Jugend&Kultur&Religion

Gymnasium Wesermünde


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Jeanne d'Arc

vom religiösen Bauernmädchen zur französischen Nationalheldin

 

 

Verfasserin: Melanie Meyer

 

Betreuende Lehrkraft: Jürgen Köhlmann

 

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Frankreich

1.1. Der Hundertjährige Krieg

1.2. Die Kirche im französischen Königreich

2. Das Leben Jeanne d’Arcs

2.1. Die Kindheit und Herkunft

2.2. Das Verhältnis zu Gott und der Kirche

2.3. Die Religiöse Berufung

2.4. Vor dem König - Die Prüfungen

2.5. Hoffnung und Glaube des Volkes

2.6. Gefangennahme und Inquisition

3. Jeanne d’Arc als kulturelle Bereicherung für die nachfolgenden Generationen

3.1. Die Heiligsprechung - der 16. Mai 1920

3.2. Literarische und künstlerische Bezugsperson

4. Die Figur der Johanna in der Gegenwart

4.1. Der Kinofilm " "Johanna von Orléans "(Luc Besson, 1999)

4.2. "Jeanne d’Arc führt neuen Bestand an"

5. Fazit

6. Anhang: Collage / Film / NZ- Artikel

Anhang

Sekundärliteratur:

- Herbert Nette: "Jeanne d’Arc", Hamburg, Mai 1977, Rowohlts Monographien; begründet von Kurt Kusenberg; herausgegeben von Wolfgang Müller und Uwe Naumann

- Herder: " Die Geschichte des Christentums ", in: Die Zeit der Zerreißproben ( 1274 - 1449), Band 6, Freiburg im Breisgau, 1991

- Meyers Grosses Taschenlexikon, Band 7 und 11; vollständig überarbeitete Auflage; Herausgegeben und bearbeitet von Meyers Lexikonredaktion; Mannheim; Leipzig; Wien; Zürich: BI-Taschenbuchverlag

- Das Magazin: "Ecoute "", Ausgabe: Februar 02/ 2000, Spotlight Verlag GmbH & Co. KG. Planegg/ München

- Internet: "Die Geschichte Jeanne d’Arcs ", www. la-pucelle.de/geschichte.html

- Video "Johanna von Orléans"

- Collage "Jeanne d’Arc"

- Zeitungsartikel aus der Nordsee - Zeitung vom 09. 02. 01

Vorwort

Jugend & Kultur und Religion ? Ich habe sehr lange über diese drei Worte nachgedacht und kam immer zu demselben Ergebnis: Jeanne d'Arc. Für mich repräsentiert diese Frei-heitskämpferin ein junges Mädchen meines Alters, das ihr Leben voll und ganz der Kir-che und ihrem Glauben an Gott widmete. Aufgrund ihrer Überzeugung ist sie in die Ge-schichte eingegangen als erste Frau Frankreichs, die dem Volk die Bedeutung von Glau-ben und Religion näherbrachte. Die Geschichte Jeanne d'Arcs, die von Erfolg und Trau-er gekrönt war, wurde von Literaten aller Nationen aufgegriffen und trug somit zur kul-turellen Bereicherung bei.

Zu Beginn meiner Arbeit werde ich einen Einblick in die geschichtliche und religiöse Si-tuation Frankreichs geben, um die Ausgangssituation vor Johannas Auftreten zu skizzie-ren. Ich werde mit der Biographie von Jeanne d'Arcs Leben und Wirken fortsetzen. Was mir hierbei als besonders wichtig erscheint ist, die Jungfrau in ihrer Person als Jugend-liche darzustellen und ihre göttliche Berufung in Zusammenhang mit den Veränderungen des Volkes zu porträtieren. Danach werde ich ihre wichtige Rolle für die Kultur Frank-reichs insbesondere für Kunst und Literatur aufzeigen. Dann werde ich einen Bezug zu Medien allgemein und insbesondere zum Kinofilm " Jeanne d'Arc " von L. Besson her-stellen, die in heutiger Zeit mit der modernen Darstellung der Jungfrau große Erfolge erzielen. Des Weiteren werde ich eine Collage anfertigen, so dass man Jeannes Ent-wicklung auch bildlich verfolgen kann. Abschließend werde ich einen Artikel über die momentane BSE-Krise vorstellen, in dem ein Kalb mit dem Namen "Jeanne d'Arc" betitelt wurde, um auf den Widerstand der Bauern hinzuweisen. In einem Fazit werde ich dann noch eine kurze Zusammenfassung der Vor- und Nachteile meiner Arbeit geben und meine Erfahrungen einbringen.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal das Selbstbewusstsein und den Mut der Jungfrau von Orléans hervorheben, die ihren Erfolg erst möglich gemacht haben.

1. Frankreich

1.1. Der Hundertjährige Krieg

Anno 1328 war der letzte Karpetinger, Karl IV. der Schöne, kinderlos gestorben. Daraufhin hatte der englische König Eduard III., der mütterlicherseits ein Enkel Philipps IV. des Schönen von Frankreich war, Anspruch auf die französische Königskrone er-hoben. Da in Frankreich die weibliche Erbfolge nicht galt, lehnten die Generalstände die Erbforderung ab und erklärten sich für Philipp VI. von Valois. In der Folge kam es zu dem mehr als "hundertjährigen Krieg" (1339-1453) zwischen England und Frankreich, in dessen Verlauf die Engländer zeitweilig einen großen Teil Frankreichs besetzten.

Bei Crécy kam es 1346 zur ersten Schlacht zwischen England und Frankreich, bei der die Engländer ohne nennenswerte Verluste blieben und das französische Heer fast voll-ständig aufgerieben wurde. 1356 wurde das Ritterheer König Johanns II. von Frankreich bei Poitiers völlig vernichtet. Er wurde gefangengenommen und erst drei Jahre später freigelassen, nachdem im Frieden von Brétigny für ihn ein Lösegeld ausgehandelt wurde. Außerdem trat Frankreich einige Gebiete an England zurück.

