Jugend&Kultur&Religion
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Die Verkörperung des Engelbildes in den 50er Jahren anhand des Filmes "Jede Frau braucht einen Engel"
VerfasserInnen: Rüdiger Timme, Anne Biewener, Jessica Adolf
Betreuende Lehrkraft: Dr. Henning Schöpke
Inhalt 1. Vorwort (verf.
v. Jessica Adolf) 2. Inhalt des Films "Jede Frau braucht einen
Engel" (verf. v. Anne
Biewener) 3. Charakterisierung der Hauptdarsteller (verf.
v. Rüdiger Timme) 3.1 Der Engel Dudley 3.2 Julia Brougham (die Frau des Bischofs) 3.3 Henry Brougham (der Bischof) 4.Engel – Eine Gegenüberstellung (verf.
v. Jessica Adolf)
5. Symbolik (verf.
von Rüdiger Timme) 6. Ist die Verkörperung des Engels durch den
Schauspieler angemessen?- Ein kritischer Kommentar (verf.
v. Rüdiger Timme) 7. Funktion des Engels (verf.
v. Anne Biewener) 7.1 Welche Aufgaben hat Dudley? 7.2 Wie löst er diese Aufgaben? 7.3 Wie reagieren die Menschen auf ihn? 8. Reflexion über die Gruppenarbeit (verf.
v. Anne Biewener) 9. Quellenverzeichnis
Vorwort Die Entscheidung an dem Wettbewerb "Jugend und Kultur und Religion" teilzunehmen, war für unseren Kurs keine schwere Wahl, da wir uns in dem ersten Semester des Schuljahres mit dem Thema der Engelerscheinungen beschäftigt hatten. Aus diesem Grund freuten sich alle Schüler über die ungewohnte Abwechslung. Auch die Möglichkeit, in einer kleinen Gruppe zu arbeiten, war für uns ein bedeutender Anreiz. Nachdem wir uns über das Thema näher informiert und dessen Aufgabenstellung geklärt hatten, machten wir uns mit viel Engagement daran, geeignete Filme zu finden. Das Ziel unserer Gruppe war es, anhand von einigen Verfilmungen die Verkörperung der Engelsvorstellungen zu dokumentieren, zu vergleichen. Doch bereits bei dieser Vorarbeit stießen wir auf ungeahnte Schwierigkeiten. Schließlich lag es an uns, aus den zahlreichen Verfilmungen mit Engelgestalten die Passende herauszusuchen. Unsere Dreiergruppe einigte sich schließlich auf den Film "Jede Frau braucht einen Engel" aus den 50er Jahren, da sich dieser durch die Gestaltung und die Besetzung der Rollen von den moderneren Verfilmungen abhob. Bevor wir jedoch den Film gemeinsam in unserem Religionskurs ansehen konnten, überlegten wir einige Beobachtungspunkte, z.B. das Auftreten des Engels Dudley oder seine Funktion als Bote Gottes, auf die bei der Betrachtung besonderer Wert gelegt wurde. Im Anschluß an den Film besprach unser Kurs den Inhalt sowie die besondere Symbolik einzelner Szenen. Nun konnten wir beginnen die Aufgabenstellung zu dritt zu bearbeiten und kamen zu folgendem Ergebnis. Um unsere Eindrücke überzeugend darzustellen, griffen wir an einigen Stellen auf Originalzitate aus dem Film zurück.
2. Inhalt des Films "Jede Frau braucht einen Engel" Der Film " Jede Frau braucht einen Engel" handelt von dem Engel Dudley, der von Gott auf die Erde in einen Bezirk von New York geschickt wird, um den Menschen zu helfen. Dudley wird zu einer Bischofsfamilie gerufen, die auseinander zu brechen droht. Der Bischof Henry Brougham bemüht sich um die Finanzierung der Kathedrale und vernachlässigt dadurch seine Frau Julia und seine Tochter Debbie. Er hat nur noch schlechte Laune und kann seinen Aufgaben als Bischof und Vater nicht mehr angemessen nachgehen. Eigentlich kommt Dudley um ihm bei der Finanzierung der Kathedrale zu helfen, jedoch zeigt er ihm nebenbei, dass das Wohlergehen anderer Leute wichtiger ist als irgendeine materielle Angelegenheit.
