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Cato Bontjes van Beek - Gymnasium


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Unerfülltes Leben und Sehnsucht nach Eigentlichkeit in Christa Wolfs

Erzählung "Kein Ort. Nirgends"

 

 

Verfasserin: Lynn-Kristin Bracht


Betreuende Lehrkraft: Joachim Zabel

 

 

 

Vorwort

 

Protagonist der Erzählung "Kein Ort. Nirgends" ist der Dichter Heinrich von Kleist, den Christa Wolf in seinem Denken, Fühlen und Handeln, seinem Verhältnis sowohl zu sich selbst als auch zum gesellschaftlichen Gefüge zur Darstellung bringt. Während der rein biographische Aspekt seines Lebens die erzählende Handlung lediglich peripher tangiert, ist es primär die individuelle doch konfligierende Dimension seines Charakters die zum vordergründigen Gegenstand der Betrachtung wird: der erwachsende Widerspruch zwischen Anpassung und Selbstverwirklichung,

- die Verzweiflung an der Wahrheit,

- der Hang zum Absoluten,

- die völlige Heimatlosigkeit,

- die Auseinandersetzung mit sich selbst als gebrochene und unabgeschlossene Persönlichkeit genauso wie mit der funktionell vereinnahmenden Gesellschaft.

Die Suche nach einer Synthese, die die Komplexität der Problematik zu erfassen vermag, bleibt erfolglos; sein Scheitern scheint vorprogrammiert.

Mit dem Ohnmachtsgefühl Heinrich von Kleists, das der Glaube an die reine Rationalität und die Erkenntnisfähigkeit des Verstandes in ihm hinterlässt, erwacht auch das Bewusstsein, dass die Wahrheit, nach der er sucht, viel tiefer greift. Seine existentiellen Fragen gehen über das wissenschaftlich Begründete hinaus, erlangen – an den Grenzen des empirisch–rationalen – religiösen Gehalt. Dort, wo in seiner Bedürftigkeit die Frage nach Gott und dem Sinn des Lebens keimt, offenbart sich die religiöse Dimension seiner tiefsten Sehnsucht.

Um die Annäherung an die Person Heinrich von Kleist zu vollziehen, seinen Standpunkt zu definieren, sowohl die religiösen als auch die philosophischen Komponenten zu begründen, erschien es mir sinnvoll auf die Theorien Friedrich Nietzsches zurückzugreifen – der als Philosoph des Übermenschen eine Existenz ohne Gott und Religion postuliert – und diese zur Darstellung und Abgrenzung des Charakters Kleists heranzuziehen.

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1. Inhaltsangabe: - "Kein Ort. Nirgends" von Christa Wolf

1.2. Die Darstellung Heinrich von Kleists

2 Hauptteil

2.1. Die Philosophischen Kategorien

2.1.1. Nietzsche: - Wille zur Macht, Nihilismus, Übermensch

2.1.2. Der Übermensch – Utopie oder Wirklichkeit? 4

2.2. Bezüge zu Heinrich von Kleist

Das gegenwärtige Leben Wissen – Das höchste Ziel / Die Kant – Krist

2.2.3. Verzweiflung an der Wahrheit

2.2.4. Lebenspläne / Der Hang zum Absoluten

2.2.5. Die Utopien Kleists / Das Motiv der Heimatlosigkeit

2.2.6. Existentielles Schreiben

2.2.7. Widerspruch zwischen Anpassung und Selbstverwirklichung

2.2.8. Abschied und Tod

2.3. Abschließende Betrachtung:

Abgrenzung Kleist / Übermensch

2.3.1. Die Begegnung mit Karolinge von Günderrode

Schluß

3.1. Fazit

3.2. Persönliche Reflexion

Literaturverzeichnis

Anhang

 

 

 

Einleitung

1.1. Inhaltsangabe: "Kein Ort. Nirgends" von Christa Wolf

"Daß sie sich getroffen hätten: erwünschte Legende. Winkel am Rhein, wir sahen es. Ein passender Ort. Juni 1804."[1, S.6]

Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode...

In einer von Christa Wolf fingierten Teegesellschaft namhafter Persönlichkeiten jener Zeit führt sie die beiden zusammen, kontrastiert ihre Charaktere im Kontext der gesellschaftlichen Runde, indem sie den antagonistischen Standpunkt, den sie als Dissidenten in der Gesellschaft einnehmen, durch die Darstellung oppositioneller Anschauungen hervorhebt: Auf der Basis von Rationalismus, Liberalität und Aufklärung treten die Protagonisten in ihrer Außenseiterrolle hervor. Doch gerade die Übereinstimmung, die sie in ihrer Ausgeschlossenheit erfahren, lässt Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode in ihrem finalen Dialog für einen kurzen Moment die geistige Nähe zueinander verspüren. Unfähig die konventionsbedingten Barrieren zu überschreiten, bleibt von ihrer ephemeren Begegnung jedoch nicht mehr als nur ein Hauch flüchtiger Geborgenheit.

Auf der Grundlage der Problematik des gesellschaftlichen und psychischen Scheiterns werden Themen wie das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, das Verschmelzen von Schreiben und Existenz, der Widerspruch zwischen Anpassung und Selbstverwirklichung, Ich-Setzung und Selbstentfremdung in ihrer Polarität anhand der Protagonisten vertieft dargestellt.

1.2. Die Darstellung Heinrich von Kleists

Bei dem Versuch, Leben und Werk eines Dichters wie Heinrich von Kleist vollständig zu erschließen, sein Gedankenkonstrukt zu reproduzieren, um einen Zusammenhang herstellen zu können, der letztendlich in sich stimmig scheint, ist die Konfrontation mit gewaltigen Problemen, vor allem aufgrund der komplexen Strukturen seiner ambivalenten Charakterzüge, geradezu vorprogrammiert. Fluchtbewegungen quer durch Europa – seine Absichten nicht immer ersichtlich – sowie ständig wechselnde Gemütsphasen; Pläne, die aufgestellt und verworfen werden, erschweren das Verständnis, werfen Fragen auf. Letztendlich bleibt doch nur die Gewissheit, daß Stimmigkeit kein Hinweis auf Wahrheit sein muss, und in mancherlei Hinsicht nur ein vages "so könnte es gewesen sein". Das Bild, das Christa Wolf durch die Darstellung ihres Protagonisten in der Erzählung "Kein Ort. Nirgends" von Kleist entwirft, ihre eigene Vorstellung von der Vorgeschichte seines Selbstmordes, basiert auf textnahen Bezügen, vor allem aus dem Nachlass seiner Briefe. Es soll vor allem Gegenstand der folgenden Darstellung sein. Seine Briefe - die einen poetischen und empfindsamen Kleist widerspiegeln, seine intellektuelle und philosophische Ader offenbaren – sowie Textstellen seiner eigenen Werke werden als stützendes Fundament, zur weiteren Ausführung oder Abgrenzung ihrer Gedanken, herangezogen.

 

Hauptteil

2.1. Die philosophischen Kategorien

Nietzsches Theorien von Nihilismus und "Übermensch" bieten interessante Vergleichsmöglichkeiten zum Leben Heinrich von Kleists. Im Folgenden werde ich die Theorien zunächst erläutern, um sie auf Anwendbarkeit überprüfen und vom Charakter Kleists abgrenzen zu können.

Nietzsche: Wille zur Macht, Nihilismus, Übermensch

Friedrich Nietzsche propagiert den sogenannten Willen zur Macht, ein subjektivistischer, lebensbejahender Wille, der auf Selbstbeherrschung als Grundlage allen schöpferisch-kreativen Schaffens abzielt; ein Antrieb, der alles Leben und alles Seiende charakterisiert; dem alles Existierende folgt. Ein Wille, der sich moralischen Mehrheitsgrundsätzen widersetzt und im autonomen Übermenschen Verkörperung findet. Obgleich dieser den Menschen übersteigt, insofern er die Fähigkeit besitzt, sich den Lebenssinn selbst zu verleihen, darf der Übermensch jedoch nicht als ein jenseitiges Wesen angesehen werden: Nur sein Reifegrad unterscheidet ihn. Sein Grad der Vollkommenheit basiert auf der Entwicklung von Handlungs- und Denkmöglichkeiten über bisherige Grenzen hinweg. Er erfährt das neue, gefährliche Leben auf eine experimentelle, fast spielerische Art und Weise.

"...eine Lust und Kraft der Selbstbestimmung, eine Freiheit des Willens (wäre) denkbar, bei der ein Geist jedem Glauben jedem Wunsch nach Gewißheit den Abschied gibt, geübt, wie er ist, auf leichten Seilen und Möglichkeiten sich halten zu können und selbst an Abgründen noch zu tanzen. Ein solcher Geist wäre der freie Geist par excellence." [4b) S.376]

In "Vom Wege des Schaffenden" aus seinem Werk "Also sprach Zarathustra", beschreibt Nietzsche die Stadien, die ein Mensch in seiner Entwicklung zum Übermenschen zu durchlaufen hat. Dadurch, dass sich der Mensch der Kluft zwischen dem Idealbild, das er liebt, einerseits und der Realität andererseits bewusst wird, erwacht die Verachtung seiner selbst, die schließlich die Triebfeder seines Strebens darstellt; ihn das Ziel verfolgen lässt zum Schaffenden, zum autonomen Subjekt, zu werden. Die Kraft hierzu, so Nietzsche, müsse aus dem Menschen selbst erwachsen und dürfe aus keinerlei Form der Unterdrückung resultieren: Er solle "Ein aus sich rollendes Rad", ein Selbstdenker sein; nicht aus Ehrgeiz und "Lüsternheit nach Höhe" den Weg einschlagen wollen. Die Trennung von der Herde, dem Prinzip des Monismus, die Qualen der Einsamkeit, der Zwang selbst Verantwortung zu übernehmen, das Missverstehen der Anderen, die Versuchung umzukehren, der Widerstand gegenüber dem eigenen Ich, dessen größter Feind man werde, letztendlich die Bereitschaft alles aufzugeben. All dies sei erforderlich, um neu hervorgehen zu können:

"Verbrennen mußt du dich wollen in deiner eigenen Flamme; wie wolltest du neu werden, wenn du nicht erst Asche geworden bist!"[4d) S.327] "Mit deiner Liebe gehe in deine Vereinsamung und mit deinem Schaffen, mein Bruder; und spät erst wird die Gerechtigkeit dir nachhinken."[4d) S.327 f.]