Der neue König von Frankreich, Karl V., nahm allerdings 1369 den Krieg gegen Eng-land wieder auf und eroberte einen Teil der besetzten Gebiete zurück. Nach seinem Tode kam es in Frankreich zu innerpolitischen Wirren. Sein Sohn Karl VI. war erst zwölf Jah-re alt, als er an die Regierung kam. Seine Onkel Philipp von Burgund und der Herzog Karl von Orléans begannen einen Kampf um die Macht, der 1411 zum offenen Bürger-krieg zwischen den Bourguignons und den Armagnacs ausartete. 1419 wurde Herzog Johann ohne Furcht von Burgund von Orléanisten, angeblich im Einverständnis mit dem Dauphin Karl, ermordet. Daraufhin verbündete sich Burgund mit den Engländern und er-kannte die Ansprüche Heinrichs V. auf den französischen Thron an, dem es schon 1415 durch den Sieg in der Schlacht von Azincourt gelungen war, die Normandie zu erobern.

Karl VI., bei dem sich schon seit Jahren Symptome von Wahnsinn gezeigt hatten, war mit Isabeau von Bayern, einer ausschweifenden und intriganten Frau, verheiratet. Sie erreichte es, dass er im Vertrag von Troyes 1420 seinen Sohn als illegitim erklären ließ und ihn enterbte. Für König Heinrich V. von England, verheiratet mit Katharina, der Tochter Karls VI. und der Isabeau, war dies ein Anlaß, erneut und verstärkt Anspruch auf den französischen Thron zu erheben. Als zwei Jahre später Karl VI., und Englands König Heinrich V. starben, riefen die Engländer Heinrich VI. zum König von Frank-reich aus, die meisten der französischen Fürsten aber dagegen den Dauphin Karl VII.

In den nächsten Jahren eroberten die Engländer und Burgunder Paris und das übrige Frankreich bis zur Loire-Linie und begannen am 7. Oktober 1428 die Belagerung von Orléans. Die Stadt wehrte sich um so heftiger, als ihr Herr, Karl von Orléans, in eng-lischer Gefangenschaft war, aber die Lage schien für Frankreich und für Karl VII. fast aussichtslos. Jeanne d´Arc war damals sechzehn oder siebzehn Jahre alt.

Lothringen war von den Wirren des Krieges und Bürgerkrieges, von räuberischen Über-fällen, Plünderungen und Brandschatzungen nicht ganz verschont geblieben. Ein- oder zweimal mußten die Leute von Domremy vor einem Einfall anglo-burgundischer Trup-pen in das befestigte Neufchateau fliehen und fanden bei ihrer Rückkehr das Dorf ver-wüstet und das Vieh weggetrieben.

Abschließend kann man sagen, dass diese Erlebnisse aus Jeannes Kindheitswelt ihr Han-deln und ihr Pflichtbewusstsein entscheidend geprägt und ihr Gemüt maßgeblich beein-flusst hatten. Außerdem verstärkten die äußeren Umstände des Krieges ihre Liebe zur Kirche und zum eigenen inneren Frieden.

1.2. Die Kirche im französischen Königreich

Die Kirche im französischen Königreich wusste ihre Rechte zu wahren. Etwa 90 Konzi-lien wurden im 13. Jahrhundert abgehalten. Bei aller Unterschiedlichkeit der Teilneh-mer und ihrer Zielsetzungen hatten sie eines gemeinsam: die Erhaltung des Status des Klerus und der kirchlichen Einrichtungen. Deshalb bestätigten sie Beschlüsse von Kir-chenversammlungen anderer Regionen, verteidigten die kirchlichen Privilegien und Juris-diktionsrechte, also die Rechtsprechung oder Gerichtsbarkeit, und verurteilten die An-sprüche und Übergriffe der Herrn und Städte. All jenen, die sich an kirchlichen Gütern vergreifen würden, wurde die Exkommunikation angedroht, das bedeutet, dass der Be-troffene von der katholischen Kirche aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wurde. Immer wieder riefen die Konzilien die finanzielle Immunität und die Handlungsfreiheit der fran-zösischen Kirche gegenüber König und Papst in Erinnerung; dabei waren sie zwar zu Kompromissen bereit, wollten sich aber keinem Zwang beugen.

Doch die Lage der französischen Kirche vom 13. bis 15. Jahrhundert war insgesamt eher düster. Rivalitäten um Benefizien, ehrgeizige Kleriker am Hof des Papstes und der Für-sten, übermäßige Steuerlasten, kriegsbedingte Verwüstungen und hohe Sterblichkeit hat-ten dazu geführt, dass die kirchlichen Institutionen und die Seelsorge ihren Aufgaben nur noch selten gerecht wurden. Trotzdem zeigte das Bild nicht nur Schattenseiten.

Die materiellen Schäden waren enorm, aber man mußte sie je nach Region und Zeitab-schnitt differenzieren. Ein Blick auf die Landkarte verdeutlicht, dass die Zonen völliger Verwüstung begrenzt waren; in ihrer Umgebung ging das ländliche Leben weiter. Nicht zuletzt begann man unverzüglich bei Eintritt einer ruhigeren Periode mit dem Wieder-aufbau; parallel dazu bemühte man sich, die kirchlichen Einrichtungen und das religiöse Leben wieder in Gang zu bringen.

2. Das Leben Jeanne d' Arcs

2.1. Die Herkunft und Kindheit

Jeanne d'Arc wurde am 06. Januar 1412 während der Epiphaniasnacht in Domremy, einem kleinen Dorf am linken Maasufer im Lothringer Wald geboren. Ihr Vater Jacques d' Arc stammte aus der Champagne und besass einen kleinen Wirtschaftshof. Einige Jahre lang war er Vorsteher einer Gemeinde. Folgedessen war die Lebenshaltung der Familie bescheiden, jedoch nicht ärmlich. Die Mutter Isabelle stammte aus einem Dorf unweit von Domremy. Johanna hatte drei Brüder, die älter waren als sie: Jacques, Jean und Pierre. Alle galten in ihrem Dorf als gute Katholiken. Gelegentlich ist auch von einer früh verstorbenen Schwester die Rede.

Getauft wurde Johanna in der Dorfkapelle, die neben ihrem Elternhaus lag. Sie half bei der Hausarbeit, kümmerte sich um das Vieh und hütete die Schafe. Auf die Frage, was sie sonst gelernt habe, antwortete sie:"Von der Mutter habe sie das Vaterunser, das Ave Maria und das Credo gelernt. Nur sie hat mich im Glauben unterwiesen".Jeanne galt immer als fleißig, bescheiden, barmherzig und sehr fromm. Einer ihrer Altersgenossen erinnerte sich:"Oft, wenn wir miteinander fröhlich waren, ging Johanna beiseite und betete, wie mir schien, zu Gott. Dann machten wir, ich und die anderen, uns über sie lustig".