3. Charakterisierung der Hauptdarsteller 3.1 Der Engel Dudley Dudley – der Engel in Menschengestalt – umstrahlt in allen Situationen eine positive und sympathische Aura. Er ist freundlich und herzlich und immer hilfsbereit, was dazu führt, dass fast alle Menschen, die ihm begegnen, sofort eine gewisse Wärme und Vertrautheit ihm gegenüber verspüren. Beispiel dafür ist ein blinder Mann zu Beginn des Filmes, der eine verkehrsreiche Straße überqueren will. Dudley kommt ihm zu Hilfe und obwohl die Autos teilweise sehr scharf bremsen müssen, fühlt sich der Blinde sicher und geborgen. Später im Film lernt Dudley Professor Wutheridge kennen, der, obwohl dieser ihn noch nicht vorher getroffen hat, sich nie sicher ist, ob er ihn nicht vielleicht doch aus seiner Zeit in Europa kennt, was Dudley schließlich behauptet. Dies ist ein weiteres Beispiel für die Vertrautheit und Geborgenheit der Menschen in der Nähe Dudleys. Ein zweites Beispiel ist die Frau in der Boutique, die einen Hut anprobiert und sich von Dudley, obwohl sie ihn nicht kennt und er ein vollkommen Fremder für sie ist, beraten lässt, ob ihr der Hut steht oder nicht. Dudley rät ihr von dem Hut ab um ihn dann Julia zu schenken. Dies ist gleichzeitig Ausdruck einer gewissen Gerissenheit, die Dudley im guten Sinne hin und wieder ausnutzt. So hält Dudley während einer Taxifahrt bewusst länger die Hand auf, nachdem Henry ihm schon einen Schein für die Bezahlung des Taxifahrers gegeben hat und fordert ihn so indirekt auf, ihm noch mehr zu geben, was dieser letztendlich auch tut. Des weiteren ist Dudley sehr kinderlieb, was in der Szene als er mit Debbie, spielt und ihr eine Geschichte erzählt, offensichtlich wird. Als Dudley mit Debbie einen Schneeball formt und sie mit dem Wurf mit der Begründung zögert, sie könne nicht weit werfen, entgegnet ihr Dudley: "Ach was, NATÜRLICH kannst du!". Diese Stelle im Film steht symbolisch für Dudleys Lebensmotto, was "Man kann alles erreichen, wenn man es nur probiert" lauten könnte. So kann er auch Taxifahrer Sylvester überreden, zusammen mit Julia und sich selbst Schlittschuh zu laufen, obwohl er dafür zu alt sei, wie er sagt (siehe auch "Symbolik").
3.2 Julia Brougham Julia Brougham, die Gattin des Bischofs Henry Brougham, ist eine selbstbewusste Frau, die sich nach einer nach innen und außen intakten Familie sehnt. Sie leidet unter der zerrütteten Ehe mit Henry und hofft zunächst, dass Dudley als Assistent von Henry ihn beruflich entlastet und dieser dadurch mehr Zeit für sie hat um die etwas eingeschlafene Beziehung zwischen ihnen wieder zu beleben. Sie liebt den Henry wie er war als sie sich kennen gelernt haben: einen weltoffenen, herzlichen Menschen. Zeitweise scheint es, als würde sie in Dudley Henry wiedererkennen und sich in ihn verlieben.
3.3 Henry Brougham Bischof Brougham ist nahezu besessen von der Finanzierung für den anstehenden Bau der Kathedrale. Dafür vernachlässigt er Frau und Kind ohne es zu bemerken. Außerdem scheint er egozentrisch und zu wenig umsichtig, was seine Frau betrifft. So verspricht er ihr immer wieder, mit ihr gemeinsame Nachmittage zu verbringen um sie danach wieder auf nächstes Mal zu vertrösten. Er verhält sich auch oft schroff zu seinen Hausangestellten. Kurz gesagt: Henry ist fast bis zum Ende des Films ein unfreundlicher, kalter und schlechter Mensch und damit ein noch schlechterer Bischof. Dies wird deutlich, als Dudley Henry vor seiner Tochter auffordert, Psalm 23 des Lukasevangeliums aufzusagen und dieser, ein wenig nervös, weil er ihn nicht auswendig aufsagen kann, auf später verweist.