In seinen Werken berichtet er nicht von zeitgenössischen Übermenschen, jedoch führt er in "Ein Fragment aus der Geschichte der Nachwelt" Epikur als Verkörperung seines Idealbildes, als Schaffenden an, an dem er seine Theorien auf der Basis des Lebenden, des Realen demonstrieren kann. Seine These kann nicht weiter verifiziert werden und bleibt auch für Nietzsche nur eine sehnsüchtige Hoffnung.

"Aber irgendwann, in einer stärkeren Zeit, als diese morsche, selbstzweiflerische Gegenwart ist, muß er uns doch kommen, der erlösende Mensch der großen Liebe und Verachtung, der schöpferische Geist (...). Dieser Mensch der Zukunft, der uns ebenso vom bisherigen Ideal erlösen wird, als von dem, was aus ihm wachsen mußte, vom großen Ekel, vom Willen zum Nichts, vom Nihilismus, dieser Glockenschlag des Mittags und der großen Entscheidung, der den Willen wieder frei macht, der der Erde ihr Ziel und dem Menschen seine Hoffnung zurückgibt, dieser Antichrist und Antinihilist, dieser Besieger Gottes und des Nichts – er muß einst kommen." [4c) S.134]

Nietzsche postuliert die "Umwertung aller Werte", die Überwindung aller bisheriger Sinngebungsversuche, um durch die Phase des Nihilismus im Übermenschen den Kulminationspunkt zu erreichen. Doch was versteht er unter der Phase des Nihilismus?

Gemäß Nietzsche ist der Nihilismus - die radikale Ablehnung von Wert, Sinn und Wünschbarkeit – eine Übergangsphase, die dem Menschen eine Loslösung von alt verhafteten

Wertvorstellungen und moralischen Grundsätzen der herkömmlichen Masse, der Herde, ermögliche und ihn so zu einer neuen individualistisch-autonomen Anschauung führe.

Eine Phase enormen Entwicklungspotentials, in der die obersten Werte ihre Bedeutung verlören und aus der der Mensch, durch die Überwindung alter Kategorien, gestärkt hervorgehen könne. Eine destruktive Phase der Ziellosigkeit, der leidenschaftlichen Verneinung, dort wo der Wunsch nach Bejahung keine Rechtfertigung mehr erfahre. Der Nihilismus könne weder durch seelische noch durch leibliche oder intellektuelle Not hervorgerufen werden. Nietzsche nennt den Untergang des Christentums an seiner eigenen konventionellen Moral, der platonisch-christlichen Denktradition, die unter Berufung auf eine transzendente Welt zur Abwertung der diesseitigen beitrüge, u.a. als ausschlaggebend. Eine bestimmte Deutung des Christlich-moralischen kehre die Vorstellung, dass Gott die Wahrheit sei, in den fanatischen Glauben: "Alles ist falsch." Der Mensch müsse erkennen, dass es den allgemein gültigen Werten an Inhalt mangele. Nur so sei es ihm möglich, dem Nihilismus zu begegnen, um etwas Gültigeres an die Stelle des Bisherigen zu setzen, um aus der Unterwerfung, in die sich der religiös-abhängige Mensch begebe, indem er sich selbst nur noch über eine höhere Macht definiere, eigene Kräfte zu mobilisieren, um sich zu emanzipieren und die eigene Identität zurückzugewinnen. Wobei durchaus nicht jeder Mensch das Potential aufweise zur Autonomie fähig zu sein, eigenständig Ziele zu entwerfen und auf Autoritäten verzichten zu können. Als weitere Ursachen für den Nihilismus nennt Nietzsche die Erkenntnis der Sinnlosigkeit, den Verlust der Hoffnung, dass der Weg das Ziel sei ("Ein Ziel ist immer noch ein Sinn."), durch die Erkenntnis, "daß mit dem Werden nichts erzielt, nichts erreicht wird..." [4e) S.473] , sowie den Glauben an die Venunft-Kategorien "Zweck", "Einheit", "Sein", durch die der Mensch versuche der Welt (und auch sich selbst) einen unrealistischen Wertmaßstab anzulegen, woraufhin sie uns zunehmend wertloser erscheine.

2.1.2. Der Übermensch – Utopie oder Wirklichkeit?

Nietzsches Theorie des Weges durch den Nihilismus zum Übermenschen, hin zu schöpferisch-genialen Höhen, zeugt von einem ungeheuren Potential, lässt faszinierende Entwicklungsmöglichkeiten, die er dem Menschen zuschreibt, erahnen. Dennoch sieht er auch die nihilistische Gefahr für den Menschen, die Möglichkeit ewig zwischen Herde und Übermensch im bloßen Zustand des Negierens zu verharren. Fragwürdig bleibt, ob das Bild menschlicher Fähigkeiten, das Nietzsche in seiner Theorie vom Übermenschen entwirft, der Realität entspricht. Kann der Mensch tatsächlich diese hochgesteckten Ziele entwerfen und verfolgen? Besitzt er überhaupt die Fähigkeit zur Autonomie? Ist er in der Lage alles hinter sich zu lassen, sich neue Werte zu erschaffen? Vermag er seinem Leben aus sich selbst heraus Sinn zu geben? Schnell wird man an Grenzen stoßen, die die Diskrepanz zwischen den Vorstellungen vom Dasein einerseits sowie dem empirischen Leben andererseits offenbaren; den Widerspruch zwischen dem Streben nach übermenschlichen Qualitäten und dem menschlich Möglichen erkennen. Der Mensch, in seine Ohnmacht gebunden, wird nur begrenzt Freiheit erlangen können. Nietzsche, der sich der Problematik durchaus bewusst ist, bleibt nur die Hoffnung auf das von ihm entworfene Ideal. In seiner Theorie vom Übermenschen postuliert er gewisse menschliche Grundeinstellungen und Fähigkeiten, die zwar nicht in Vollendung, doch in Ansätzen teilweise auch in den Denkstrukturen und Verhaltensmustern Kleists aufzuweisen sind. Die Abgrenzung der Person Heinrich von Kleist von dem von Nietzsche entworfenen Übermenschen soll Gegenstand der folgenden Darstellung sein.

2.2. Bezüge zu Heinrich von Kleist

Das gegenwärtige Leben

Obgleich Friedrich Nietzsche ein großer Kritiker der Vorstellung einer ewigen, jenseitigen Welt ist, da sie zur Abwertung der gegenwärtigen führe, den Menschen Gefahr laufen lasse, unter Abhängigkeit von äußeren Autoritäten sein irdisches Leben zu vernachlässigen, entwickelt er zu der Problematik der Endlichkeit des Daseins, einem Sein nach dem Tod, keine konkrete Theorie. Seine Werke beziehen sich auf das Diesseits, auf das gegenwärtige, als das einzig verfügbare Leben.

"Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden! Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht. Verächter des Lebens sind es, Absterbende und selber Vergiftete, deren die Erde müde ist: so mögen sie dahinfahren!" [4d) S.7]

Der Übermensch erkennt dies und weiß das Leben als Basis, doch auch als Rahmen seines Agierens zu nutzen, das Diesseits zu gestalten. Er verfällt nicht der Projektion, der Hoffnung auf jenseitige Welten, sondern strebt nach Verwirklichung und Vervollkommnung im Diesseits und verleiht seinem gegenwärtigen Leben somit Tiefe.

Die Einstellung Kleists zu seinem Dasein und dessen Gestaltung ändert sich im Laufe seines Lebens. In dem Brief an eine Freundin, den er im September 1800 verfasst, stellt er seine Vorstellungen von der richtigen Lebensführung konkret dar. Er plädiert für ein Leben im Hier und Jetzt, warnt seine Freundin, in ihrem, durch das Streben nach Ewigkeit geprägten, religiösen Handeln, das irdische Leben nicht zu vernachlässigen, spricht von inneren Vorschriften, die es zu befolgen gilt. Er ist davon überzeugt, durch die bestmögliche Lebensführung, indem er "seinen Platz ganz erfüllt", dem Plan der Natur gerecht werden zu können; spricht von einer deutlichen Bestimmung für dieses Erdenleben.

Doch seine Vorstellung gerät ins Wanken. In der Darstellung Christa Wolfs ist der Charakter Kleists geprägt von Unsicherheit – "...woher, zu gleicher Zeit, sein Ohnmachtsgefühl und der durchdringende Zweifel, an seiner Bestimmung?"[1, S.14]. Er schwankt, sucht nach Halt, sieht sich in einem inneren Zwiespalt –der Möglichkeit, sich anzupassen, vielleicht ein Amt anzunehmen, die Stimme des Widerspruchs in sich zu knebeln: "Eine andere Art von Tod" [1,S.14] oder nach freier Entfaltung zu streben und "am irdischen Elend zugrunde zu gehen"[1, S.38] – hin und her gerissen. "...,daß es meine Bestimmung ist, nach mir selber zu schnappen..."[1, S.86] sagt Kleist in der Erzählung, seine Verzweiflung offenbarend.

