas zum Nachdenken, Jonas!" erwidert Willi, "aber jetzt musst du, glaube ich, schnell los zum Klavierunterricht, also bis morgen!"

 

Dienstag, 12.12.2000

Heute hat Jonas wieder etwas, das er Willi mitbringen kann, denn in der Schule haben sie heute Weihnachtsbilder gemalt, und Jonas hat sich besonders viel Mühe gegeben. Von weitem winkt er Willi mit den Blättern zu: "Willi, ich habe dir etwas mitgebracht", sprudelt es aus Jonas heraus. "Wir haben heute in der Schule Bilder gemalt, und ich habe einen großen Weihnachtsbaum mit vielen Kerzen gemalt, so einen, wie meine Oma früher wohl auch hatte! Und darunter habe ich die Krippe gemalt, aber auch Geschenke, weil mir eingefallen ist, warum es auch schön ist, sich zu Weihnachten etwas zu schenken!" "Na, da bin ich aber gespannt", lacht Willi. "Doch, an Geburtstagen schenkt man sich doch immer etwas, und Weihnachten ist doch der Geburtstag von Jesus!" "Gut kombiniert, Jonas, aber warum schenkt man sich denn an Geburtstagen etwas?" "Weil man sich freut, dass es den anderen gibt", antwortet Jonas. "Und an Weihnachten freut man sich, dass Jesus zu den Menschen gekommen ist, deshalb gehören ja auch die Geschenke und die Krippe zusammen! Mein Freund Michel hat heute morgen auch Geschenke unter dem Weihnachtbaum gemalt, aber nicht die Krippe. Da hat er doch das Eigentliche vergessen, nicht wahr?" "Da hat er wohl das Eigentliche vergessen", bestätigt Willi nachdenklich. "Wenn wir jetzt so weiter über Weihnachten nachdenken, wäre es doch sehr interessant, wie Menschen in anderen Ländern Weihnachten feiern und was für sie wichtig ist, findest du nicht auch, Jonas?" "Das ist eine tolle Idee!" Jonas ist sehr beeindruckt. "Ich werde gleich nach Hause laufen und in Papas Bücherregal nachschauen, ob ich darüber etwas finde, und dann erzähle ich es dir morgen, okay?" "Prima, Jonas!" antwortet Willi, "bis morgen also!"

 

Mittwoch, 13.12.2000

"Hallo Willi, ich habe ganz viel herausgefunden, ich habe das Buch einfach mal mitgebracht, da können wir gemeinsam nachschauen, und damit uns nicht zu kalt wird, habe ich wieder etwas Tee und Kekse mitgebracht!" "Toll, das ist ja schon ein richtiges kleines Fest!" staunt Willi. "Zeig mal das Buch her! Guck mal, hier steht etwas über Italien. Dort spielt die Krippe eine größere Rolle als der Weihnachtsbaum. In Kirchen und Wohnungen werden ganze Landschaften naturgetreu aufgebaut und mit unzähligen Figuren belebt. Manchmal nimmt eine solche Krippe das halbe Zimmer ein. Der Weihnachtstag wird mit großem Festessen und viel Wein gefeiert. Und hier steht noch etwas über Schweden: Dort ist Weihnachten vor allem ein Familienfest. Man reist weite Strecken, um in der Familie feiern zu können. Am Weihnachtsabend gibt es dann ein einfaches Essen: Stockfisch, danach Reisbrei mit Zucker und Zimt. Aber am ersten Feiertag wird üppig geschmaust. Das Nationalgericht zu Weihnachten ist ein knusprig gebackener Schinken. Und nach dem Essen tanzt die ganze Familie auch heute noch singend um den Weihnachtsbaum herum. Die Geschenke bringt der Weihnachtsmann, der Jultomte, in einem Sack. Er trägt einen dicken Pelzmantel und kommt angeblich weither aus Lappland auf einem Rentierschlitten. Aber auch die alte Julklap-Sitte ist noch üblich: Julklap heißt Weihnachtsklopfen. Man klopft bei Freunden an die Tür, wirft ein schön verpacktes Geschenk ins Haus und verschwindet, ehe man entdeckt worden ist." Als Willi eine Pause macht, nimmt ihm Jonas das Buch aus der Hand. "Willi, schau mal, hier steht auch noch etwas über die USA: In den USA beginnt Weihnachten in den Geschäftszentren der Städte schon am 1. November. Von da an sind die Hauptstraßen mit Girlanden aus bunter Alufolie und farbigen Glühlampen überspannt. In allen Warenhäusern tönen acht Wochen lang ununterbrochen Weihnachts-Choräle, und die Schaufenster sind in wahre Kitschparadiese von Feenländern, Zwergenreichen und Spielzeugstädten verwandelt. In den Familien ist Weihnachten hauptsächlich ein Geschenktag. Die Kinder finden ihre Geschenke am Morgen des 25. Dezember. Hier kutschiert der Santa Claus mit einem Rentierschlitten durch die Luft und wirft die Gaben durch den Kamin in die Häuser." Jonas macht eine kurze Pause und blättert im Buch weiter. "Schau mal hier, Willi, hier im Buch liegt noch ein Foto eines ganz toll geschmückten amerikanischen Hauses. Das Foto ist von meiner Kusine, die vor drei Jahren Aupair-Mädchen in Atlanta war. Auf die Rückseite hat sie geschrieben: ,Hast du schon jemals so ein dekoriertes Haus gesehen? Hier waren viele, aber dieses fand ich am schönsten. Dort wohnt ein älteres Ehepaar, die machen das alles selbst. Dauert etwa zwei Wochen. Alleine an den Tannen sind schon etwa 5000 Schleifen. Aber gut sieht es schon aus, oder?’"