4. Eine Gegenüberstellung vom Engel Dudley und Engeldarstellungen in den Medien Bei der Gegenüberstellung der Engeldarstellungen möchte ich auf die Gemeinsamkeiten der heiligen Boten eingehen. Dabei betrachten wir Erzählungen und Beschreibungen von Theologen, aber auch von "gewöhnlichen" Menschen und die Verkörperung des Engels Dudley in dem Film "Jede Frau braucht einen Engel ". Ich beginne mit der Begegnung einer jungen Frau und einem ihr unbekannten Mann in einer Hamburger U-Bahn. Dieser Bericht stammt aus der Zeitschrift "Stern" vom 23. 11. 1989. Obwohl sie diese Person noch nie zuvor gesehen hat, ist die Frau zugleich von ihr verzaubert und fühlt eine "totale Harmonie". Die Verfasserin dieses Artikels, Uschi Neuhauser, empfindet den Unbekannten als einen Engel, auch wenn sie zugeben muss, dass er nichts Ungewöhnliches getan, oder gar Wunder vollbracht habe. Bereits bei diesem kleinen Eingangsbeispiel erkennt man deutlich eine Verbindung zu dem Engel Dudley aus dem Film. Auch er strahlt eine gewisse Faszination auf fremde Personen, wie z.B. Mathilda, das Hausmädchen oder Debbie, aus. Doch die größte Zuneigung erhält er dennoch von Julia, die ihm vom ersten Moment an Vertrauen schenkt und viel Zeit mit ihm verbringt. Eine weitere Verbindung der Darstellungen besteht in dem geheimnisvollen und zugleich unerklärlichen Auftreten der Engel. Ebenso, wie der Bischof Henry die plötzliche Erscheinung nicht realisieren kann ( Henry : "Wer sind Sie?" Dudley : "Ich bin ein Engel!!" Henry : "Wie meinen Sie?" Dudley : "Ein Engel. Zur Zeit ohne Flügel, aber..." Henry : "Sie sind ein Engel. Ich wusste, ich habe zu viel gearbeitet." ), beschreibt dies auch Hans Erich Nossak in seinem Artikel "Ich glaube an Engel", entnommen aus "Katechetische Blätter" vom November 1984: "(...) man selbst nimmt nur voller Staunen dessen Reaktion wahr. Der Anblick des Engels scheint kaum zu ertragen zu sein; vielleicht ist es seine Wehrlosigkeit, die wehrlos macht." Unterstützend für diese Ansicht, wirkt ebenfalls das folgende Zitat aus den Ergebnissen einer Umfrage H. C. Moolenburghs mit dem Titel "Haben Sie schon mal einen Engel gesehen ?": "Engel passen so wenig zum Geist unserer stahlharten materialistischen Ära, dass eine Engelerscheinung beim Publikum als Geistesverwirrung ankommt." Diese drei Beschreibungen verdeutlichen klar, dass zwar oft von Engeln gesprochen oder fantasiert wird, sie aber dennoch bei plötzlich wirklichen Erscheinen eine Ungläubigkeit und Fassungslosigkeit auslösen. Ein weiteres Exempel aus H. C. Moolenburghs Veröffentlichung "Engel als Beschützer und Helfer des Menschen" ist die Vermutung, die Boten Gottes seien für Kreativität und Einfälle zuständig. Sie lieferten den Menschen Inspirationen. Diese Annahme wird auch in unserem Film anhand von Debbie, der Tochter des Bischofs oder Sylvester, dem Taxifahrer, deutlich. Erstere hilft der Engel Dudley, sich bei einer Schneeballschlacht mit vielen anderen Kindern durchzusetzen und dem Mädchen das Gefühl zu geben, sie könne unglaublich weit werfen; letzterem die Kunst des Schlittschuhlaufens beizubringen, wobei dieser fest davon überzeugt ist, er habe dies aus eigener Kraft geschafft. Passend zu diesem Punkt ist desweiteren eine Aussage Romano Guardinis in "Der Engel des Menschen". Er behauptet, der Engel schütze den Menschen nicht nur gegen die Gefahr, die von außen, sondern auch gegen jene, die aus dem Menschen selbst komme: seine Unbotmäßigkeit, seine Trägheit, sein Unmaß. Er tue es in der Stimme des Gewissens, in den Warnungen des Herzens, im Wort der Freunde, in den Folgen des Tuns, im Sinn der Geschehnisse - in alledem spreche seine Stimme mit. Gerade diese Annahme entspricht dem Hauptmerkmal des behandelten Films. Der Engel Dudley wird zwar vordergründig von Gott auf die Erde geschickt, um dem Bischof bei der Finanzierung der Kathedale beizustehen, doch ist seine eigentliche Aufgabe, in Henry erneut Gefühle zu wecken, ihn dazu zu bringen, seine Frau Julia wieder mehr schätzen zu lernen. Als eine letzte und wichtige Gemeinsamkeit möchte ich darauf hinweisen, dass es bei keiner der genannten Verkörperungen von Engeln nötig war, sie mit Flügeln, langen blonden Locken und in weißen, wallenden Gewändern darzustellen, da sie trotz allem oder gerade deswegen, ihren natürlichen Charme, Glanz und Zauber bewahren konnten.