"Ein Maß war ihm gesetzt, das zu erfüllen er anstreben mußte, eine Verheißung, daß es im Menschen, auch in ihm lag, eine Gangart zu finden, die ins Freie führt; (...) oder es ist nicht Gott, der die Welt regiert, sondern Satan, und der hat sich in einer irren Laune ein Unwesen geschaffen, dessen

Bestimmung es wäre, im Schweiße seines Angesichts sein eigenes Unheil an einer Hexenkette aus dem Schoß der Zeit zu ziehen."[1, S.124/125]

In seiner Unsicherheit reicht es ihm nicht mehr, nur "aus Pflicht seine Pflicht zu tun", beschäftigt er sich mit der Suche nach dem Sinn, hängt Tagträumen nach und verliert somit mehr und mehr den Blick für das Leben im Hier und Jetzt:

"Ach diese angeborene Unart, immer an Orten zu sein, wo ich nicht lebe, oder in einer Zeit, die vergangen oder noch nicht gekommen ist."[1, S.36]

Eine Vervollkommnung im Diesseits, wie sie von Nietzsche beschrieben wird, liegt nicht in Kleists Möglichkeiten; in seiner Zerrissenheit, der Suche nach seiner Bestimmung, bleibt sie ihm versagt. Doch woher rührt diese Unsicherheit, der Wandel von einer klaren Lebensvorstellung, wie sie sich im zitierten Brief an seine Schwester nachweisen lässt, hin zum ziellosen Abwägen?

Wiissen - das höchste Ziel / die Kant-Krise

Während die Wissenschaft für Kleist zunächst einen Fixpunkt in den Wirren des Lebens darstellt, ihm einen gewissen Halt bietet, verliert sie für ihn, nach seiner Auseinandersetzung mit der Philosophie Kants, an Gültigkeit.

"da mir durch die nähere Bekanntschaft mit der Kantischen Philosophie mein einziges, höchstes Ziel, mir Bildung und Wahrheit zu erwerben, als unerfüllbar versunken war." [1, S.114]]

Er muss erkennen, dass Wissen nicht das Höchste aller Güter ist; dass es den Menschen weder besser noch glücklicher macht, dass es nicht sein Ziel sein kann, auf einem Wissensgebiet zu Ruhm zu gelangen, während dabei der Blick für das Ganzheitliche verloren geht.

"Wir können nicht entscheiden, ob das, was wir Wahrheit nennen, wahrhaft Wahrheit ist, oder ob es nur so scheint", schreibt Kleist in seinem Brief vom 22.März 1801 an Wilhelmine von Zenge [2a) S.498] und stellt damit den Sinn seines bisherigen Lebens in Frage, von der Vorstellung der Vergeblichkeit allen irdischen Strebens eingenommen, da er die Möglichkeit, eine absolute Wahrheit zu finden, die auch nach dem Tod noch Gültigkeit erfährt, nun meint ausschließen zu können. "Mein höchstes Ziel ist gesunken, und ich habe nun keins mehr," [2a) S. 509] schreibt er und offenbart damit die Sinnlosigkeit, der er sich nun ausgesetzt sieht. Seine innere Unruhe treibt ihn zur Suche nach einem neuen Ziel, das sein Leben ausfüllen kann. Ihm bleibt nur die Zerstreuung, die Betäubung, die ihn den unerträglichen Zustand überstehen lassen soll. Seine lebenslänglichen Bemühungen, Ordnung zu schaffen, bleiben letztendlich vergebens. Die Kant-Krise stellt in diesem Zusammenhang einen markanten Wendepunkt dar: Kleist, der sich der Problematik seines rationalen Weltbildes durch die Philosophie Kants bewusst wird, gerät zwischen die Fronten, bleibt zeitlebens – was die fundamentalen Entscheidungen seines Lebens angeht – einer inneren, höchst polaren Zerrissenheit ausgesetzt. Ähnlich die Darstellung seines Charakters in der Erzählung "Kein Ort. Nirgends": Ein ewiges Hin und Her, haltlos bewegt Kleist sich im leeren Raum, unsicher, auf der Suche nach einer Wahrheit, die tiefer greift als jede wissenschaftliche Erkenntnis. Sein Drang geht zum verlässlichen Boden, zur Verewigung, zur Tiefe des Seins. Im Prozess der Bewusstwerdung der Unzuverlässigkeit allen Weltseins, erwacht in Schmerz, Ohnmacht und

Kraftlosigkeit seine Verzweiflung. Sein Mißtrauen gegenüber Gott, den er hier analog zur gesamten Welt als unzuverlässig einstuft, versagt es ihm aus dem Glauben heraus neue Kräfte zu entwickeln. In Ermangelung fester Bindungen zu Familie – "Sie, bei denen er alles fand, was ein Herz binden kann (...) auch seinerseits nach Gebühr zu lieben oder sich einzugestehen, dass es nicht möglich ist, und sich von der Schuldigkeit befreien..."[1, S.116] und Freunden; seiner Bindungsunfähigkeit – "Wäre das die Frau, vor deren Liebe man keine Angst haben müßte?" [1, S.133]und nicht zuletzt seiner absoluten Heimatlosigkeit, fehlt ihm der tragende Grund, das Glaubwürdige als Gegenpol, bleibt er weitgehend auf sich allein gestellt.

Verzweiflung an der Wahrheit

In "Unzeitgemäße Betrachtungen" geht Friedrich Nietzsche auf das Problem der Verzweiflung an der Wahrheit – gerade im Zusammenhang mit der Philosophie Kants – ein und erläutert es am Beispiel Heinrich von Kleists.

"Verzweiflung an der Wahrheit. Diese Gefahr begleitet jeden Denker, welcher von der Kantischen Philosophie aus seinen Weg nimmt, vorausgesetzt, daß er ein kräftiger und ganzer Mensch in Leiden und Begehren sei und nicht nur eine klappernde Denk- und Rechenmaschine." [4a) S.289]

Nietzsche bezweifelt, dass die Philosophie Kants von den Menschen verstanden wurde und tatsächlich zu einer Umgestaltung geführt habe, da sie sich ihm zufolge in einem "zernagenden und zerbröckelnden Skeptizismus und Relativismus" offenbare.

"nur bei den tätigsten und edelsten Geistern, die es niemals im Zweifel ausgehalten haben, würde (...) jene Erschütterung und Verzweiflung an aller Wahrheit eintreten, wie sie zum Beispiel Heinrich von Kleist als Wirkung der Kantischen Philosophie erlebte. (...) Ja, wann werden wieder die Menschen dergestalt Kleistisch-natürlich empfinden, wann lernen sie den Sinn einer Philosophie erst wieder an ihrem "heiligsten Innern" zu messen?"[4a) S.291]

Während Kleist verzweifelt nach Wahrheit sucht, die seinem Leben Halt und Sinn verleiht, bleibt der Übermensch, wie er von Nietzsche beschrieben wird, allen Wahrheiten gegenüber mißtrauisch, nimmt das Sein als unbestimmbar hin.

Lebenspläne / Der Hang zum Absoluten

"Er kennt nur eine Art Neugier: die Neugier auf das, was unanfechtbar, folgerichtig und lösbar ist."[1, S.101] , heißt es in der Erzählung "Kein Ort. Nirgends" über Heinrich von Kleist. Sein "Hang zum Absoluten"[1, S.17] zeugt von dem tiefgreifenden Bedürfnis nach einem sicheren Fundament für sein Denken und Handeln. In seinem Brief an Ulrike offenbart er seine Ungewissheit: "Gern will ich immer tun, was recht ist, aber was soll man tun, wenn man dies nicht weiß?"[2b) S.156]. Als er durch die Konfrontation mit der Kantischen Philosophie erkennen muss, "daß hienieden keine Wahrheit zu finden ist" [2a) S.509], begibt er sich auf die Suche nach einem neuen Ziel, dem sein Geist "froh-beschäftigt, von neuem entgegenschreiten könnte" [2a) S.512], und versucht sich in der Übergangsphase bestmöglich zu betäuben.

"Wenn ich ewig in diesem rätselhaften Zustand bleiben müßte, mit einem innerlich heftigen Trieb zur Tätigkeit, und doch ohne Ziel – (...) dann wäre ich ewig unglücklich...", [2a) S.518]

muss Kleist sich eingestehen. Er glaubt in seinem Lebensplan auf dem Lande, ein neues Ziel gefunden zu haben, nämlich als Bauer und Dichter zu leben. Das Verlangen nach Halt und Ordnung spiegelt sich in den von ihm aufgestellten Lebensplänen, als Richtlinien, Prinzipien seiner Lebensführung wider, die er jedoch sämtlich, in seinem inneren Zwiespalt, seiner Ungewißheit, auch wieder verwirft. Verfolgt man die Stationen seines Lebens, lässt sich eine gewisse Struktur beobachten:

"Lebensplan, Versuch der Verwirklichung, Scheitern, Krise, neuer Lebensplan, neuer Versuch etc. Diese Sequenz mit vier Stationen hat Kleist in seinem Leben mehrfach durchgemacht, bis die letzte mit seinem Tod endete." [3, (Hans Dieter Zimmermann) S.94]

Der Lebensplan verkörpert für Kleist das Handeln nach einem Prinzip. Als Lebensbasis schafft er eine Art Grundgedanken, dem alles Denken und alles Handeln untergeordnet ist. Er verfolgt ein einziges Ziel, auf das alle Kräfte ausgerichtet sind, nach dem sie streben. In ihm glaubt Kleist seiner Bestimmung gewahr zu werden. Der Lebensplan erfordert Konsequenz, vermittelt jedoch letztendlich das Gefühl von Sicherheit im Zuge der Einheit. Kleist versucht, indem er diese Pläne entwirft, seinem Leben eine Richtung zu geben, in der Selbstbestimmung Halt zu finden, durch seine eigene Vernunft Fremdbestimmung und Abhängigkeit von Zufall und Schicksal entgegenzuwirken. Er ist bemüht sein Leben in die Hand zu nehmen und es der Selbstvervollkommnung zu widmen. Sein zielgerichteter Optimismus lässt das Gefühl der Sinnlosigkeit des Lebens vorläufig in den Hintergrund treten, gibt ihm in seiner inneren Unsicherheit die Illusion von Halt und Geborgenheit, wird zum Schutz gegen die Unzuverlässigkeit der Welt.