"Ja, das ist schon sehr interessant, wie es in anderen Ländern zugeht. Wir könnten hier noch Stunden weiter nachschlagen", sagt Willi. "Aber wie ist es eigentlich in der übrigen Welt? Es gibt doch Länder mit anderen Religionen. Gibt es auch in anderen Religionen ein ähnliches Fest?" "Willi, ich glaube, ich habe mal etwas darüber in meinem Religionsbuch gesehen, dann haben wir ja wieder etwas zum Erkunden für morgen!"

 

Donnerstag, 14.12.2000

Jonas kann auch heute wieder ganz stolz zu Willi laufen. Im Religionsbuch ist er zwar nicht fündig geworden, dafür aber im Internet, und er hat den Artikel mit dem Titel "Das Wunder der heiligen Nacht im Islam und im Buddhismus" für Willi ausgedruckt. Willi ist auch wirklich total platt, Jonas weiß nur noch nicht, ob über die Geschichte oder seine Suche im Internet. Egal, Jonas liest Willi den Artikel vor: "Auch nach dem islamischen Verständnis gibt es ein Wunder der Heiligen Nacht. Mohammed, der Begründer des Islams, ist jedoch nur passiv darin verwickelt, denn das eigentliche Wunder stellt der Koran dar. Er gilt als die einzigartige Offenbarung Gottes. Nicht ein Mensch hat aufgrund göttlicher Eingebung die Texte verfasst, sondern der Koran wurde von Allah herabgesandt, so dass es heißt: Im Heiligen Monat Ramadan entließ Gott aus reiner Gnade und Menschenfreundlichkeit ein Buch, den Koran. Er wurde von dem göttlichen Gesandten, von Mohammed, empfangen und den Menschen zur ‘Rechtsleistung’ übermittelt. Darin besteht nach islamischem Verständnis das Wunder der Heiligen Nacht.

Im Buddhismus hat Buddha, dessen eigentlicher Name Siddharta war, im Alter von 29 Jahren seine Familie und Heimat verlassen, um in der Einsamkeit die endgültige Erlösung vom Leiden zu suchen. In einer Nacht wurde ihm Gewissheit zuteil. Er saß unter einem Baum und vollzog den Weg der inneren Versenkung. Dabei geschah in den letzten Stunden der Nachtwache das Entscheidende, Siddharta fand die Erkenntnis von der Entstehung und Aufhebung des Leidens, und er wurde damit zum Buddha, dem Erleuchteten. Von diesem Zeitpunkt an rechnen die Buddhisten den großen Wendepunkt in seinem Leben und im Leben der Götter- und Menschenwelt, dies ist die ‘Heilige Nacht’ der buddhistischen Welt.

In verschiedenen Religionen geschieht nun Offenbarung des Heiligen zum Zeitpunkt der Nacht. Dieses ist eine wichtige Einsicht, jede einzelne der genannten Religionen hat dabei ihre ganz besondere Ausprägung: Im Mittelpunkt des Buddhismus steht eine Erkenntnis oder Erleuchtung, im Mittelpunkt des Islam ein Buch, der Koran, und im Zentrum des Christentums steht die Geburt eines Menschen. Hier heißt es, dass Gott in Gestalt eines Menschen zur Erde kam, um sich den Menschen zuzuwenden, die sich von ihm getrennt hatten." Jonas legt das Blatt neben sich auf Willis Decke. "Ganz schön schwierig, nicht wahr? Aber es ist schon sehr interessant!" "Ja, Jonas, aber auch ich muss da erst einmal drüber nachdenken, was das ‘Wunder einer Heiligen Nacht’ bedeuten kann für uns Menschen!" "Und wenn du einen guten Gedanken hast, sagst du ihn mir dann?" bettelt Jonas. "Aber klar, wir gehören doch, was Weihnachten angeht, zusammen."

 

Freitag, 15.12.2000

Willi wartet auf Jonas, aber Jonas kommt nicht.

 

Samstag, 16.12.2000

Wieder wartet Willi auf Jonas. Er macht sich schon Sorgen, denn Jonas ist ihm richtig ans Herz gewachsen. Plötzlich bleibt an anderer Junge vor ihm stehen und fragt: " Entschuldigung, sind Sie der Willi?" Willi nickt. "Ich bin Michel, Jonas’ Freund." "Ach der mit dem Weihnachtsbaumbild", unterbricht ihn Willi. "Genau! Jonas hat mir von Ihnen erzählt, Herr Willi. Jonas kann leider nicht selbst kommen, er hat drei Tage Stubenarrest, da er in Mathe eine ‘5’ geschrieben hat." "Au weia", entfährt es Willi. "Eben! Und deshalb hat er mich mit einem Bild und einem kurzen Brief vorbeigeschickt. Jonas kommt dann am Montag wieder, das soll ich Ihnen noch sagen." "Vielen Dank, Michel, das ist sehr nett von dir!" Willi ist ganz gerührt. Mit zitternden Fingern reißt er den Briefumschlag auf und entfaltet ein Bild mit einem Adventskranz. Auf die Rückseite hat Jonas etwas geschrieben: " Lieber Willi! Michel hat dir sicher schon erzählt, dass ich Stubenarrest habe. Meine Eltern haben gemerkt, dass ich nachmittags so oft weg bin und deshalb auch nicht richtig gelernt habe. Deshalb kann ich erst Montag wieder zu dir kommen. Ich habe dir aber für den Adventssonntag ein Bild mit einem Adventskranz gemalt. Aus Versehen habe ich schon alle vier Kerzen darauf ‘angezündet’, hoffentlich magst du das Bild trotzdem. Bis Montag, dein Jonas."