 

2.2. Das Verhältnis zu Gott und der Kirche

Johanna hörte mit dreizehn Jahren die Stimmen zum ersten Mal. Sie erschienen ihr erha-ben und forderten sie auf, sich gut zu führen und oft in die Kirche zu gehen. Bald stellte die Jungfrau fest, dass es der heilige Michael war, der zu ihr sprach. Er sagte ihr, dass die heilige Katharina und die heilige Margareta zu ihr kommen würden, um sie zu führen, dass sie ihrem Rat folgen müsse und dass dies auf Befehl des Herrn geschähe.

Von nun an verging kaum ein Tag, an dem sie die Stimmen nicht hörte."Sie sagte mir, es sei notwendig, daß ich nach Frankreich ginge. Zwei- oder dreimal in der Woche hat sie mir gesagt, ich müsse aufbrechen und nach Frankreich gehen, doch so, daß mein Vater nichts von meinem Aufbruch merke. Die Stimme sagte mir, daß ich nicht länger bleiben könne, wo ich war, und daß ich die Belagerung der Stadt Orléans aufheben müsse. Sie befahl mir außerdem, zu Robert de Baudricourt in die Festung Vaucouleurs zu gehen, deren Stadtkommandant er war... Ich antwortete, daß ich ein armes Mädchen sei, das nicht zu reiten und Krieg zu führen verstünde".

Hierbei muß man die Mentalität der Zeit betrachten. Aberglaube war im Mittelalter etwas Selbstverständliches. Die Überzeugung, dass die Welt von göttlichen oder teuf-lischen Mächten regiert werde, war eine tief im überlieferten Glauben verwurzelte Vor-stellung. Wunder und Prophezeiungen galten als ein Zeichen der ständigen Verbindung des Natürlichen mit dem Übernatürlichen. Die Heiligenlegenden, die jeder von Kind auf hörte, waren für ihn ebenso wirklich wie das, was er alltäglich um sich sah.

2.3. Die Religiöse Berufung

Im Herbst 1428 setzten die Engländer mit der Belagerung von Orléans zum entscheiden-den Angriff auf das den Franzosen verbliebene Territorium an. Je bedrohlicher damit die Lage für Karl VII. wurde, desto mahnender wurden die Stimmen, die Johanna aufforder-ten, Baudricourt, den Stadthauptmann von Vaucouleurs, aufzusuchen, der sie zum König geleiten lassen werde. Dass sie dazu nie die Erlaubnis ihres Vaters erhalten würde, war ihr klar. Deshalb griff sie zu einer List, die zeigte, dass Johanna ein ungewöhnlich ge-scheites und pfiffiges Mädchen war, die verblüffend vernünftig handeln konnte.

Mitte Dezember 1428 bat sie ihren Onkel Laxart mit den Worten:"Gibt es nicht ein Wort aus früheren Tagen, daß Frankreich durch eine Frau zerstört und durch eine Jungfrau wiederaufgerichtet wird"? um Hilfe. Der erste Teil der Prophezeiung bezieht sich auf die Rolle, die Isabeau von Bayern in dem Vertrag von Troyes gespielt hat. Die Erinne-rung an den im Volk verbreiteten Spruch überzeugte Laxart und er brachte Johanna nach Vaucouleurs, wo sie von Baudricourt zweimal abgewiesen wurde.

Ende Januar 1429 zog Johanna, wiederum in Begleitung Laxarts, nach Vaucouleurs. Bei ihrer Ankunft entgegnete sie Jean de Metz, einem unterstellten Offizier:"Kein Mensch auf der Welt, weder ein König noch ein Herzog noch ein Kind des Königs von Schottland oder sonst einer kann das Königreich Frankreich wiedererlangen. Niemand wird ihm helfen als ich. Wahrlich, ich würde lieber neben meiner armen Mutter spinnen, denn hier ist nicht mein Platz, aber ich muß gehen, ich muß es tun, mein Herr will, daß ich so handle". Er fragte sie, wer ihr Herr sei, und sie antwortete, es sei Gott.

In Vaucouleurs wurde Johanna, die oft zur Messe und zur Beichte ging, eines Tages von Baudricourt und dem Priester Jean Fournier besucht. Der Priester hat eine Beschwörung mit ihr vorgenommen, indem er sie aufforderte, sich zu entfernen, wenn sie einen bösen Geist habe, andernfalls sich ihm zu nähern. Darauf sei sie auf den Knien bis zu den Füßen des Priesters gerutscht und betonte, dass sie eine gute Katholikin sei.

Einige Tage später wurde sie zum Herzog Karl II. von Lothringen, der kränklich war, nach Nancy gerufen. Aufgrund dieses Empfangs und durch den günstigen Ausgang der Beschwörung, durfte Johanna am 20. Februar nach Chinon zu Karl VII. gehen.

2.4. Vor dem König - Die Prüfungen

Am 1. März 1429 traf Johanna in Chinon ein, wo Karl VII. Hoflager hielt. Doch bevor sie zum König gebracht wurde, mußte sie sich einigen Befragungen unterziehen. Hierbei äußerte sie immer wieder:"sie habe zwei Aufträge vom Himmelskönig; erstens, die Bela-gerung von Orléans aufzuheben, zweitens, den König zur Salbung und Krönung nach Reims zu führen".Es war nicht verwunderlich, dass der König zögerte das Mädchen zu empfangen, doch seine und die bedrängte Lage Frankreichs zwangen ihn dazu."Ich er-kannte den König unter den anderen durch den Rat meiner Stimme, die ihn mir offen-barte. Ich sagte ihm, daß ich den Krieg gegen die Engländer führen wolle".Um die Wahrheit ihrer Aussagen zu prüfen, bat der König Johanna zu einem Gespräch. Über dessen Inhalt vermutet man, dass sie der Hoheit etwas nur ihm Bekanntes, offenbarte, indem sie ihm von drei Bitten erzählte, die er in einer Kapelle an Gott gerichtet habe.