"Ja, es ist mir so unbegreiflich, wie ein Mensch ohne Lebensplan leben könne, und ich fühle, an der Sicherheit, mit welcher ich die Gegenwart benutzte, an der Ruhe, mit welcher ich in die Zukunft blicke(...) welch ein unschätzbares Glück mir mein Lebensplan gewährt, und der Zustand, ohne Lebensplan, ohne feste Bestimmung, immer schwankend zwischen unsichern Wünschen, immer im Widerspruch mit meinen Pflichten, ein Spiel des Zufalls, eine Puppe am Draht des Schicksals – dieser unwürdige Zustand scheint mir so verächtlich, und würde mich so unglücklich machen, daß mir der Tod bei weitem wünschenswerter wäre.", [2b) S.62]]

schreibt Kleist in einem Brief an seine Schwester Ulrike im Mai 1799. Heinrich von Kleist ist jedoch nicht in der Lage an einem Lebensplan festzuhalten, sich ein Ziel zu setzen und es auch wirklich zu verfolgen; immer wieder entwickelt er neue Pläne und verwirft sie anschließend doch, muss scheitern. Er ist zum konstruktiven Entwurf nicht wirklich fähig, nur zur Destruktion, zur Ablehnung seiner Lebenspläne – ein Hauch Nihilismus. Der Verlust der Absolutheit der Dinge würde für Kleist, der darin seinen Halt sieht, Nihilismus bedeuten, doch durch immer neue Lebenspläne täuscht er sich über das Gefühl der Sinnlosigkeit hinweg. Schlussendlich gelangt er zu der Erkenntnis der Selbstvervollkommnung – wie sie auch Nietzsches Übermensch charakterisiert – in diesem, seinem irdischen Leben nicht gerecht werden zu können: "Unser unausrottbarer Glaube, der Mensch sei bestimmt, sich zu vervollkommnen, der dem Geist aller Zeiten strikt zuwiderläuft. Ein Wahn?"[1, S.150] Von dieser Erkenntnis getrieben, flüchtet er sich in eine Jenseits-Projektion, letztendlich in den Tod.

"Doch damit ist der Lebensplan nicht zu Ende. Auf anderen Planeten soll fortgesetzt werden, was auf der Erde nicht möglich war." [3, S.96]

Christa Wolf deutet in der Erzählung das Schicksal des Heinrich von Kleist, seinen Freitod, nur unterschwellig an und geht nicht konkret darauf ein. Die Briefe von ihm geben Zeugnis über die Gefühle und Gedanken seiner letzten Tage und Stunden und lassen Beweggründe und Hoffnungen, die er mit dieser Tat verbindet, erkennen. Der Gedanke der Planbarkeit des Glücks, der in Kleists Entwurf eines Lebensplanes offenbar wird, basiert auf der Vorstellung, dass in der Natur und in der menschlichen Gesellschaft die gleichen Gesetze und Grundsätze herrschen und dass der Mensch mit Hilfe der Vernunft befähigt ist diese Gesetze zu erkennen und sie sich zunutze zu machen.

Kleist formuliert in einem Brief an Wilhelmine von Zenge seine Vorstellung von einer fundamentalen Grundlage, einer Weisheit, auf der sich alles Leben gründet:

"Aber in uns flammt eine Vorschrift - und die muß göttlich sein, weil sie ewig und allgemein ist; sie heißt: erfülle Deine Pflicht; und dieser Satz enthält die Lehren aller Religionen. Alle anderen Sätze folgen aus diesem und sind in ihm gegründet, oder sie sind nicht darin begriffen, und dann sind sie unfruchtbar und unnütz." [5b) S.4]

Seine Worte legen Zeugnis ab über die Notwendigkeit einer "allgemeinen" und "ewigen" Wahrheit, deren Ursprung Kleist – obgleich er die traditionell christliche Gottesvorstellung ablehnt – in Gott als dem Prinzip von Anfang und Ende der Dinge sieht. In dem von Gott geformten Weltenlauf sieht Kleist sich eines Platzes zugewiesen, den es auszufüllen gilt:

"Bestimmung unseres irdischen Lebens heißt Zweck desselben, oder die Absicht, zu welcher uns Gott auf diese Erde gesetzt hat.(...) Dabei bin ich überzeugt, gewiß in den großen ewigen Plan der Natur einzugreifen, wenn ich nur den Platz ganz erfülle, auf den sie mich in dieser Erde setzte." [5b, S.6]

Da der Mensch über den Verstand verfügt Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und dementsprechend zu handeln, sieht er sich in seiner Abhängigkeit nicht blindlings ausgeliefert. Kleists Streben nach Vervollkommnung, als Zweck der gesamten Schöpfung,

offenbart das Ziel der Gottesannäherung und lässt ihn sich selbst in unmittelbaren Bezug zu einem höheren Wesen stellen.

" ...zuweilen, wenn ich meine Pflicht erfüllt habe, erlaube ich mir, mit stiller Hoffnung an einen Gott zu denken, der mich sieht, und an eine frohe Ewigkeit, die meiner wartet; denn zu beiden fühle ich mich doch mit meinem Glauben hingezogen, den mein Herz mir ganz zusichert und mein Verstand mehr bestätigt, als widerspricht."[5b) S.5]

Die Utopien Kleists / Das Motiv der Heimatlosigkeit. Heinrich von Kleist bleibt – zeitlebens unreflektiert – auf sich allein gestellt im Zwiespalt seiner tiefsinnigen Gedanken, seinem Wunsch zu handeln, seinen Illusionen; Träume einer besseren Welt.

"Und allzu leicht und immer wieder lassen wir uns verführen, einmal, über das eigene Grab hin, werde es mit rechten Dingen zugehn, nach Wert und Würdigkeit, und nicht nach Sitte, Rang und Namen. Phantasterei." [1, S.66], mehr und mehr erkennend, dass es den Ort, an dem er seine Utopien, seine Träume verwirklichen könnte, nicht gibt: "Die Erleichterung, als er die Hoffnung auf eine irdische Existenz, die ihm entsprechen würde, aufgab. Unlebbares Leben. Kein Ort. Nirgends." [1, S.136]. Schlussendlich die Erkenntnis, dass er " nicht wirklich in einem Gemeinwesen gelebt (hat), sondern in seiner Idee von einem Staat,"[1, S.82] dass er heimatlos umhergeirrt ist, immer auf der Suche, neu anfangen wollte und doch immer das Selbe vorfand: " da ich in die Schweiz kam (...). Mir war’s wie ein Eintritt in ein anderes Leben.(...) Nirgends hab ich gefunden, wonach ich suchte [1, S.84]. Dennoch leben diese Bilder in seiner Gedankenwelt weiter, erinnern ihn schmerzlich daran, wie es sein könnte – "Ach diese angeborene Unart, immer an Orten zu sein, wo ich nicht lebe, oder in einer Zeit, die vergangen oder noch nicht gekommen ist."[1, S.36] sein Ungenügen vor Augen, das er in der Beengung erfahren muss. Die Wahl - "sich Zeit und Ort nach eigener Notwendigkeit zu schaffen oder nach gewöhnlichem Zuschnitt zu vegetieren" [1, S.38] - , die er eigentlich nie hatte, entpuppt sich als Illusion; letzteres scheint seine Vorsehung zu sein.

"Das die Zeit unser Verlangen hervorbringt, doch nicht, wonach uns am meisten verlangt.(...)Die Zeit scheint eine neue Ordnung herbeiführen zu wollen, und wir werden davon nichts als bloß den Umsturz der alten erleben. Zu denken, daß wir von Wesen verstanden würden, die noch nicht geboren sind."[1, S.138]

Nur in der Literatur entsteht ein kleiner Raum, in dem seine Utopien Platz finden. Seiner Zeit voraus, ihr dadurch entfremdet; Zwischenzeitler, für den es nur ein "vielleicht" gibt, die schale Hoffnung, dass das, was er gedacht hat, nicht wirkungslos bleibt; dass es Bedeutung gewinnt, auch wenn es für ihn längst zu spät ist.

"Unsere Blindheit. Daß wir nicht wissen können, wohin unsre Abweichungen von den Wegen uns führen. Daß die Zeit uns verkennen muß, ist Gesetz. Aber ob das, was wir uns herausnehmen, eines ferneren Tages zu einer gewissen Geltung kommt..."[1, S.127]

In einer funktionell vereinnahmenden Gesellschaft sucht er vergebens nach der Möglichkeit individueller Selbstentfaltung.