Willi faltet das Bild zusammen und steckt es in die Innentasche seiner Weste, dicht an seinem Herzen.

 

Sonntag, 17.12.2000

Jonas sitzt bei seinen Eltern im Wohnzimmer und liest in einem Weihnachtsgeschichten-Buch. Seine Mutter hat frische Plätzchen auf den Tisch gestellt, und der Vater hat sich mit seiner Zeitung zu Jonas gesetzt. Für Willi dagegen ist ein ganz normaler Tag, er sitzt wie immer an der Kirchenmauer und wartet.

 

Montag, 18.12.2000

Jonas kommt strahlend zu Willi gelaufen, und auch Willi freut sich wie ein Honigkuchenpferd, als er den Jungen auf sich zulaufen sieht. "Hallo!" rufen beide gleichzeitig. Jonas plappert gleich weiter: "Willi, ich habe am Wochenende eine tolle Entdeckung gemacht, der Stubenarrest war gar nicht so schlecht! Mein Vater hat eine Adventsandacht in der Zeitung gefunden, hör mal:

"ADVENT ALS VORBEREITUNG AUF DEN ZWEITAUSENDSTEN GEBURTSTAG.

,Advent’ heißt Ankunft. Wir bereiten uns auf Weihnachten vor, in der uns eigenen Weise: Weihnachtsgeschenke werden besorgt, Festvorbereitungen getroffen, ab sofort ist die Zeit der Advents- und Weihnachtsfeiern. Vier Wochen: das muss sein. Und wenn Weihnachten so liegt wie dieses Jahr, dann muss es schon in der Woche vor dem ersten Advent damit losgehen.

Nach der Tradition der christlichen Kirchen ist die Adventszeit eigentlich ganz anders gedacht: die Adventszeit ist eine Fastenzeit, in der man sich einschränkt, und darüber nachdenkt, dass Gottes Sohn in diese Welt gekommen ist und dass er einmal wiederkommen wird, zum ,zweiten Advent’ am Tag des letzten Gerichtes. Aber so ist das eben heute: bei ,Gericht’ fällt vielen Menschen eher der weihnachtliche Speisezettel ein als der jüngste Tag.

Nicht irgendein Geburtstag

Nun bringt es wenig, darüber zu klagen; aber etwas mehr Bezug auf den eigentlichen Anlass der Feier - das darf schon sein. Denn schließlich feiern wir am 25.12. nicht irgendeinen Geburtstag, sondern einen runden : 2000 Jahre ist es her, dass der zur Welt kam, ohne den wir keine Weihnachtsmärkte hätten, weil es ohne ihn kein Weihnachtsfest gäbe.

Bei runden Geburtstagen ist es üblich, dass besondere Geschenke vorbereitet und überreicht werden. Als ein Pastor, der neu in einer Gemeinde war und sich vorgenommen hatte, außer den Achtzigjährigen auch die Vierzig- und Fünfzigjährigen zum Geburtstag zu besuchen, abends um 18.30 Uhr beim Geburtstagskind, das an diesem Tag vierzig wurde, klingelte, wurde ihm erwartungsvoll geöffnet. Über die Begrüßung war er aber doch einigermaßen erstaunt. ,Sind sie der Stripper? Aber Sie sollten doch erst in zwei Stunden kommen!’ Er konnte das Missverständnis aufklären, und es wurde dann ein netter, halbstündiger Besuch.

,Sind Sie der Stripper?’

Immer mehr wird es ja üblich, bei runden Geburtstagen um die fünfzig besondere Überraschungen aufzufahren. Wenn es nicht der Stripper ist, dann ist es oft die Bauchtänzerin, die aus der überdimensionalen Torte steigt. Zweitausend ist 40 mal 50, und das erfordert nun wirklich ganz besondere Geschenke. Zu anderen Geburtstagen Jesu mag es reichen, in seinem Sinne eine größere Summe an Geld für gute Zwecke zu spenden. Aber zum zweitausendsten, da sollte man sich etwas Besonderes einfallen lassen. Manchmal ist es auch eine gute Möglichkeit, auf die Wünsche des Geburtstagskindes zu hören. Und das hat ganz eindeutig einen größten Wunsch an uns: dass wir uns mit unserem ganzen Leben seinem Vater so anvertrauen, wie er es getan hat. Es geht ihm also nicht um Spenden oder um besonders schön gestaltete Feiern, er will viel mehr: uns selbst. Ob wir ihm dieses Geschek machen wollen?"

"Tja", sagt Willi nachdenklich, als Jonas geendet hatte. "Wollen wir ihm dieses Geschenk machen, was meinst du, Jonas?" "Ich fänd’s toll, denn eigentlich schenkt man ja dem Geburtstagskind etwas und nicht den anderen! Aber wie sollen wir das machen?" "Ich glaube, das geht nur so, dass wir an ihn denken und unseren Mitmenschen auch Gutes tun, so wie du mir deine Zeit schenkst und an mich denkst zum Beispiel." Jonas überlegt. "Ja", sagt er nach einer ganzen Weile des Schweigens, "so wird das wohl sein."

Am Abend zu Hause liest Jonas noch ein bisschen weiter in seinem Weihnachtsgeschichten-Buch und findet eine Geschichte, bei der er sofort an Willi denken muss, obwohl die Geschichte von einem kleinen Mädchen handelt. Aber die beschriebene Kälte und die Einsamkeit erinnern ihn an Willis Wohnort, und er muss ein bisschen weinen. Vorm Einschlafen nimmt er sich aber noch vor, Willi die Geschichte am nächsten Tag vorzulesen und ihn zu fragen, ob er nicht Weihnachten mit ihnen in der Familie feiern möchte! Diese gute Idee tröstet ihn und läßt ihn einschlafen.