Doch der König blieb mißtrauisch und unterzog sie nochmals gegen Ende März einer Prüfung. In seinem Gefolge reiste sie nach Poitiers, wo sie von hohen Geistlichen und Juristen examiniert wurde. Als einer von ihnen sie fragte, wozu es denn der Krieger bedürfe, wenn Gott ihr anvertraut habe, er wolle das französische Volk retten, antwor-tete sie:"Die Krieger werden kämpfen und Gott wird den Sieg verleihen"!

In diesen Befragungen beteuerte Johanna immer wieder, wie innig sie an Gott glaube und

dass folgende Ereignisse ihre Glaubwürdigkeit zeigen werden: die Befreiung von Orléans, die Königskrönung in Reims, die Eroberung von Paris und die Rückkehr des Herzogs von Orléans, der in der Schlacht bei Azincourt in englischer Gefangenschaft geraten war. Diese Voraussagen bestätigten sich auch, doch die letzten beiden erfüllten sich erst nach Johannas Tod.

Nach den Anschauungen jener Zeit war eine Jungfrau dagegen gefeit, vom Teufel beses-sen zu sein. Damit man auch in diesem Punkt sicher sein konnte, wurde Johanna in Poi-tiers von Yolande von Aragón, der Schwiegermutter Karl VII., an den intimen Partien ihres Leibes untersucht, wobei sie als wahre und unberührte Jungfrau befunden wurde.

In ihrem Gutachten befinden die Examinatoren, dass in Johanna nur Gutes, Jungfräu-lichkeit und Ehrlichkeit zu finden war. Aus diesem Grund dürfe der König sie nicht zu-rückweisen und sollte sie stattdessen mit einem ehrenvollen Geleit nach Orléans ziehen lassen und im Übrigen auf Gott vertrauen. Somit ließ man sie mit Rüstung und Gefolge unter dem Befehl von Jean d'Aulon nach Orléans ziehen. Ihr Ruf als einer von Gott gesandten Prophetin war weithin im Land verbreitet. In Tours bekam Johanna dann ihre Ausrüstung und ein Banner, der Lilien, Gottvater, die Weltkugel und kniende Engel mit den Worten " Jesus - Maria " abbildete. Ihr Schwert fand sie - wie sie von ihren Stim-men erfuhr - in der Kapelle von Sainte-Catherine de Fierbois hinter dem Altar.

2.5. Hoffnung und Glaube des Volkes

Als sie in Orléans ankam, waren bereits die Vorbereitungen für den Entsatz von Trup-pen, Proviant und Nachschub getroffen. Davon, dass Johanna ein Kommando innehatte, kann demnach keine Rede sein. Der Grund ihrer Gegenwart war ihre positive Einfluss-nahme auf den Kampfgeist der Truppe. Die Soldaten hatten großes Vertrauen zu ihr, ließen sich von ihrer Siegeszuversicht ermuntern und beichteten willig mit ihr.

Am 26. April 1429 setzte sich ein französischer Proviantzug in Marsch auf Orléans, das von den Engländern besetzt war. Wurde Johanna von Kriegsstrategien nicht unterrichtet, so geriet sie außer sich und stellte den Oberbefehlshaber Jean von Dunois zur Rede:"Im Namen Gottes, der Rat Gottes ist klüger und unfehlbarer als der Eure. Ihr habt geglaubt, mich zu täuschen, aber Ihrhabt Euch selbst getäuscht, denn ich bringe Euch bessere Hilfe, als Ihr sie je von einem Feldherrn oder einer Stadt erhalten könnt. Es ist die Hilfe des Königs im Himmel".

Am Abend des 29. Aprils wurde die Jungfrau in Orléans mit soviel Freude von sämtli-chen Leuten empfangen, als wäre sie ein Engel Gottes, denn sie hofften, durch ihre Ver-mittlung von den Feinden befreit zu werden. Da man zunächst den Angriff noch abwar-ten wollte, versuchte Johanna die Engländer verbal zu vertreiben, doch ohne Erfolg.

Als sich die Engländer am 5. Mai 1429 noch immer nicht in Frieden zurückgezogen hat-ten, setzten die Franzosen am 7. Mai zur Erstürmung des Forts der Tourelles an. Johanna, die immer in der vordersten Linie stand und die Soldaten im Namen Gottes an-feuerte, wurde schwer verwundet. Dunois wollte daraufhin den Angriff abbrechen, auch weil seine Männer erschöpft waren, aber Johanna ergriff ihr Banner und entflammte durch ihren leidenschaftlichen Angriffsgeist die niedergeschlagenen Truppen derart, dass sie die Attacke erneut aufnahmen und gegen das Außenwerk anstürmten, das sie am späten Abend einnahmen.

Als Johanna in der Dunkelheit nach Orléans zurückkehrte, wurde sie mit Jubel der Be-völkerung empfangen, die ihr allein den Sieg zu verdanken glaubte. Verglichen mit der Begeisterung, die das Volk ihr entgegenbrachte, war die offizielle Reaktion des Königs, dem man sofort den Sieg gemeldet hatte, zurückhaltend.

Bereits zehn Tage nach ihrer Ankunft, am 9. Mai, verließ Johanna Orléans und ritt mit Dunois und anderen dem König entgegen, der sich auf dem Weg nach Tours befand. Johanna bat den König abermals endlich seine Krone in Reims entgegenzunehmen, doch strategische Argumente sprachen dafür, zuerst die von den Engländern besetzten Städte und Burgen entlang der Loire zurückzuerobern. Dabei zeigte sich erneut, dass Johanna den Sieg der Soldaten entscheidend beeinflußen konnte:"Freunde, Freunde, auf, auf! Unser Herrgott hat die Engländer verdammt. Sie sind unser in dieser Stunde. Habt guten Mut"!

Obwohl es einige Verzögerungen durch die Stadt Troyes gab, konnte der König am 17. Juli 1429 in der Kathedrale von Notre-Dame seine Krone entgegennehmen.

Um auch die dritte ihrer Vorhersagungen zu realisieren, forderte Johanna Philipp den Guten von Burgund auf, sich mit dem König von Frankreich auszusöhnen und Paris frei-zugeben. Daraufhin ergriff Burgund die List eines Waffenstillstandes, der ihm Zeit gab sich mit England zu verbünden.

Am 14. August schien es in der Nähe von Senlis zu einer Entscheidungsschlacht zu kom-men, doch der König verharrte auf weitere Verhandlungen. Bei dem Sturm auf die Stadt am 8. September mussten sich die Franzosen aufgrund ungünstiger Vorbereitungen und schweren Verlusten nach Saint-Denis zurückziehen.