5. Symbolik In dem Film "Jede Frau braucht einen Engel" wird viel mit symbolischen Bildern gearbeitet. Die Wichtigsten sollen hier erläutert und erklärt werden. In einer Szene des Filmes begleitet Dudley einen blinden Mann über die Straße. Dieses Symbol zu Beginn des Filmes ist einfach zu verstehen und steht in gewisser Weise für das gesamte Handeln Dudleys: er hilft besonders denjenigen, die Hilfe benötigen: Behinderten, sozial Schwachen oder Leuten, die durch Beten den Wunsch nach Hilfe "von oben" zum Ausdruck bringen. Später im Film taucht eine altrömische Münze auf, die Professor Wutheridge Henry durch Julia zukommen lässt. Sie kann zunächst als Glücksbringer für die Finanzierung der Kathedrale gesehen werden. Henry versteht jedoch dieses Symbol nicht, und so entschließt sich Dudley, dem Professor die Münze als Ansporn und Muse für das Buch, das dieser schreiben will, zurückzugeben. Dudley hat erkannt, wie unnütz die Münze bei dem undankbaren Bischof ist. Weiterhin scheint Dudley immer mehr die Rolle von Henry anzunehmen. Auch dies wird mit mehreren Sinnbildern verdeutlicht, die beim ersten Betrachten unwichtig und nebensächlich wirken, aber bei genauerem Hinsehen sich als durchaus wichtige Bilder entpuppen. So läuft der Hund der Broughams beim ersten gemeinsamen Abendessen mit Dudley nicht wie sonst, zu Henry, sondern zu Dudley um sich streicheln zu lassen. Diese Szene symbolisiert besonders deutlich, wie sehr Dudley bereits in den Alltag der Familie aufgenommen wurde und die Gastfreundlichkeit der Broughams dankend annimmt. Man kann diese Szene auch so interpretieren, dass Dudley bereits eine Art "Vaterfigur" für die Broughams geworden ist, der zwischen beiden sitzt. Bei einem weiteren gemeinsamen Abendmahl gibt Henry Sellerie an Dudley, damit er ihn an Julia weitergeben kann. Hier agiert Dudley als Bindeglied und Vermittler zwischen Henry und Julia. Er sorgt dafür, dass sich die beiden wieder näherkommen. An einer anderen Stelle legt Matilda Dudley einen schwarzen Schal um, der eigentlich Henry gehört. Hier übernimmt Dudley die Position des Hausherrn Henry, der von der Haushälterin eingekleidet wird. Als Dudley und Julia zusammen in dem französischem Restaurant "Michelle" essen gehen, erzählt Julia ihm, dass er auf demselben Platz wie Henry säße, als sie sich kennenlernten. Dieses Bild betont besonders, wie stark sich Dudley im Laufe der Filmhandlung Julia nähert und sich eine tiefe Freundschaft zwischen beiden andeutet. Als weiteres symbolisches Mittel lässt sich die Chorprobe deuten. Bei dieser Probe lässt der Engel Dudley den eher zarten Gesang eines einzelnen Jungen zu einem gewaltigen Gottesgesang des ganzen Chores wachsen. Diese Szene lässt mehrere Deutungsmöglichkeiten zu: zum einen wird mit dem imposanten Gesang symbolisiert, was man erreichen kann, wenn man – wie der einzelne Junge zu Beginn - klein anfängt und dann am Ende stark und integriert in einer Gruppe ist. Man muss es eben nur probieren, wie Dudley sagt. Zum anderen zeigt es, dass man etwas bewegen kann, wenn viele einzelne an Gott mit der Gewissheit glauben, dass es noch viele andere tun. Eventuell hat der Chor auch gespürt, dass sie ein Zeichen von Gott bekommen haben, der ihnen Dudley als Dirigenten schickt. Das gemeinsame Schlittschuhlaufen mit Sylvester, dem Taxifahrer, kann ähnlich gedeutet werden wie das Schneeballwerfen mit Debbie (siehe "Charakterisierung der Hauptdarsteller – Dudley"). Sie lässt den bereits ergrauten Sylvester zu einem wahren Eiskunstläufer werden, nachdem er sich von Dudley zum Schlittschuhlaufen überreden lässt, wodurch noch einmal Dudleys Einstellung deutlich wird: Man kann alles erreichen, wenn man es nur probiert. Eine sehr wichtige Szene ist das Harfespielen Dudleys im Haus von Frau Hamilton. Er spielt hierbei eine Melodie, die die erste große Liebe Mrs. Hamiltons nur für sie geschrieben hat. Dudley möchte sie durch Spielen der Melodie zu mehr Herzlichkeit und Offenheit bewegen. Das ist eine zugegebenermaßen oberflächliche Sichtweise und Interpretation der Szene. Es lässt sich vielmehr erahnen, dass Dudley sich vollkommen in seinem Element als harfespielender Engel befindet. Die Harfe wird hierbei als typisches Symbol für Engel, Himmel, Christentum und das Gute im Menschen verwendet. Nachdem Dudley die Broughams verlassen hat, hängt eine Engelspuppe über dem Bett von Debbie. Sie erfüllt im Großen und Ganzen denselben symbolischen Zweck wie die Harfe der Hamiltons (siehe oben), sie soll jedoch auch den Glauben an die Engel aufrechterhalten oder gar stärken. Außerdem lässt sich vermuten, dass Dudley selbst in der Puppe weiterlebt und so Debbie beschützen kann.
6. Ist die Verkörperung des Engels durch den Schauspieler angemessen? Zunächst muss gesagt werden, dass sich das Schönheitsideal der Gesellschaft aus den 50er Jahren bis heute geändert hat. Man hat für die Besetzung des Engels den amerikanischen Schauspieler Cary Grant (1904-1986) ausgesucht, der damals, aufgrund seines markanten Gesichtes, seriösen Auftretens und seines guten Aussehens als das "Nonplusultra", als das, was wir heute einen Publikumsmagneten nennen, galt. Grant verkörpert den Engel Dudley als chronisch gut aufgelegten Herzensbrecher, der allen Situationen gewachsen und um kein Kompliment verlegen ist. Er führt einen Blinden über die Straße, stoppt einen Kinderwagen, kurz bevor er führerlos auf die befahrene Straße rollt, übernimmt kurzerhand den Job des Verkehrspolizisten, weil dieser sich um seine Frau sorgt und repariert nebenbei noch die eingeschlafene Ehe der Broughams. Dies sind nur wenige Beispiele aus Dudleys Alltag, der dies alles noch mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht vollbringt. Der damalige Zeitgeschmack erlaubte solche Filmfiguren, aber zu überladen, zu kitschig wirkt der Plot und speziell die Hauptfigur Dudley auf die heutige Zeit. Selbst Cary Grant, der in anderen Produktionen ("Cocktail für eine Leiche"; "Der unsichtbare Dritte") als hervorragender Charakterdarsteller zu sehen war, kann die Verkörperung dieses "Übermenschen" Dudley nicht intensivieren, gibt ihm kein Profil oder etwa Gefühle. Er spielt ihn als Sonntagskind, dem immer alles gelingt. Aber warum? Es muss noch einmal auf die damalige Gesellschaft hingewiesen werden und die Tatsache, dass solche "perfekten" Filmfiguren dem damaligen Geschmack entsprachen und das Bewusstsein für einen "realistischen Film" noch nicht so ausgeprägt war. Die Leute in der damaligen Zeit gingen in ein Lichtspielhaus, um sich für 90 Minuten von einer heilen Filmwelt verzaubern zu lassen und danach schweren Mutes wieder in den Alltag zurückzukehren. Deshalb muss die Frage nach einer angemessenen Verkörperung des Engels durch den Schauspieler Cary Grant unter dem Aspekt der Zeit, in der der Film "Jede Frau braucht einen Engel" gedreht wurde, gesehen werden.