 

Dienstag, 19.12.2000

Jonas läuft gleich nach der Schule zu Willi. "Willi, ich muss heute gleich so früh zu dir kommen, denn gestern habe ich noch eine Geschichte gelesen, die mich an dich erinnert hat. Hör mal gut zu:

"DAS KLEINE MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZCHEN

Es war so schrecklich kalt; es schneite, und der Abend dunkelte bereits; es war der letzte Abend im Jahre, Silvesterabend. In dieser Kälte und in der Finsternis ging auf der Straße ein kleines Mädchen mit bloßem Kopf und nackten Füßen. Es hatte freilich Pantoffel angehabt, als es von zu Hause fortging, aber was konnte das helfen! Es waren sehr große Pantoffel, sie waren früher von ihrer Mutter gebraucht worden, so groß waren sie, und diese hatte die Kleine verloren, als sie über die Straße eilte, während zwei Wagen in rasender Eile vorüberjagten; der eine Pantoffel war nicht wieder aufzufinden, und mit dem anderen machte sich ein Knabe aus dem Staube, welcher versprach, ihn als Wiege zu benützen, wenn er einmal Kinder bekäme. Da ging das kleine Mädchen auf den nackten zierlichen Füßen, die vor Kälte ganz rot und blau waren. In ihrer alten Schürze trug sie eine Menge Schwefelhölzchen, und ein Schächtelchen hielt sie in der Hand. Während des ganzen Tages hatte ihr niemand etwas abgekauft, niemand ein Almosen gegeben. Hungrig und verfroren schleppte sich die arme Kleine weiter und sah schon ganz verzagt und eingeschüchtert aus. Die Schneeflocken fielen auf ihr langes blondes Haar, das schön gelockt über ihren Nacken herabfloß, aber bei dieser Pracht weilten ihre Gedanken wahrlich nicht. Aus allen Fenstern strahlte heller Lichterglanz, und über alle Straßen verbreitete sich der Geruch von köstlichem Gänsebraten. Es war ja Silvesterabend und daran dachte das kleine Mädchen. In einem Winkel zwischen zwei Häusern, von denen das eine etwas weiter in die Straße vorsprang als das andere, kauerte es sich nieder. Seine kleinen Beinchen hatte es unter sich gezogen, aber es fror nur noch mehr, und es wagte nicht, nach Hause zu gehen, da es noch kein einziges Schächtelchen mit Streichhölzern verkauft, noch keinen Pfennig erhalten hatte. Es hätte gewiß vom Vater Schläge bekommen, und kalt war es zu Hause ja auch; sie hatten gerade das bloße Dach über dem Kopf, und der Wind pfiff schneidend hinein, obgleich Stroh und Lumpen in die größten Ritzen gestopft waren. Ach, wie gut müßte ein Schwefelhölzchen tun! Wenn es nur wagen dürfte, eines aus dem Schächtelchen herauszunehmen, es an der Wand anzustreichen und die Finger daran zu wärmen! Es war eine warme, helle Flamme, wie ein kleines Licht, als es das Händchen darüberhielt. Es war ein merkwürdiges Licht; es kam dem kleinen Mädchen vor, als säße es vor einem großen eisernen Ofen mit Messingbeschlägen und Messingverzierungen; das Feuer brannte so schön und wärmte so wohltuend! Nein, was war das? Die Kleine streckte schon die Füße aus, um auch diese zu wärmen - da erlosch die Flamme. Der Ofen verschwand - sie saß mit einem abgebrannten Schwefelholz in der Hand da. Ein zweites wurde angestrichen, es brannte, es leuchtete, und wo der Schein auf die Mauer fiel, wurde diese durchsichtig wie ein Schleier. Die Kleine sah gerade in die Stube hinein, wo der Tisch mit einem blendend weißen Tischtuch und feinem Porzellan gedeckt stand, und köstlich dampfte die mit Pflaumen und Äpfeln gefüllte gebratene Gans darauf. Und was noch herrlicher war, die Gans sprang aus der Schüssel und watschelte mit Gabel und Messer im Rücken über den Fußboden; gerade die Richtung auf das arme Mädchen schlug sie ein. Da erlosch das Schwefelholz, und nur die dicke, kalte Mauer war zu sehen. Sie zündete ein neues an. Da saß die Kleine unter dem schönsten Weihnachtsbaum; er war noch größer und reicher geschmückt als der, den sie am heiligen Abend bei dem reichen Kaufmann durch die Glastür gesehen hatte. Tausend Kerzen brannten auf den grünen Zweigen, und bunte Bilder, wie die, welche in den Schaufenstern ausgestellt werden, schauten auf sie herab, die Kleine streckte beide Hände nach ihnen - da erlosch das Schwefelholz. Die vielen Weihnachtslichter stiegen höher und höher, und sie sah jetzt erst, daß es die hellen Sterne waren. Einer von ihnen fiel herab und zog einen langen Feuerstreifen über den Himmel. ,Jetzt stirbt jemand!’ sagte die Kleine, denn die alte Großmutter, die einzige, die sie freundlich behandelt hatte, jetzt aber längst tot war, hatte gesagt: ,Wenn ein Stern vom Himnmel fällt, fliegt eine Seele zu Gott empor!’ Sie strich wieder ein Hölzchen an der Mauer an; es warf einen weiten Lichtschein rings umher, und im Glanze desselben stand die alte Großmutter hell beleuchtet mild und freundlich da. ,Großmutter!’ rief die Kleine. ,O nimm mich mit! Ich weiß, daß du verschwindest, sobald das Schwefelholz ausgeht, verschwindest wie der warme Ofen, der köstliche Gänsebraten und der große flimmernde Weihnachtsbaum!’ Und schnell strich sie den Rest der Schwefelhölzer an, welche noch im Schächtelchen waren, sie wollte die Großmutter festhalten; und die Schwefelhölzer verbreiteten einen solchen Glanz, daß es heller war als am hellen Tag. So schön, so groß war die Großmutter nie gewesen; sie nahm das kleine Mädchen auf ihren Arm, und hoch schwebten sie empor in Glanz und Freude; Kälte, Hunger und Angst wichen von ihm - sie waren bei Gott. Aber im Winkel am Hause saß in der kalten Morgenstunde das kleine Mädchen mit roten Wangen und mit einem Lächeln um den Mund - tot, erfroren am letzten Abend des alten Jahres. Der Morgen des neuen Jahres ging über der kleinen Leiche auf; sie saß da mit den Schwefelhölzern, wovon fast ein Schächtelchen verbrannt war. ,Sie hat sich wärmen wollen!’ sagte man. Niemand wußte, was sie Schönes gesehen hatte, in welchem Glanze sie mit der alten Großmutter zur Neujahrsfreude eingegangen war."