2.6. Gefangennahme und Inquisition

Anfang April 1430, brach Johanna nach Compiègne auf. Sie hörte erneut ihre Stimmen, die ihr die baldige Gefangennahme jedoch nicht Ort und Zeitpunkt weissagten. Vier Wochen später traf die Jungfrau in Compiègne ein, wo sie der anglo-burgundischen Besatzung entgegentreten wollte. Doch schwere Verluste trieben die Franzosen zum Rückzug, bei dem Johanna in burgundische Gefangenschaft geriet. Nach einigen Fluchtversuchen der Jungfrau und nach Verhandlungen mit dem englischen Bischof Pierre Cauchon, der sie der Hexerei bezichtigte, wurde Johanna für 10000 Frank an die Engländer verkauft.

Am 3. Januar 1431 ermächtigte der Kronrat von England Pierre Cauchon, der Gefange-nen wegen ihres Aberglaubens und ihrer Irrlehren gegen die göttliche Majestät den Prozess zu machen. Der Prozess begann am 9. Januar und wurde nach den Regeln der Inquisition durchgeführt, die den gegnerischen Richtern viel Spielraum ließen.

Das erste von den sechs öffentlichen Verhören begannen am 21. Februar in der Schloß-kapelle von Rouen, wo man versuchte Johanna unter vollständigen Eid zu stellen:"Aber über meine göttlichen Offenbarungen habe ich zu niemandem gesprochen und sie nie-mand anvertraut außer Karl, meinem König. Ich würde nicht darüber sprechen, auch wenn Ihr mir den Kopf abschlagt. Meine geheimen Ratgeber, meine Stimmen haben es mir verboten." Man befragte sie nach dem Vaterunser, ihrer Familie, ihrer Taufe sowie ihrer Kindheit und versuchte sie immer wieder zu verwirren oder bei Widersprü-chen zu ertappen, doch Johanna entgegnete ihnen geistesgegenwärtig und wortgewandt. Andere Schwerpunkte des Verhöres waren ihre Stimmen, die durch Zeichen verbürgte Sendung und die Männerkleidung. Mit Johannas kaltblütiger, meist vorsichtiger, mitunter auch kampflustiger Verteidigung konnten keine stichhaltigen Beweise für eine Ketzerin gefunden werden. Deshalb beschloss Cauchon, die nächsten sechs Befragungen künftig geheim in kleinem Kreise und in Johannas Zelle vorzunehmen, wo er sie dingfest machen wollte. Ihre Schwäche verleitete sie dazu über das Zeichen und den Engel zu reden, sowie über ihre Überzeugung ins Paradies zugelangen,was sie schon bald bereute.

In den nächsten beiden Mahnreden am 31. März und am 02. Mai 1431sollte Johannas Unterwerfung unter das Urteil der Kirche geklärt werden, doch sie betonte immer wie-der, dass sie sich nur dem Rat Gottes unterwerfe. Daraufhin bestätigte Cauchon, dass der Teufel Überhand behalten habe und dass Johanna bei Festhaltung an ihren Worten mit dem Feuertod bestraft werde:"Ich kann Euch nichts anderes sagen, und wenn ich das Feuer sähe, würde ich all das sagen, was ich Euch sage und täte nichts anderes".

Nach Verlesung der zwölf Schuldartikel: die Stimmen, der Umgang mit Heiligen, das Geheimnis mit dem König, die Männerkleidung, die Entfernung vom Elternhaus, Flucht, Aufruhr und die Ketzerei sich nicht der Kirche zu unterwerfen, sollte die Jungfrau am 24. Mai dem Scheiterhaufen geopfert werden, doch da ihre Kräfte entwichen, schwörte sie ab und wurde zu lebenslanger Haft bei Wasser und Brot verurteilt. Drei Tage nach ihrem Widerruf, am 27. Mai wurde Johanna rückfällig und legte erneut Männerkleidung an. Die Gründe dafür waren die Versuche der Vergewaltigung der Wächter und ihr schlechtes Gewissen Verrat an ihren Stimmen begangen zu haben.

Aus diesem Grund wurde Johanna am Morgen des 30. Mai zum Alten Marktplatz ge-führt, wo sie um ein Kreuz bat und sich weinend Gott und ihren Heiligen empfahl. Als die Flammen aufloderten rief sie wieder und wieder Jesus, bis der Rauch ihre Worte erstickte. Ihre Asche wurde auf Befehl des Bischofs von Winchester in die Seine geworfen. Das Herz blieb jedoch unversehrt.

3. Jeanne d'Arc als kulturelle Bereicherung für die nachfolgenden Generationen

3.1. Die Heiligsprechung - der 16. Mai 1920

Fünf Jahre nach dem Tode Johannas 1436, befand sich Paris wieder in der Hand Karls VII., im November 1449 konnte er in Rouen einziehen, das 30 Jahre lang unter englischer Besatzung gestanden hatte. Hier lagen die Akten des Prozesses aus dem Jahr 1431und lebten viele Zeugen jener Zeit. Das erklärt, freilich nur zum Teil, warum der König sich erst jetzt bereit fand, das Urteil anzufechten, durch das auch er betroffen war, denn es bedeutete ja, dass es eine Ketzerin war, der er seine Krönung in Reims verdankte. Indessen stand es nicht in seiner Macht, das Urteil eines kirchlichen Gerichts aufzuheben. Er hatte nur die Chance, eine Wiederaufnahme des Prozesses zu erwirken. Im Februar 1450 wollte er die Wahrheit über den Prozess von Guillaume Bouillé wissen. Aus diesem Grund wurden im März sieben Zeugen befragt, die die alleinige Schuld der Engländer beteuerten. Aber der Vatikan konnte nicht auf dieser Linie operieren, er hätte damit das katholische England, dessen Hilfe er im Kampf gegen die Türken brauchte, schwer verstimmt. Es vergangen fünf Jahre bis zum Wiedergutmachungsverfahren, wo viele Erkundigungen über das Leben der Jungfrau eingezogen wurden.