Existentielles Schreiben

Die fundamentalen Missstände im Leben des Heinrich von Kleist, die seinem Schicksal den Weg ebnen, ihm die freie Entfaltung verwehren, gründen sich u.a. auf die Kommunikation, zu der sich Kleist in seiner Umgebung aus vielerlei Hinsicht unfähig sieht und die schon aufgrund mangelnder sprachlicher Mittel zum Scheitern verurteilt scheint, so dass sich das Missverstehen der Menschen sowie die daraus resultierende Angst, sich anderen gegenüber zu Öffnen, als notwendiges Komplement ergibt, als scheinbar unüberwindbare Barriere zwischenmenschlicher Beziehungen. "Es rächt sich immer, aus sich herauszugehen"[1, S.79]

Dennoch sucht Kleist in seiner Unsicherheit die Kommunikation mit anderen, verlangt es ihn sie zu wagen, seinen eigenen Standpunkt im kommunikativen Miteinander abzuwägen und zu definieren; gibt er die Hoffnung nicht auf, dass es einen Menschen geben könnte, der ihn versteht, denn "Man versteht nicht, was man nicht mit anderen teilt."[1, S.125]

"Die Mitteilung seiner innersten Geheimnisse ist ihm Bedürfnis, er hat, unter welchen Anstrengungen!, gewaltige Wälle dagegen in sich errichten müssen. Seine Sprachhemmung, denkt er manchmal, die ihn in Gesellschaft überfällt, sei ein Mittel, mit dem die Natur ihm zu Hilfe kommen will (...)"[1, S.36],ihm Schutz bieten will vor den Menschen, die ihn für verrückt halten, wenn er es wagt, sein Innerstes zu offenbaren. Sein unterdrückter, unbefriedigter Mitteilungstrieb zwingt ihn in ein quälendes Selbstgespräch, verfolgt ihn bis in seine Träume, fordert die Auseinandersetzung, treibt ihn in die Verzweiflung: "Wenn es ein Mittel gäbe, den Apparat in seinem Kopf abzudrehn, den man ihm anstelle eines normalen Gedächtnisses eingesetzt hat und der zu nichts anderem imstande ist, als ihm die immer gleiche Gedankenreihe, das immer gleiche, ewigdauernde, marternde Selbstgespräch zu wiederholen, das er all die zahllosen Tage gegen unsichtbare Ankläger zu seiner Verteidigung führen muß, was er auch tun mag, wo er geht und steht, selbst nachts, wenn er gegen vier aus dem Schlaf fährt."[1, S.52] Doch nicht nur im Bereich des gesprochenen, sondern auch des geschriebenen Wortes, im Unverständnis, das Zeitgenossen seinen Werken entgegenbringen, wird Kleist der kommunikative Mangel offenbar.

"Kleist weiß (...), daß Worte die Seele nicht malen können, und glaubt, niemals mehr schreiben zu dürfen." [1, S.49] Das Unvermögen, in Gedichten sein Innerstes auszusprechen, zeugt von Hemmungen, die aus den gesellschaftlichen Demütigungen, denen er sich ausgesetzt sieht, resultieren.

"Gedichte sind ein Luxus der Glücklichen.(...) Sich im Gedicht unmittelbar auszusprechen, ist ihm versagt; sein Bedürfnis, Gefühl in Versen zu verströmen, sprengt die Riegel nicht, die vor gewisse Bezirke seines Innern gelegt sind." [1, S.131]

In seinem eigenen Ungenügen, das er in der Welt erfahren muss, seiner inneren Zerrissenheit, bietet ihm das Schreiben, sein "eigentlichstes Gebiet" [1, S.80], die Flucht in eine Art Scheinwelt, doch es ist weit mehr: Schreiben bedeutet für Kleist auch Lebensbewältigung.

"Dem Leben schuldig bleiben, was es fordert, den Lebenden, was sie fordern müssen, wahres Leben nur fühlen, indem man schreibt..." [1, S.24]

Den einzigen Ort seine Utopie "auszuleben" – den schon der Titel der Erzählung mit einer negativen Konnotation belegt – findet er in seiner eigenen Literatur. Die totale Identifikation mit seinen Werken, die Verquickung von literarischer Phantasie und der Realität, spitzt sich zu und findet in "Robert Guiscard" einen erschreckenden Höhepunkt:

"ich bin gescheitert! Es war die Wahrheit(...), aber der Freund, der (...) seinen hoffnungslosen Kampf um den verfluchten ›Guiscard‹ mit angesehen (...) verweigerte ihm die Wohltat, die Erde mit ihm gemeinsam für immer zu verlassen."[1, S.15/16]

Das Konfliktpotential des Manuskriptes reflektiert Kleists inneren Widerstreit; die Unfähigkeit sein Werk zu vollenden zeigt ihm auch das eigene Ungenügen auf, das er in seinem nicht zu bewältigenden Zwiespalt erfahren muss: "Sein Werk ist der einzige Punkt, mit sich eins zu werden."[1, S.148]. Da er den hohen Ansprüchen, die er an sich selber stellt, nicht gerecht werden kann, lebt er in ständiger Unzufriedenheit, leidet unter dem Gefühl nicht standhalten zu können, seiner Situation nicht gewachsen zu sein.

"Kleist, so übermäßig er sich anstrengt, dringt in das innere Leben der Wörter nicht ein. Von Sehnsucht verzehrt, bewege ich mich in ihrem Abglanz." [1, S.17]

Widerspruch zwischen Anpassung und Selbstverwirklichung

Heinrich von Kleist leidet darunter, die Dinge, die ihn in seinem Innersten bewegen, nicht zur Sprache bringen zu können, in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Normen und Zwängen, sich in seinem Drang nach Freiheit und Entfaltung beschnitten zu sehen.

"Das Unglück von Bindungen abzuhängen, die mich ersticken, wenn ich sie dulde, und die mich zerreißen, wenn ich mich löse." [1, S.51]

Letztendlich scheint für ihn nur der Kampf ohne Hoffnung auf Einheit zu bleiben, mit dem Ausgang von Unterwerfung oder Vernichtung: "daß er immer wieder vor dem gleichen Zwiespalt steht, der ihn ängstigt: Er hat die Wahl – falls das eine Wahl zu nennen ist -, das verzehrende Ungenügen, sein bestes Teil, planvoll in sich abzutöten oder ihm freien Lauf zu lassen und am irdischen Elend zugrunde zu gehen. Sich Zeit und Ort nach eigener Notwendigkeit zu schaffen oder nach gewöhnlichem Zuschnitt zu vegetieren." [1, S.38]

Er erkennt den gesellschaftlichen Zerfall am Mangel der wirklichen Kommunikation, am Missverstehen der Menschen untereinander, an den Barrieren, die sie durch ihre Maskeraden untereinander errichten. In einer unzuverlässigen Gesellschaft, dem gleichgültigen Mit- doch vor allem Gegeneinander der Menschen, scheint absehbar, dass Treue und Gemeinschaft früher oder später auf der Strecke bleiben. "Unkenntlich bleiben wir uns, unnahbar, nach Verkleidungen süchtig (...) wir sind sehr einsam." [1, S.137].

Seine Verzweiflung, die er in und an der Gesellschaft erfährt, wird zum Wechselspiel zwischen Annäherung und Rückzug, dem Versuch zu verstehen und verstanden zu werden.

"Da ging ich" schreibt er in einem Brief vom 18. November 1800, "in mich gekehrt, durch das gewölbte Tor, sinnend zurück in die Stadt. Warum, dachte ich, sinkt wohl das Gewölbe nicht ein, da es doch keine Stütze hat? Es steht, antwortete ich , weil alle Steine auf einmal einstürzen wollen – und ich zog aus diesem Gedanken einen unbeschreiblich erquickenden Trost, der mir bis zu dem entscheidenden Augenblick immer mit der Hoffnung zur Seite stand, daß auch ich mich halten würde, wenn alles mich sinken läßt."[6]

Er gibt die Hoffnung nicht auf, doch nach etlichen Enttäuschungen, die er jedes Mal erfahren muß, schlägt sie in Resignation um. Im zwischenmenschlichen Kontakt reagiert er überempfindlich, zeigt sich verletzlich –

"können Sie sich einen Menschen vorstellen (...), der hautlos unter die Menschen muß; den jeder Laut quält, jeder Schimmer blendet, dem die leiseste Berührung der Luft weh tut." [1, S.50] - , erträgt ihn kaum und wird immer wieder von dem Gefühl heimgesucht nicht standhalten zu können. Schmerzhaft muss er erfahren, wie es ist...

"in dem Äußern ganz stark und frei zu sein, indessen man im Innern ganz schwach ist, wie ein Kind, ganz gelähmt, als wären uns alle Glieder gebunden, wenn man sich nie zeigen kann, wie man wohl möchte, nie frei handeln kann..."[2b) S.158].

Er zieht sich zurück in seine eigene Gedankenwelt, grenzt sich von den anderen ab, schafft sich seinen eigenen Maßstab, versucht nach seiner eigenen inneren Forderung zu leben, denn " Wie soll zurechtkommen, wer sich in das Gegebene nicht zu schicken weiß." [1, S.70] , wer unfähig ist sich in jegliches konventionelles Verhältnis einzugliedern. Im bloßen Missverstehen, das die Welt ihm entgegenbringt, aus dem Gefühl der Zurückgesetztheit, erwächst der Drang nach Abgrenzung, beginnt er die Suche nach sich selbst, verlangt es ihn danach, seinen eigenen Standpunkt zu definieren.

"Du mußt mich nicht mehr nach dem Maßstab der Welt beurteilen. Eine Reihe von Jahren, in welchen ich über die Welt im großen frei denken konnte, hat mich dem, was die Menschen ehrwürdig nennen, sehr unähnlich gemacht. Manches, was die Menschen ehrwürdig nennen, ist es mir nicht, vieles, was ihnen verächtlich scheint, ist es mir nicht. Ich trage eine innere Vorschrift in meiner Brust, gegen welche alle äußern, und wenn sie ein König unterschrieben hätte, nichtswürdig sind."