Jonas hatte Mühe, die Geschichte ohne loszuheulen vorzulesen, und als er Willi ansieht, bemerkt er in dessen Augen auch Tränen. Er drückt Willis Arm ganz fest "Mensch, Willi, die Geschichte ist zwar traurig, und sie hat mich auch an dich erinnert, aber wir beiden können doch noch etwas ändern! Willst du nicht Weihnachten zu uns nach Hause kommen? Du wirst meine Eltern und Großeltern sicherlich mögen, ganz bestimmt!" Bevor Willi etwas erwidern kann, wird Jonas hochgerissen: Vor ihm steht seine Mutter und schreit ihn an: "Hier bist du also, bei dem dreckigen Pack auf der Straße! Was haben wir dir getan?! Ich mache mir Sorgen, dass du nicht nach Hause kommst und suche dich schon überall!" Mutter zerrt ihn mit sich fort und schimpft die ganze Zeit weiter. Jonas kommt nicht einmal dazu, Willi nach etwas zu sagen. Willi schaut den beiden traurig nach und blickt auf das Buch mit dem aufgeschlagenen Märchen auf seinem Schoß.

 

Mittwoch, 20.12.2000

Jonas muss jetzt immer sofort nach der Schule nach Hause kommen und darf auch nicht mehr allein in die Stadt, vor allem nicht zu Willi, der so gar nicht in die "besinnliche Vorweihnachtszeit paßt", wie sich Jonas Mutter ausgedrückt hat. Und der Vater hat ihm "einen solchen Umgang" auch verboten, für immer.

 

Donnerstag, 21.12.2000, Freitag, 22.12.2000 und Samstag, 23.12.2000

Jonas fühlt sich bewacht und eingesperrt, Willi allein. Nur ein Foto mit einer Botschaft von Jonas, das ihm Michel vorbeibringt, heitert ihn etwas auf. Das Foto zeigt einen Weihnachtsmann auf der Bühne, hinten drauf steht: "Mein lieber Willi! Das Foto habe ich auf der Weihnachtsfeier in der Schule gemacht. Ich wünsche dir ein schönes Weihnachtsfest, und, wenn meine Eltern sich etwas beruhigt haben, komme ich dich auch wieder besuchen! Schade, dass sie mir nicht erlauben, dich zu sehen, ich hätte dich so gerne zu uns geholt! Bis bald, dein Jonas!" Das Foto kommt zu dem Bild in Willis Westentasche, es ist das schönste Geschenk, das er je zu Weihnachten bekommen hat.

 

Sonntag, 24.12.2000

Jonas sitzt zu Hause in seinem Zimmer. Er kann immer noch nicht verstehen, warum seine Eltern so wütend waren, als sie ihn bei Willi gesehen haben. Willi ist doch schließlich sein Freund. Jonas stellt sich vor, wie Willi an seinem gewohnten Platz sitzt und bei dieser Kälte bestimmt friert. Außerdem hat er doch noch seinen gräßlichen Husten. Jonas macht sich Sorgen um seinen Freund. Allein die Gewissheit, dass Willi an Weihnachten allein ist, macht ihn traurig. Er beschließt, sich heimlich aus der Wohnung zu schleichen und mit Willi Weihnachten zu feiern. Jonas nimmt das Krippenbild, das er eigentlich für die Oma gemalt hatte, mit, um es Willi zu schenken. Schließlich soll er auch etwas Weihnachtliches bei sich haben.

Als Jonas an der Marktkirche ankommt, sieht er, wie Willi die Menschen, die gerade aus der Kirche kommen, aufmerksam beobachtet. Es ist nicht viel Freude und Besinnlichkeit zu spüren. Die meisten laufen hektisch nach Hause, um ihren Weihnachtsbraten aus dem Ofen zu holen und die Geschenke auszupacken. Jonas läuft freudig zu Willi, der ihn bemerkt, als er schon direkt vor ihm steht.