Ausschlaggebend für das erneute Verfahren war ein Brief von Jeannes Mutter Isabelle, die gegen das Urteil ankämpfte. So wurde am 7. November 1455 in Paris ein Rehabili-tationsprozess abgehalten, wo Isabell d'Arc die Richter Cauchon, Lemaitre und d'Estivet anklagte, die seltsamerweise alle gestorben waren.

Vom 28. Januar bis zum 11. Februar fanden zunächst Zeugenvernehmungen in ihrer Heimat statt, die sich mit Johannas Aussagen vollkommen deckten. Bei der Zeugenver-nehmung in Orléans, Paris und Rouen zogen sich alle beteiligten Beisitzer jämmerlich aus der Affäre. Entweder konnten sie sich an nichts mehr erinnern, standen unter Druck der Engländer oder waren fest von Johannas Unschuld überzeugt ohne den Mut zu haben es auszusprechen. Es wurde deutlich, dass bei dem ersten Prozess enorme Verfahrens-mängel vertuscht worden waren, die jetzt langsam zu Tage traten. Nachdem die Richter und Theologen das gesamte Material studiert hatten, fand am 7. Juli 1456 in Rouen in großer Öffentlichkeit die feierliche Urteilsverkündung statt, wo der genannte Prozess als Lüge und Irrtum charakterisiert wurde. Des weiteren wurde die Ungültigkeit dieses Ur-teils ausgerufen. Nach dieser Ehrenrettung Johannas hielt sich der Vatikan jahrhunderte-lang zurück. Erst im 19. Jahrhundert wurde ihre christliche Glaubwürdigkeit, ihre Rein-heit und ihre seelische Standhaftigkeit gepriesen. Aber erst 1909 wurde Jeanne d'Arc durch Pius X. selig gesprochen, am 16. Mai 1920 erfolgte ihre Heiligsprechung durch Papst Benedikt XV.

3.2. Literarische und künstlerische Bezugsperson

Kaum eine andere Gestalt der Geschichte ist in der Literatur so häufig und vielfältig behandelt worden wie Jeanne d'Arc: angefangen von Volkslied, Ballade, Melodram über Pantomime und Oper bis zur großen epischen und besonders dramatischen Dichtung.

In den wenigsten Fällen halten sich die Dichter an die geschichtliche Realität - bedeuten- des Beispiel: Schillers romantische Tragödie. Dabei ist Johannas Individualität und ihr Schicksal stärker als jede freie dichterische Erfindung, die sich darüber hinwegsetzt.

Die erste dramatische Dichtung ist das anonyme " Mystère du siège d'Orléans ", das von den Bürgern von Orléans im Freien aufgeführt wurde. Es stammt aus der Zeit bald nach Johannas Hinrichtung und wurde mit einem riesigem Umfang sowie einem unübersehbar reichen Personenbestand aufgeführt. Hier erschien die Jungfrau als eine puppenhafte Märtyrerin, die in ihrer Heldenrüstung auftauchte. In derselben Zeit befasste sich auch Francois Villon mit großen Frauengestalten, denen er auch Johanna zur Seite stellte:

Et Jehanne la bonne Lorraine

qu' Anglois brulerent à Rouen -

où sont-ilz, Vierge souveraine ?

Mais où sont les neiges d' antan ?

Die Renaissance - Dramatiker des folgenden Jahrhunderts haben aus dem vorhandenen Material eine konventionelle Heldin, der jede Ursprünglichkeit fehlt, konstruiert und, ohne ihrer Taten gebührend zu gedenken, kunstvolle Tragödien nach klassischem Muster auf die Bühne gestellt.

Das Gegenstück zu der frommen und tugendhaften Kriegerin entwarf Shakespeare in "Heinrich VI.", dessen Autorschaft an dem Stück allerdings umstritten ist. Die Jungfrau erscheint hier als schamlose Zauberin und Hexe, die Schwangerschaft vortäuscht, um dem Scheiterhaufen zu entgehen.

Mitte des 17. Jahrhunderts stellte Jean Chapelain mit seinem Gedicht " La Pucelle ou la France délivrée " zum erstenmal Johannas Bindung an den Staat in den Vordergrund.

Der Kirchenfeind Voltaire benutzte die Abhandlung Johanna, um eine Verhöhnung der Kirche vorzunehmen, was Johannas Ruf zeitweise schädigte. Dagegen konnte auch 1796 der schwache Versuch des Lyriker Robert Southey die Jungfrau als Lichtgestalt zu prä-sentieren, nichts ausrichten.

Eine Fülle von Jeanne d'Arc-Dichtungen brachte das 20. Jahrhundert, doch nur Bernard Shaw gelang es Johanna in ihrer Geschichte darzustellen und die Genialität ihres Wirkens hervorzuheben.

Eine gestelzte Modernisierung nahm Berthold Brecht vor, der Johanna mit einem Be-kenntnis zur radikalen Revolution sterben ließ.

Das einzige Stück, in dem sich Poesie und Historie zu einer Einheit verbinden, ist Jean Anouilhs " L'Alouette ". Vor den Richtern erlebt Johanna in der Rückschau nochmals ihr Dasein, mit dem Höhepunkt der Krönung zu Reims.

4. Die Figur der Johanna in der Gegenwart

4.1. Der Kinofilm " Johanna von Orléans "( Luc Besson, 1999)

Bevor ich meine Analyse bzw. Kritik des Films präsentiere, möchte ich zuerst den Inhalt eines Artikels aus dem französischen Magazin Ecoute vorstellen. Auf diese Weise hat man die Möglichkeit eines Vergleiches.

Zu Beginn des Textes werden berühmte Filmemacher wie z.B. Otto Preminger und Carl Dreyer vorgestellt, die sich vor längerer Zeit mit der Jungrau von Orléans beschäftigt hatten. Danach wird ein Bezug zum heutigen Starregisseur Luc Besson hergestellt, der von dem Mythos der Jeanne d'Arc inspiriert wurde. Die Ecoute charakterisiert seine Filmversionen als glaubwürdig und gleichzeitig als neu aufbereitete und moderne Arbeit. Außerdem wird die These aufgestellt, dass Bessons Ausarbeitungen ohne weiteres mit amerikanischen Kultfilmen konkurrieren können. Als besonders beeindruckend und realitätsnah wird seine Darstellung des geschichtlichen Hintergrunds zur Zeit des Hun-dertjährigen Krieges beschrieben: Jeanne d'Arc erscheint als zehnjähriges Mädchen. Ihr Dorf wurde von den Engländern geplündert und ihre Schwester wurde vor ihren Augen vergewaltigt und getötet. Hier erklärt Besson, dass er in dieser schrecklichen Szene den Grundstein für die Herkunft ihrer Stimmen und die Inspiration ihres Wirkens sieht.