7. Funktion des Engels: 7.1 Welche Aufgabe hat Dudley? Dudley kommt als Engel, jedoch in menschlicher Gestalt, auf die Erde in einen Stadtteil von New York. Er wurde von Gott geschickt um den Menschen zu zeigen, welches die wahren Dinge im Leben sind. So zeigt er z.B. Mrs. Hamilton, dass es nicht entscheidend ist, sich selbst immer oder ihren Namen von der besten Seite zu präsentieren, sondern dass es viel schöner ist, anderen Menschen zu helfen, die es benötigen. Ebenso zeigt er ihr das es nicht gut sein kann, wenn man immer nur auf seinen eigen Vorteil bedacht ist. Dudley hat die Aufgabe den Leuten zu helfen, die spontan seine Hilfe brauchen. So rettet er im Vorbeigehen einen Kinderwagen, der sonst auf eine stark befahrene Straße fahren würde. Im nächsten Augenblick führt der Engel einen Blinden über diese Straße, jedoch fühlt sich dieser so sicher und vertraut Dudley so sehr, dass er keine Angst beim Überqueren dieser Straße verspürt. Dudley hat außerdem die Gabe Leute mit einem winzigen Kompliment glücklich zu machen. Er zeigt ihnen dadurch, dass jemand auf sie achtet und sie doch noch etwas wert sind, so wie z.B. Mathilda. Sie ist das Hausmädchen von Henry und Julia. Während sie arbeitet, beachtet sie niemand. Es wird ihr immer nur gesagt, was im Haushalt zu tun sei. Komplimente hat sie von Henry in der letzten Zeit fast nie gehört. Dudley erwähnt dagegen nur beiläufig wie schön ihre neue Haarspange doch sei. Mathilda ist glücklich weil ihr auch mal jemand Aufmerksamkeit schenkt. Dudley weiß, wie man seinen Mitmenschen das Leben mit kleinen Aufmerksamkeiten das Leben verschönern kann. Seine Hauptaufgabe in diesem Film ist es jedoch, dem Bischof Henry und seiner Familie zu helfen. Henry probiert die Kathedrale neu aufzubauen, hat jedoch Probleme, das Geld aufzutreiben. Da er in seinen Beruf im Moment sehr eingespannt ist, bemerkt er gar nicht, dass er seine Frau Julia und seine Tochter Debbie vernachlässigt. Henry ist nur noch schlecht gelaunt, redet mit seinen Mitmenschen nur noch das Nötigste und denkt nur noch an die Finanzierung der Kathedrale. Dabei bemerkt er gar nicht, dass seine Ehe auseinander zu brechen droht. Der Bischof ist so verzweifelt, dass er eines Tages zu Gott betet und ihn um Hilfe bittet. Kurz darauf erscheint Dudley auch schon bei ihm im Zimmer. Der Engel erklärt ihm, bei der Finanzierung der Kathedrale helfen zu wollen, doch eigentlich macht er Henry klar, wie wichtig ihm doch seine Familie ist, vor allem seine Frau. Der Bischof hat von Dudley gelernt, dass es wichtig ist, sich um Leute zu kümmern und dass er selbst viel zufriedener ist, wenn er nett zu den Leuten ist und diese ihn dann dadurch auch mögen. Er hat die Erfahrung gemacht, wie schön es ist beliebt zu sein. Dudley erreicht die Leute mit seiner Hilfe, die insgeheim unglücklich sind oder die Gott um Hilfe beten. Dudley hat von Gott den Auftrag bekommen, den Menschen Ideen in den Kopf zu setzen so dass diese denken, es seien ihre eigenen.
7.2 Wie löst er diese Aufgaben? Dudley verfügt über Zauberkräfte, wenn er etwas zu seinem eigenen Vorteil verwandeln oder verändern möchte. So wendet er manche Tricks an und hat die Karteikarten neu sortiert und Dudleys Schreibtisch in wenigen Sekunden aufgeräumt. Er hebt dabei die Arme und läßt seine Hände über die Sachen gleiten. Im Hintergrund ertönt dabei immer wieder dieselbe Musik. So löst er kleine Nebenaufgaben, damit sein Leben nicht so anstrengend ist. Ansonsten wendet er seine Zauberkraft noch an, wenn er anderen Leuten helfen möchte. Er schafft es z.B. dass der alte Taxifahrer Sylvester wieder Schlittschuh laufen kann. Sylvester traut sich erst nicht, nachdem ihm jedoch Dudley gut zugeredet hat, probiert es Dudley doch und muss mit eigenem Erstaunen feststellen, dass er es trotz seines hohen Alters noch kann. Der Engel fährt ein paar Runden vor ihm mit ausgestreckten Armen herum, um so die Zauberkraft in Sylvester zu stecken und er nach kleinen anfänglichen Schwierigkeiten er so gut Schlittschuh laufen kann wie noch nie zuvor in seinem Leben. Auch Julia, die mit Dudley Paarlauf macht, läßt sich an Dudleys Seite gleiten, als ob sie noch nie etwas anderes gemacht hätte. Dudley hat Sylvester dadurch so viel Lebensmut wiedergegeben, so dass dieser nun einer der glücklichsten Menschen auf der Welt ist. Ansonsten löst Dudley seine Aufgaben indem er die Gedanken anderer Leute liest und