"Ja, was machst du denn hier?" fragt Willi freudig überrascht. Doch kurz darauf wird er von einem Hustenanfall unterbrochen. "Ich will mit dir Weihnachten feiern, denn Weihnachten feiert man schließlich mit den Menschen, die man gern hat", antwortet Jonas stolz. "Ja, und was sagen deine Eltern dazu?" meint Willi besorgt. Jonas beginnt herumzudrucksen. Er möchte Willi nicht anlügen, hat aber Angst, dass dieser ihn gleich wieder nach Hause schickt. Ah, verstehe", brummt Willi gutmütig. "Du bist abgehauen. Deine Eltern wissen gar nicht, dass du bei mir bist." Jonas wird ganz rot. "Ja", gesteht er kleinlaut. "Na, dann bleibst du ein bisschen bei mir und gehst dann schnell nach Hause. Deine Eltern vermissen dich bestimmt."

Jonas überreicht Willi das Bild, der sich sehr darüber freut. "Jonas", sagt Willi, "ich habe auch ein Geschenk für dich, aber es ist natürlich nicht so schön und selbstgemacht wie deines. Geh doch mal in die Kirche hinein und schau dir die Krippe vorn an. Sie ist sehr schön und sieht deiner gemalten hier ganz ähnlich!" Da ja gerade ein Gottesdienst vorbei ist, kann Jonas sich auch ganz nach vorn in die Kirche stellen. Da kommen auch schon die Leute für den nächsten Gottesdienst in die Kirche. Aber auch, wenn ihm die Krippe sehr gut gefällt, er läuft schnell zurück zu Willi, dort möchte er sein. Draußen kuscheln sich die beiden in Willis Decke, lauschen auf die Orgelmusik, und Jonas erzählt Willi von seinen vorherigen Tagen. Willi muss immer wieder stark husten. Nach einiger Zeit bittet Jonas: "Willi, kannst du mir denn nicht eine Geschichte erzählen?" "Ach, Jonas, ich bin heute so müde. Möchtest du mir denn nicht etwas erzählen?" "Ja, weißt du", beginnt Jonas. "Ich habe über alles, was du mir gesagt hast, nachgedacht." "Na, da bin ich aber gespannt", meint Willi und legt seinen Kopf auf Jonas’ Schulter. Jonas freut sich darüber. Seine Mutter hätte das nicht gedurft, jedenfalls nicht vor allen Leuten. Aber bei Willi ist das etwas anderes, er ist ja sein großer Freund. "Weißt du, Willi", beginnt Jonas, "ich hatte noch nie so einen tollen Freund wie dich. Du hast immer Zeit für mich, und du weißt auch so viel. Ich habe vorher nie über den eigentlichen Sinn von Weihnachten nachgedacht. Für mich waren immer tolle Geschenke wichtig. Aber weißt du, ich glaube, ich könnte mir jetzt sogar ein Weihnachten ohne Geschenke vorstellen. Ich finde es schön, mit dir zusammen zu sein, sodass du nicht allein bist." "Ja, Jonas, das ist mein schönstes Weihnachten", murmelt Willi matt. Sein Kopf auf Jonas’ Schulter wird immer schwerer. "Meine Eltern können nicht verstehen, dass du mein Freund bist. Ich glaube, sie mögen dich nicht, weil du hier wohnst und nicht in einer Wohnung. Aber das ist doch eigentlich kein Grund. Du hast es bestimmt nicht leicht, gerade deshalb brauchst du gute Freunde. Du brauchst ja ihre Unterstützung." Mittlerweile ist es schon fast dunkel, und die Sterne leuchten. Während Jonas erzählt hat, ist die Decke von Willis Schulter heruntergerutscht. Da Willi jedoch nicht reagiert, deckt Jonas ihn vorsichtig wieder zu. Dabei sieht Jonas die Sternschnuppe hinter der Kirche nicht. Munter redet er weiter: "Weißt du noch das Gedicht, das ich erst nicht verstanden habe?" Willis Kopf ruht auf Jonas’ Schulter. "Du weißt es bestimmt noch, dieses Gedicht über Engel. Du hast wirklich Recht. Engel erkennt man nicht immer auf den ersten Blick. Schließlich hast du ja auch keine Flügel und goldenes, lockiges Haar!"

 

 

3. Schlussteil

3.1. Skizzierung des methodischen Vorgehens

Motivierend war hinsichtlich der Materialien und Methoden für uns eine möglichst große Vielfalt. So hatten wir als Rahmen eine eigene Geschichte entworfen, die sich besonders zum Vorlesen eignen sollte. In diese Rahmengeschichte haben wir einzelne Interessensgebiete der Kursteilnehmerinnen eingearbeitet. Da diese Beiträge stilistisch und auch inhaltlich zum Teil ganz unterschiedlich sind, haben wir sie in der Geschichte verschiedenen Gattungen zugeordnet. So gibt es einen Artikel über das "Wunder einer heiligen Nacht" in verschiedenen Religionen, gemalte Bilder, Fotos, Weihnachtsgeschichten und ein Gedicht, Berichte über Erinnerungen, eine Andacht eines Superintendententen, Beschreibungen von Weihnachtsbräuchen aus anderen Ländern und eine Umfrage. So konnten eigene und fremde Texte verbunden werden.

Die Materialien haben wir im Kurs selbst gesammelt beziehungsweise entworfen und verfasst. Die Einzelbeiträge haben wir uns in den Schulstunden gegenseitig vorgestellt und in die Rahmengeschichte eingearbeitet.

Frau Albrecht stellte uns für die Projektarbeit die gesamten Kursstunden im Dezember zur Verfügung und unterstützte uns auf Nachfrage auch mit Material.

 

 

3.2. Reflexion über die Projektarbeit

3.2.1. Material und Methoden

Aus der Fülle des Materials zum Thema "Weihnachten" eine geeignete Auswahl zu treffen, war nicht leicht und erforderte lange und intensive Vorüberlegungen. Wir haben uns um Abwechslung, unterschiedliche methodische Zugänge und darum bemüht, alles von einzelnen Kursteilnehmerinnen gewünschte Material mit einzubeziehen.