Es wird deutlich, dass der Regisseur sich während des Drehens hauptsächlich mit zwei Fragen befasste:Qui était réellement Jeanne d'Arc? ( Wer war Jeanne d'Arc wirklich?)

Quels documents avons - nous sur sa vie? ( Welche Dokumente haben wir über ihr Leben? )

Besson berichtet weiter, dass man über das äußere Erscheinungsbild der Jeanne d'Arc nur sehr wenig weiß, aber dass über ihre Person sehr wahrheitsgemäße Aussagen gemacht werden können, denn die Aufzeichnungen von den Prozessen halfen bei einer fast exakten Wiedergabe der Dialoge und ihres Charakters. Des Weiteren unterstreicht Besson deutlich die Schlagfertigkeit und den Mut Jeannes, den sie immer wieder in Gesprächen mit dem Bischof Cauchon beweist:

- Comment était saint Michel quand il vous apparaissait? Était-il nu? ( Cauchon )
- Pensez-vous que Dieu n'ait pas de quoi l'habiller?
( Jeanne )
- Avait-il des cheveux?
( Cauchon )
- Pourquoi les lui aurait-on coupés?
( Jeanne )

Abschließend kann man sagen, dass die Zeitschrift Ecouteden Film "Johanna von Orléans" von Luc Besson als beeindruckend und fesselt beschreibt. Von Kritik und Mängel ist hier keine Rede. Aber ist das wirklich so?

Aufgrund dieser Frage habe ich den Film nach folgenden Gesichtspunkten untersucht:

die Personenkonstellation, die Darstellungsweise und die Wirkung auf den Zuschauer.

Besson stellt Jeanne als friedliebendes und sehr gläubiges Mädchen dar. Ihre Kindheit scheint harmonisch und ihr Verhältnis zur Familie bzw. zum Priester wird als etwas ganz Besonderes beschrieben. Doch mit zehn Jahren nimmt Jeanne zum ersten Mal Visionen und Stimmen wahr, die ihr nahelegen auf sich aufzupassen und sich tugendhaft zu ver-halten. Bei den Offenbarungen handelt es sich um einen Jungen ihres Alters, der ihren Namen ruft. Zu diesem Zeitpunkt kann man noch nicht sagen, um wen es sich handelt.

Bei einem Überfall feindlicher Truppen wird Katherine von den Engländern brutal vor den Augen ihrer jüngeren Schwester Jeanne vergewaltigt und umgebracht. In Anbetracht der Tatsache, dass sich Jeanne apathisch und abwesend verhält, erkennt der Zuschauer schnell die Intensität und die Auswirkungen dieser Szene für ihr weiteres Leben. Besson schafft es mit seiner grausamen aber realitätsnahen Darstellung, den Leser völlig in das Geschehen einzubeziehen.

Auch bei ihrem Onkel verbleibt sie schweigend und in sich gekehrt. Erst bei der Beichte kann Jeanne ihren Schmerz und ihre Aggressionen herauslassen. Sie öffnet sich dem Priester und äußert die Bitte das Abendmahl zu erhalten, um mit Gott vereint zu sein. Als ihr dieses untersagt wird, nimmt sie es sich gewaltsam. In dieser Szene porträtiert Besson nun eine ganz neue Seite von Jeanne: Willensstärke, Mut und Entschlossenheit.

Danach setzt ein Zeitsprung ein: Besson überspringt einige Jahre von Jeannes Kindheit und beginnt erst wieder mit der Ankunft vor dem König in Chinon. Meiner Meinung nach hätte dieser Übergang etwas abgerundeter und vollendeter vollzogen werden müssen, da der Zuschauer sich ohne Hintergrundwissen nicht erklären kann wie Jeanne es geschafft hat zum König vorzudringen. Es bleibt unklar, warum sie sich plötzlich die Jungfrau von Orléans nennt und wie es dazu kam.

Im Kronsaal angekommen treibt der König erst sein Spiel mit ihr, indem er einen seiner Diener auf den Thron setzt. Er will Jeannes Glaubwürdigkeit überprüfen. Doch die Jungfrau erkennt den wahren König und löst im Saal Erstaunen aus. Besson stellt Jeanne in dieser Szene als ein fanatisches und euphorisches Bauernmädchen dar, die sich ihren Emotionen und Gefühlen ohne Bedenken hingibt. Ein Gespräch unter vier Augen und die Bestätigung, dass Jeanne noch Jungfrau ist, überzeugen den König, sie nach Orléans zu schicken. Denn wie es die Prophezeiung vorausgesagt hat, muss es eine Jungfrau sein, die Frankreich von der englischen Besatzung befreit.

In Orléans angekommen hat sich Johanna schweren Prüfungen zu stellen: Besson macht deutlich, dass die Männerdomäne keine Frau in Führungspositionen duldet. Im Gegen-teil, sie übergehen Jeanne in Entscheidungsfragen und messen ihrem Dasein keine Be-deutung bei. Dieses Verhalten zeigt sich deutlich bei dem Überraschungsangriff auf Orléans. Während die Männer schon auf dem Schlachtfeld kämpfen, befindet sich die Jungfrau in ihren Gemächern. Doch als sie dann endlich ihre Truppen erreicht hat, führt sie ihre ermüdeten Männer mit einer unglaublichen Motivation zum Sieg gegen England. Besson skizziert Jeanne hier als furchtlose und tapfere Frau, die die Naivität des Bauern-mädchens abgelegt hat und sich jetzt langsam den Respekt der Befehlshaber verschafft. Meines Erachtens ist Besson diese Darstellung sehr gut gelungen. Jeannes Entwicklung vom Mädchen zur Frau, die nun ein Heer führt und mit den obersten Befehlshabern diskutiert, wurde vom Regisseur sehr beeindruckend wiedergegeben.