[2a) S.115 / Schluß auch 1, S.85]

So bleibt ihm nur die schmerzliche Erkenntnis, dass es manchmal besser ist zu schweigen und dass er, der "so hoch spielt, mit sich selbst als Einsatz, auf Gefährten nicht rechnen soll. Nicht auf das gemeine Glück, zu anderen ganz wahr sein zu können." [1, S.39] Es zerrt an ihm, sein gesellschaftliches Leiden; zieht sich durch die Erzählung als Motiv der "offenen Wunde" (siehe 1, S.149), die niemand zu heilen vermag, nicht in dieser Welt, nicht zu dieser Zeit. In seinem Abschiedsbrief an Ulrike von Kleist, den er am Morgen seines Todestages verfasst, spricht er es aus: "die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war."[2c) S.133] Heinrich von Kleist, der "seine Stirn an der gesellschaftlichen Mauer wundrieb", so wie es Anna Seghers im Vorwort der Erzählung ausdrückt, muss den Preis für seine Unbedingtheit zahlen. Die Diskrepanz zwischen seinen individuellen Empfindungen einerseits und den gesellschaftlichen Zwängen andererseits, formt die Basis seines Schicksals.

- Die Problematik des Nichtverstehens der Menschen untereinander, die Kleist in seinen Briefen immer wieder thematisiert, ist auch Gegenstand des Werkes "Ein Fragment aus der Geschichte der Nachwelt" Nietzsches. Ihm zufolge sei es den Menschen, aufgrund ihrer ausgeprägten Ich-Bezogenheit, unmöglich aufeinander einzugehen; Unleistbares zu leisten. Sie kreisen nur um sich selbst, sind nicht in der Lage ihren Horizont über sich hinaus zu erweitern und bleiben dabei, in ihrer Unfähigkeit zur Empathie, einander fremd.

"Den letzten Philosophen nenne ich mich, denn ich bin der letzte Mensch..." [4e) S. 467] schreibt Nietzsche; "Die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war.", so Kleist.

Bei beiden lässt sich das gleiche Motiv ausmachen, klingt unterschwellig die gleiche tragende Schwere der Worte, die Erkenntnis des Unleistbaren mit. Nietzsche spricht von Täuschung durch Selbstgespräche – Illusionen von Verständnis, Liebe und Vielfältigkeit – , von der Spaltung seiner selbst, um seiner Einsamkeit nicht gewahr werden zu müssen, der Entfremdung des Menschen in der Welt.

"Denn mein Herz sträubt sich zu glauben, daß die Liebe tot sei, es erträgt den Schauder der einsamsten Einsamkeit nicht und zwingt mich zu reden, als ob ich zwei wäre."[4e) S. 467]

Parallelen zu Nietzsches Reaktionen im Umgang mit dieser Problematik finden sich auch in Kleists Verhaltensmustern. Das aus dem Missverstehen resultierende Gefühl der Isolation, das darin erwachende Bewusstsein des antagonistischen Standpunktes, den er innerhalb der Gesellschaft einnimmt, letztendlich seine Verzweiflung an der erdrückenden Einsamkeit. Auch Kleist sieht sich selbst gespalten – "die zweite Stimme in ihm, die er unterdrückt." [1, S.14] – führt ein immerzu gleiches, marterndes Selbstgespräch (s.o.). Auch wenn Nietzsche die Situation aus einem anderen Blickwinkel, tiefer greifend beurteilen kann, die Einsamkeit und deren Ursache genau erkennt und in "Vom Wege des Schaffenden" beschreibt – "Einsamer, du gehst den Weg zu dir selber (...) den Weg des Schaffenden." [4d) S.327] setzen sich doch beide mit der Problematik des Andersseins und dem häufig damit einher gehenden gesellschaftlichen Unverständnis in ähnlicher Weise auseinander.

- In seinem Werk "Unzeitgemäße Betrachtungen" geht Nietzsche auf die Problematik des Andersseins, des Missverstehens und der damit verbundenen Einsamkeit ein und stellt dabei direkte Bezüge zu der Person Heinrich von Kleist her: "...solche fremdartigen Charaktere werden anfänglich gebeugt, dann melancholisch, dann krank und zuletzt sterben sie." [4a) S. 285] zitiert er einen Engländer, der sich über die Gefahr ungewöhnlicher Menschen ausließ, und fügt selbst hinzu: "Unser Hölderlin und Kleist (...) verdarben an dieser ihrer Ungewöhnlichkeit und hielten das Klima der sogenannten deutschen Bildung nicht aus..." [4a) S.285] Er beschreibt eine sich auf dem Missverstehen gründende, fundamentale Einsamkeit, die auch Kleist nur allzu gut kennt:

"...während sie nichts als Wahrheit und Ehrlichkeit wollen, ist rings um sie ein Netz von Mißverständnissen; (...) Das sammelt eine Wolke von Melancholie auf ihrer Stirne: denn daß das Scheinen Notwendigkeit ist, hassen solche Naturen mehr als den Tod..." [4a) S.288]

Schreibt Nietzsche und trifft damit unmittelbar den Charakter Kleists. "Es ist nicht gut, daß

der Mensch zu tief in sich hineinblickt." [1, S.17] wird Kleist in der Erzählung Christa Wolfs gewarnt. Nietzsche zufolge ist es das gängige Schicksal Andersartiger:

"Heinrich von Kleist ging an dieser Ungeliebtheit zugrunde, und es ist das schrecklichste Gegenmittel gegen ungewöhnliche Menschen, sie dergestalt tief in sich hinein zu treiben..."[4a) S.289]

Heinrich von Kleists Scheitern in und an der Gesellschaft scheint vorprogrammiert: In Anbetracht der hohen Ansprüche an sich selbst genauso wie an die Gesellschaft sowie seiner charakterlichen Grundzüge, liegt die Vermutung nahe, dass er in jeder Zeit, auch in der heutigen, an jedem Ort zum Scheitern verurteilt wäre.

"Daß man die Philosophie nicht beim Wort nehmen, das Leben am Ideal nicht messen soll – das ist Gesetz. (...) Wer dagegen aufsteht, muß zum Verbrecher werden. Oder zum Wahnsinnigen." [1, S.63]

In erster Linie bleibt sein Konflikt jedoch ein innerer, der Widerspruch zwischen Anpassung und Selbstverwirklichung, die Ich-Setzung in den Wirren seiner Welt. In der Erzählung spricht er von Wünschen: "Freiheit. Ein Gedicht. Ein Haus. (...) Unvereinbares, das Sie vereinbaren wollen." [1, S.109] von einem "gräßlichen innere(n) Befehl", der ihn zwingt, gegen sich selbst vorzugehen [1, S.122].

"Wenn jeder große Mensch (...) an allen (...) Gebresten [seiner Zeit] stärker und empfindlicher leidet als alle kleineren Menschen, so ist der Kampf eines solchen Großen gegen seine Zeit scheinbar nur ein unsinniger und zerstörender Kampf gegen sich selbst. Aber eben nur scheinbar; denn in ihr bekämpft er das, was ihn hindert, groß zu sein, das bedeutet bei ihm nur: frei und ganz er selbst zu sein. Daraus folgt, daß seine Feindschaft im Grunde gerade gegen das gerichtet ist, was zwar an ihm selbst, was aber nicht eigentlich er selbst ist, nämlich gegen das unreine Durch- und Nebeneinander von Unmischbarem und ewig Unvereinbarem, gegen die falsche Anlötung des Zeitgemäßen an sein Unzeitgemäßes..." [4a) S.300]

Abschied und Tod

Der Übermensch, gemäß Friedrich Nietzsche, lebe ausschließlich im Bezug zur diesseitigen Welt und erkenne sie als einzig gegebene an. Das Diesseits gilt es zu gestalten, die selbstgesetzten Ziele zu verwirklichen, das Leben experimentell zu erfahren.Die Fluchtbewegungen Kleists quer durch Europa, seine Zerrissenheit, letztendlich die Projektion in eine jenseitige Welt – mit der Vorstellung Nietzsches gehen sie nicht konform. In dem Leiden an seiner eigenen Ohnmacht wird am Beispiel Kleist die Diskrepanz zwischen der Vorstellung vom Leben einerseits und dem, was letztendlich auch realisierbar ist, andererseits, offenbar:

"Der Mann hält sich an Hilfskonstruktionen, darauf gefaßt, daß sie zusammenbrechen. Daß er weder das eine noch das andere erreichen, also scheitern wird.(...) wenn seine inständigen Versuche, in den Ordnungen, die es gibt, einen Halt zu finden, sinnlos geworden sind; wenn er fremd unter den Menschen umhergehen wird, unerkannt, krank von Demütigungen,(...) ohne Widerhall im Wichtigsten: dann erst wird er sich das Recht auf seine Leiden nehmen und zugleich das Recht sie zu beenden." [1, S.144],

stellt Christa Wolf in der Erzählung "Kein Ort. Nirgends" Kleists Situation treffend dar. Zwar findet die Tatsache, dass er den Freitod wählt, in die Erzählung keinen Eingang, dennoch lässt sich ein solcher Ausgang vermuten: Kleist erkennt, dass es nicht in seinem Vermögen liegt, den inneren Konflikt, aus dem seine Zerrissenheit resultiert, zu lösen,

"daß er an Unmöglichem sich abgearbeitet. Ein Mann, gebunden an das Gesetz der Alten so stark wie an die der Neuzeit, der seinen Untergang zu gleichen Teilen dem Verrat der Götter wie sich selbst verdankt."[1, S.146]