Als besonders geeignet erwiesen sich die die handlungsorientierten Gestaltungsformen, die sehr motivierend waren. Sie boten uns die Gelegenheit, selbstbestimmt zu lernen und die Materialien für die folgende Kursstunde weitgehend selbst zu bestimmen und bereitzustellen.

Die Abwechslung zwischen produktionsorientierten Phasen als gesamter Kurs, den Einzelarbeiten und dem eher rezeptiven Zuhören bei der Vorstellung der fremden Beiträge war sehr gut und ausgeglichen.

Insgesamt hat uns die Möglichkeit, den Unterricht so selbst mitzubestimmen und zu gestalten sehr gut gefallen.

 

3.2.2. Resümee

Das Konzept für diese Projektarbeit hat sich unserer Einschätzung nach für dieses Thema bewährt. Die Arbeit hat uns zu neuem Nachdenken angeregt. So möchten wir auch die offenen Fragen im Hauptteil, also in der Geschichte von Jonas und Willi, verstanden wissen.

Wir haben das Ende bewusst so offen gestaltet, um keine eindeutige Antwort zu geben, da es unserer Meinung nach auch keine umfassende gibt. Wir haben Weihnachten nicht als ein nur harmonischens Geschehen wahrgenommen, es gibt Streit und Leid, Unterschiede, Leben und Tod, und das gab es schon damals in Bethlehem. Bestärkt hat uns in dieser Wahrnehmung auch die Umfrage, in der doch einige der Befragten Weihnachten eher kritisch sahen oder wenig bis gar nichts mit diesem Fest anfangen konnten.

Wichtig war uns auch, dass Willi außen an der Kirchenmauer sitzt und sich auch Jonas am Weihnachtstag draußen vor der Kirche wohler fühlt als drinnen, um zu verdeutlichen, dass Menschen einander zum Engel werden - so der Grundtenor der Geschichte - und zwar dort, wo man es nicht gerade vermutet. So wie damals das Heil für die Welt nur in einem kleinen Stall zur Welt kommen konnte und nicht in einem großen Palast, so, wie eben ein Kind und kein König der Heiland ist, so, wie eben die armen Hirten das Christuskind anbeten und nicht nur die Könige, so geschehen auch heute bei uns Wunder an Orten, an denen man es nicht vermutet. Wichtig war es dabei für uns aber auch, dass eben nicht alles in unserem irdischen Leben gelingt und wundervoll ist, und die Geschichte läßt am Ende ja mehrere Deutungsmöglichkeiten zu, sie ist so vielschichtig und uneindeutig wie das Leben selbst.

Sich der existentiellen Frage nach dem Geheimnis von Weihnachten zu stellen und nach Antworten zu suchen, war für uns im Religionsunterricht eine große, wichtige und spannende Aufgabe. Besonders die Form des Erzählens und ihre Auswirkung hat uns beeindruckt, denn: "Das Erzählen verfügt über Verwandlungskräfte und Erinnerungszeichen, die auf jeden von uns ihre Auswirkung haben. Es geschieht etwas mit uns, während wir erzählen."

 

 

4. Anhang

4.1. Literaturverzeichnis

Es ist nur die Literatur genannt worden, die direkt der Arbeit zugrunde liegt.

Andersen, Hans Christian, Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen, in: Mehr Weihnachtsgeschichten, hg. v. Diogenes Verlag, Zürich 1986, S. 9-12.

Berg, Sigrid, Arbeitsbuch Weihnachten für Schule und Gemeinde, Stuttgart und München 1988.

Berg, Horst Klaus, Lernziel Schülerinteresse. Zur Praxis der Motivation im RU, Stuttgart 1977.

Gaarder, Jostein, Das Weihnachtsgeheimnis, München und Wien 1998.

Gudjons, Herbert, Pädagogisches Grundwissen, Bad Heilbrunn, 1999.

Köhler, Dr. Wolf-Dietrich, Advent als Vorbereitung auf den zweitausendsten Geburtstag, veröffentlicht am 4.12.2000 unter: www.kirche-peine.de

Michels, Tilde, Das alles ist Weihnachten, München 1912

Oehlmann, Christel, Garantiert Erzählen lernen. Ein ÜbungsbuchReinbek bei Hamburg 1995.

Taravant, Jacques, Sís, Peter, Der kleine Junge mit den Flügeln. Eine Sonderausgabe für Freunde der Deutschen Krebsgesellschaft, 1997

Wiemer, Otto, Engel, in: Bukowski, Wolfgang, Forysch, Michael, Zwischen Tür und Angel: 30 Vertretungsstunden Religion für die Sekundarstufe I, Göttingen 1988, S. 157f.

? (leider ist uns der Aufsatz mit der Autoren- und Seitenangabe verlorengegangen), Die Heilige Nacht in den Religionen - Buddha, Mohammed, Jesus, in: Der Loccumer Pelikan 4 / 1996.

4.2. Materialauflistung

Folgende Materialien sind von dem Kurs eigenhändig gesammelt und bearbeitet worden. Alle Materialien sind in die Geschichte im Hauptteil der Projektarbeit (Kapitel 2) eingearbeitet (vgl. auch die Fußnoten dort).

Umfrage zum Thema Weihnachten (vgl auch Kapitel 4.3.)