Nach diesem Erfolg nehmen die Franzosen die Stürmung Lithorelles in Angriff, wo Jeanne schwer verwundet wird. Es erscheinen ihr erneut Visionen, die nochmals die Ver-gewaltigung ihrer Schwester wiederspiegeln. Die Tatsache, dass Besson diese Szene zum zweiten Mal aufgreift, zeigt, wie sehr sie Jeannes Wirken beeinflußt hat. Trotz ihrer Verletzung führt Jeanne die Truppen am nächsten Morgen zum Sieg. Aufgrund der vielen Toten zeigt sich Jeanne erschüttert und geistesabwesend. Auch ihre Visionen, in denen jetzt ein erwachsener Mann zu ihr spricht, werden von Blut und Tod heimgesucht.

Aufgrund des Sieges über Orléans kann der Dauphin nun endlich seine Krone in Reims entgegennehmen. Er hat sein Ziel erreicht und ist nun nicht mehr auf die Jungfrau ange-wiesen. Aus diesem Grund plant er mit seinen Räten die Abschiebung Jeannes an die Burgunder. In der Schlacht bei Compiégne wird die Jungfrau gefangengenommen. Wäh-rend Besson die Schlacht in Orléans sehr ausgiebig schilderte, wickelt er diese Gescheh-nisse sehr kurz ab. Er verwendet mehrere Zeitsprünge, die es dem Zuschauer etwas schwieriger machen den Ereignissen zu folgen.

Daraufhin verkaufen die Burgunder die Jungfrau an die Engländer. Während sie im Ge-fängnis sitzt erscheinen ihr erneut ihre Visionen, die jetzt in Form eines älteren Mannes erscheinen. Dieser Mann stellt Jeannes Handlungsweise in Frage und zeigt, dass nicht alles richtig war, was sie getan hat. Er versucht sie wachzurütteln, indem er ihr die Rea-lität vor Augen führt und sie somit in einen Gewissenskonflikt bringt. Besson beschreibt hier Jeannes religiösen Fanatismus, der sie in diese Lage gebracht hat.

Inzwischen läuft ein Verfahren wegen Ketzerei gegen Jeanne. Trotz ihrer Geistesgegen-wärtigkeit und ihrer Kühnheit schafft es die Jungfrau auf Dauer nicht, den Anspielungen der Richter zu entgehen. Sie wird misshandelt und verletzt, um sich bei den Verhören zu beugen. Jeanne bittet ihre Stimmen um Befreiung.

Kurze Zeit später erscheint sie auf dem Podest des Scheiterhaufens. Aufgrund der Versprechungen des Richters Cauchon schwört Jeanne ab. Sie wird erneut misshandelt, von den Zugeständnissen wird ihr keines zu teil. Aus diesem Grund legt Jeanne erneut Männerkleider an und wird kurze Zeit später auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Alles in allem fand ich die Darstellung von Besson gelungen: Die Position der Johanna kommt gut zum Vorschein und die Befreiung von Orléans zieht den Zuschauer in seinen Bann. Des Weiteren spickte der Regisseur seine Darstellung an einigen Stellen mit Witz und Ironie.

Dennoch missfallen mir die oben angesprochenen Zeitsprünge, die für den Zuschauer ein klares Verständnis des geschichtlichen Hintergrundes verhindern. Außerdem erscheint mir die Darstellung von Jeannes Visionen etwas überzogen.

4.2. "Jeanne d'Arc führt neuen Bestand an"

In dem Artikel "Jeanne d'Arc führt neuen Bestand an "aus der Nordsee-Zeitung vom 09.02.01, geht es um die Familie Timm, die dem wohl bekanntesten Kälbchen Schles-wig-Holsteins, Jeanne d'Arc, das "Gnadenheu" geben möchte.

Das Kalb symbolisiert den bäuerlichen Widerstand gegen die Tötung ganzer Rinderher-den. Immer wieder versuchten die Behörden der Familie das Tier, das sie dem Kieler Landwirtschaftsstaatssekretär in letzter Sekunde abgerungen hatten, wegzunehmen. Michaela Timm gründete mit dem Rot-Bunten einen eigenen Bestand, zumindest pro forma. So kann das Kalb am Leben bleiben. Des Weiteren möchte die Familie das Kalb "Max", das auch als Symbol des Protestes gegen die BSE- Krise diente, zu sich holen.

Die kleine Kuh " Jeanne d'Arc" soll mit der französischen Nationalheldin zwei Dinge gemeinsam haben: die Rolle als Freiheitskämpferin und die Rolle der ewigen Jungfrau.

Abschließend kann man sagen, dass Jeanne d'Arc auch noch heute Idol und Hoffnungs-schimmer für ihre Nachwelt symbolisiert und dass sie den ersten Schritt in eine bessere Zukunft bereitstellt.

5. Fazit

Abschließend möchte ich hier nochmal festhalten, dass die Erarbeitung dieser Thematik bzw. dieser Person eine sehr gute Erfahrung für mich war. Nach meiner langen und intensiven Vorarbeit bemerkte ich immer mehr, wie sehr mich diese Abhandlung fesselt. Doch gerade bei der Materialsammlung stieß ich schon auf einige Schwierigkeiten: Da der Zeitpunkt dieser Geschichte, das 15. Jahrhundert, sehr weit zurückliegt, fand ich unterschiedliche Darstellungen und Erläuterungen vor. Aus diesem Grunde musste ich Schwerpunkte setzen und zwischen mehreren Biographien abwägen. Dabei entschied ich mich für die Ausarbeitungen von Herbert Nette, da er seine Arbeiten mit mehreren Professoren abstimmte und stets Belege für seine Thesen gibt.

Als ich dann mit der schriftlichen Bewältigung des Themas begann, habe ich oft darüber nachgedacht, was dieses Mädchen schon alles in ihrem Leben bewegt und verändert hat.

Ich fragte mich häufig, ob eine Jugendliche heutzutage noch solche Werke verrichten und die Geschichte eines Landes vollkommen umkrempeln kann.

Während mich schon die Biographie und der geschichtliche Hintergrund interessierten, machte es mir am meisten Spass den Bezug zu aktuellen Bereichen herzustellen, wie z.B. zur BSE-Krise und zum Kinofilm. Des Weiteren verwendete ich eine Collage, um die Abhandlung der Jeanne d'Arc auch bildlich deutlich zu machen.

Abschließend kann man sagen, dass mich diese Persönlichkeit stark beeindruckt hat und dass ich diese Arbeit mit Freude und Begeisterung angefertigt habe.

 

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© RPI Loccum