Letztendlich muss er sich sein gesellschaftliches wie persönliches Scheitern eingestehen und kann erleichtert die Suche nach dem ihm angemessenen Leben, dessen Illusionscharakter er sich nun bewusst ist, aufgeben. "Der Tod ist besser, als so zu leben."[1,S.140] Wo Christa Wolf lediglich Andeutungen macht, geben die letzten Briefe Kleists Aufschluss über die Gefühle seiner letzten Tage; über die Gründe, die ihn letztendlich bewogen, seinem Leben ein Ende zu setzen: "Die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war."[2, VII] Sie spiegeln einen durchaus zufriedenen, ja sogar heiteren Kleist wider, der sich im Angesicht des Todes in einem "Strudel von nie empfundener Seligkeit"[2, VII] zu befinden glaubt. Er meint auf der Erde nichts mehr erwerben oder lernen zu können; sie selbst überwunden zu haben. Euphorisch spricht er von seinem Triumph, möchte sich vor seinem Tod mit der Welt versöhnen und betet zu Gott, dem er sein qualvolles Leben nun danken kann, da er es durch seinen herrlichen und wollüstigen Tod, auf den er nun zuschreitet, aufgewogen sieht. Im tiefen Glauben an die Seelenwanderung hat der Tod für ihn jeglichen Schrecken verloren. Der Entschluß, sein Leben zu beenden, führt jedoch nicht dazu, dass Kleist seinen Willen zum Leben völlig ablegt: Seine Gedanken gehören einer besseren, einer jenseitigen Existenz. Im Tod, der Vereinigung der Seelen, glaubt er dem höchsten Glück gewahr zu werden. Für Kleist wird der Tod somit zum Höhepunkt seines jetzigen Daseins, zur Erfüllung und gleichzeitig zum Übergang in einen aufragenderen Zustand des Seins. In Anbetracht der heiteren Seligkeit, mit der Kleist seinem Tod entgegensieht, sollte die Tatsache jedoch nicht in Vergessenheit geraten, dass seine Entscheidung in eine andere, bessere Welt zu transzendieren mit der Abwendung von der jetzigen einhergeht und Zeugnis eines letzten Protestes ablegt, der sich gegen das unmenschliche Verhalten ihm gegenüber, gegen all seine Misserfolge, zerstörten Träume und Hoffnungen richtet. Abschließende Betrachtung: Abgrenzung Übermensch / Kleist

Neben den von mir aufgeführten Punkten lassen sich noch viele kohärente Motive zwischen den Vorstellungen von der Lebensgestaltung Nietzsches einerseits und den Lebensstrukturen Kleists andererseits finden, doch kaum direkte Übereinstimmungen: Der Übermensch verkörpert Freiheit – Kleist ist auf der Suche nach ihr. Seinem Drang zur Selbst-vervollkommnung, der auch den Übermenschen charakterisiert, kann er nicht nachkommen: Er scheitert am Leiden, an seiner Ohnmacht. Sein Wollen führt ihn in die Leere, in die Isolation einer Selbstverwirklichung jenseits jeglicher Konvention. So wie es den Nihilisten in die bloße Verneinung treibt, dort wo ein starkes Bejahen von der Welt keine Rechtfertigung mehr erfährt, führt der Weg Kleists durch das Leid, dort wo die Freude ihm versagt bleibt – "Lust am Leiden? Das hat gefehlt. Wenn sie ahnten, wie es ihn zur Lust an der Freude zieht."[1,S.88]

Dort wo der Schaffende wehmütig erkennt "Ich habe nicht mehr ein Gewissen mit euch" [4d) S.325] schlummert in Kleist immer noch der Wunsch eines Tages den Menschen zu treffen, der ihn versteht. Wo es für den Übermenschen Bedingung ist "ein aus sich rollendes Rad" [4d) S.326] zu sein und nicht aus "Lüsternheit nach Höhe" [4d) S.326] den Weg des Schaffenden einzuschlagen, ertappt Kleist sich selbst: "Diese Ruhmsucht immer, dieser Unsinn, den sein Gehirn von selbst produziert, wenn er schwach genug ist, es nicht zu überwachen."[1, S.67]

"Ein Ziel ist immer noch ein Sinn" [4e) S.473] schreibt Nietzsche in "Umwertung aller Werte". Kleist, der auf der Suche nach Bestimmung und Sinn in seinen Lebensplänen immer neue Ziele verfolgt, muss sich letztendlich eingestehen, dass er sich selbst hintergangen hat [2c) S.131] oder, wie Nietzsche es formulieren würde: "daß mit dem Werden nichts erzielt, nichts erreicht wird." [2b) I Spalte2] Für Nietzsche heißt diese Erkenntnis Nihilismus, für Kleist bringt sie die Flucht in eine jenseitige, bessere Welt. Die Diskrepanz zwischen der Vorstellung vom Leben einerseits und dem, was in seinen Möglichkeiten liegt, was konkret realisierbar ist, andererseits, bildet schlussendlich den Grundstein für Kleists gesellschaftliches wie auch psychisches, sein sowohl äußeres als auch inneres Scheitern.

1.Die Begegnung mit Karoline von Günderrode

Die Begegnung Heinrich von Kleists mit Karoline von Günderrode eröffnet einen Ausweg aus der Misere; hinterlässt zumindest eine Ahnung davon, wie eine Verbesserung seiner Lage herbeigeführt werden könnte: Im finalen Dialog der Protagonisten offenbart sich ihre Übereinstimmung. Wenn auch in differenzierter Weise, sind sie doch beide auf der Suche, führen ein Leben unter dem Joch gesellschaftlicher Zwänge, sehen sich den gleichen Ängsten und Problemen ausgesetzt. Für einen Moment werden sie zu Leidensgenossen, beschreiten einen kurzen gemeinsamen Weg, spüren die geistige Nähe, die sie in ihrer Ausgeschlossenheit verbindet.

"Nackte Blicke. Preisgabe, versuchsweise. Das Lächeln, zuerst bei ihr, dann bei ihm, spöttisch. Nehmen wir es als Spiel, auch wenn es Ernst ist. Du weißt es, ich weiß es auch. Komm nicht zu nah. Bleib nicht zu fern. Verbirg dich. Enthülle dich. Vergiß was du weißt. Maskierungen fallen ab, Verkrustungen, Schorf, Polituren. Die blanke Haut. Unverstellte Züge." [1, S.136 f.]

Obgleich Heinrich von Kleist Karoline von Günderrode als einen Menschen gleicher Gesinnung erkennt, nach dem er so lange gesucht hat; er den Austausch mit ihr als einen sinnlichen Rausch empfindet, versucht er nicht an ihr festzuhalten. Unfähig die Barrieren konventioneller Herkunft zu überschreiten – sicher auch durch das ihm verhaftete Frauenbild bedingt – gehen sie auseinander; bleibt von ihrer ephemeren Begegnung nicht mehr als nur ein Hauch flüchtiger Geborgenheit. Im Bewusstsein der Misslichkeit ihrer Lage – längst ist ihnen ihr Schicksal, das sie zwangsläufig ereilen muss, bewusst – beginnen die beiden zu lachen. Jedoch nicht aus Verachtung. Die Tatsache, dass sie als Dissidenten, als Außenseiter der Gesellschaft meinen zu der Freiheit gelangen zu können , die Menschen zu lieben und sich selbst nicht zu hassen [zitiert nach 1, S.149], zeugt von der Bereitschaft ihre Situation anzunehmen. Die Lebensgeschichte des Heinrich von Kleist genauso wie die der Karoline von Günderrode dokumentiert jedoch, dass diese Freiheit für sie zeitlebens unerreichbar bleibt. In letzter Instanz bleibt nur die Hoffnung in den Tod, dass er die Wunden des Lebens zu heilen vermag. - Analog zu der Darstellung Friedrich Nietzsches von der wahren Freundschaft, die er in seinem Werk "Also sprach Zarathustra" (Von der Nächstenliebe) beschreibt, können Parallelen zu der fiktiven Begegnung Heinrich von Kleists und Karoline von Günderrodes gezogen werden. Im Bezug auf die Protagonisten lässt sich ein Entwicklungspotential erahnen, das sich im Rahmen einer solchen freundschaftlichen Beziehung offenbaren könnte. Nietzsche zufolge ermöglicht die Freundschaft – ein reifes Miteinander – durch den Modus der Auseinandersetzung die Höherentwicklung des Ichs. Der Freund stelle hierbei den Katalysator zur übermenschlichen Weiterentwicklung dar. Im finalen Dialog der Protagonisten lassen sich Elemente einer Freundschaft im Sinne Nietzsches in Ansätzen erkennen. Während die unpersönlichen Gehalte zunächst nur ein Medium darstellen, entwickelt sich eine Kommunikation nicht bloß von Verstand zu Verstand, sondern fundamentaler: Von Existenz zu Existenz. Ein Gespräch, in dem auch Spuren von Angriff und Verteidigung zu erkennen sind, doch nicht als Mittel der Machtbemächtigung: Der Kampf ist ein liebender. Am Fundament wird angesetzt, die Wurzeln werden erfragt: Nur so kann die Basis der Nähe, die sie zueinander empfinden, begründet werden.

Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode, deren Begegnung für beide nicht mehr als nur ephemeren Gehalt erlangen kann, verschließen sich dem tiefer greifenden Miteinander, lassen ihre Chance – im gegenseitigen Abwägen und Verstehen aneinander zu wachsen – vergehen und kehren zurück in ihr gesellschaftlich unreflektiertes Sein.

 

Schlußteil

 

Fazit

Nur eine Momentaufnahme – der Nachmittag fader Geselligkeit. Eingebettet in diese Atmosphäre – ein retardierendes Moment sich hinziehender, gehaltloser Stunden – berührt Christa Wolf in ihrer Erzählung "Kein Ort Nirgends" den Leser in der Tiefe des Seins: Ihr Sujet ist das Leben. Wo das Gespräch oberflächlich nur als Medium erscheint, wird unterschwellig der elegische Grundton, der das Geschehen untermalt, laut und zieht seine Kreise; klingt, auch wenn man das Buch längst aus der Hand gelegt hat, als stille Forderung nach, sich der eigenen Existenz zu vergewissern. Das unerfüllte Leben des Heinrich von Kleist, seine Sehnsucht nach Eigentlichkeit, der Umgang mit der Gesellschaft, der sich seine Gedankenwelt verschließt, schlussendlich die Erkenntnis seines Scheiterns, die Ausweglosigkeit seiner Situation.