weiß, was man in einer Situation machen muß, damit sie so reagieren, wie er es für richtig hält. So wie z.B. die Sache mit Henry und der Kathedrale. Da Mrs. Hamilton eine sehr üppige Spende beisteuern möchte, aber nur, wenn der Name ihres Mannes in großen goldenen Buchstaben auf einem Schild vor der Kathedrale steht, muß Dudley sie davon überzeugen, daß es nicht wichtig ist, dass ihr Name vor der Kathedrale steht, damit jeder sieht wie reich und mächtig sie ist, sondern dass es so viele Leute gibt, die obdachlos sind und diese das Geld viel besser gebrauchen könnten. Da Dudley auch die Vergangenheit jedes Menschen kennt, weiß er natürlich auch, dass sie selbst mal arm war und die Liebe ihres Lebens nicht heiraten konnte, weil dieser Mann auch kein Geld hatte und beide zusammen es nicht zu überleben geschafft hätten. Deshalb mußte sie ihren inzwischen gestorbenen Mann heiraten, der damals in sie verliebt war und sehr viel Geld hatte. Die jetzige Witwe Mrs. Hamilton hat ihn nie wirklich geliebt, jedoch hat sie immer noch von ihrer damaligen großen Liebe ein gemeinsames Lied in einer kleinen goldenen Schachtel. Dudley spielte es auf der Harfe. Dabei wurde die alte Dame an ihre Jugend erinnert und mußte weinen. In dem darauf folgendem Gespräch gibt sie zu, dass sie bereit ist, das Geld zu spenden und die Kirche mit dem Namen ihres Mannes schmücken will um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Das Problem mit der Kathedrale ist gelöst. Jedoch ist da immer noch der Wunsch, Henry und seine Frau wieder etwas näher zu bringen. Dieses erreicht er dadurch, dass er Henry bei gemeinsamen Aktivitäten ausschließt und mehr oder weniger seine Stellung im Haus einnahm. Er ging z.B. mit Julia zu deren gemeinsamen Lieblingsrestaurant "Michell", was Henry natürlich sehr eifersüchtig machte. Außerdem nahm Dudley sich Zeit für Debbie. Er erzählte ihr Geschichten, spielte mit ihr und schenkte ihr mehr Aufmerksamkeit und hin und wieder mal ein kleines Lächeln. Wo Henry auch mit Julia zusammen auftaucht, jeder erkundigt sich zuerst nach Dudley. Dieser hat auf die Menschen eine so große Wirkung, dass er bei allen beliebt ist und sich jeder nach ihm erkundigte. Wenn Henry irgendwen besucht, sind die Leute zwar freundlich zu ihm, jedoch herrscht ein kaltes Klima. Das gefällt Henry gar nicht, und schließlich nimmt Dudley seine Stellung in der Kirche ebenfalls ein, da er sich ständig als Assistent ausgibt. Henry und Julia bemerken durch Dudleys Anwesenheit, wieviel sich beide noch bedeuten und dass sie ihre kleine Familie auf keinen Fall aufgeben wollen. Dudley mag es nicht, wenn Leute unglücklich und ist deshalb zu jeder Zeit an der richtigen Stelle um zu helfen. Henry und Julia sind zum Vorsingen vom neuen Kirchenchor eingeladen. Da Henry aber schon einen anderen Termin hat, begleitet Dudley Julia. Als beide in die Kirche hereinkommen, sitzt nur ein Junge dort. Der Pastor war sehr unglücklich darüber, dass alle anderen Kinder lieber zum Spielen gegangen sind als bei der Chorprobe dabei zu sein. Dudley ermutigt den Jungen, schon mal alleine anzufangen und kurz darauf kommen alle anderen Chormitglieder ebenfalls herein gelaufen. Jedesmal, wenn Dudley einen Arm ausbreitet und mit seiner Hand eine winkende Bewegung machte, betreten weitere 2 – 3 Jungen den Raum um mitzusingen. Diese Bewegungen macht er so lange, bis alle Jungen da sind und eine wunderbare Chorprobe stattfinden kann. Danach sind alle zufrieden und der Pastor freut sich, dass doch noch alle erschienen sind und so gut gesungen haben. Ein anderes Mal hilft Dudley der kleinen Debbie, die mit ihrer Mutter und Dudley zum Spielen gegangen ist. Dort ist eine Gruppe von Jungen, die eine Schneeballschlacht machen. Debbie willt gerne mitspielen, doch die Jungen lassen sie nicht, weil sie angeblich zu klein sei und nicht genug Kraft in den Armen habe. Als Dudley ihr jedoch hilft einen Schneeball zu werfen, der so weit fliegt, dass er dem Anführer auch noch genau im Gesicht trifft, sind die restlichen Jungen so beeindruckt, dass sie sofort mitspielen darf. Debbie ist daraufhin begeistert und hinterher zufrieden und müde. So verhilft Dudley ihnen mal wieder zu einem schönen Tag. Oft erledigt Dudley seine Aufgaben, indem er einfach mit den Leuten nett umgeht, ihnen gut zu redet und ihnen so viel Selbstvertrauen schenkt, daß sie meinen alles schaffen zu können, was sie wollen.