Befragung einer Oma zu den Weihnachtserinnerungen aus ihrer Kindheit

Befragung einer Frau zu den Weihnachtserinnerungen zur Zeit des zweiten Weltkriegs

 

 

4.3. Dokumentationsmaterial

Die Fragebögen sind im Kurs selbständig erarbeitet worden. Die Umfrage wurde in der Fußgängerzone in Hildesheim durchgeführt, und eine 6. und eine 7. Klasse sind in der Marienschule berfragt worden. Die Auswertung der Umfrage ist direkt in die Fragebögen eingetragen.

 

 

FRAGEBOGEN - WEIHNACHTEN (Erwachsene)

Es sind 104 Erwachsene befragt worden.

1. Freuen Sie sich auf Weihnachten?

84 ja 8 nein 12 unentschieden

2. Wie empfinden Sie die Adventszeit?

32 stressig 56 schön 16 besinnlich

14 alltäglich 0 überflüssig 26 konsumorientiert

6 ganz anders

3. Backen und kochen Sie für Weihnachten typische Plätzchen oder Gerichte?

64 ja 34 nein 6 keine Antw.

4. Könnten Sie sich ein Weihnachten ohne Geschenke vorstellen?

53 ja 47 nein 4 unentschieden

5. Gehen Sie Weihnachten in die Kirche?

72 ja 30 nein 2 unentschieden

6a. Feiern Sie Weihnachten?

90 ja 10 nein 4 manchmal

6b. Wenn ja, legen Sie Wert auf eine festliche Atmosphäre?

90 ja 10 nein 4 egal

7. Mit wem feiern Sie Weihnachten?

96 Familie 22 Freunde 2 allein

4 Sonstige: (aber keine Angabe)

8. Welches ist Ihre eindrücklichste Erinnerung an Weihnachten?

Hier waren keine Antworten vorgegeben.

Krieg: 19 Geschenke: 9 Familie / Besuch: 16

Kindheit: 26 Schnee: 5 Dienst / Arbeit: 5

nichts: 24

 

9.Welche der folgenden Begriffe stehen in der Bibel?

94 Jesus 28 Christkind 0 Weihnachtsmann

38 Geschenke 0 Adventskranz 6 Weihnachtsbaum

82 die heiligen 3 Könige

 

 

FRAGEBOGEN - WEIHNACHTEN (Jugendliche)

Es sind 118 Jugendliche befragt worden.

1. Freust du dich auf Weihnachten?

94 ja 9 nein 15 weiss nicht

2. Wie lang kommt dir die Adventszeit vor?

28 lang 46 normal 44 kurz

3. Schreibst du einen Wunschzettel?

61 ja 57 nein

4. Schenkst du anderen etwas?

103 ja 7 nein 8 weiss ich noch nicht

5. Geht ihr Weihnachten in die Kirche?

89 ja 29 nein 0 weiss ich nicht

6. Wie sieht euer Weihnachtsschmuck zu Hause aus?

39 Krippe 81 Sterne 92 Adventskranz

88 Kerzen 73 Fensterbilder 84 Weihnachtsbaumkugeln

36 Sonstiges

7a. Bekommt ihr Weihnachten Besuch?

85 ja 18 nein 15 weiss ich nicht

7b. Freust du dich darüber?

78 ja 19 nein 21 egal

8. Welches ist deine schönste oder gräßlichste Erinnerung an Weihnachten?

Hier waren keine Antworten vorgegeben.

Besuch: 8 Krankheit: 13 Geschenke: 8

Familie: 6 Schnee: 14 Urlaub: 8

Krippenspiel: 6 ist immer schön: 21 schlechte Nachricht: 2

blöde Verwandte: 2 schlechter Film: 1 Baum kaputt: 9

kein W.-mann: 1 Streit: 9

nichts: 9 Katze pinkelt an Baum: 1

9. Warum feiert man eigentlich Weihnachten?

Hier waren keine Antworten vorgegeben.

Geburt Jesu: 89 Denken an Jesus: 4 Geschenke: 7

Familientreffen: 3 Fest der Liebe: 1 Fest der Kirche: 1

Tradition: 8 keine Ahnung: 5

 

 

4.4. Bildmaterial

Die Bilder sind als Farbkopien der Arbeit hinten beigefügt. Die Bilder und Fotos sind von dem Kurs eigenhändig gesammelt bzw. gemacht worden. Alle Bilder sind in die Geschichte im Hauptteil der Projektarbeit (Kapitel 2) eingearbeitet (vgl. auch die Fußnoten dort).

Bild: Adventskranz (gemalt von einer Schülerin aus der 6. Klasse unter folgender Aufgabenstellung: Was fällt dir zuallererst zum Thema Weihnachten ein?)

 

Bild: Krippe (gemalt von einer Schülerin aus der 6. Klasse unter folgender Aufgabenstellung: Was fällt dir zuallererst zum Thema Weihnachten ein?)

 

Bild: Weihnachtsbaum 1 (gemalt von einer Schülerin aus der 6. Klasse unter folgender Aufgabenstellung: Was fällt dir zuallererst zum Thema Weihnachten ein?)

 

Bild: Weihnachtsbaum 2 (gemalt von einer Schülerin aus der 6. Klasse unter folgender Aufgabenstellung: Was fällt dir zuallererst zum Thema Weihnachten ein?)

 

Foto: Adventskalender (selbstgebastelt für ein Patenkind)

 

Foto: Krippe (fotografiert am 24.12.2000)

Foto: Weihnachtsdekoration (aufgenommen in Atlanta von einer Kusine, die dort Aupair-Mädchen war)

 

Foto: Weihnachtsmann (aufgenommmen auf einer Weihnachtsfeier)

Foto: Weihnachtsmarkt (aufgenommen in der Hildesheimer Fußgängerzone)

 

 

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