Sein Konflikt bleibt ungelöst. Die Lebensgeschichte verrät uns zwar den Ausgang seiner Misere, doch soll und kann dieser als Problemlösung angesehen werden? Die Frage nach dem Sinn des Lebens und dem Standpunkt des eigenen Ichs in den Wirren der Welt – Heinrich von Kleist kann die Augen vor ihr nicht verschließen: Zeitlebens bleibt er auf der Suche, auf Konfrontationskurs mit sich selbst und seinem Umfeld.

Bei Nietzsche heißt Philosophieren auch Weltüberwindung, bleibt die Möglichkeit, eine winzige "Hintertür", den irdischen Übeln zu entgehen. Doch im Grunde gibt die Philosophie kein Antworten, sie kann den Menschen nur erwecken, so wie auch in Kleist erst durch die Erschütterung der Kant-Krise die Frage nach sich selbst in ihrer philosophischen Komplexität erwuchs und seinen Drang zur wahren Erkenntnis offenbarte. Genauso wie die Philosophie keine konkreten Wahrheiten liefern kann, bleibt auch die Frage nach dem Verhängnis Heinrich von Kleists offen: So wenig wir seinen Weg und seinen Freitod als die richtige Lösung annehmen können, ist es uns möglich, ihn zu falsifizieren. So wenig wir die grundlegenden philosophischen Fragen beantworten können, ist es uns möglich, ein Patentrezept für die Lösung seiner Probleme herbeizuführen. Zu tief sind sie mit der Philosophie verwoben, im Bereich des Unerklärlichen verankert.

Doch im Prozess der Bewusstwerdung der eigenen Bedürftigkeit wächst auch in Heinrich von Kleist die Erkenntnis, dass der Ursprung seiner tiefen Sehnsucht in der Frage nach Gott und dem Sinn des Lebens ruht. Kleist glaubt zwar an die Existenz von Gott und Göttern, sieht sie jedoch auch als Teilhaber an den Verwirrungen der Menschen und somit als genauso unzuverlässig an, wie ihm die gesamte Welt erscheint. Gott kann für ihn so nicht zum direkten Hoffnungsträger werden; vielmehr sieht er sich herausgefordert am eigenen Ich festzuhalten, wo ihn die Suche nach Gott in Ohnmacht und Verwirrung treibt. Doch in seiner kommunikativen Abhängigkeit von anderen Menschen, dem Wunsch von ihnen angenommen und verstanden zu werden, offenbart sich seine Unfähigkeit zur Autonomie. Während Nietzsche das Leiden in der Autonomie aufgehoben sieht, es dem von ihm propagierten Übermenschen nicht nach zwischenmenschlichen Beziehungen verlangt, erfährt Kleist schmerzlich die Leiden der Einsamkeit. Obgleich Kleist zeitlebens kein Verfechter der traditionell christlichen Gottesvorstellung ist, trägt er doch das Bild eines Gottes in sich, der Anfang und Ende ist; aus dem alles erwächst und auf den alles zuläuft. Im Angesicht des Todes sucht er das Gebet, sieht seine Seele nicht mehr als Gefangene des Körpers an, sondern nährt seinen Entschluss vom Gedanken an die Ewigkeit; der Tod ist Ende und Anfang zugleich. Seine eigene Gotteserkenntnis eröffnet ihm eine Dimension des Überirdischen und Übersinnlichen, die zur Triebfeder seiner Erlösungshoffnung wird: Im Jenseits sucht er die Welt zu überwinden. Er flüchtet vor dem Leben in Ermangelung der Kräfte, derer es bedarf es zu bewältigen. Seine Persönlichkeit zerbricht an der Suche nach Halt, den er weder im Glauben noch bei der Familie, bei Freunden oder in der Gesellschaft finden kann. Da er nicht befähigt ist, "nur" zu glauben und sich Gott anzuvertrauen, fehlt ihm der ruhende Pol: Gott als tragender Grund. Kleists unerschöpflicher Erkenntnisdrang genauso wie sein Streben nach Vervollkommnung zeugen zwar von dem Versuch der Gottesannäherung, doch mehr im Zuge der eigenständigen Lebensbewältigung; wirklich leiten lassen kann und will er sich nicht. Doch, wo das Vertrauen in Gott mangelt, fehlt ihm letztendlich auch das Vertrauen in die eigene Person.

Persönliche Reflexion:

Die ausgiebige Auseinandersetzung und Ausarbeitung der Thematik stellte für mich persönlich eine interessante doch im wesentlichen auch herausfordernde Aufgabe dar. Schwierig war es hier die Ambivalenz zu ertragen, so manches mal kein klares "Ja" oder "Nein" zu erhalten, sich mit der Ungewissheit des "Vielleicht" zufriedenzugeben und zu akzeptieren den Konflikt nicht lösen zu können, an Grenzen zu stoßen, die Gegenstand existentieller und religiöser Fragen sind. Doch gerade das Eintauchen in den mir zuvor nur am Rande bekannten Bereich der Philosophie, das Einarbeiten in die Problematik des Charakters Heinrich von Kleists und letztendlich die damit einhergehende Konfrontation mit den fundamentalen Kernfragen nach Gott und dem Sinn des Lebens habe ich als wichtige Erfahrungen empfunden. Das Eindringen in eine Materie, eine Zeit, die unserer heutigen so fremd zu sein scheint, machte den besonderen Reiz meiner Arbeit aus. Doch die Problematik der Lebensgeschichte des Heinrich von Kleist verdient es nicht mit einem "Damals" abgetan zu werden, sondern sollte bewusst auch im Heute Beachtung finden, denn die Aktualität ist geblieben: Dort wo die Einsamkeit Heinrich von Kleist zu Grunde richtet, wird auch die Frage nach dem christlichen Wert der Gemeinschaft laut, gilt es nicht vorwurfsvoll zurückzusehen, sondern einen Blick in die eigenen Reihen, auf unsere immer schnelllebigere, von materiellem Streben egoistisch geprägte Spaß- und Wohlstandsgesellschaft zu werfen. Wo finden wir heute Halt? Ist es uns möglich uns selbst zu verwirklichen, ohne an die Schmerzgrenzen anderer zu stoßen, und was ist das für eine Autonomie, von der wir so überzeugt zu sein scheinen?

Persönlich bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es nicht der richtige Weg sein kann krampfhaft nach einem Patentrezept zu suchen, das es nicht gibt. Sicher kann ich mich auch nicht erdreisten den Zeigefinger zu erheben und mahnend über das Schicksal eines Menschen zu urteilen, dessen Beweggründe ich zwar erahnen, doch als Aussenstehender in ihrer Komplexität nie wirklich erfassen könnte.

Das Verhängnis des Heinrich von Kleist zeugt jedoch von der substantiellen Bedeutung der Gemeinschaft: Wo die Auseinandersetzung mit den existentiellen Fragen dieser Welt einen Einzelnen zu Grunde richtet, sind Gesellschaft und Kirche gefragt, sie mit dem Einzelnen gemeinsam zu erfahren und zu tragen. Auch in unserer Zeit, in der Wohlstand und Schnelllebigkeit die zunehmende Oberflächlichkeit forcieren, eröffnet der christliche Glaube die Tiefendimension menschlicher Existenz und ist es die Herausforderung an die Kirche, ihn an die Menschen heranzutragen.

 

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

[1] Wolf, Christa: Kein Ort. Nirgends . Hamburg 61993.

[2]

- Roland Reuß u. Peter Staengle (Hrsg.): Heinrich von Kleist Brandenburger

Ausgabe IV/I Briefe I März 1793 – April 1801 und IV/II. Briefe II . Frankfurt am Main: Stroemfeld Verlag 1999

Helmut Sembdner (Hrsg.): Heinrich von Kleist Briefe 1793 – 1804 Lebensdaten dtv Gesamtausgabe 6 . München: Deutscher Taschenbuchverlag 1964

- Helmut Sembdner (Hrsg.): Heinrich von Kleist Briefe 1805 – 1811 Lebensdaten dtv Gesamtausgabe 7 . München: Deutscher Taschenbuchverlag 1964

Sekundärliteratur

[3] Hotz, Karl (Hrsg.): Buchners Schulbibliothek der Moderne (Heft 4): Christa Wolf – Kein Ort. Nirgends . Bamberg 11998.

 

Originaltexte

[4] Friedrich Nietzsche

- Unzeitgemäße Betrachtungen (Erstdruck der Sammlung: Leipzig 1893)

3. Schopenhauer als Erzieher

- Die fröhliche Wissenschaft (Erstdruck Chemnitz 1882)

- Zur Genealogie der Moral

(Erstdruck: Leipzig (C.G. Naumann) 1887)

- Also sprach Zarathustra [Erstdrucke: Chemnitz 1883 (1. und 2. Teil); Chemnitz 1884 (3. Teil); Leipzig 1885 (4. Teil, Privatdruck); Leipzig 1892 (1. vollständige Ausgabe, hg. v. P. Gast, d. i. Heinrich Köselitz)]

- Würzbach, Friedrich (Hrsg.): Umwertung aller Werte Band 2 . München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1969

[5] Heinrich von Kleist:

- Aufsatz, den sichern Weg des Glücks zu finden (Entstanden um 1799, Erstdruck in: Sämtliche Werke, hg. v. Theophil Zolling, Stuttgart 1885)

- Über die Aufklärung des Weibes]

Entstanden 1800, Teildruck in: Frankfurter Oder-Zeitung (Frankfurt/Oder), 20./21. November 1934; Erstdruck des ganzen Textes in: Werke, Leipzig 1936.

 

Material aus dem Internet (siehe Anhang)

[6] Buchbeschreibung: Laszlo Földenyi "Die Welt – ein Menschengewitter" von Rüdiger Safranski

     

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