7.3 Wie reagieren die Menschen auf ihn? Sobald jemand mit Dudley spricht, ist er einfach nur fasziniert von ihm. Die Leute hängen gerade zu an seinen Lippen und würden das Gespräch am liebsten nicht enden lassen. Außerdem wirkt er sehr vertrauensvoll. Man glaubt ihm regelrecht alles, was er erzählt und würde auch alles machen, was er sagt, weil man einfach davon ausgeht, dass er Recht hat. Meistens denken die Leute auch gar nicht darüber nach und machen es einfach. Dudley ist überall beliebt, besonders bei den Damen. Diese lieben sein gepflegtes Aussehen und Auftreten und seine "Gentleman-Art" an ihm. Sobald er jemanden anschaut, bekommen die Leute ein Lächeln in den Augen und würden am liebsten die gesamte Zeit mit ihm verbringen. Selbst wenn er jemanden eine Abfuhr erteilt, ist der Betroffene auch nicht enttäuscht, und geht einfach nur mit einem zufriedenem Gesicht nach Hause.
8. Reflexion über die Projektarbeit Die Projektarbeit über dieses Themas war vom Gruppenklima gesehen ein voller Erfolg. Zuerst befaßten wir uns mit dem Film, den wir zusammen mit unseren Kursmitgliedern anschauten. Wir überlegten uns gemeinsam mit unserem Kurslehrer und unserem Religionskurs Fragestellungen, nach denen wir dann das Thema untersuchen wollten. Als wir unsere Stichwörter bearbeiteten, fielen uns weitere Fragen bzw. Aufgabenstellungen ein. Nach der Besprechung des Filmes und der Suche nach weiteren Informationen machten wir uns auch schon an die Arbeit eine Gliederung für unseren Beitrag anzufertigen. Danach trafen wir uns noch einmal privat und schauten uns den Film ein weiteres Mal an. Als nächstes teilten wir auf wer welche Aufgabenbereiche übernahm, damit jeder zu Hause seine Texte in Ruhe und mit viel Konzentration verfassen konnte. Für den Fall das Fragen aufkamen, stand die Gruppe selbstverständlich jeder Zeit zur Verfügung. Als dann endlich alle Texte fertig waren, fand noch eine letzte Abschlußbesprechung statt und bald darauf hatten wir die fertigen Exemplare in der Hand. Da wir uns aufgrund unseres Semesterthemas mit Engeln befaßten, war dieser Wettbewerb eine schöne Alternative zum Unterricht und eine gute allgemeine Erfahrung im Verfassen von Projektarbeiten, die zudem noch mit viel Spaß verbunden war.
9. Quellenverzeichnis -Film: "Jede Frau braucht einen Engel" 9.1 Literaturhinweise -Uschi Neuhauser:"Männlich und ohne Flügel" aus "Stern", 23.11.1989 * -Hans Erich Nossack:"Ich glaube an Engel" aus "Katechistische Blätter", November 1984 * -H.C. Moolenburgh: "Haben Sie schon mal einen Engel gesehen (Ergebnisse einer Umfrage" aus "Engel als Beschützer und Helfer des Menschen" * -Romaro Guardini:"Der Engel des Menschen" * * = enthalten in "Die Botschaft der Engel – Ein erfahrungsbezogener Zugang zur Gottesfrage" von Uwe Wolff (Hrsg.: Klett, 1.Auflage, 1992)
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